Menschen und Personalien

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Allen Welsh Dulles

Beitrag von Dissident am Sa Nov 05, 2016 11:28 am

https://de.wikipedia.org/wiki/Allen_Welsh_Dulles  Allen Welsh Dulles (1893-1969) stammte aus einer Diplomatenfamilie u. wurde nach seinem Studium bereits 1916 für die USA zunächst in der Wiener Botschaft tätig, später in Bern --- Nach dem 1. Weltkrieg wirkte er mit seinem Bruder John Foster Dulles als Berater seines Onkels, des US-Außenministers Robert Lansing, bei den Verhandlungen zum Versailler Vertrag mit --- 1926 lehnte er einen Posten als Botschafter in Peking ab u. schied aus dem diplomatischen Dienst aus.

Allen Dulles folgte seinem Bruder John Foster Dulles als Anwalt in die auf das Auslandsgeschäft spezialisierte Wirtschaftskanzlei Sullivan & Cromwell, welche die Interessen ihrer Mandanten nicht nur rechtlich betreute, sondern vor allem mit Lobby-Arbeit u. gelegentlichen Public Relation-Inszenierungen --- Die Kanzlei vertrat US-amerikanische ebenso wie deutsche u. sonstige europäische Unternehmen. Hierzu zählten die Chase Bank der Familie Rockefeller, Ford, ITT, SKF, die I.G. Farben, die Belgische Nationalbank, die Erbauer des Panamakanals sowie die United Fruit Company, welche die mittelamerikanische Landwirtschaft kontrollierte. Die Kanzlei fungierte auch als verdeckter Platzhalter für Gesellschaftsanteile u. betrieb politischen Lobbyismus. Der zum Direktor von Sullivan & Cromwell aufgestiegene John Foster Dulles fungierte als der US-Generalrepräsentant des damals größten Chemiekonzerns der Welt, der I.G. Farben.
Allen Dulles, der zwischen den Weltkriegen Geschäfte mit deutschen Bankiers wie Hjalmar Schacht betreut hatte, vertrat 1936 auch Prescott Bush bei dessen Geschäften mit dem Deutschen Reich --- Die Gebrüder Dulles sprachen sich öffentlich gegen einen Kriegseintritt der USA aus, bis dies nach dem Angriff auf Pearl Harbor politisch nicht mehr opportun war.

OSS
Dulles war während des 2. Weltkrieges in der Schweiz Gesandter des nach Kriegseintritt der USA gegründeten US-Geheimdienstes Office of Strategic Services in Bern. Dulles tatsächliche Funktion war ein offenes Geheimnis: er diente als Anlaufstelle für Zuträger u. Widerstandskämpfer aus Nazi-Deutschland. Er arbeitete an der Aufklärung deutscher Pläne u. Aktivitäten u. stand in enger Verbindung zu dem Mitverschwörer des 20.7.1944 Hans Bernd Gisevius, der in Zürich als Agent der Abwehr tätig war. Dulles wichtigster Agent war der deutsche Diplomat u. Widerstandskämpfer Fritz Kolbe, der aufgrund der hohen Qualität seiner Informationen von Briten u. Amerikanern für einen Doppelagenten gehalten wurde. Kolbe lieferte regelmäßig Geheimdokumente über aktive deutsche Spione u. Pläne des Jagdflugzeugs Messerschmitt Me 262.

Das Urteil über Dulles Arbeit fällt zwiespältig aus. So unterschätzte er die psychologische Wirkung des Flächenbombardements auf die deutsche Zivilbevölkerung. Viele wichtige Informationen aus dem Widerstand wurden verkannt --- Wie viele US-Militärs war der Antikommunist der Ansicht, der vorzugswürdigere Gegner sei die damals mit den USA verbündete Sowjetunion, der die Westmächte etwa durch die Abhörprogramme ULTRA u. MAGIC gewonnenen taktischen Erkenntnisse vorenthielten.

Im Februar 1945 nahm der SS-General Karl Wolff über Schweizer Mittelsmänner (Max Waibel u. a.) Kontakt mit Dulles auf. Die Verhandlungen führten zum vorzeitigen Waffenstillstand in Italien am 2.5.1945, also 6 Tage vor der deutschen Gesamtkapitulation am 8.5.1945. Mit dieser Operation Sunrise bereitete Dulles schon früh eine Nachkriegskooperation mit Naziverbrechern vor, mit denen er den Kommunismus eindämmen wollte.

Über die Verschwörer des 20.7.1944 schrieb Dulles ein auch auf deutsch erschienenes Buch, das jedoch weder in den USA noch in Deutschland ein Verkaufserfolg wurde. Während seiner Jahre in Bern arbeitete Dulles u.a. mit einer Freundin u. ehemaligen Patientin von Carl Gustav Jung zusammen, der Amerikanerin Mary Bancroft. Bancroft übersetzte in Dulles' Auftrag für den US-Geheimdienst ein umfangreiches Manuskript von Hans Bernd Gisevius vom Deutschen ins Englische. Dulles hatte auch eine Affäre mit ihr. Bancroft brachte Dulles mit Carl Gustav Jung zusammen. Jung lieferte ihm seine Einschätzungen zur Psychologie hoher Nazis u. zur psychischen Situation der Deutschen im Krieg u. im NS. Dulles leitete diese Einschätzungen in seinen Berichten an die US-Regierung weiter.

Denkfabriken
Nach Auflösung des im Krieg improvisierten Geheimdienstes OSS 1945 setzte sich Dulles für die Gründung eines institutionellen Auslandsgeheimdienstes ein, kam jedoch aufgrund der unerwarteten Wiederwahl Trumans, dessen republikanischen Gegenkandidaten Thomas E. Dewey er unterstützt hatte, zunächst nicht zum Zuge. Stattdessen arbeitete er wieder bei Sullivan & Cromwell u. pflegte intensiv Kontakte durch von ihm regelmäßig veranstaltete Gesellschaften. Einer seiner Mandanten war Mohammad Reza Pahlavi.
1946 wurde Dulles Nachfolger von Russell C. Leffingwell als Präsident des Council on Foreign Relations (CFR). 1948 war er Vorstand im American Committee for a United Europe. Auf ihn ging die durch private Spenden u. vom US-Kongress finanzierte Initiative für Radio Free Europe zurück, das in den Sowjetblock sendete, sowie die verdeckte Finanzierung von antikommunistischen Medien, etwa der Zeitung "Der Monat", die auch zu einem Forum links eingestellter Intellektueller gegen den stalinistischen Kommunismus wurde. Sowjetische Medien griffen Dulles immer wieder an.
1950 trat er dem vom Journalisten Julius Epstein gegründeten privaten „Komitee zur Untersuchung des Massakers von Katyn“ bei, das von den Behörden den Zugang zu als geheim eingestuften Materialien verlangte u. schließlich die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses dazu, des Madden-Komitees, durchsetzte.

CIA
Dulles kritisierte die schließlich nach Provisorien 1947 neu geformte Central Intelligence Agency (CIA) als zu bürokratisch u. favorisierte damals statt klandestinen Aktivitäten öffentliche Propaganda durch private Institutionen, wobei er durchaus auch die Desinformation der US-Bevölkerung einbezog. Nach dem für die USA überraschenden Beginn des Koreakrieges, wo die CIA vor Ort keinen einzigen Agenten hatte, holte CIA-Chef Walter Bedell Smith den erfahrenen Geheimdienstmann 1950 als Berater u. verschaffte ihm eine damals geheim gehaltene Stelle als Direktor für spezielle Operationen. Hierunter fiel die Infiltration der Ostblockstaaten durch abgesetzte Agenten, die militärische Bewegungen beobachten sollten, der Aufbau eines Netzes an stay-behind-Agenten (Gladio) sowie Spionageflüge über der Sowjetunion. Dulles veränderte die als Nachrichtendienst gegründete Agentur zu einem kostspieligen militärischen Instrument, von dem Smith annahm, diese Funktion würde langfristig von militärischen Organisationen übernommen werden. Tatsächlich aber wurden verdeckte militärische Operationen zur Hauptfunktion der CIA.

1953 setzte der neue US-Präsident Eisenhower Dulles, der ihn bereits im 2. Weltkrieg in Europa beraten hatte, als Direktor der CIA ein, die statt von hohen Generälen nun erstmals von einem Zivilisten geführt wurde. Gleichzeitig fungierte Dulles Bruder John Foster Dulles als Außenminister, als dessen Instrument sich Dulles u. die CIA betrachteten.
Im März 1953 startete der US-Senator Joseph McCarthy eine Reihe von Untersuchungen zur potentiellen kommunistischen Unterwanderung der USA, wobei er auch die CIA ins Visier nahm. Auf Druck von Dulles forderte Vizepräsident Nixon McCarthy auf, wegen angeblicher Sicherheitsgefährdung Verhöre von CIA-Leuten zu unterlassen. Erstmals konnte Dulles die Immunität der CIA vor öffentlichen Untersuchungen sicherstellen, was ihm jedoch Kritik in der Presse einbrachte.

Nach seiner gewonnenen Präsidentschaftswahl beließ John F. Kennedy den zur Legende gewordenen Hardliner Dulles im Amt, um Kritik aus dem konservativen Lager vorzubeugen. Während der Regierungszeit Kennedys wurde Dulles Ziel immer größerer Kritik. Die proamerikanischen Regimes im Iran u. in Guatemala wurden als brutal u. korrupt angesehen. Nach der fehlgeschlagenen Invasion in der Schweinebucht, welche dem Ansehen der USA nachhaltig geschadet hatte, entließ Kennedy 1961 Dulles u. dessen Stellvertreter, verlieh ihm dabei jedoch noch die Medaille für Nationale Sicherheit. Als Nachfolger wählte Kennedy den ebenfalls als Hardliner geltenden Republikaner John McCone.

Warren-Kommission
Nach Ermordung Kennedys 1963 war Dulles ein umstrittenes Mitglied der Warren-Kommission, welche das Attentat aufklären sollte. Dulles forcierte von Anfang an die Alleintäterthese, was Ermittlungen in andere Richtungen blockierte. So spielte er die von Lee Harvey Oswalds Familie verbreitete Behauptung herunter, Oswald sei ein CIA-Agent gewesen u. vereitelte jede Spurensuche in Richtung CIA.

Vermittler im Rassismus-Konflikt

Allen Dulles wurde 1964 von Präsident Lyndon B. Johnson noch ein weiteres mal reaktiviert, um als von den Konservativen akzeptierte Integrationsfigur während der Krise um vermisste rassismuskritische Bürgerrechtler mit dem Establishment von Mississippi zu verhandeln. Selbst Dulles zeigte sich von der Mentalität der dem Ku-Klux-Klan nahestehenden Südstaatler entsetzt und vermochte nichts auszurichten; ebenso wenig gegen die rechtsgerichtete John Birch Society.

Dirty Tricks
Politische Morde und Menschenversuche    → Hauptartikel: Politischer Mord   → Hauptartikel: MKULTRA
Dulles, der bereits Attentate auf Hitler geplant hatte, akzeptierte politische Morde an ausländischen Staatsoberhäuptern als opportunes geheimdienstliches Instrument. So hatte er auch den sowjetischen Staatschef Stalin bei einem Besuch in Paris liquidieren wollen, was Smith, der von Truman zu allem freie Hand bekommen hatte, nicht zuließ. Als neuer CIA-Direktor befahl Dulles verdeckte Mordanschläge unter anderem auf Fidel Castro, Patrice Lumumba u. Rafael Trujillo. Auch die Liquidation des chinesischen Premierministers durch einen Anschlag auf dessen Flugzeug wurde erwogen. Der zu ungewöhnlichen Methoden neigende Dulles initiierte 1953 das CIA-Programm MK ULTRA (auch: MKULTRA), bei dem man unter anderem hoffte, Menschen durch Psychodrogen gefügig zu machen oder verdeckt zu vergiften. Im Rahmen von MK ULTRA wurden unter anderem tausende von Menschenversuchen durchgeführt. Dabei wurden oft willkürlich ausgewählte Versuchspersonen, darunter Gefängnisinsassen, Staatsbeamte u. Krankenhauspatienten, ohne ihr Wissen unter hochpotente psychoaktive Drogen wie LSD u. Mescalin gesetzt. Dabei sind mehrere Todesfälle detailliert dokumentiert, allerdings ließ der damalige CIA-Direktor Richard Helms 1972 sämtliche CIA-Akten zu dem Projekt vernichten, wodurch die damals gerade beginnende Aufklärung durch Untersuchungen des US-Kongresses (Church Committee) stark erschwert wurde. MK ULTRA war sowohl vor späteren US-Präsidenten als auch vor Dulles Nachfolger John McCone geheim gehalten worden.

Verdeckte Manipulation ausländischer Innenpolitik
In Frankreich finanzierte Dulles die Spaltung der Gewerkschaft, womit er deren kommunistischen Flügel schwächte. In Italien protegierte Dulles Personen aus der Mafia, deren italoamerikanischer Zweig im 2. Weltkrieg bei der Eroberung Italiens mit dem OSS kooperiert hatte.

Verdeckte Staatsstreiche

Nachdem der Iran Sympathien für die Sowjetunion zeigte u. dort Mohammad Mossadegh zum Premierminister gewählt wurde, ließen die Dulles-Brüder 1953 mit gekauften, tatsächlich jedoch apolitischen Iranern Aufstände zugunsten des Schahs inszenieren, die über 100 Menschen das Leben kosteten. Dulles befand sich während des Umsturzes mit dem Schah, seinem früheren Mandanten, in Italien. Die Operation Ajax wurde über Jahrzehnte hin als erster großer Erfolg der CIA bewertet, der jedoch mit der iranischen Revolution ins Gegenteil umschlug (siehe dazu auch Blowback).
Begleitet von allerhand Desinformationskampagnen wie mit falschen Hoheitszeichen lackierten Flugzeugen u. imitierten Rundfunknachrichtensprechern inszenierte Dulles Staatsstreiche, bei denen er unter anderem den gewählten Präsidenten Guatemalas, Jacobo Árbenz Guzmán, 1954 stürzen ließ. Arbenz hatte zuvor die bislang von der United Fruit Company kontrollierte Landwirtschaft verstaatlicht, an der Dulles Aktien hielt u. die er als Anwalt u. Lobbyist vertreten hatte. Die Operation PBSUCCESS wurde von PR-Fachmann Edward Bernays den heimischen Medien als Revolution präsentiert.

Diese Geheimoperationen machten einen wichtigen Bestandteil der neuen Politik Eisenhowers während des Kalten Krieges aus. Der Strategie Teile und Herrsche folgend unterstützte die CIA rivalisierende Konfliktpartner heimlich auf beiden Seiten, weshalb sie bei den Revolutionen in Süd- u. Mittelamerika stets automatisch auf der Gewinnerseite stand. Sogar der kubanischen Revolution hatte Dulles Waffen geliefert.
Ebenso hätte die CIA-gesteuerte Invasion in der Schweinebucht als eine innerkubanische Angelegenheit erscheinen sollen, bei der ebenfalls maskierte Flugzeuge eingesetzt wurden. Der Presse präsentierte die CIA in Florida angebliche Flugzeuge desertierter Castro-Piloten, die allerdings modernerer Bauart waren als die des kubanischen Militärs.

Inlandsoperationen
Entgegen den strengen Postgesetzen ließ Dulles die Auslandspost überwachen. Obwohl die CIA nur im Ausland hätte operieren dürfen, war sie auch im Inland aktiv u. betrieb verdeckte Stützpunkte, die unter anderem in Kinos des mit der CIA kooperierenden Howard Hughes versteckt waren. In Florida u. Louisiana organisierte die CIA Trainingslager für Exilkubaner, die unter anderem die Invasion in der Schweinebucht vorbereiteten. Dulles befürwortete die Operation Mockingbird, ein Programm, das US-amerikanische Medienunternehmen beeinflussen sollte.

Desinformation
1956 spielte Dulles die heimlich beschaffte Geheimrede Chruschtschows, mit der dieser die Entstalinisierung einleitete, der New York Times zu. Nachdem die Sowjetunion die Rede nicht, wie erwartet, als Fälschung, sondern lediglich als ungenau bezeichnet hatte, lancierte Dulles scheinbar präzisere Versionen, welche Chruschtschows Friedenswillen unglaubhaft erscheinen ließen.

Höhenaufklärung
Auf Drängen von Dulles stimmte Eisenhower völkerrechtswidrigen Überflügen zu Spionagezwecken über der Sowjetunion zu, die der Öffentlichkeit gegenüber abgestritten wurden. Von der Existenz des von der CIA betriebenen neuen Höhenaufklärers U2 wurden im Weißen Haus nur 4 Personen informiert. Proteste der Sowjetunion gegen die Verletzung ihres Luftraums dementierte man als Propaganda. Wie von Eisenhower stets befürchtet, wurde dessen Glaubwürdigkeit 1960 nach einem Abschuss einer U2 beschädigt, nachdem die abgestürzte U2 zunächst als ziviles Forschungsflugzeug der NASA ausgegeben wurde, bis die Sowjetunion den überraschenderweise überlebenden Pilot Gary Powers der Weltöffentlichkeit als CIA-Mann präsentierte.

Sonstiges
Dulles' Schwester war die als „Mother of Berlin“ bekannte Diplomatin Eleanor Lansing Dulles. Seine Tochter Joan war von 1948-1953 mit dem österreichischen Verleger Fritz Molden verheiratet.

Werke:
- Germany’s Underground. Macmillan, New York NY 1947 . Iin deutscher Sprache: Verschwörung in Deutschland. Nachwort von Wolfgang von Eckardt, dem Übersetzer des Buches, Europa Verlag, Zürich 1948. (Eine Darstellung eines Teils der Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus, mit dem Dulles als Geheimdienstmitarbeiter während des Krieges in Verbindung gekommen war)
- als Herausgeber: Great True Spy Stories. Harper & Row, New York NY 1968 (in deutscher Sprache: Der lautlose Krieg. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1968).

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Paul Achleitner & Ann-Kristin Achleitner

Beitrag von Dissident am Mo Nov 07, 2016 10:32 am

http://www.lobbypedia.de/wiki/Paul_Achleitner  Paul Achleitner (*1956 in Linz) ist einer der mächtigsten Aufsichtsräte Deutschlands. Bei der Deutsche Bank ist er Vorsitzender u. bei Daimler u. Bayer Mitglied des Aufsichtsrat. Darüber hinaus ist er u.a. Mitglied des European Financial Services Round Table u. Beiratsmitglied der Münchner Sicherheitskonferenz.

Karriere
   seit 2012 Vorsitzender des Aufsichtsrats, Deutsche Bank
   2000 - 2012 Mitglied des Vorstands, Allianz SE (vormals Allianz AG)
   1994 - 1999 Geschäftsleiter (sowie Partner Goldman Sachs Group) Goldman Sachs & Co. OHG, Frankfurt
   1989 - 1994 Executive Director, Investment Banking, Goldman Sachs International, London
   1988 - 1989 Vizepräsident, Fusionen & Erwerb von Beteiligungen, Goldman Sachs & Co., New York
   1984 - 1988 Manager, strategische Unternehmensberatung, Bain & Co., Boston
   Ausbildung: Grundstudium und Promotion für Rechts- und Sozialwissenschaften an der Hochschule St. Gallen; Harvard Business School, ISP

Verbindungen / Netzwerke
   Deutsche Bank, Vorsitzender des Aufsichtsrats
   European Financial Services Round Table, Mitglied
   Bayer AG und Daimler AG, Mitglied des Aufsichtsrats
   Münchner Sicherheitskonferenz, Mitglied des Beirats
   Allianz Group, Mitglied des International Advisory Board
   Hong Kong-Europe Business Council, Co-Vorsitzender
   Bilderberg Konferenz, Teilnehmer
   Brookings Institution, Mitglied des Board of Trustees
   Harvard Business School, Mitglied des European Advisory Board

https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Achleitner --- Aufsichtsratsmandate bei der .. der RWE AG wahr u. ist Mitglied d. Gesellschafterausschusses der Henkel AG & Co. KGaA. Achleitner gehörte der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex an.
Vom 11. bis 14.6.2015 nahm er an der 63. Bilderberg-Konferenz in Telfs-Buchen in Österreich teil.
Er ist verheiratet mit der Wirtschaftsprofessorin Ann-Kristin Achleitner.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/ehepaar-achleitner-die-deutschland-wg/7515912.html Ann-Kristin Achleitner u. ihr Mann Paul wachen künftig über insgesamt 6 Dax-Konzerne. Das Ehepaar steht für den Trend zu professionellen Aufsichtsräten .. Kennen gelernt haben sich Ann-Kristin u. ihr Mann Paul beim Studium an der Elite-Hochschule St. Gallen. Seitdem legen Sie eine Karriere im Gleichschritt hin. Die beiden galten bereits als das „vielleicht einflussreichste Paar der deutschen Wirtschaft“ .. Und dann kündigte Mitte der Woche der Rückversicherer Munich Re noch an, die Münchener Professorin in den Aufsichtsrat berufen zu wollen ---
Ann-Kristin .. ist bereits Mitglied im Aufsichtsgremium des Handelskonzerns Metro u. des Industriegase-Herstellers Linde. Jetzt kommt die Munich Re hinzu ---
Die Wirtschaftsprofessorin ist zudem Aufseherin beim französischen Energieversorger GDF Suez u. der Schweizer Privatbank Vontobel ---
Grund zur Kritik. Zum einen können dadurch Seilschaften entstehen, zum anderen stellt sich die Frage, über wie viele Unternehmen man effizient wachen kann ---
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ist sie gern gesehener Gast; sie sitzt in der Jury des vom Handelsblatt verliehenen Wirtschaftsbuchpreises; für die Zeitung „Die Welt“ aus dem Axel-Springer-Verlag kürt sie erfolgreiche Unternehmen. Außerdem ist sie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Familienunternehmen ---
Das Ehepaar zieht sich auch möglichst aus der Öffentlichkeit zurück ---  zieht das Duo lieber im Hintergrund die Fäden ---

Leserkommentare: "Arbeitet Ms Achleitner auch für Mr. Blankfein?"

"Tippt mal bitte "Aufsichtsrat wechselt in Vorstand" und umgekehrt in Google ein. Es ist ein einziges Schmierengeflecht, Anreize zur harten Aufsicht bestehen doch gar nicht! Das erklärt im Übrigen auch die hohen Vorstandsgehälter."

https://de.wikipedia.org/wiki/Ann-Kristin_Achleitner --- Ann-Kristin Achleitner ist Mitglied der Trilateralen Kommission in Europa ---

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Zuletzt von Dissident am Mi Okt 25, 2017 3:40 pm bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Walter Nowotny

Beitrag von Dissident am Di Nov 08, 2016 3:06 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Nowotny  Walter Nowotny (1920-1944) .. meldete sich als Offizieranwärter zur Luftwaffe --- Ausbildung in der Jagdfliegerschule C, auf dem Flugplatz Wiener Neustadt/West --- Am 1.10.1939 nach Breslau-Schöngarten einberufen. Zuerst flog er Jagdschutz für die Leunawerke, danach wurde er zum Jagdgeschwader 54 versetzt. Am 19.7.1941 schoss er seine ersten 2 Feindflugzeuge an der Ostfront ab. Er flog damals eine Messerschmitt Bf 109 E-7. 2 Tage später erhielt er im Luftkampf über der Insel Ösel Kanonentreffer eines sowj. Jagdfliegers. Es gelang ihm, diesen Gegner abzuschießen, allerdings musste er wegen Motorausfall in der Ostsee notwassern. Er trieb 3 Tage in einem Schlauchboot auf See u. wurde schließlich von Letten gerettet. Im August, nachdem ihm der 10. Abschuss gelang, erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse, 1 Jahr später, am 14.9.1942, für den 54. Abschuss das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Januar 1943 wechselte sein Geschwader auf die Focke-Wulf Fw 190. Am 3. Sept., nach seinem 191. Abschuss, erhielt er das Eichenlaub zum Ritterkreuz u. am 22. Sept. für seinen 220. Luftsieg die Schwerter zum Ritterkreuz mit Eichenlaub. Nach seinem 225. Abschuss wurde er zum Hauptmann befördert. Er war der erste Jagdflieger, der 250 Luftsiege erreichte (in 421 Einsätzen) u. bekam dafür die Brillanten zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern verliehen. Von Seiten der Flieger der sowj. Armee erhielt er, wie sein Bruder in der Biografie Walter Nowotnys schreibt, den Beinamen „Tiger vom Wolchowstroj“.
Februar 1944 wurde er zum Kommodore des JG 101 in Pau ernannt. In Achmer stellte Nowotny Mitte 1944 das nach ihm benannte Erprobungskommando Nowotny oder Kommando Nowotny auf. Dieses 1. Düsen-Jagdgeschwader weltweit testete die Flug- bzw. Luftkampfeigenschaften der Me 262 u. führte Abfangeinsätze gegen alliierte Bomberverbände durch. Am 8.11. wurde Nowotny beim Landeanflug auf den Flugplatz Achmer von einer Staffel Mustangs abgefangen u. abgeschossen. Es gelang ihm zwar noch, seinen Fallschirm zu öffnen, dieser verfing sich jedoch am Leitwerk seiner Maschine u. riss ihn in den Tod. Sein Tod wurde in der Wochenschau vom 23.11.1944 thematisiert.
An der Absturzstelle in Malgarten befindet sich noch heute ein Gedenkstein mit Überresten der Absturzmaschine u. folgendem Text:   „Hier fiel am 8. November 1944 nach 258 Luftsiegen der Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten Major Walter Nowotny für [Führer (später entfernt)] Volk und Vaterland.“

Insgesamt hatte er bei seinen 443 Feindflügen 258 Feindflugzeuge abgeschossen, die fünftgrößte Zahl unter den Jagdfliegern der Luftwaffe. Bis heute wird er deshalb als Fliegerass bezeichnet. Nowotny wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab der Stadt Wien beerdigt. Dem Grab wurde 2003 der Status als Ehrengrab aberkannt u. in ein Soldatengrab umgewandelt. Am Friedhof der Stadt Mistelbach befindet sich eine Ehrentafel ---
Mit den Stimmen von SPÖ u. Grünen wurde 2003, nach jahrelangen Diskussionen im Wiener Gemeinderat, die Aberkennung des Ehrengrabes für Walter Nowotny beschlossen. Okt. 2007 bekräftigte Wiens Bürgermeister Michael Häupl die Entscheidung über die Aberkennung ein weiteres Mal ---
.. im Juli 2007 wurde vom Wiener Stadtrat Johann Herzog (FPÖ), ORF-Chefredakteur Walter Seledec u. Hans-Jörg Jenewein (FPÖ) der „Verein zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny“ gegründet ---

Aus der Wikipedia-Diskussion: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Walter_Nowotny --- Aus www.doppeladler.com: Seine Erfolge verdankte Nowotny seiner Athletik, der blitzschnellen Reflexe, seinem guten Sehvermögen und einem ausgezeichneten Gefühl für Entfernungen. Zudem war er auch ein hervorragender Taktiker. Seine psychische Kraft und Ausdauer zog er aus seinem Glauben. Der ehemalige General der Jagdflieger Adolf Galland sprach nach dem Krieg über Walter Nowotny: "Nowotny war der beste Jagdflieger, den Deutschland je hatte! Obwohl er erst 24 Jahre alt war, brachte er eine besondere Eignung für höhere Kommandos mit. Ich glaube, er war in jeder Beziehung ein außergewöhnlicher Mann." Nachruf eines Feindes. Den Respekt, den ein erfolgreicher Jagdflieger im 2. Weltkrieg bei seinen Gegnern genoss, kann man heute nur mehr schwer nachvollziehen. Darum ist dieser zeitgenössische Text des französischen Fliegerasses Pierre Clostermann, 18 Abschüsse** im Dienste der Royal Air Force (freie franz. Streitkräfte), besonders interessant. Er schrieb in seinem Buch "Die große Arena": "Walter Nowotny ist gefallen ... Sein Name fällt an diesem Abend oft im Gespräch in der Messe. Wir sprechen von ihm ohne Groll und Haß. Jeder ruft in einem Ton der Achtung, ja beinahe der Zuneigung, die Erinnerung wieder herauf, die ihn mit ihm verbindet. Es ist das erste Mal, daß ich diesen Ton in der RAF vernehme; zum erstenmal auch erlebe ich, wie sich eine merkwürdige Solidarität zwischen allen Jägern offen Ausdruck gibt, eine Verbundenheit jenseits der einzelnen Tragödien und jenseits aller Vorurteile ... Wir grüßen heute einen tapferen Feind, den das Schicksal ereilt hat, erklären Nowotny zu einem der Unseren, der teil hatte an unserer Welt, in der weder Ideologien noch Haß, noch Grenzen zählen. Diese Kameradschaft hat nichts zu tun mit Patriotismus, Demokratie, Nationalsozialismus oder dem Gedanken an die Menschheit. Alle spüren das heute instinktiv. Die die Achseln zucken, können es nicht verstehen - sie sind keine Jagdflieger ... Schade, daß dieser Typ nicht unsere Uniform trug. Er wäre ein feiner Kerl gewesen."
- - -
http://web.archive.org/web/20071110030050/http://www.nexusboard.net/showthread.php?siteid=6365&threadid=296799 ---
Unter den Soldaten der Ostfront wird die Rotte bald als "Max und Moritz" gefeiert, denn ihre Opfer sind vor allem Flugzeuge, die sich im Einsatz gegen deutsche Bodentruppen befinden --- Februar 1943 bildet der inzwischen zum Oberleutnant beförderte Walter Nowotny mit Karl Schnörrer, Anton Döbele und Rudolf Rademacher seinen legendären Jägerschwarm, die "Teufelskette". Die 4 Piloten bilden ein perfekt eingespieltes Team, dem der Feind aufgrund ihrer Erfahrung, hervorragender Taktik und guter Ausrüstung nichts entgegenzusetzen hatte. Innerhalb eines Jahres erringt der Schwarm Nowotny etwa 500 bestätigte Luftsiege ---
Am 15.11.1943 bekommt Nowotny Feindflugverbot. Großdeutschland kann sich den Verlust eines Volkshelden nicht leisten. Januar 1944 bekommt er den Ehrenring der Stadt Wien. Der Versuch, erneut in ein Jägercockpit zu steigen, wird vom Führer persönlich unterbunden. Trotzdem kehrte er im Januar 1944 noch einmal für wenige Tage aktiv an die Ostfront zurück, bevor er im Februar 1944 endgültig abberufen wird. Nowotny wird jetzt als erst 23jähriger im April 1944 Kommandant der Jagdfliegerschule I in Pau (JG 101) --- Ohne dem 1943 verhängten Feindflugverbot hätte er zweifelsfrei noch wesentlich mehr Luftsiege errungen. Neben seinen offiziell bestätigten 258 Abschüßen , gab es noch weitere 50 unbestätigte Abschüße ---
Am 7.11.1944 besuchen Generalleutnant Galland u. Generaloberst Keller den Stützpunkt Achmer. Als Nowotny seinen Wunsch nach mehr Platzschutz-Jägern äußert, stellt Keller die Einsatzfreudigkeit der vorhandenen Piloten in Frage, was naturgemäß für Verstimmung sorgt. Am 8.11.1944 werden starke Bomberverbände gemeldet u. die beiden Generäle werden Zeuge eines Einsatzes. In Achmer u. Hesepe steigt je eine Rotte Me 262 auf, die beide je einen viermotorigen Bomber abschießen können. Doch ein Rottenflieger wird abgeschossen. Kurz darauf meldet auch der Pilot der verbliebenen Maschine der Hesepe-Rotte einen Triebwerksbrand u. steigt aus.
Nowotny hält nichts mehr. Er beschließt sich erneut über das Feindflugverbot hinwegzusetzen ,er hatte bereits 2 Bomber mit der Me 262 abgeschossen, u. lässt die "Weiße 8" startklar machen. Seine "Weiße 1" wird gerade überholt. Nowotny ignoriert den Befehl Gallands, nicht aufzusteigen. Auch der Triebwerksbrand bei seinem Rottenflieger kann ihn nicht von seinem Vorhaben abbringen. Er fliegt alleine los. Bereits kurz nach dem Start zu seinem 443. Feindflug schiesst Nowotny einen viermotorigen Bomber ab. Was dann passierte ist nicht eindeutig geklärt. Nowotny meldet sich über Funk mit: "Scheiße, scheiße! Meine Triebwerke! Meine Triebwerke!" Kurz darauf sieht man eine Me 262 mit brennenden Triebwerken senkrecht aus der Wolkendecke stoßen...
Die Maschine schlägt in der Nähe des kleinen Dorfes Epe auf. Karl Schnörrer, der ebenfalls beim Kommando Nowotny dient, eilt zur Absturzstelle. Er findet jedoch nur noch einen halbgeöffneten Fallschirm und Nowotnys sterbliche Überreste. Man nimmt an, dass sich Nowotnys Fallschirm am Leitwerk seiner Maschine verfangen hatte.
Vermutlich wurde Nowotny bei seinem Rückflug von 2 Piloten der USAAF abgeschossen ---
General der Jagdflieger Adolf Galland über Walter Nowotny: "Nowotny war der beste Jagdflieger, den Deutschland je hatte! Obwohl er erst 24 Jahre alt war, brachte er eine besondere Eignung für höhere Kommandos mit. Ich glaube, er war in jeder Beziehung ein außergewöhnlicher Mann."
Den Respekt, den ein erfolgreicher Jagdflieger im 2. Weltkrieg bei seinen Gegnern genoss, kann man heute nur mehr schwer nachvollziehen ---
Die Stadt Wien bot Walter Nowotny am 16.11.1944 eines der aufwendigste Begräbnisse des 20. Jahrhunderts. Staatsakt in der Hofburg, Prozession über den Ring auf den Wiener Zentralfriedhof und natürlich ein Ehrengrab --- Der gesamten Route entlang nahmen die Wienerinnen und Wiener Abschied von ihrem Volkshelden. Heute werden auf diese Weise nur noch Bundespräsidenten zu Grabe getragen ---
1958 wurde der Grabstein erneuert u. über einige Jahre hinweg stellte das Bundesheer an Nowotnys Todestag sogar Ehrenwachen auf. Das österr. u. das deutsche Verteidigungsministerium liess Kränze niederlegen. 1981 brachte das Institut für Münz- u. Medaillenkunst, München u. Wien, eine Nowotny-Gedenkmünze heraus ---

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Ioan Holender

Beitrag von Dissident am Sa Nov 12, 2016 10:51 am

https://de.wikipedia.org/wiki/Ioan_Holender  Ioan Holender (*1935 in Timișoara, Königreich Rumänien als Johann Hollaender) entstammt einer jüdischen Unternehmerfamilie. Sein Vater hatte in Timișoara eine Marmeladen- u. Essigfabrik, die 1948 enteignet wurde ---
Da seine Mutter bereits in Wien lebte, durfte er 1959 im Rahmen der Familienzusammenführung dort einreisen --- begann er, Gesang zu studieren. Nach dem Abschluss war er als Opernbariton u. Konzertsänger zuerst am Stadttheater Klagenfurt, später in St. Pölten tätig. 1966 trat er als Mitarbeiter in die Theateragentur Starka ein, die er nach einigen Jahren übernahm u. die letztlich als Opernagentur Holender bekannt wurde.
1988 wurde er vom designierten Direktor Eberhard Waechter zum Generalsekretär der Wiener Staatsoper ab 1991 berufen. Dies führte in den Medien zu teils heftiger Kritik, weil Holender vorgeworfen wurde, mit der amtierenden Staatsoperndirektion von Claus Helmut Drese vertragliche Verpflichtungen ausgehandelt zu haben u. zugleich bereits dessen Nachfolger zuzuarbeiten. Jene Sänger, so hieß es, deren Engagement er selbst der Staatsoper vermittelt habe, würde er nun zugleich als Mitglied der künftigen Opernführung kritisieren. (Waechter plante damals, das System der Abendverträge gastierender Künstler einzuschränken u. durch einen verstärkten Ensembleaufbau sowie längerfristige Gastverträge zu ersetzen.) Auch wurde geargwöhnt, Holender würde bei Engagements für die Spielzeiten Waechters gleichsam Sängerverträge mit seiner eigenen Agentur aushandeln. Schließlich zog sich Holender aus seiner Opernagentur zurück, die später innerhalb der eigenen Familie verkauft wurde.
Nach dem unerwarteten Tod Waechters im März 1992 wurde Holender am 1.4. desselben Jahres zum Direktor der Staatsoper bestellt. 4 Jahre lang führte er gleichzeitig die Volksoper Wien. --- Holenders Vertrag wurde 3x verlängert u. endete am 31.8.2010 ---
Holender ist Lehrbeauftragter am Institut für Theater-, Film- u. Medienwissenschaft der Uni Wien. Außerdem ist er Vorstandsmitglied der Europ. Musiktheater-Akademie.
Nov. 2011 wurde er zum Vorsitzenden des Vereins Timişoara Capitală Culturală Europeană (Temeswar Kulturhauptstadt Europas) gewählt.
Privat ist Holender in 2. Ehe verheiratet u. hat daraus einen Sohn u. eine Tochter. Seiner 1. Ehe entstammt der Jurist Adrian Hollaender. Holender ist der Cousin des österr. Regisseurs Robert Dornhelm ---

Wiki-Diskussion: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Ioan_Holender
--- Rumänische Namensumschreibungen: In Rumänien wurden nach dem 2. Weltkrieg alle deutschen (auch die ungarischen) Namen verrumänischt, vor allem alle Vornamen. Jeder Siebenbürger Sachse oder Banater Schwabe, der Hans geheissen hat, oder Johann, wurde so zu einem Ioan. Die Nachnamen haben die rumänischen Behörden meistens nicht angerührt, außer eben jene, in denen ein Umlaut drin war. Die konnten sie auf den rumänischen Schreibmaschinen gar nicht schreiben. Deshalb ist der Satz durchaus glaubhaft, dass Ioan Holender im Jahr 1935 eigentlich als Johann Hollaender geboren ist, ...
Diese Rumäniesierung der Namen wurde übrigens nie wirklich rückgängig gemacht. Die rumänischen Medien tun sich zB immer noch schwer die richtige Schreibweise des Hermannstädter Bürgermeisters hinzukriegen (oft schreiben sie Iohannis, statt Johannis). Ich kenne einige Personen die offiziell im Buletin immer noch Ioan heißen, sich aber jedesmal darüber ärgern, wenn deutschsprachige Medien diese Schreibweise übernehmen. Interessant ist allerdings, dass der Herr Holender nach seiner Auswanderung diese Rumänisierung des Namens nicht rückgängig machen hat lassen. Offensichtlich hat es ihn nicht so gestört. Dass sein Sohn Adrian aber wieder zur alten deutschen Schreibweise zurückgewechselt ist, zeigt aber, dass die Familie sich früher so geschrieben hat.

   Ich glaube nicht, dass hier eine andere Schreibweise vorliegt oder gar eine Umschreibung war, sondern dies schlicht ein Künstlername ist. Andernfalls hätte bereits in den 1970ern Holender zurückwechseln müssen, da in offiziellen Dokumenten sein Name mit Johann Hollaender richtigerweise geschrieben wird, da Künstlernamen in Dokumenten nicht verwendet werden können. Nachzulesen zB im Grundbuch 01512 Unterdöbling zur Einlagezahl 570. Dort ist bereits ein Kaufvertrag vom 18. Juli 1977 zur Tagebuchzahl 2880/1978 hinterlegt, in welchem die gleiche Schreibweise wie beim Rest der Familie angeführt ist. Vielleicht sollte der Zusatz eigentlich Johann Hollaender wieder eingefügt werden.

       Habe den Namen ergänzt, weil er tatsächlich Johann Hollaender heißt. Im Kaufvertrag wurde er zwar mit seinem Künstlernamen eingetragen, dies war jedoch nicht verbücherungsfähig und deshalb musste auf seinen richtigen Namen berichtigt werden. Künstlernamen sind nunmal nicht urkundenfähig.

Passt auch dazu:

https://www.youtube.com/watch?v=P1-dr_zqQyA

https://www.youtube.com/watch?v=o0C5qb6rgOs

https://www.youtube.com/watch?v=mX_qsc18QXw

https://www.youtube.com/watch?v=ZXHs7cy2rI8

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Adrian Eugen Hollaender

Beitrag von Dissident am Sa Nov 12, 2016 11:12 am

https://de.wikipedia.org/wiki/Adrian_Hollaender  Adrian Eugen Hollaender (*1971)  studierte er an der Uni Wien Rechtswissenschaften, promovierte 2001. Nach Ablegung der Anwaltsprüfung ist er zugelassener Rechtsanwalt --- leitete er das von ihm gegründete private Zentrum für Rechtsforschung in Wien --- Lehrberuflich war er an der 2001-2003 in Österreich als Privatuniversität akkreditierten International University Vienna als „Associate Professor“ tätig u. ist (Stand 2010) Lehrbeauftragter an der Babeș-Bolyai-Universität in Cluj-Napoca (dt. Klausenburg, Rumänien).

Größere Bekanntheit erlangte Hollaender durch eine regelmäßige Kolumne in der Kronen Zeitung, wo er sich im Einklang mit der Blattlinie im Vorfeld der Ratifizierung des Vertrages von Lissabon durch den österr. Nationalrat kritisch u. ablehnend mit der EU u. insbesondere dem Reformvertrag befasste. Nov. 2007 verfasste er ein Rechtsgutachten, wonach zur Ratifizierung des Vertrages in Österreich eine Volksabstimmung erforderlich wäre.
Weiters ist er der Hausanwalt von Richard Lugner u. versuchte in dessen Auftrag die Ladenöffnungszeiten zu bekämpfen ---
Er ist der Sohn aus 1. Ehe von Ioan Holender --- Gemeinsam mit seiner Mutter, der Schauspielerin u. ehem. Professorin an der Universität für Musik u. darstellende Kunst Wien, Ariane Hollaender-Calix, betreibt Adrian Hollaender eine Künstleragentur: http://www.hollaender-calix.at/index.php?area=team  ---

Rechtliche Auseinandersetzung um Professorentitel
Das Nachrichtenmagazin profil meldete nach Rücksprache mit der Babeş-Bolyai-Universität Zweifel an der Rechtmäßigkeit des von Hollaender geführten Titels (außerordentlicher) Universitätsprofessor an .. Der Medienanwalt Michael Rami brachte gegen Hollaender am Handelsgericht Wien eine Unterlassungsklage wegen unlauteren Wettbewerbs ein: „Der Beklagte [Hollaender] bezeichnet sich in der Öffentlichkeit seit Jahren u. bis heute […] als ,Professor’, ,Universitätsprofessor’ u. ,ao Universitätsprofessor’, ohne dass er zur Führung derartiger Titel in Österreich berechtigt wäre.“ Des Weiteren bemängelte Rami, dass sich Hollaender, „in der Klage wörtlich als ‚Fachschriftsteller‘ tituliert, sich auch der Leitung des von ihm selbst gegründeten ‚Zentrums für Rechtsforschung‘ respektive des Vorsitzes eines inexistenten parlamentarischen ‚Grundrechtkonvents‘ berühmt.“
Im Juni 2010 kam es auf Betreiben der Richterin zu einem Unterlassungsvergleich. Hollaender wurde es darin für die Zukunft versagt, in Österreich „im geschäftlichen Verkehr die Titel ‚Professor‘ oder ‚Universitätsprofessor‘ oder ‚außerordentlicher Universitätsprofessor‘ zu führen oder sich mit diesen Titeln bezeichnen zu lassen.“
In gleicher Weise wurde ihm mit diesem Vergleich versagt, sich als „Leiter des Zentrums für Rechtsforschung“ u. als „Vorsitzender der Veranstaltung Grundrechtskonvent“ zu bezeichnen. Nachdem gefordert wurde, den Wortlaut des Unterlassungsvergleichs auf Kosten von Hollaender im Österr. Anwaltsblatt, sowie in Fachpublikationen u. in mehreren österr. Tageszeitungen abdrucken lassen zu müssen, kam der Vergleich beinahe nicht zustande. Erst als die Veröffentlichung beschränkt wurde auf das Anwaltsblatt u. die Salzburger Nachrichten, sowie eine Reduzierung u. Ratenzahlung der Anwaltskosten vereinbart wurde, stimmte er mit einem „resignierenden Ja“ zu.

http://www.profil.at/home/ao-univ-prof-lohengrin-249737 --- Vom Erwerb höherer akademischer Weihen ist freilich nichts bekannt --- Auf die profil-Frage, ob u. womit er sich habilitiert habe, verwies Hollaender auf das rumän. Wissenschaftsministerium, das seinen Professorentitel "mit Brief u. Siegel" bestätige. Präsentieren wollte er das Dokument jedoch nicht --- Nachfrage bei der Universität Babes-Bolyai in Klausenburg/Cluj, wo Hollaender seine Professorenwürde erworben haben will: Der Vizedekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Sergiu Deleanu, kann lediglich bestätigen, dass Hollaender "seit mehreren Jahren Kurse zu Themen des europäischen Rechts und der Menschenrechte an unserer juristischen Fakultät hält" --- laut Toader Nicoara, Prorektor der Uni, ist Hollaender "nach rumänischem Recht jedenfalls kein Universitäts-professor, sondern Lehrbeauftragter, der mit einem rumän. Kollegen Vorlesungen bei uns hält". An der rumän. Botschaft in Wien betont die 1. Sekretärin Laura Cheie, dass der Titel Universitätsprofessor nach rumän. Recht an einen Lehrstuhl samt fixer Anstellung gebunden ist: "Herr Dr. Hollaender kann daher kein ordentlicher oder außerordentlicher Professor an der Universität von Klausenburg/Cluj sein."  --- Zum ersten Mal fiel der junge Mann 1995 auf, als er bei den Nationalratswahlen als Kandidat für die Freiheitlichen antreten wollte - sehr zum Entsetzen seines ausgewiesen antifaschistischen Vaters Ioan. Die politische Karriere des Filius währte aber ohnehin nicht lange. Gegen Hollaender wurden Vorwürfe wegen seiner Geschäftspraktiken als Künstlervermittler laut, die FPÖ trennte sich von ihm ---

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Christoph Waltz

Beitrag von Dissident am Mo Nov 14, 2016 10:02 am

https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Waltz  Christoph Waltz (*1956), Schauspieler u. 2-facher Oscar-Preisträger, besitzt die deutsche u. seit 2010 auch die österr. Staatsbürgerschaft. Bekanntheit erlangte er als SS-Standartenführer Hans Landa in "Inglourious Basterds" u. als Dr. King Schultz im Film "Django Unchained" --- Aus einer früheren Ehe mit einer US-Amerikanerin stammen 3 Kinder. Er ist mit einer Kostümbildnerin verheiratet u. hat mit ihr ein weiteres Kind. Er lebt in Los Angeles u. Berlin. Im österr. Bundespräsidentenwahlkampf 2016 unterstützt er Van der Bellen ---

http://www.news.at/a/christoph-waltz-sohn-leon-rabbi --- Sein Sohn wollte Rabbi werden. Leon Waltz lebt nach Rabbinat-Studium als orthodoxer Jude in London ---
Waltz' erste Frau Jackie, eine amerikanische Psychotherapeutin, ist jüdisch, deshalb sind es nach mosaischem Ritus auch Leon u. seine Schwestern Rachel u. Miriam ---

http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/25498/Default.aspx --- Waltz kam zur Hochzeit seiner Tochter Miriam, die in Israel lebt u. eine orthodoxe Jüdin ist. Auch ein Sohn des Schauspielers ist Jude u. Rabbiner in Israel. Beide Kinder sind von seiner ersten Frau, die in New York lebt, Christoph Waltz selbst ist jedoch nicht jüdisch. Heute ist er mit der Kostümdesignerin Judith Holste verheiratet ---

https://www.unzensuriert.at/content/0022300-ZIB-24-bot-Christoph-Waltz-eine-Buehne-um-ueber-brunzdummen-Irrsinn-zu-schwafeln-ORF?utm_source=Unzensuriert-Infobrief&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=Infobrief --- Waltz spielt üblicherweise fragwürdige Charaktere. In der ZIB blieb er seinem Rollenbild treu  --- .. gilt er, als sogen. Aushängeschild Österreichs, für den ORF prädestiniert, über diese „Katastrophe“ u. dieses „Desaster“ der US-Wahl zu berichten. In der ZIB 24 vom 10.11. gab Waltz sich dann sogar als Spezialist für die sozialen Netzwerke, denen er unterstellte, sie hätten durch ihre antidemokratische Energie Donald Trump überhaupt groß gemacht. Denn weil sozialen Netzwerken der Filter (der Obrigkeit, also die Zensur) fehlt, können diese Netzwerke Dinge mit negativen Inhalten verbreiten. (Etwa, daß es eindeutige Ursachen für ausufernde Kriminalität gibt)
Wegen fehlender Zensur hat der Wähler falsch entschieden
Und weil diese „kritischen Filter“, wie Waltz sie nannte, bei den sozialen Netzwerken (noch) nicht vorhanden sind, konnte es eben passieren, daß sich die Wähler anderweitig informieren u. wohl auch deswegen nicht im Sinne des Schauspielers gestimmt haben. Und weil das passiert ist, sprach Waltz von einem „brunzdummen Irrsinn“, der durch die sozialen Netzwerke verbreitet worden ist ---

Leserkommentare:
"Waltz der Christ, wollte Karriere machen, in Hollywood. Dazu hat er nicht nur standesgemäß geheiratet, sondern auch seinen beiden Söhnen das Studium zum Rabbi verordnet, das nur einer von beiden schaffte. Und siehe da es regnete Engagements, aus Hollywood, sogar einen Oskar gab es. Also Herr Waltz was ist jetzt brunsdummer Irrsinn, jemand der zu seinen Überzeugungen u. seiner Kultur steht, oder einer der sich der Karriere wegen verkauft?"

"Dem Orf ist vorzuwerfen, daß nur Walz alleine sich äußern durfte u. ihm nicht ein Felix Baumgartner gegenüber saß, der diesem Gebrabbel entgegen gehalten hätte."

"---  für die wirklich überzeugenden Nebenrollen als Psychopath bekam er auch letztendlich seine 2 Oscars, sodass ich schon langsam glaube, daß ihm die Darstellung des Psychopathen definitiv schon direkt angeboren ist ---"

".. Dumm wie 10m Feldweg, aber das dicke Portemonnaie, um es zu kaschieren und um in einer bunten, sicheren Wahnwelt zu leben. Und das Lumpenpack gilt der allumfassend verblödeten Jugend als Vorbilder..."

https://bachheimer.com/oesterreich .. krone.tv verriet er, dass er die Nationalratswahl in Österreich verfolgt hat und über das Ergebnis "deprimiert" war ..

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Hermann Nitsch

Beitrag von Dissident am Di Nov 15, 2016 3:02 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Nitsch  Hermann Nitsch (*1938), Maler u. Aktionskünstler, Vertreter des Wiener Aktionismus ---
Seine in Wien in der Öffentlichkeit abgehaltene Aktionsarbeit führte in den frühen 1960er Jahren zu ständigen Konfrontationen mit Behörden u. mehrwöchigen Gefängnis-aufenthalten, die ihn 1968 veranlassten, nach Deutschland zu übersiedeln. Nach Erfolgen des Orgien-Mysterien-Theaters Ende der 60er Jahre in USA u. BRD führte er während der 1970er Jahre in vielen europ. u. nordamerikan. Städten Aktionen durch. 1971 gelang ihm der Ankauf des Schlosses Prinzendorf aus dem Besitz der Kirche ---
Gastprofessuren an der Staatl. Hochschule f. Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main u. Hochschule für bildende Künste Hamburg unterrichtete Nitsch seit 1989 bis zu seiner Emeritierung an der Städelschule eine Klasse für Interdisziplinäre Kunst ---

In seinem theoretischen Buch „Orgien-Mysterien-Theater“ führte er aus, daß seine Aktionen u. Bilder bei Zuschauern zunächst Ekel u. Abscheu, dann eine Katharsis bewirken sollen. Die Ekel u. Abscheu auslösenden Provokationen u. die Verknüpfung von realen Tierkadavern u. realem Blut mit religiösen Inhalten wie der Kreuzigung u. der unbefleckten Empfängnis wird von Nitsch bewusst eingesetzt ---
2007 wurde das „Hermann Nitsch Museum“ im Museumszentrum Mistelbach eröffnet, was bei Teilen der Einwohnerschaft Mistelbachs zu Protesten führte ---

Aus der Wikipedia-Diskussion: https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Hermann_Nitsch
--- Es ist bei Wikipedia nie angebracht zu werten, sonst kann man dieses Projekt gleich zu Grabe tragen. Weiters ist es ziemlich anmaßend, jemanden seine Moralvorstellungen aufzudrängen ---
Was Nitsch durchführt (die Tiere werden vor den Aktionen nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen, Tierschutz, getötet) geschieht täglich millionenfach in allen Schlachthofen der Welt. Das "Skandalon" bei Nitsch ist, daß die Tiere nicht zu Zwecken der Ernährung getötet werden. Und das "Zerlegen" provozierend Blasphemie ? mit religiösen Inhalten verknüpft wird ---
Zitate aus Hermann Nitsches Werk "Die Eroberung Jerusalems":
Zitat: "...hat Christus eine Kuh getötet, legt er sich auf das auf dem Rücken liegende, abgehäutete und noch zuckende Tier, schleckt das Geschlechtsteil der Kuh und steckt seine Zunge tief hinein..."
Zitat: "...Christus leckt und schleckt den blutigen Kot von den aufgeplatzten Gedärmen und den Geschlechtsteilen der Frauen..."
Zitat: "...Homosexuelle springen auf den Panzer und begatten Christus, welcher laut und wollüstig schreit..." --QSQ 15:19, 27. Jan. 2008 (CET) ---
(Anm. Dissident: Solche Texte können auf Wikipedia veröffentlicht werden... ist das nicht Religions-Verächtlichmachung?)
--- Bei den von QSQ zitierten Sätzen handelt es sich um einige von vielen "Regieanweisungen". Sie mögen schockierend klingen, sind aber nur im Kontext des gesamten Werkes verständlich ..
Das Problem ist: Nitsch ist kein Künstler. Ein Künstler schafft Kunstwerke. Ein mit Blut u. Fäkalien überschütteter Nackter Mensch ist aber definitiv kein Kunstwerk. Sowas ist pervers u. eine Schande für die Österr. Kunstscene ..

https://www.unzensuriert.at/content/0016560-Nitschs-Projekte-kosten-Steuerzahler-Millionen
Nitschs Projekte kosten Steuerzahler Millionen! ---
Laut Waldhäusl wären es 12 Mio. € gewesen. Die Zahl wurde vom FPÖ-Politiker aufgrund der Beantwortung dreier Anfragen bestätigt. Beantwortete wurden diese Anfragen durch ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll, seinem Stellv. Wolfgang Sobotka u. Landesrätin Petra Bohuslav. Daraus ist ersichtlich, daß Hermann Nitschs Museum in Mistelbach, welches Mai 2007 eröffnete, mit 4,1 Mio. € gefördert wurde. Zusätzlich wurden 300.000 € für die Gestaltung der Außenanlagen des Museums gewährt. Das Museum wird jährlich mit max. 250.000 € gefördert, wobei es allerdings fürs „Jubiläumsjahr“ 2013 den Betrag von 325.000 € gab. Obwohl das Museum erst Mai 2007 eröffnete, wurden für den Betrieb des Museums 2006-2011 nicht weniger als 2.970.180 € an Förderung zur Verfügung gestellt. Dem nicht genug, erwarb die NÖ KulturwirtschaftsgmbH 51 % der Anteile der Museumszentrum Mistelbach BetriebsgmbH von der Stadtgemeinde Mistelbach. Für sein Schloss Prinzendorf stellte das Land zusätzlich noch 38.360 € an Denkmalpflege zur Verfügung

https://www.unzensuriert.at/content/0023932-Steuerhinterziehung-Frau-von-Hermann-Nitsch-verurteilt  Steuerhinterziehung: Frau von Hermann Nitsch verurteilt
Rita Nitsch musste sich deswegen vor Gericht verantworten u. wurde zu einer Geldstrafe von 290.000 € verurteilt. Letztendlich wurde ihr vorgeworfen, 190.000 € MWST u. 770.000 € Einkommenssteuer nicht abgeführt zu haben.
Aufmerksam wurde die Finanz aufgrund einer Anzeige des mittlerweile verstorbenen Detektivs Dietmar Guggenbichler siehe: http://doedr.forumieren.net/t11p175-menschen-und-personalien#1780. Ins Rollen kam die Causa, nach einem Einbruch ins Schloss des Blut-Künstlers, im Zuge dessen auch sein Safe geplündert wurde. Lt. Guggenbichler habe Rita N. ihn selbst auf eine falsche Fährte schicken wollen, doch die Anschuldigungen hätten sich nicht bestätigt. Vielmehr sei Guggenbichler Schwarzverkäufen auf die Spur gekommen. Letztendlich sei dem Detektiv sein Honorar nicht bezahlt worden, was wohl der Auslöser für die Anzeige gewesen sein dürfte. In Folge kam es zu einer Razzia der Steuerfahndung. R. Nitsch, die anfangs sämtliche Vorwürfe bestritt, bekannte sich der Abgabenhinterziehung schuldig. Die Verkäufe soll sie ohne Wissen ihres Mannes durchgeführt haben. Sie nahm das Urteil an. Da aber die Staatsanwaltschat u. der Vertreter der Finanzbehörde keine Erklärung abgaben, ist es noch nicht rechtskräftig.

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Anja Hagenauer

Beitrag von Dissident am Mi Nov 16, 2016 8:43 am

https://de.wikipedia.org/wiki/Anja_Hagenauer  Anja Hagenauer (*1969), SPÖ-Politikerin, 2009-2013 Abgeordnete zum Salzburger Landtag .. studierte Germanistik u. Geschichte an der Uni Salzburg .. Expertin in Fragen der Integration, Zuwanderung u. Diversität .. Seit 2014 Vize-Bürgermeisterin der Stadt Sbg ..

http://www.meinbezirk.at/salzburg-stadt/lokales/salzburg-ist-bunt-gemischt-es-gilt-diese-potentiale-zu-nutzen-d1597103.html --- Salzburg ist bunt gemischt ---
Potenzial, das es zu nutzen gilt“, betont Vizebürgermeisterin Hagenauer --- Im Mittelpunkt stehen heuer unter anderem die Themen Flucht u. Migration ---
Das stärkt unsere Gemeinschaft --- Aktuell sind wir mehr denn je gefordert --- Es geht um Geschlecht, Alter, Behinderungen, ethnische Herkunft, Religion u. Weltanschauung sowie sexuelle Orientierung. Es ist wichtig Vielfalt in allen Dimensionen zu erleben ---

http://www.forum-politik.at/t5498p50-identitare-bewegung-osterreich#128191 --- http://salzburg.orf.at/news/stories/2691914/ schrieb:
... haben Jugendliche die Diskussionsveranstaltung „Vielfalt in Gefahr - die neuen Formen des Rassismus“ der Stadt Salzburg gestört. Die Jugendlichen werden den .. „Identitären“ zugerechnet. An die 100 Teilnehmer wollten am Dienstag gerade mit dem Diskussionsabend gegen Rassismus beginnen, als 4 Jugendliche ein Transparent mit der Aufschrift „Vielfalt braucht Grenzen“ entrollten und .. Parolen in den Saal brüllten. „Danach haben sie ihre Sachen wieder gepackt u. sind verschwunden“, schilderte Vizebürgermeisterin Hagenauer die Szene.
... Per Facebook bekannte sich die Gruppe dazu u. sprach unter anderem davon, daß es in einem „überfremdeten Kontinent keinen Dialog auf Augenhöhe geben kann.“
„Was sehr bezeichnend war: Sie haben keine Dialogbereitschaft gezeigt“, betont Hagenauer - - - Zitat Ende
Abseits der Lebenslügen von ... Hagenauer zur Ergänzung die andere Seite:  http://iboesterreich.at/?p=1259 schrieb:
"Am 27.1.2015 besuchten einige Aktivisten der Identitären Bewegung Salzburg eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen des „Monats der Vielfalt“ in der TriBühne Lehen .. Da die Vision von Vielfalt, welche dort propagiert wird, an sich nichts mit Vielfalt, sondern mit der Flutung unseres Kontinents mit Fremden u. falscher Toleranz zu tun hat, ließen es sich die Aktivisten nicht nehmen aufzuzeigen was die „Jugend ohne Migrationshintergrund“ von ihrer kruden Ideologie hält.
Ein Transparent mit der Aufschrift „Vielfalt braucht Grenzen“ wurde gehisst um auf den Großen Austausch der Österreicher durch die Masseneinwanderung aufmerksam zu machen. „In einem überfremdeten Kontinent, in welchem die autochthonen Völker u. deren ethnokulturelle Identität untergraben werden, kann es keinen Dialog auf Augenhöhe geben! Kultureller Austausch braucht Maß u. Vielfalt braucht Grenzen. Solange unsere Städte überfremdet werden kann es keinen ehrlichen Dialog geben!“, so der Leiter der Identitären Bewegung Salzburg. Der kurze Vortrag endete mit den Rufen: „Heimat, Freiheit, Tradition! Multikulti Endstation!“ während Flyer ins Publikum geworfen wurden um diesen die Möglichkeit zu bieten sich selbst ein Bild von wahrer Vielfalt zu machen.
Angesichts des Vorwurfs der TriBühne Lehen, die Aktivisten wären nicht diskussionsbereit gewesen, ist hinzuzufügen, daß auch seitens der Veranstalter keine Dialogbereitschaft zu erkennen war: „Wir befanden uns bereits seit 30 Minuten im Saal u. das Klima war bereits vor Beginn unserer Aktion durch wüste Diffamierungen u. Extremismusvorwürfe gegenüber der IB vergiftet. Und das alles auf der bloßen Grundlage, daß ein Mitglied einige Wochen zuvor eine Mahnwache anmeldete. Auch nach der Polizei wurde gefragt, weshalb wir nicht glauben, daß eine Diskussion überhaupt zustande gekommen wäre.“ ..

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Edward Snowden - Teil 1

Beitrag von Dissident am Di Nov 22, 2016 3:54 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Snowden  Edward Joseph „Ed“ Snowden (*1983 ist ein US-amerikanischer Whistleblower u. ehem. CIA-Mitarbeiter. Seine Enthüllungen gaben Einblicke in das Ausmaß der weltweiten Überwachungs- u. Spionagepraktiken von Geheimdiensten – überwiegend jenen der USA u. Großbritanniens. Diese lösten 2013 die NSA-Affäre aus ---
Bis zu seiner Flucht nach Hongkong Ende Mai 2013 lebte er mit seiner Freundin auf der zum US-Bundesstaat Hawaii gehörenden Insel Oʻahu. ---

Snowden ist ein ehem. Agent, der als technische Fachkraft für die US-Geheimdienste CIA, NSA u. DIA gearbeitet hat. Bis Mai 2013 arbeitete er im Auftrag der NSA als Systemadministrator für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton im Kunia Regional SIGINT Operations Center. Im Rahmen seiner Tätigkeit hatte er Zugang zu Informationen, die als streng geheim eingestuft waren, u.a. über US-Programme zur Überwachung der weltweiten Internetkommunikation (PRISM u. Boundless Informant) sowie das noch umfassendere britische Überwachungsprogramm Tempora. Snowden übermittelte diese Informationen an die Filmemacherin Laura Poitras u. an den Guardian-Journalisten Glenn Greenwald, der sie im Juni 2013 ohne Angabe einer Quelle in Teilen veröffentlichte.

Am 9.6.2013 gab Snowden in Hongkong seine Identität gegenüber der Öffentlichkeit preis. Am 14.6.2013 erwirkte das FBI mit einer Strafanzeige u.a. wegen Spionage einen Haftbefehl gegen ihn. Snowden konnte Hongkong verlassen, saß dann aber geraume Zeit im Transitbereich eines internat. Flughafens in Moskau fest. Während seines dortigen Aufenthalts wurde auf diplomatischer Ebene um sein weiteres Schicksal gestritten.
Am 1.8.2013 vermeldete die Presse, dass Snowden von Russland Asyl erhalten habe. Nach Ablauf von 5 Jahren könne er einen Antrag auf die russ. Staatsangehörigkeit stellen. Am 7.8.2014 gab Snowdens Anwalt Anatolij Kutscherena bekannt, dass Snowden eine Aufenthaltserlaubnis für 3 Jahre in Russland bekommen werde; diese gelte seit dem 1.8.2014. In Deutschland wird Snowden vom Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck vertreten.
Am 29.10.2015 empfahl das Europ. Parlament den Mitgliedstaaten, alle Vorwürfe gegen Snowden fallen zu lassen u. ihm als Menschenrechtler Schutz zu gewähren.
---
Snowden verbrachte 4 Monate in der US Army Reserve, wo er als Rekrut der US-Special Forces einen 14-wöchigen Trainingskurs absolvierte. Diesen konnte er nicht beenden, da er ausgemustert wurde, nachdem er sich bei einem Trainingsunfall beide Beine gebrochen hatte. Während der 2. Phase seines Studiums arbeitete er ab 2004 als Wachmann für eine NSA-Einrichtung an der University of Maryland. 2005 brach er sein Informatikstudium ab.
Karriere
Noch 2005 wechselte Snowden zum Geheimdienst CIA, bei dem er als Techniker im Bereich der IT-Sicherheit aufgrund seines Talents relativ schnell aufsteigen konnte. 2007 entsandte ihn die CIA im Rahmen dieser Tätigkeit an die diplom. Vertretung der USA in Genf. Wegen seiner Sicherheitseinstufung habe er, so Snowden, bereits zu dieser Zeit in großem Umfang Zugriff auf geheime Dokumente u. Informationen gehabt. Da diese aber vor allem Menschen u. nicht Systeme betrafen u. er keine Menschenleben habe gefährden wollen, habe er von einer Veröffentlichung abgesehen. Nach Angaben von US-Regierungsvertretern vom Okt. 2013 fiel Snowdens Verhalten seinem Vorgesetzten bereits 2009 auf, als er im Rahmen seiner Arbeit für die CIA in Genf versuchte, Zugriff auf geheime Computerdateien zu erlangen. Demnach entschloss sich die CIA daraufhin, Snowden in die USA zurückzuschicken, was jedoch ansonsten keine weiteren Konsequenzen hatte.

Anschließend arbeitete er zunächst als freier technischer Mitarbeiter bei Dell in einer NSA-Einrichtung auf einer Basis der U.S. Army in Japan.
2009 wechselte Snowden zu der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton, über die er als externer Mitarbeiter in einem NSA-Büro auf Hawaii als Systemadministrator tätig war. Sein dortiges Leben vor der Veröffentlichung der PRISM-Dokumente bezeichnet Snowden als „sehr komfortabel“. Er habe einen sicheren Job u. ein Haus auf Hawaii gehabt sowie ein Jahresgehalt von etwa 122.000 US-Dollar (ca. 90.000 €) erhalten. Sein Spitzenverdienst in der Zeit davor habe bei 200.000 US-Dollar (ca. 153.000 €) pro Jahr gelegen.

Die Absicht, die Überwachungsmaßnahmen aufzudecken, sei ausschlaggebend gewesen, als er den Job als IT-Techniker bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton angenommen habe, die im Auftrag des US-Geheimdienstes NSA an der Internet-Überwachung beteiligt war, zitierte ihn die Hongkonger Zeitung South China Morning Post. Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Arbeit sind Snowden nach eigenen Angaben bereits 2007 gekommen.
Im Rahmen dieser Tätigkeit bei Booz Allen Hamilton habe er als Techniker auch Zugriff auf jene geheimen Unterlagen gehabt, die er später kopiert u. an die Presse weitergegeben habe. Mit der Begründung „Verstöße gegen die Firmenrichtlinien u. ethische Firmenpolitik“ beendete Booz Allen Hamilton am 10.6.2013 das Arbeitsverhältnis mit ihm u. versprach den ermittelnden Behörden, bei der Aufklärung mitzuwirken.
Seitdem Snowden Asyl erhalten hat, lebt er inkognito an einem unbekannten Ort in Russland.
Er ist seit 2014 Mitglied des Board of Directors der Freedom of the Press Foundation.

2016 veröffentlichte Snowden gemeinsam mit dem franz. Musiker Jean Michel Jarre den Techno-Track Exit, für den er einen Monolog in Form eines Manifests eingesprochen hat. Frühere Anfragen anderer Künstler bezüglich einer Zusammenarbeit hatte Snowden stets abgelehnt. Der Titel ist zudem auf dem Jarre-Album Electronica 2: The Heart Of Noise zu hören
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... soll er angeblich 1,7 Mio. Dateien auf einen USB-Stick kopiert u. die Kopien mit zu sich nach Hause genommen haben. Mitte Mai meldete er sich dann unter dem Vorwand, eine Art Epilepsie, von der er kurz zuvor erfahren habe, behandeln zu lassen, „für ein paar Wochen“ bei seinem NSA-Vorgesetzten ab. Am 20.5.2013 flog Snowden nach Hongkong. Von dort aus habe er die geheimen Dokumente zunächst an die Washington Post u. an den Guardian verschickt, die die Geschichte am 6.6.2013 schließlich öffentlich gemacht u. Teile der geheimen Dokumente veröffentlicht haben, zunächst ohne Snowdens Identität preiszugeben. Für seine E-Mails verwendete Snowden den Absender citizenfour ---
Am 9.6. gab er dem Guardian ein Video-Interview, in dem er sich als Informant zu erkennen gab. Nach den Dokumenten, die von Snowden an den Guardian weitergegeben wurden, hat das britische Government Communications Headquarters (GCHQ) beim G20-Treffen 2009 in London systematisch Politiker anderer Nationen überwacht. So wurden beispielsweise E-Mails u. Computer ausspioniert u. mittels Keyloggern weitere Daten gewonnen – auch noch über den G20-Gipfel hinaus ---
Da Snowden den Eindruck gewann, dass Obama in Bezug auf die Geheimdienstpolitik genau so weitermachte wie sein Vorgänger Bush, kam er im Laufe der Zeit zu der Überzeugung, dass er nicht länger warten könne u. die Existenz der Überwachungsprogramme öffentlich machen müsse. In einem Interview mit dem Guardian-Journalisten Greenwald sagte Snowden:    „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird. Solche Bedingungen bin ich weder bereit zu unterstützen, noch will ich unter solchen leben.“ ---

.. das FBI am 14.6.2013 Strafanzeige gegen Snowden erstattet hatte. Der Washington Post liegt eine Anzeige des FBI vor, in der ihm Diebstahl von Regierungseigentum, widerrechtliche Weitergabe geheimer Informationen sowie Spionage vorgeworfen wird (jede der 3 Straftaten ist mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren belegt). --- Dem Haftbefehl gegen Snowden folgte die Aufforderung an die Behörden in Hongkong, ihn so lange in Gewahrsam zu nehmen, bis ein Auslieferungsantrag gestellt werde

Flucht

Er war sich des Risikos von Anfang an bewusst, von den US-Geheimdiensten als Quelle der Veröffentlichung identifiziert u. mit Gefängnis bestraft zu werden. Er habe sich als Ziel Hongkong ausgesucht, weil sich die Sonderverwaltungszone dem Recht auf freie Rede u. auf politische Abweichung verpflichtet habe. So gebe es ein Recht auf politischen Widerstand, Demonstrationen auf der Straße seien erlaubt u. das Internet werde nicht gefiltert. Darüber hinaus glaube er, dass Hongkong als einer von wenigen Orten auf der Welt im Gegensatz zu vielen westlichen Regierungen unabhängig u. in der Lage sei, Forderungen der US-Regierung zu widerstehen. Er erhoffe sich, dass Hongkong ihn deshalb weder an die USA noch an China ausliefern werde. Snowden sagte, er sei sich bewusst, dass er seine Freundin, seine Familie u. sein Zuhause in den USA sehr lange nicht, vielleicht auch nie mehr wiedersehen werde, u. bat um politisches Asyl. Trotzdem befürchtet er, in eines der beiden Länder ausgeliefert oder von Mitarbeitern von US-Geheimdiensten oder deren Partner entführt u. gewaltsam in die USA verbracht oder „ausgeschaltet“ zu werden.

Zwar gibt es seit 1997 für Fälle krimineller Vergehen ein Auslieferungsabkommen zwischen Hongkong u. den USA, eine Auslieferung kann bei politischen Delikten jedoch verweigert werden. Zusätzlich könnte China, zu dem die halbautonome Sonderverwaltungszone Hongkong gehört, bei begründetem öffentlichen Interesse ein Veto gegen eine Auslieferung einlegen. Nicholas Beleguin von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch u. James Fallows von der Zeitschrift The Atlantic halten letzteres jedoch für unwahrscheinlich, da der Überwachungsstaat in China noch wesentlich exzessiver praktiziert werde als in den USA. Zudem könne die chin. Regierung keinerlei Interesse daran haben, mit der Unterstützung Snowdens einen Präzedenzfall u. ein Vorbild für Whistleblower im eigenen Land zu schaffen.
Dennoch erlaubte die Regierung von Hongkong Snowden zu fliehen, obwohl die USA unter Berufung auf das gemeinsame Auslieferungsabkommen um seine Verhaftung ersucht hatten. Es ist unklar, wie Snowden ausreisen durfte, obwohl die USA seinen Reisepass bereits annulliert hatten.

Laut Guardian-Interview habe Snowden auch in Betracht gezogen, politisches Asyl in Island zu beantragen, da es die Freiheit im Internet achte u. die gleichen Werte vertrete wie er selbst. Ein Asylantrag für Island kann nach Angabe der isländischen Botschafterin in Peking, Kristín Árnadóttir, nur in Island selbst gestellt werden, nicht aber von Hongkong aus, wo Snowden sich bis zum 23.6.2013 noch aufhielt. Das Internat. Moderne Medieninstitut in Reykjavík, das unter Mitarbeit der isländ. Politikerin Birgitta Jónsdóttir die Veröffentlichung der Collateral Murder-Videos durch Wikileaks unterstützt hatte, gab bekannt, es wolle Snowden dabei helfen, die Chancen auf Asyl in Island auszuloten, u. werde ihm zur Seite stehen, falls er ernsthaft in Island um Asyl ersuchen will. Am 21.6.2013 gab der isländ. Geschäftsmann u. Unterstützer von Wikileaks, Olafur Vignir Sigurvinsson, bekannt, dass er in China einen Privatjet gechartert habe, um Snowden einen sicheren Transport nach Island zu ermöglichen. Snowden könne – laut Sigurvinsson – zwar jederzeit mit dem Privatjet nach Island ausreisen, wolle dies jedoch erst tun, wenn er von der isländischen Regierung signalisiert bekäme, dass seinem in Island von ihm selbst zu stellenden Asylantrag dann auch tatsächlich stattgegeben u. er nicht in die USA ausgeliefert würde. Die isländ. Regierung sagte, sie stehe in informellem Kontakt zu Snowden, hätte aber noch nicht entschieden, ob sie ihm Zuflucht gewähren wolle oder nicht.

Die Moskauer Zeitung Kommersant berichtete, dass Snowden am 21.6. ein Aeroflot-Ticket gekauft habe mit Ziel Havanna, über Moskau. Am selben Tag habe Snowden im Russ. Konsulat seinen 30. Geburtstag gefeiert. Gleichwohl gaben sich Putin u. sein Pressesprecher überrascht von Snowdens Ankunft in Moskau.
Die South China Morning Post meldete am 23.6.2013, dass Snowden um 10:55 Uhr Ortszeit in Hongkong eine Maschine der russ. Aeroflot nach Moskau bestiegen habe, die russ. Hauptstadt aber nicht die letzte Station seiner Reise sei. Wenig später bestätigte auch die Hongkonger Regierung, dass Snowden Hongkong legal u. auf regulärem Wege in Richtung eines „Drittlandes“ verlassen habe. Begleitet wurde er dabei von Sarah Harrison, einer Mitarbeiterin von Wikileaks.
Am 23.6.2013 wurde bekannt, dass Snowden vom Flughafen Moskau-Scheremetjewo aus Asyl in Ecuador beantragt hat. Präsident Correa ließ die vom Londoner Konsulat ausgestellten Reisedokumente umgehend einziehen u. kündigte eine Bestrafung des Verantwortlichen an (Gerüchte kursierten, Julian Assange habe sich eingemischt). Ein Asylantrag könne erst endgültig geprüft werden, wenn sich Snowden auf ecuadorianischem Boden bzw. in einer Botschaft befinde. Dies läge nun „nicht in den Händen Ecuadors“, sondern der russ. Behörden.
Die Regierung Ecuadors forderte die USA auf, schriftlich darzulegen, warum sie Snowden nicht Asyl gewähren soll. Am 27.6.2013 drohte daraufhin der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Robert Menendez, Ecuador mit der Streichung von Handelserleichterungen: „Unsere Regierung wird Länder nicht für Fehlverhalten belohnen.“ Noch am selben Tag kündigte Ecuador das Zollabkommen mit den USA auf; das Land verzichte „unilateral u. unwiderruflich auf Zollvergüns-tigungen“. Zudem bot der ecuadorianische Kommunikationsminister den USA Entwicklungshilfen in Höhe der Handelsvergünstigungen (ca. 23 Millionen US-Dollar) an, mit der Auflage, sie für „Bildungsmaßnahmen zum Thema Menschenrechte einzusetzen“.

US-Präsident Obama sagte, er werde „keine Jets schicken, um einen 29 Jahre alten Hacker zu fassen“. Auch der venezolanische Präsident Nicolás Maduro positionierte sich gegen die US-Interessen u. ließ verlauten, dass Snowden bei einer entsprechenden Anfrage „fast sicher“ Asyl in seinem Land erhielte.
Am 1.7.2013 zitierte die Los Angeles Times einen nicht genannten russ. Diplomaten, dem zufolge Snowden in 15 Ländern Asyl begehrt haben soll – offenbar als Reaktion auf die ablehnende Stellungnahme Ecuadors mit der Begründung, „man könne keine politische Verfolgung erkennen“.
Währenddessen veröffentlichten mehrere Medien eine Meldung, nach der der russ. Präsident Putin Snowden Asyl in Russland angeboten haben soll unter der Bedingung:
   „Wenn er hier bleiben möchte, gibt es eine Bedingung: Er muss mit seiner Arbeit aufhören, die darauf gerichtet ist, unseren US-Partnern Schaden zuzufügen – so merkwürdig sich das aus meinem Mund auch anhören mag.“
Ebenfalls am 1.7. veröffentlichte die Whistleblower-Plattform Wikileaks eine (am 7.7. von Greenwald verifizierte) Stellungnahme Snowdens, in welcher er den USA vorwirft, „Staatsbürgerschaft als Waffe zu benutzen, indem man ohne rechtliches Verfahren seinen Reisepass für ungültig erklärt habe“. Des Weiteren nähmen ihm die USA das 14. Menschenrecht auf Asyl, indem sie auf diplomatischer Ebene Druck auf andere Staaten ausübten. In einem undatierten Brief an den ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa bedankte sich Snowden für Ecuadors Unterstützung bei seiner Flucht von Hongkong nach Russland; außerdem kündigte er weitere Veröffentlichungen an, „die dem öffentlichen Interesse dienen“.

Erzwungene Landung des bolivianischen Präsidenten

Für internat. Irritationen sorgte ein außerplanmäßiger Zwischenstopp des bolivian. Präsidenten Morales am 2.7.2013 in Wien u. eine Durchsuchung des Luftfahrzeuges durch österr. Behörden. Von einer Konferenz in Moskau kommend befand er sich auf dem Rückflug nach La Paz, als ihm die Überfluggenehmigungen für Frankreich, Spanien, Portugal u. Italien entzogen wurden, offenbar, weil das Gerücht aufgekommen war, an Bord der Präsidentenmaschine befände sich Snowden. Spanien u. Frankreich dementierten dies zunächst. Das franz. Außenministerium gestand später ein, dass es sich beim Entzug der Überfluggenehmigung um ein „administratives Missgeschick“ gehandelt habe. Morales konnte seinen Flug erst nach 12 Stunden fortsetzen. Lateinamerikan. Regierungen quittierten das Verhalten der involvierten europ. Regierungen mit heftigen Protesten. Nach Agenturmeldungen soll die US-Regierung Ländern, die ein Flugzeug mit Snowden an Bord auf ihrem Gebiet landen lassen, mit einer ernsthaften Verschlechterung der Beziehungen gedroht haben. Bolivien zog die Schließung der US-Botschaft in La Paz in Betracht. Le Monde diplomatique veröffentlichte einen Brief von Morales, in dem er den Flugverlauf schilderte.
In einer Resolution verurteilte die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) den Vorfall. Frankreich, Spanien, Italien u. Portugal hätten „klar gegen die Grundlagen internat. Rechts verstoßen“ u. müssten sich dazu erklären. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kritisierte den Zwischenfall ebenfalls u. betonte dabei die Unverletzlichkeit von Staatsoberhäuptern – diese hätten Immunität.

Nicht akzeptierte Asylanträge
Von Wikileaks wurde am 2.7.2013 eine Liste mit insgesamt 21 Ländern veröffentlicht, bei denen Snowden bereits am 30.6.2013 ein Asylgesuch gestellt haben soll, darunter auch Island u. Ecuador, die beide abgelehnt hätten, bei denen er sein Gesuch offenbar erneuerte ---
Die ablehnenden Länder verhielten sich sehr unterschiedlich. Während Frankreich dem Antrag mit dem Hinweis auf ein mit den USA bestehendes Auslieferungsabkommen begegnete u. Brasilien den Antrag unbeantwortet lassen wollte, sprachen Länder wie Indien u. Polen eine inhaltliche Ablehnung aus; man sehe keine Gründe für die Gewährung von Asyl.
Länder wie Ecuador, Finnland, Irland u. Spanien begründeten ihre Ablehnung formal mit dem Hinweis, dass ein Antragsteller sich auf dem Hoheitsgebiet des Landes aufhalten müsse. Dies war auch die österreichische u. isländ. Begründung. In Island allerdings versuchten 6 Oppositionsabgeordnete, Snowden über einen Parlamentsantrag die isländ. Staatsbürgerschaft zu gewähren, u. Österreich wies darauf hin, dass man Snowden nicht aus Österreich ausweisen würde, da kein internat. Haftbefehl vorliege.

Länder wie Norwegen, die Niederlande u. Italien nannten neben einem formalen auch einen inhaltlichen Grund für ihren abschlägigen Bescheid. Deutschland hingegen ließ mit der gewählten Formulierung offen, ob es wegen formaler oder inhaltlicher Gründe ablehnte.
Das Angebot Russlands lehnte Snowden zunächst aufgrund der daran geknüpften Bedingung Putins ab. Laut Spiegel haben nur China, Island, Kuba, Nicaragua u. Venezuela in den zurückliegenden 60 Jahren kein Auslieferungsabkommen mit den USA unterzeichnet.
Über Twitter berichtete Wikileaks am 5.7.2013, dass Snowden in 6 weiteren Ländern Asyl beantragt habe. Um eine mögliche Einflussnahme der USA zu verhindern, wolle man die einzelnen Länder nicht nennen.
4 Tage später, am 9.7.2013, bestätigte Venezuelas Präsident Maduro, einen Antrag von Snowden erhalten zu haben. Bereits am Vortag bestätigte die nicaraguan. Botschaft in Moskau ebenfalls, dass ihr ein Asylantrag von ihm vorliege. Ergänzend meldete der Spiegel, dass die Wirtschaft Nicaraguas dem Asylantrag ablehnend gegenüberstehe, da man – in weit größerem Ausmaß als Venezuela – auf die Zusammenarbeit mit den u. die Unterstützung durch die USA angewiesen sei.

Gewährtes Asyl
Am 12.7.2013 gab Snowden in einer auf WikiLeaks veröffentlichten Pressemitteilung bekannt, dass er ein Angebot Russlands annehmen würde, bis er sicher in eines der südamerikanischen Länder reisen könne, die ihm Asyl angeboten hatten. Ferner erklärte er, alle Asyl- u. Hilfsangebote angenommen zu haben. Er betonte, dank des venezolanischen Angebots nun offiziell Asylstatus zu haben, u. bezog sich dabei auf die Genfer Flüchtlingskonvention. In der Pressemitteilung fasste er die Situation aus seiner Sicht zusammen u. klagte dabei die seiner Meinung nach ungesetzlichen Handlungen versch. Staaten Nordamerikas u. Westeuropas in dieser Angelegenheit an. Der russ. Parlamentschef Naryschkin sprach sich dann dafür aus, ihm zumindest vorübergehend politisches Asyl zu gewähren, da sich dieser um die Menschenrechte verdient gemacht habe. Der russ. Präsident Putin erklärte jedoch, Snowden würde Russland bald verlassen. Am 1.8.2013 wurde bekannt, dass Snowden von Russland vorläufig für ein Jahr Asyl erhalten habe mit der Option, jeweils um ein weiteres Jahr zu verlängern. Nach 5 Jahren sei ein Antrag auf die russ. Staatsangehörigkeit möglich, so Pressestimmen.
April 2014 wurde Snowden in eine TV-Sendung des russ. Staatsfernsehens mit Putin zugeschaltet, wo Snowden diesem eine Frage zur Überwachungspolitik Russlands stellte. Kritiker warfen Snowden daraufhin vor, er habe sich von Putin für propagandistische Zwecke instrumentalisieren lassen. Im britischen Guardian verteidigte Snowden seine Teilnahme an der Sendung.
Am 31.7.2014 um Mitternacht lief sein befristetes Asyl aus, über den Antrag auf Verlängerung hatten die russ. Behörden noch nicht entschieden. Sein Anwalt Anatoli Kutscherena erwartete aber, dass er so lange in Russland bleiben könne, bis über seinen Fall entschieden sei. Am 7.8. wurde bekannt, dass Russland Snowden eine weitere Aufenthaltserlaubnis für 3 Jahre erteilt hat. Die Aufenthaltsgenehmigung gelte seit dem 1.8., er könne sich in Russland frei bewegen. Zudem dürfe der 31-Jährige ins Ausland reisen – aber nicht länger als 3 Monate.

Tätigkeit im russischen Exil
Seine Gastgeber ermöglichen ihm zahlreiche Auftritte per Liveübertragung. Am 29.9.2015 ging ein Twitter-Account in seinem Namen öffentlich in Benutzung. Fragen warf ein deutschsprachiger Tweet auf. Juni 2016 nahm der Snowden-Account auch Stellung zur Verschärfung von Russlands "Anti-Terror-Gesetzen".

Reaktionen
Obama u. sein Kabinett äußerten sich zunächst nicht direkt. 1 Tag nach Bekanntwerden von Snowdens Identität forderten die republikan. Kongressmitglieder Mike J. Rogers, Vorsitzender d. ständigen Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus, u. Peter T. King, ehem. Mitglied im Geheimdienstausschuss, erste Schritte für eine Überstellung Snowdens in die USA, die Aufnahme strafrechtl. Ermittlungen u. seine Verfolgung mit der vollen Härte d. Gesetzes. Die Senatorin v. Kalifornien u. Vorsitzende des Ausschusses f. Nachrichtendienste im US-Senat, Dianne Feinstein, schloss sich der Forderung an u. regte darüber hinaus Anhörungen im US-Kongress an.
Zahlreiche Bürgerrechts- u. Menschenrechtsgruppen weltweit bekundeten Snowden ihre Unterstützung, beispielsweise Jesselyn Radack, eine ehem. hochrangige Mitarbeiterin des US-Justizministeriums, die sich für Whistleblower einsetzt.
Thomas Drake, ein ehem. Angestellter der NSA u. Whistleblower, bezeichnete Snowdens Aufdeckungen als Akt zivilen Ungehorsams.
Daniel Ellsberg, der 1971 die geheimen Pentagon-Papiere an die Presse gab u. über das Fehlverhalten mehrerer US-Regierungen während des Vietnamkriegs aufklärte, schrieb im Guardian, dass es seiner Meinung nach in der US-Geschichte kein wichtigeres Leak gegeben habe als die Veröffentlichung des NSA-Materials durch Snowden:
   „Snowdens Whistleblowing gibt uns die Chance, etwas zurückzudrängen, das gleichbedeutend mit einem „Putsch der Regierung“ gegen die US-Verfassung ist.“
– Daniel Ellsberg: The Guardian
Der frühere Vizepräsident Al Gore sagte, seiner Meinung nach sei das flächendeckende Sammeln von US-Telefondaten nicht wirklich der „American way“, vielmehr illegal. Er drängte Obama u. den US-Kongress, die Gesetze, auf deren Basis die NSA arbeite, zu überprüfen u. zu ändern.
Die Süddeutsche Zeitung zitierte am 10.6.2013 die Firma Booz Allen Hamilton, für die Snowden zuletzt tätig war, mit den Worten: „Sollten sich die Zeitungsberichte als wahr herausstellen, ist seine Handlung eine schwere Verletzung des Verhaltenskodexes der Firma u. greift die Kernwerte unseres Unternehmens an“. Bereits am folgenden Tag gab das Unternehmen die fristlose Kündigung von Snowden bekannt.

Laut einer Umfrage der Quinnipiac University ist Snowden für 55 % der US-Bürger ein sogenannter Whistleblower mit einem legitimen Anliegen, 34 % halten ihn dagegen für einen Verräter. Nach Beobachtung von Martin Ganslmeier wird er von Linksliberalen u. der Tea-Party-Bewegung positiver gesehen. Nach Meinungsumfragen ist aber eine Mehrheit der Tea-Party-Anhänger der Meinung, dass Snowden den öffentlichen Interessen geschadet habe.
Der frühere Direktor der CIA, Woolsey, forderte bei Fox News eine Anklage Snowdens wegen Hochverrats sowie seine Hinrichtung, sollte er verurteilt werden.
Die Internetseite BuzzFeed zitierte am 16.1.2014 einen zu Snowden befragten Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums mit der Aussage „I would love to put a bullet in his head“ (Ich würde ihm gerne eine Kugel in den Kopf schießen). Darauf bezogen sagte Snowden dem Norddeutschen Rundfunk in einem Interview wenige Tage später, dass es deutliche Bedrohungen gegen ihn gebe, er jedoch trotzdem gut schlafe.
In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 11.9.2015 sagte Noam Chomsky über Snowden: „Sein Handeln war couragiert und äußerst wichtig. Man darf ihn nicht verdammen, er sollte stattdessen gelobt werden, und natürlich muss man ihn verteidigen.“

Obama sagte nach der Präsidentschaftswahl 2016 auf die Frage, ob er Snowden noch vor Ende seiner Amtszeit begnadigen werde: "Ich kann niemanden begnadigen, der nicht von einem Gericht verurteilt wurde. Ich glaube, Herr Snowden hat einige berechtigte Sorgen angesprochen. Wenn Herr Snowden beschließen sollte, sich den Gerichten zu stellen und seine Anwälte ihre Argumente vorbringen, dann werden diese Fragen eine Rolle spielen."
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Südamerika
Die NSA zeichnete auch die elektronische Kommunikation der Staatschefs Calderón (Mexiko) u. Rousseff (Brasilien) mit ihren engsten Beratern auf. FAZ-Korrespondent Rüb schrieb in einem Kommentar: „Dass ausgerechnet die politischen Führer der engsten Verbündeten u. wichtigsten Partner Washingtons von der NSA ausspioniert wurden, hat das in ganz Lateinamerika ohnedies verbreitete Misstrauen gegen die USA zementiert. In Europa ist das mutmaßliche Abhören des Handys von Kanzlerin Merkel zum Fanal für eine Bewegung in der gesamten EU zum besseren Schutz von Bürgerrechten u. Privatsphäre im Cyberspace geworden.“
Rousseff sagte wegen der NSA-Bespitzelung ihren seit langem geplanten Staatsbesuch in Washington ab; stattdessen hielt sie Ende Sept. vor der UN-Vollversammlung in New York eine Brandrede. Sie geißelte die Abhörpraxis der NSA als Angriff auf Meinungs- u. Redefreiheit u. damit auf Grundfesten der Demokratie: „Das Recht auf Sicherheit der Bürger eines Landes darf niemals auf die Verletzung grundlegender Menschenrechte der Bürger eines anderen Landes gegründet werden.“   Brasilien treibe jetzt Pläne voran, Glasfaserkabel nach Europa u. zu allen lateinamerikan. Staaten zu legen. Dies solle ..die Hegemonie der USA bei der Datenübertragung reduzieren.

Weitere Reaktionen
Julian Assange, der seit 2007 auf der von ihm mitgegründeten Internetplattform Wikileaks zahlreiche geheime Daten versch. Whistleblower veröffentlicht, nannte Snowden einen Helden, dem die größte u. von der Dimension her erschreckendste Aufdeckung geheimer Überwachungsprogramme der letzten Jahrzehnte zu verdanken sei. Die USA nannte er aufgrund der allumfassenden Dimension der aufgedeckten Überwachungs- u. Spionageprogramme einen Massenüberwachungsstaat.
Der schwedische Soziologe Svallfors schlug Snowden für den Friedensnobelpreis vor, weil dieser in heldenmütigem Einsatz zu einem hohen persönlichen Preis die Existenz u. die Dimension der Überwachung der weltweiten elektron. Kommunikation durch die US-Regierung enthüllt habe.

Petitionen
Am 12.6.2013 wurde auf der Online-Petitionsseite Avaaz der Aufruf „Stand with Edward Snowden“ an Obama gerichtet, mit dem die sofortige Beendigung des PRISM-Überwachungsprogramms gefordert u. dafür plädiert wird, Snowden nicht als Straftäter, sondern als Whistleblower, der im Interesse des Volkes handelt, anzusehen u. zu behandeln. Schon innerhalb der ersten 24 Stunden unterzeichneten fast 500.000 Menschen. Bis zum 8.7.2013 kamen rund 1,35 Millionen Unterschriften zusammen.

Auf der Online-Plattform „openPetition“ wurde am 24.6.2013 eine Petition mit dem Titel „Deutsche Staatsbürgerschaft ehrenhalber für Edward Snowden“ eingestellt, die bis zum 8.7.2013 rd. 1.700 Unterstützer fand.

Juli 2013 wandten sich deutsche Wissenschaftler im offenen Brief an Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger. Sie forderten die Ministerin darin auf, sich dafür einzusetzen, dass Deutschland Snowden Asyl gewährt, u. bezeichneten diesen als „Kronzeugen für die Aufklärung dieser staatl. Überwachungsaktivitäten“. Bis zum 8.7. schlossen sich 275 Menschen der Forderung an.

Am 3.7.2013 startete Whistleblower Netzwerk e. V. auf der Online-Petitionsseite Campact eine Petition an den Deutschen Bundestag mit dem Aufruf „Schutz für Edward Snowden in Deutschland!“ u. dem Ziel einer Gesetzesinitiative „zum Schutz öffentl. Interessen durch Förderung u. Schutz von Hinweisgebern“, die am 8.7.2013 bereits rd. 145.000 Personen unterzeichnet hatten.

Ebenfalls am 3.7.2013 startete die Online-Petition beim Deutschen Bundestag „43198 – Politisches Asyl für den US-Bürger Edward Snowden“. In ihr wird u. a. gefordert, dass der Bundestag die Aufnahme des US-Amerikaners beschließen soll; bis zum 14.7. wurden 10.147 Unterstützer gezählt.

Juli 2013 wurde von der österr. Partei Die Grünen die Online-Petition „Asyl für Edward Snowden“ gestartet. Diese wurde bisher von etwas mehr als 14.800 Personen unterzeichnet (Stand: 13.4.2014).

Seit 2015 läuft in der Schweiz eine Bürger-Petition über Avaaz, die den Bundesrat auffordert, Snowden schon vor einer allfälligen Einreise in die Schweiz Asyl zuzusichern
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Im Rahmen einer öffentlichkeitswirksamen Kunstaktion enthüllten 4 Künstler 2015 eine Snowden-Büste auf einer New Yorker Gedenkstätte. Die Büste wurde nach wenigen Stunden entdeckt, verhüllt u. entfernt.
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Edward Snowdens Twitter Präsenz:  https://twitter.com/Snowden


http://doedr.forumieren.net/t51-usa#902 --- Snowden: Vertraut euch selbst, nicht Führungspersonen
Snowden kritisierte auch den nun scheidenden US-Präsidenten Barack Obama. Viele Menschen in den USA, aber auch weltweit, setzten geradezu messianische Hoffnungen in den scheidenden Präsidenten, weil er den Leuten einfach das Blaue vom Himmel versprach und das in einer sympathischen Art und Weise. Doch das Gegenteil trat ein. Die Ankündigung Massenüberwachung zu beenden wurde ins Gegenteil verkehrt. Immer mehr Menschen wurden unter der Obama-Administration, etwa von der NSA, überwacht. Snowden selbst musste unter Obama ins Exil, nur deshalb weil er diese Missstände an die Öffentlichkeit brachte.
Daher müssen Menschen aufhören ihre Ängste und Hoffnungen an gewählte Präsidenten, dies gilt natürlich auch für Regierungen, zu binden.

http://www.epochtimes.de/politik/welt/russland-verlaengert-snowdens-aufenthaltsgenehmigung-um-zwei-jahre-a2026882.html
1/2017: --- Russland hat die Aufenthaltsgenehmigung des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden um zwei Jahre verlängert ---


Zuletzt von Dissident am Fr Jun 02, 2017 10:29 am bearbeitet; insgesamt 6-mal bearbeitet
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Edward Snowden - Teil 2 Interview

Beitrag von Dissident am Di Nov 22, 2016 5:11 pm

Snowden-Interviews mit dem Guardian:    erschienen 18.7.2014 (deutsche Fassung) (Anm. Dissident: Das nenn ich Journalismus!)

Snowden Interview – Die überarbeitete Abschrift: http://www.theguardian.com/world/2014/jul/18/-sp-edward-snowden-nsa-whistleblowerinterview-transcript
Der Whistleblower spricht mit Rusbridger u. Ewen MacAskill über sein Leben in Russland, die NSA Kultur, seine Zeit bei der NSA u. die Zukunft der Kommunikation

EDWARD SNOWDEN ÜBER …… seine Zeit in Hongkong
Der ganze Zeitraum war sogfältig geplant u. orchestriert. Die Aktion war nicht gefährdet. Ich hätte am Arsch sein können, aber dass die Übergabe an Journalisten unterbunden worden wäre, das war absolut nicht möglich, außer der Journalist hätte das absichtlich an die Regierung weitergegeben. Und ich habe meine Spuren nicht verdeckt. Ich habe nur versucht, im Vorfeld meiner Reise nicht erkannt zu werden, ich wollte nicht, dass man mir etwas untersagt. Auf der anderen Seite wollte ich schon, dass sie wissen, wo ich war. Ich wollte, dass sie es wissen. Aber deswegen hieß es dann gleich: „OK, der Junge ist nicht da, wo er sagt, dass er sein sollte. Er sollte medizinisch behandelt werden. Warum zum Teufel ist er in Hongkong?“ Und ich wollte nicht, dass sie der Sache vorgreifen u. im wesentlichen versuchen, eine Spionage-Geschichte daraus zu machen. [Snowden wollte, dass die Enthüllungen schnellstmöglich veröffentlicht würden.] Deswegen war ich wegen all dieser Verzögerungen besorgt. Sie müssen wissen, ich kannte nichts von Pressearbeit, ich hatte noch nie mit einem Journalisten geredet … Ich war im Grunde jungfräulich in der Hinsicht. Es war eine nervenaufreibende Zeit. Man hat keine Vorstellung, was die Zukunft bringen wird, u. mir ging es gut, weil ich wusste, dass die Dinge rauskommen würden, aber ich wollte, dass sie bestmöglich rauskommen sollten, u. deshalb wollte ich keine Fehler machen. Ich nannte das damals "zero fuck-ups policy", Null-Vergeigen-Ziel.

Warum er sicherstellte, dass die Dokumente in versch. Länder verteilt wurden
Das ist das Konzept der Herdenimmunität. Die einen bieten Schutz für die anderen. Insbesondere, wenn man die Dokumente über unterschiedliche Rechtsprechungen etc. verteilt, wird es sehr viel schwieriger, die Absicht zu untergraben. Niemand konnte es aufhalten. Aber als Ingenieur, besonders als jemand, der mit Telekommunikation u. solchen Dingen an diesen Systemen gearbeitet hat, hat man immer große Angst vor dem SPOF (single point of failure), einer nicht abgesicherten Schwachstelle, verstehen Sie? Das habe ich den Journalisten gesagt: „Wenn die Regierung denkt, dass Sie der single point of failure sind, werden sie Sie umbringen.“

Warum er nicht lieber direkt nach Ecuador statt nach Hongkong ging
Ja, das ist was, was niemand so richtig wahrnimmt. Alle denken, da hätte es so eine Art Masterplan gegeben, um sicher herauszukommen u. alle Konsequenzen zu vermeiden. Darum soll es in Hongkong gegangen sein. Ging es aber nicht. Das Ziel meiner Mission war, die Information an Journalisten zu übergeben. Als das geschafft war, war ich fertig. Deswegen war ich danach so ruhig, weil es egal war, was passieren würde … nach Ecuador zu reisen u. dort Asyl zu bekommen, wäre großartig gewesen … Und wäre ein Bonus gewesen. Die Tatsache, dass ich jetzt hier so sicher gelandet bin, ist reiner Zufall. Wie Sie sagen, es hätte wahrscheinlich nicht so kommen sollen. Wenn man jemandem danken muss, dann wohl dem Außenministerium. Der Schlüssel zum ganzen ist, dass es das Außenministerium ist, das mich nach Russland gelotst hat.

Das letzte Jahr
Es war unerwartet u. herausfordernd, aber es macht Mut. Es hat mich bekräftigt, die Reaktion der Öffentlichkeit zu erleben. Es hat die Sache gerechtfertigt, wenn ich die Reaktionen von Parlamentsabgeordneten, Richtern u. öffentl. Verwaltungen auf der ganzen Welt sehe, u. Bürgerrechtsaktivisten, die sagen, dass es stimmt, dass wir wenigstens im groben wissen sollten, was unsere Regierungen da in unserem Namen u. gegen uns tun. Teil davon zu sein, u. wenn auch nur ein kleiner Teil, ist, denke ich, eine der größte Lohn für meine Arbeit in meinem bisherigen Leben. Das Weiße Haus hat diese Programme [die Massenüberwachung möglich machten] aus 2 separaten Anlässen überprüft u. beide Male festgestellt, dass sie überhaupt keinen Wert haben, u. dennoch, obwohl beide Untersuchungen empfahlen, sie einzustellen, war es jeweils so, dass wenn das Weiße Haus die Gesetzgeber zum Handeln aufforderte, die Gesetzgebung dann sagte: „Ach, beenden wir die Programme doch nicht. Obwohl sie jetzt 10 Jahre laufen u. nicht einen einzigen bevorstehenden Terroranschlag verhindert haben - komm, lassen wir sie weiter laufen.“

Das Leben bei der NSA
Ich begann, von der reinen Betreuung der Systeme überzugehen zur aktiven Steuerung der Nutzung. Viele Leute verstehen nicht, dass ich tatsächlich ein Analyst war u. Individuen u. Gruppen bestimmt habe, die verfolgt werden sollten. Ich erfuhr von früheren Programmen wie zum Beispiel Stellar Wind [das während der Präsidentschaft von George W. Bush genutzt wurde]. Das Anzapfen der Leitungen jedes einzelnen Bürgers der USA ohne jede gesetzliche Grundlage, einschließlich der Internetdaten – eine
Verletzung gegen Verfassung u. Gesetze der USA – verursachte einen Skandal u. wurde deswegen beendet.
Als ich das sah, das war dann schließlich der erschütternde Moment, denn er zeigte, dass die Offiziellen, die diese Programme autorisierten, wussten, dass es ein Problem war, sie wussten, dass sie nicht die gesetzlich zugebilligten Befugnisse hatten für diese Programme. Aber die Regierung maßte sich stattdessen, im Geheimen, neue Exekutivgewalt an, ohne jede öffentliche Wahrnehmung oder öffentliches Einverständnis, u. nutzte sie gegen die Bürgerschaft ihres eigenen Landes, um die eigene Macht zu stärken u. die eigene Wahrnehmung zu verbessern.
Wir hören ständig „national security“, nationale Sicherheit, aber wenn der Staat beginnt, … in großem Stile die Kommunikation abzuhören, sie an sich zu reißen ohne jede Grundlage, ohne jeden Verdacht, ohne jede juristische Mitwirkung, ohne jede Erklärung der wahrscheinlichen Hintergründe, schützen sie dann wirklich die nationale Sicherheit, oder schützen sie die Sicherheit des Staatsapparates?
Ich gewann den Eindruck – u. ich denke, dass mehr und mehr Leute wenigstens das Potential dafür erkannt haben – dass ein System, das als „national security agency“ beschrieben wird, aufgehört hat, im öffentl. Interesse zu sein u. stattdessen angefangen hat, die Interessen der Staatssicherheit zu schützen u. zu fördern. Und der Gedanke, dass eine westliche Demokratie Staatssicherheitsämter hat, alleine dieser Begriff, dieses Wort „Staatssicherheitsamt“, lässt einen erschrecken.
Also, wenn wir an die Nation denken, denken wir an unser Land, unsere Heimat, denken wir an die Leute, die dort leben, an deren Werte. Wenn wir an den Staat denken, denken wir an eine Institution. Der Unterschied dabei ist, dass wir jetzt ein Institut haben, das sich so mächtig fühlt, dass es sich wohl dabei fühlt, sich selbst mit neuen Rechten auszustatten, ohne Einbeziehung des Landes, ohne Einbeziehung der Öffentlichkeit, ohne volle Einbeziehung aller unserer gewählten Repräsentanten u. ohne die volle Einbeziehung der Gerichte, u. das ist beängstigend – jedenfalls für mich.
Im großen und ganzen sind es nicht die Leute auf der Arbeitsebene, um die man sich Sorgen machen muss. Es sind mehr die höheren Offiziellen, es sind Entscheidungs-träger, die von der Rechenschaftspflicht entbunden werden, die der Aufsicht entzogen werden u. die Entscheidungen treffen dürfen, die das Leben von uns allen betrifft, ohne jede öffentliche Einflussnahme, öffentliche Debatte u. ohne Konsequenzen bei den Wahlen, weil ihre Entscheidungen u. deren Konsequenzen niemals bekannt werden.
Durch den Fortschritt der Technologie, Speicher wird Jahr für Jahr billiger und billiger, u. wenn unsere Fähigkeit, Daten zu speichern, schneller ist als der Aufwand, diese Daten überhaupt zu erzeugen, dadurch kommen wir immer mehr in die Lage, dass Daten nicht mehr nur kurzzeitig gehalten werden, sondern über einen längeren Zeitraum, u. dann für immer längere Zeiträume. Bei der NSA zum Beispiel werden Daten zu Individuen für 5 Jahre gespeichert. Und das ist möglich, ohne eine Ausnahmegenehmigung einzuholen, mit der der Zeitraum noch ausgeweitet werden kann.
Wir haben eine enorme Anzahl junger, vom Militär angeworbener Menschen, die, ohne dass es deren Fehler wäre, … bisher vielleicht noch nicht so viel Lebenserfahrung haben, um das Gefühl zu kennen, missbraucht worden zu sein. Und wenn wir die Gefahren u. Risiken des Missbrauchs unserer Privatsphäre u. unserer Freiheiten noch nicht selbst gespürt haben, wie können wir erwarten, dass diese Menschen unsere Interessen bei der Ausübung ihrer Ämter auf vernünftige Art u. Weise berücksichtigen?

Die Stasi
Es hat, soweit wir wissen, noch kein System der Massenüberwachung in irgendeiner Art Gesellschaft gegeben, das nicht missbraucht worden wäre. Wenn wir zum Beispiel die deutsche Stasi anschauen, die war ein Amt für Staatssicherheit, gegründet um die Nation, die Stabilität des politischen Systems zu schützen, von der sie glaubten, dass sie bedroht sei. Sie waren normale Bürger wie jeder andere auch. Sie glaubten, dass sie das richtige tun, glaubten, dass sie was Gutes tun. Aber wenn wir mit historischen Maßstäben darauf schauen, was haben sie mit ihrem Volk gemacht? Was haben sie mit den angrenzenden Ländern gemacht? Was war der Effekt ihrer massen-
weisen, wahllosen Spionageaktivitäten? Und das sehen wir klarer.

Die Beziehungen zwischen der NSA und den Telekommunikations- und Internet-Firmen
Die Details der finanziellen Abmachungen zwischen der Regierung u. den Telekommunikationsanbietern wurden, was ungewöhnlich ist, selbst vor den Leuten geheim
gehalten, die für diese Dienstleister arbeiteten. Und wir müssen uns fragen: warum? Warum werden die Detail darüber, wie ihre Zusammenarbeit bezahlt wird, strenger unter Verschluss gehalten als die Namen von Undercover-Agenten, die in Terroristengruppen eingeschleust sind?
Also Prism [das Programm, das das Verhältnis zwischen der NSA u. den Internet-Firmen regelt] funktioniert so, dass die NSA direkten Zugriff auf die Inhalte der Server dieser privaten Unternehmen haben. Das heißt nicht, dass die Unternehmen oder die Geheimdienste, auf Ihre Daten zugreifen können, sondern es heißt, dass Facebook der Regierung erlaubt, Kopien Ihrer FacebookNachrichten, Ihrer Skype-Unterhaltungen, Ihrer Gmail-Mailboxen etc. zu machen.
Das ist etwas anderes, als wenn die Regierung sich eigenen Zugang verschafft - sogenannte Upstream-Operationen - wo sie die Hauptleitungen anzapft, auf denen diese Kommunikationen verlaufen, u. sie im Durchfluss abfischt. Sie gehen stattdessen zu den Firmen hin und sagen: „Gebt uns dies. Gebt uns das. Gebt uns das.“
Und das Unternehmen gibt ihnen all diese Informationen in kooperativer Zusammenarbeit. Wenn Facebook alle Ihre Nachrichten, alle Ihre Pinnwand-Einträge, alle Ihre Fotos u. alle privaten Details von seinen Servern übergibt, braucht die Regierung nicht all die Übertragungen abzuhören, mit denen diese privaten Daten erstellt werden.

Warum Regierungen Verschlüsselung nicht mögen
Die wichtigsten Ressourcen für Ermittlungen zur Strafverfolgung u. zur Informationsgewinnung für Geheimdienste sind solche, die nicht gelöscht werden, egal ob sie … in der Presse, das heißt gezielte Ausspähung von Computern. … Es gibt ein globales Netzwerk das geografisch verteilt ist in alle Länder der Welt, unter allen Ozeanen der Welt. Und die Regierung sagt, wir müssen in der Lage sein, all diesen Datenaustausch abzuhören … Und deswegen mag sie den Einsatz von Verschlüsselung nicht. Sie sagt, dass Verschlüsselung, die die Privatsphäre von Individuen spezifisch schützt, u. solche, die im Gegensatz dazu vertrauliche Daten auf breiterer Basis schützt, dass also Verschlüsselung per se gefährlich ist, weil sie dadurch diese Mittelpunktkommunikation verliert, diese Mittelpunkt-Informationsgewinnung. In Wirklichkeit kommt jede Kommunikation von einem Quellpunkt u. endet an einem Zielpunkt. U. diese beiden Punkte sind Computer, sind Apparate, Mobiltelefone od. Laptops, u. die können gehackt werden, können auskundschaftet werden, was Strafverfolgungsbehörden u. Geheimdiensten direkten Zugriff auf diese Systeme gibt, um diesen Datenaustausch mitzulesen.

Über die NSA-Kultur, Weitergabe sexuell kompromittierenden Materials
Wenn man als NSA-Analyst Rohdaten untersucht, stellt man fest, dass der Großteil der Kommunikation in unseren Datenbanken nicht Kommunikation von Zielpersonen ist, sondern von ganz normalen Leuten, von Nachbarn, Freunden von Nachbarn, Verwandten, der Kassiererin vom Supermarkt. Es sind die tiefsten u. intensiven u. intimen u. schädlichsten privaten Momente aus deren Leben, u. wir reißen sie an uns ohne jede Erlaubnis, ohne jeden Grund, Aufzeichnungen all ihrer Aktivitäten – die Aufenthaltsorte ihrer Mobiltelefone, ihre Einkaufsdaten, ihre privaten SMS, ihre Anrufe, unter bestimmten Umständen den Inhalt dieser Anrufe, Geschäftsvorgänge – u. daraus erzeugen wir eine perfekte oder nahezu perfekte Aufzeichnung der Aktivitäten jedes einzelnen, u. diese Aktivitäten werden mehr u. mehr dauerhafte Aufzeichnungen.
Viele der Leute, die die Heuhaufen durchsuchen, waren junge, angeworbene Männer und … 18 bis 22 Jahre alt. Sie wurden plötzlich in eine Position mit außergewöhnlicher Verantwortung versetzt, wo sie nun Zugang zu all Ihren privaten Daten haben. Im Laufe ihrer täglichen Arbeit stoßen sie auf etwas, das mit ihrer eigentlichen Arbeit absolut nichts zu tun hat, zum Beispiel ein intimes Nacktfoto eines Menschen in einer sexuell kompromittierenden Situation, der aber sehr attraktiv ist. Was machen sie also? Sie drehen sich mit ihrem Stuhl um u. zeigen es einem Kollegen. Und der Kollege sagt: „Oh, das ist cool. Schick das mal an Bill hinten im Gang.“ Und dann sendet Bill es an George, George an Tom, u. früher oder später haben all diese Leute das ganze Leben dieser Person gesehen. Da geht mehr oder weniger alles. Du sitzt wie unter einer Glocke. Jeder hat irgendwie ähnliche Arbeitsfelder, jeder kennt jeden. Die Welt ist klein. Das wird nie gemeldet, niemals erfährt jemand davon, denn die Kontrolle dieser Systeme ist extrem schwach. Obwohl man jetzt einwenden kann, halb so schlimm, diese Person weiß ja noch nicht mal, dass ihr Bild angeschaut wurde, ist es doch ein Grundprinzip, dass kein einziger Missbrauch geduldet werden darf. Das reine Festhalten der Kommunikation an sich war bereits Missbrauch. Die Tatsache, dass Ihre privaten Bilder, Aufzeichnungen Ihres Privatlebens, Aufzeichnungen Ihrer intimen Momente aus dem privaten Datenstrom oder dem beabsichtigen Empfänger entrissen
wurden ohne spezielle Erlaubnis, ohne spezifische Notwendigkeit, ist in sich eine Verletzung Ihrer Rechte. Warum ist das in der Datenbank der Regierung?
Ich würde sagen, so etwas kann man alle 2 Monate beobachten. Das ist schon mehr als genug, je nach Bekanntenkreis hat, kann es öfter oder seltener sein. Aber diese Dinge werden als Zulagen zum Gehalt für Überwachungspositionen gesehen.

Warum die Kontrolle der NSA unangemessen ist
Ein 29-jähriger kam zur NSA u. ging mit allen deren privaten Aufzeichnungen wieder hinaus. Was sagt das über ihre Kontrolle? Sie wussten es nicht einmal. Die Leute reden über die Dinge, die sie nicht hätten tun sollen, als ob es eine Kleinigkeit wäre, weil niemand irgendwelche Konsequenzen erwartet. Niemand erwartet, zur Rechenschaft gezogen zu werden. Es gibt keine Auditoren, die zu Dir kommen u. was anderes sehen als Freunde. Wenn Du Dich selbst kontrollierst, mit welchen realen Konsequenzen muss gerechnet werden? Die Realität der Arbeit in der Welt der Geheimdienst ist, dass man ständig zutiefst beunruhigende Dinge sieht. Ich habe Bedenken über diese Programme regelmäßig u. in einem weiten Kreis geäußert, konkret gegenüber mehr als 10 versch. Kollegen, mit denen ich gearbeitet habe – u. zwar Kollegen u. Vorgesetzten. Ich ging zu ihnen u. zeigte ihnen die Programme u. sagte: „Was denkst Du davon? Ist das ungewöhnlich? Wie können wir das tun? Ist das nicht gegen die
Verfassung? Ist das keine Verletzung von Rechten?“ und „Warum hören wir mehr amerikanische Kommunikation ab als russische?“
Die Leute, die das Personal für diese Geheimdienst-Büros auswählen, sind ganz normale Leute wie du und ich. Sie sind keine Schnurrbart-zwirbelnden Bösewichte, die „ha ha ha, das ist großartig!“ ausrufen, sie reden so: „Du hast recht. Das überschreitet eine Grenze, aber du solltest besser nichts darüber sagen, denn dann ist deine Karriere beendet.“
Wir alle haben Hypotheken. Wir alle haben Familien. Und wenn du für ein national security System arbeitest, das diese offiziellen Geheimhaltungsregeln hat, dann heißt das, selbst wenn du zu einem ausgewählten Kongressabgeordneten gehst, u. zwar einem, den ein Reporter ausgesucht hat, nicht einem, den einer aus der Geheimdienst-Gemeinde ausgewählt hat, die die Missetaten zu verantworten hat, dann heißt das, dass du dafür angeklagt werden kannst. Und wenn du nicht angeklagt wirst, kannst du deinen Job darüber verlieren.
Ich war ein privater Auftragnehmer, kein direkter Angestellter der National Security Agency. Und das bedeutete, dass die wenigen Schutzbestimmungen für Whistleblower, die wir in den USA haben, für mich nicht galten. Ich hätte gefeuert werden u. keine Klage führen können gegen diesen Schlag. Ich hätte eingesperrt werden können. Und alle, die für diese Behörden arbeiten, sind sich dessen bewusst. Thomas Drake, ein Amerikaner, der weitverbreitete Gesetzwidrigkeiten aufgedeckt hat … [ein hochrangiger NSA-Mitarbeiter, der Bedenken gegen Programme der Behörde u. deren Einfluss auf die Privatsphäre geäußert hatte] … anstelle diese Behauptungen zu überprüfen u. anstelle diese Fehlverhalten zu korrigieren, wurde ein Verfahren gegen ihn eingeleitet … u. alle seine Kollegen.
Sie holten sie mit vorgehaltener Waffe aus der Dusche, nackt, vor ihren Familien. Sie beschlagnahmten ihre komplette Kommunikation u. elektronischen Geräte, verhörten sie, drohten ihnen, sie lebenslang ins Gefängnis zu stecken, für Jahre, Jahrzehnte, u. zerstörten ihre Karrieren.
„Die Öffentlichkeit soll nichts von diesen Programmen wissen. Die Öffentlichkeit soll nicht mitzureden haben bei diesen Programmen und, um Gottes Willen, erfährt die Presse besser nichts von diesen Programmen oder wir werden euch zerstören.“

GCHQ, der britische Partner der NSA, und ob der noch schlimmer ist
Ihr Respekt für Datenschutzrecht, ihr Respekt für einzelne Bürger,ihre Fähigkeit, ohne Überwachung u. Eingriff zu kommunizieren u. sich auszutauschen ist nicht fest in Gesetze oder Verordnungen gefasst. Das Ergebnis davon ist, dass Bürger des Vereinigten Königreichs (United Kingdom, UK) u. Bürger auf der ganzen Welt, die vom UK verfolgt werden, ob von der UK-Regierung, von UK-Systemen oder UK-Behörden, viel gefährdeter sind als sie es in den USA sind.
Man kann in ihren Dokumenten lesen, dass sie selbst zugeben, dass "wir viel lockerere Aufsichtsregeln haben als wir eigentlich sollten", Punkt, fertig. Darum geht es. Sie genießen Berechtigungen, die man ihnen eigentlich nicht zugestehen sollte. Das Problem dabei ist, wenn man einen ungezügelten Geheimdienst hat, der nicht gut kontrolliert wird, der nicht der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig ist, dass er weitergehen wird, als er muss. Er wird übergreifen. Er wird Systeme u. Verfahren einsetzen u. Leute verfolgen, die man nicht verfolgen muss. Tempora [das Internet-Überwachungsprogramm des GCHQ] ist der Beweis …, dass das GCHQ deutlich weniger strenge rechtliche Grenzen kennt als die Geheimdienste anderer westlicher Regierungen.
Die britische Regierung kann öffentlich sagen "Wir haben sehr strenge Regeln. Es gibt breit angelegte Kontrolle. Es gibt eine intensive Rechenschaftspflicht für alle
Beamten, die diese Programme ausführen." Ihre eigenen geheimen Dokumente, klassifizierte Dokumente, von den sie nicht wollen, dass die Öffentlichkeit sie je sieht, sagen etwas ganz anderes, nämlich "Wir haben im Vergleich zu allen anderen westlichen Ländern sehr lockere Aufsichtsregeln."
Und das bedeutet, dass UK-Bürger u. die Geheimdienst-Plattformen des UK als Testgelände für alle anderen "five eyes"-Partner genutzt werden – das UK, Kanada, die USA,
Australien u. Neuseeland. Diese experimentelle Herangehensweise, Informationen zu sammeln, während wir die Öffentlichkeit gleichzeitig im unklaren darüber lassen, wie wir das machen, führt zu einer sehr ungewöhnlichen Situation. Anstelle ein geheimdienstliches Hinweissystem zu haben, das nur wo nötig u. seine Befugnisse nur einem zur Bedrohung stehenden Verhältnis einsetzt, gehen wir es technologisch an: "Was ist möglich?" statt "Was müssen wir tun?"

Als er erfuhr, dass die britische Regierung die Festplatten des Guardian zerstören wollte
Erstmal, muss ich zugeben, dass ich in die Hände geklatscht habe. Das ist unsinnig. Ich war schockiert, dass die UK-Regierung wegen einer solchen Kleinigkeit so weit gehen würde. Das sollte doch jedem, der mit Daten oder im Journalismus arbeitet, u. jedem in den Geheimdiensten klar sein, dass man Festplatten nicht zermahlen kann.
Wissen Sie, man kann Daten in einem weltweit verbundenen Internet nicht final auslöschen, u. besonders dann nicht, wenn ... die Journalisten, die dabei waren, noch immer da sind. Und trotzdem haben sie es getan. Es sah aus wie ein klarer Versuch, die Presse einzuschüchtern, damit die sich heraushalten u. nicht berichten. Und ich denke, dass es genau darum zwar unangemessen, aber enorm förderlich für die öffentliche Diskussion war, weil sie allen, die sich über Machtmissbrauch Sorgen machten, ein klares Beispiel lieferten. Was sind das für Länder, in denen Regierungsleute einfach in Redaktionsräume eindringen u. die Zerstörung journalistischen Materials verlangen. Hoffentlich erleben wir so etwas nicht wieder.

Metadaten
Man unterscheidet normalerweise Metadaten von Inhalt. Menschen verstehen unter Metadaten die Details des Anrufs – wann man anrief, wen man anrief, wenn der Anruf zustande kam, wie lang er dauerte – im Gegensatz zum Inhalt des Anrufs - also was gesagt wurde. Als Analyst interessiert einen in 9 von 10 Fällen bis ziemlich am Ende der Untersuchungskette nicht, was am Telefon gesagt wurde. Man kümmert sich um die Metadaten, denn die lügen nicht.
Menschen lügen am Telefon, wenn sie an echten kriminelle Aktivitäten beteiligt sind. Sie gebrauchen Codewörter. Sie reden drumherum. Man kann sich nicht auf das verlassen, was man hört, aber man kann den Metadaten vertrauen. Deshalb sind Metadaten oft zudringlicher.
Metadaten sind so wie die Details, die ein Privatdetektiv … im Zuge seiner Ermittlungen herausfindet. Er kann Ihnen zum Beispiel zu einem Abendessen folgen, wo Sie einen Freund treffen, oder eine Geliebte. Er sieht, wen Sie treffen, wo Sie sich getroffen haben, er sieht, wann Sie da hingegangen sind u. er kennt vielleicht auch die groben Details der Themen Ihrer Unterhaltung, aber er wird nicht den ganzen Inhalt mitbekommen haben. Er wird nicht nah genug herangekommen sein u. sich zu erkennen geben haben, um alles zu hören, was sie gesagt haben.
Mit diesen Programmen ging es so, dass Regierungen, zum Beispiel des UK, der USA u. anderer westlicher Regierungen, u. auch weniger verantwortliche Regierungen
überall auf der Welt, es auf sich genommen haben, Privatdetektive anzusetzen auf jeden einzelnen Bürger in ihrem Land und, soweit es ging, auf der ganzen Welt. Das geschieht automatisch, ist allgegenwärtig, u. es wird in Datenbanken gespeichert, ob es nötig ist oder nicht.

Deutschland
Ich finde es bedauerlich, dass in einigen Ländern – u. das ist vor allem in Westeuropa sehr verbreitet der Fall – die Prioritäten der Regierungen sich sehr von denen des Volkes unterscheiden. Ich finde es bedauerlich, wenn zum Beispiel in Deutschland herausgekommen ist, dass die NSA Millionen deutscher Bürger ausgespäht hat … u. das kein Skandal ist. Aber wenn Merkels Mobiltelefon abgehört wird u. sie selbst zum Opfer wird, dann ändert sich das auf einmal. Wir sollten hohe Amtsträger nicht erheben. Wir sollten Führer nicht über den durchschnittlichen Bürger nicht erheben, denn für wen arbeiten die denn schließlich? Wissen Sie, das öffentliche Interesse ist das Staatsinteresse. Wissen Sie, die Prioritäten der NSA sollten nicht Vorrang haben vor den Bedürfnissen der deutschen Bevölkerung.
Es besteht immer mehr Einigkeit, dass der Status Quo nicht länger zu halten ist, dass sich Dinge ändern müssen u. dass die Öffentlichkeit mitreden können muss über die Art und Weise, wie die Regierung ihren Überwachungsapparat betreibt u. darüber, wo die Grenzen um unsere Rechte gezogen werden.
Ich finde es überraschend, dass sie mich in Deutschland gebeten haben, als Zeuge auszusagen u. ihnen bei den Ermittlungen zur Massenüberwachung zu helfen, mir aber gleichzeitig die Einreise nach Deutschland untersagt haben. Das hat zu der außergewöhnlichen Situation geführt, in der die Suche nach der Wahrheit den politischen Prioritäten untergeordnet wurde … Ich denke, das erweist dem Volk einen schlechten Dienst. … Das ist wahrscheinlich zu politisch. Ich hasse Politik. Wirklich, wissen Sie, ich will sagen, es geht nicht um mich. Ich hoffe, Sie können da den Unterschied sehen.

Gefährdung der Sicherheit des ganzen Netzes
Eine Backdoor, Hintertür, in einem Kommunikationssystem, in einem Internet-System oder in einem Verschlüsselungsverfahren ist im Grunde eine geheime Methode, die Sicherheit dieser Systeme zu umgehen. Sie ist ein Weg, alle Datenschutz- u. Sicherheitsversprechen zu untergraben, die eine Firma oder ein Verfahren den Menschen machen, die ein Produkt oder einen Dienst nutzen.
Die Gefahr des Einbaus solcher Backdoors, auf denen das ganze Internet beruht, zum Beispiel des Bullrun Programms, wo sich herausgestellt hat, dass NSA u. GCHQ zusammenarbeiten u. die Verschlüsselungsmethoden schwächen, besteht darin, dass, wenn Sie online auf Ihr Bankkonto zugreifen, dort eine versteckte Schwäche bestehen könnte, die es den Geheimdiensten der westlichen Regierungen erlaubt, Ihre Kontodetails mitzulesen. Was viele oft übersehen, ist die Tatsache, dass, wenn man eine Backdoor in ein System einbaut, diese von jedem auf der Welt entdeckt werden kann. Das kann ein Privatmann sein, ein Sicherheitsforscher an einer Universität, aber auch eine kriminelle Gruppe. Es kann auch ein fremder Geheimdienst sein, sagen wir ein der NSA entsprechender Dienst einer zutiefst unverantwortlichen Regierung in irgendeinem fremden Land. Und dieses fremde Land kann jetzt nicht nur Ihre Bankdaten genau untersuchen, nicht nur Ihre privaten Geschäfte, sondern Ihre gesamte Kommunikation im Internet u. in jeder Institution …, die diese Standards verwendet, ob es Facebook ist, Gmail, Skype oder Angry Birds. Auf einmal sind Sie elektronisch nackt, während Sie im Internet Ihren Aktivitäten nachgehen.
Diese Entscheidung wurde nicht in einer öffentlichen Einrichtung diskutiert, sie wurde von keinem Gesetzgeber legitimiert. Jedenfalls haben, wenigstens in den USA in den 1990ern, Strafverfolgungsbehörden speziell um diese Art von Backdoor-Zugang zu Internet-Datenübertragungen gebeten. Und unsere gewählten Repräsentanten im Kongress haben sie abgelehnt. Sie sagten, es sei eine Verletzung unserer Bürgerrechte u. ein unnötiges Risiko für unsere Kommunikation, u. deshalb haben sie sie abgelehnt.
Jetzt sehen wir sie 10 Jahre später, anstelle wieder zum Kongress zu gehen u. anzufragen, einfach daran vorbeigehen, u. die Geheimdienstler … sagen: „Wir machen das. Egal, was der Kongress sagt. Egal, was die Öffentlichkeit denkt. Wir machen das, weil es uns einen Vorteil bringt.“
Und die Konsequenzen daraus sind heute unbekannt, denn fremde Widersacher könnten die Backdoors ausnutzen, die Geheimdienste in Ländern wie dem Vereinigten Königreich, wie der GCHQ, in unsere Kommunikationssysteme eingebaut haben … u. wir wissen nicht einmal, dass das geschieht. Die Enthüllungen des letzten Jahres haben uns den unwiderlegbaren Beweis erbracht, dass unverschlüsselte Kommunikation im Internet nicht mehr sicher u. vertrauenswürdig ist. Deren Integrität ist kompromittiert, u. wir brauchen neue Sicherheitsprogramme, um die Kommunikation zu schützen. Jede Kommunikation, die über das Internet übertragen wird, oder über jede andere
Netzwerk-Leitung, sollte standardmäßig verschlüsselt werden. Das hat das letzte Jahr uns gezeigt.

Privatsphäre
Sicher können wir hypothetische Fälle konstruieren, in denen eine Art von Massenüberwachungs-System, von Gesichtserkennungs-System zur Verhinderung von Straftaten beitragen könnte. Genauso könnte man sich aber auch den hypothetischen Fall vorstellen, dass, wenn wir der Polizei freien Zutritt zu unseren Wohnungen gewähren u. alles zu durchsuchen, während wir bei der Arbeit sind, dass dann allerlei Straftatbestände, Drogenkonsum u. gesellschaftliche Missstände entdeckt würden. Aber wir ziehen die Grenze, wir müssen sie irgendwo ziehen. Die Frage ist, warum sollen unsere online übertragenen u. auf unseren privaten Geräten gespeicherten persönlichen Daten irgendwie anders sein als die Details u. privaten Aufzeichnungen, die wir in unseren Tagebüchern festhalten?
Es sollte keine Unterscheidung zwischen digitaler u. gedruckter Information geben. Aber Regierungen in den USA u. vielen anderen Ländern auf der Welt wollen
zunehmend diese Unterscheidung machen, weil sie erkennen, dass das Ihre Ermittlungsmacht aktiv vergrößert.

Ob Technologie sich mit Privatsphäre verträgt
Absolut. Technologie kann die Privatsphäre verbessern, aber nicht, wenn wir in neue Anwendungsgebiete hinein schlafwandeln, ohne die Implikationen dieser Technologien zu beachten. Jede neue Technologie erzeugt, sobald sie in einem bestimmten Maße angewendet u. vernetzt wird, ein Netz neuer Sensoren in unserem Leben, die etwas erfassen – das könnten Wetteränderungen sein, unsere Telefoniergewohnheiten, die Art, wie wir Dinge einkaufen, Dinge, die wir mögen, die Temperatur, bei der wir gerne baden. Wenn wir nicht an die Implikationen dieser Technologien denken, während wir sie entwickeln u. anwenden, kann es gefährlich werden. Aber in dem Maße, wie wie unser Erkenntnisniveau über Bedrohungen wächst, die in neuen Technologien stecken, wenn sie eingeführt werden, in dem Maße können wir die Möglichkeiten dieser Technologien mit eingebauten Schutzmechanismen versehen, die dafür sorgen, dass die Details über uns, unser Leben, über die Art, wie wir leben, nur von denen gesehen werden, die wirklich Zugriff darauf haben sollen.
Die meisten vernünftigen Menschen würden der Aussage zustimmen, dass Privatsphäre in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Freiheit steht. Und wenn wir die Privatsphäre abschaffen, machen wir uns weniger frei. Wenn wir in offenen u. liberalen Gesellschaften leben wollen, brauchen wir sichere Orte, wo wir mit neuen Gedanken experimentieren können, mit neuen Ideen, u. [wo] wir herausfinden können, was wir wirklich denken u. woran wir wirklich glauben, ohne beurteilt zu werden. Wenn wir nicht die Privatsphäre unserer Schlafzimmer haben können, nicht die der Notizen auf unserem Computer, nicht die unserer elektronischen Tagebücher, dann haben wir überhaupt
keine Privatsphäre.

Wann er das letzte Mal 1984 gelesen hat
Das ist schon einige Zeit her. Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung glaube ich nicht, dass wir uns im 1984-Universum befinden. Die Gefahr ist, dass wir sehen können, wie einfallslos u. altmodisch [Orwells] Technologien aus [dem Buch] 1984 jetzt erscheinen. Die sprachen von Dingen wie Mikrofonen in Büschen u. Kameras in Fernsehern, die uns zuschauen. Heutzutage haben wir Webcams, die uns überall hin begleiten. Wir kaufen Mobiltelefone, das ist dasselbe wie ein Netzwerk-Mikrofon, das wir in unseren Taschen freiwillig mit uns herumtragen, während wir von hier nach da u. durch unser Leben gehen. 1984 ist ein wichtiges Buch, aber wir sollten uns nicht zu eng an die Grenzen der Vorstellungskraft des Autors halten. Die Zeit hat gezeigt, dass die Welt viel unvorhersehbarer u. gefährlicher ist.

Die Politik und die Kontrolle der Geheimdienste
Das ist wahrscheinlich … der allerwichtigste Faktor, um das Scheitern der Kontrolle zu erklären, die wir in fast allen westlichen Regierungen sehen. Normalerweise sind es die ältesten Mitglieder der öffentlichen Verwaltungen, die die Geheimdienste kontrollieren, die Beamten, die schon länger dabei sind als die Möbel, auf denen sie sitzen. Und das ist so, weil man spürt, dass man diesen Leuten vertrauen kann, die kennen sich aus, die haben einen klaren Kopf. Aber wir müssen den Maßstab der Fachkenntnis anlegen, denn die Technologie ist eine neue Art der Kommunikation, ein neues Alphabet von Symbolen, die die Menschen intuitiv verstehen müssen.
Das ist wie etwas, das man lernt … gerade so, wie man in der Schule Buchstaben schreiben lernt. Sie haben gelernt, wie man Computer nutzt, wie diese interagieren, wie sie kommunizieren. Und technische Fachhkenntnis ist in unserer Gesellschaft eine knappe u. wertvolle Ressource. Deshalb verdienen so viele IT-Berater, die im Grunde nur Drucker reparieren, richtig gutes Geld, weil sich nicht jeder mit dem Zeug auskennt. Und das brauchen wir in der Regierung, wir brauchen Rechtsanwälte, wir brauchen Spezialisten, wir brauchen Experten, [die] diesen älteren Bediensteten zuarbeiten u. so weiter, u. die können helfen u. erklären u. übersetzen genau so wie ein Dolmetscher.
Die entscheidende Frage ist, wollen wir, dass die öffentliche Politik die Geheimdienste reglementiert, oder wollen wir, dass die Geheimdienste ihre eigene Politik machen, ihr eigenes Reglement, über das wir keine Kontrolle u. Überblick haben? Und das denke ich, ist der entscheidende Unterschied.

Ob er Beweise an den britischen Geheimdienstausschuss liefern wird
Im allgemeinen, glaube ich, dass es jedem gesetzgebenden Gremium gut ansteht, jemanden … persönlich anzuhören. Es gibt natürlich Umstände, unter denen das nicht möglich ist. Aber wenn es um echte Zeugenaussagen geht u. nicht um Expertenmeinungen, dann denke ich, dass es wichtig ist, sicherzustellen, dass sie persönlich vorgetragen werden, im Parlamentssaal, um die Zeugen nicht unbeabsichtigt oder zufällig unnötiger gesetzlicher Haftung auszusetzen.

Der Vorfall, weshalb das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales landen musste
Nachdem ich mir alles angehört hatte, dachte ich erst „wow“, ihr Geheimdienst ist echt scheiße … Aber dann dachte ich, werden sie wirklich so weit gehen, den Präsidenten einer lateinamerikanischen Nation so total zu demütigen, den Repräsentanten so vieler Leute, den einzigen indigenen Präsidenten, den es gibt? Es war einfach nur schockierend schlecht ausgedacht, aber sie haben es trotzdem getan, u. sie machen weiter solche Fehler … Ich fühlte mich beinahe, als ob ich einen Freund in der Regierung hätte, der sagt „Oh ja, mach das, unbedingt, das ist klasse.“

Sein Leben in Russland und ob die Leute ihn erkennen
Das ist nicht so viel anders. Wissen Sie, ich glaube, es gibt Typen, die einfach nur hoffen, mich traurig zu sehen. Und die werden weiter enttäuscht sein … Ich lebe nicht ganz im geheimen. Ich lebe ein ziemlich offenes Leben. Aber … ich will keine Berühmtheit sein, ich will nicht irgendwo hingehen u. dass die Leute mir Beachtung schenken, so wie ich das auch nicht in den Medien will.
Es gibt auf der Welt viel wichtigere Themen als mich u. was in meinem Leben passiert, u. wir sollten uns darauf konzentrieren.
Was ich im Lebensmittelladen kaufe, sollte echt niemanden interessieren. Und wenn ich erkannt werde, werde ich eben erkannt. Mein alltägliches Leben, schätze ich, interessiert niemanden. Ich werde erkannt. Manchmal ist es ein bisschen unangenehm, weil mein Russisch nicht so gut ist, wie es sein sollte. Ich lerne noch. Aber ja, hin u. wieder erkennt mich jemand. [Er weigert sich, etwas auf Russisch zu sagen.] Das allerletzte, was ich will, ist, dass Videoclips von mir durch das Internet geistern, in denen ich Russisch spreche. [Darüber, dass er auf einem Moskauer Touristenschiff fotografiert wurde] Richtig, auf dem Bild sah ich nicht glücklich aus. [Darüber, einen vollen Einkaufswagen über eine Straße zu schieben] Wissen Sie, ich weiß gar nicht, weil es so weit weg u. verschwommen war. Also, das könnte ich gewesen sein.
[Darüber, angeblich verkleidet vor die Türe zu gehen] Bevor ich in den Supermarkt gehe, setze ich meine Groucho Marx-Brille auf, die Nase u. den Schnurrbart... Nein, ich laufe nicht verkleidet herum. Ich bin hier in Russland viel glücklicher, als wenn ich einem unfairen Gerichtsverfahren ausgesetzt wäre, in dem ich nicht einmal einer Jury aus Fachleuten eine Verteidigung des Staatsinteresses präsentieren kann. Wir haben [die] Regierung wieder und wieder um einen fairen Prozess gebeten, aber sie haben abgelehnt. Und ich bin sehr froh, Asyl bekommen zu haben. Russland ist ein modernes Land, u. es hat mich gut behandelt, also ja, ich lebe ein ziemlich normales Leben u.
ich würde sehr gerne wieder reisen können wie in der Vergangenheit. Ich würde gerne wieder nach Westeuropa reisen, aber das kann nicht ich entscheiden, das müssen das Volk u. die Regierungen jedes einzelnen dieser unabhängigen Länder.

Russisch lernen und Dostojewski lesen
Mein Russisch u. meine Beherrschung von Dostojewski sind beide weniger entwickelt als sie sein könnten, aber ich habe Freude daran. Die Brüder Karamasow sind glaube ich als nächstes dran. Ich lerne gerne, u. das macht richtig Spaß. Ich lese zur Zeit viele politische Bücher. Ich versuche, meine Kultiviertheit auf die meiner Umgebung anzuheben. Im Moment lese ich eine Denkschrift von Dan Ellsberg, Secrets, über seine Veröffentlichung der Pentagon-Papiere.

Unter Beobachtung zu stehen
Ich erkenne keine bedrückende, aktive Überwachung, aber ich denke, es ist angemessen, anzunehmen, dass ich unter Beobachtung stehe. Jeder in meiner Lage wird sicher irgendwie überwacht, aber man trifft so gut man kann Vorkehrungen, um sicherzustellen, dass man selbst unter Beobachtung keine heiklen Informationen herausgibt.

Wie er seine Zeit verbringt
Zuletzt habe ich viel Zeit damit verbracht, über Pressefreiheitsthemen nachzudenken, in Ergänzung zur privaten Kommunikation des Normalbürgers, u. ich habe Partnerschaftsbeziehungen aufgebaut zu Bürgerrechtsorganisationen, um zu schauen, wo wir beitragen können u. versuchen, neue Werkzeuge, neue Techniken, neue Technologien herzustellen, die den Schutz unserer Rechte sicherstellen, egal wie die gesetzliche Situation in einem bestimmten Rechtssystem gerade ist. Stellen Sie sich eine App oder ein Mobiltelefon oder ein Betriebssystem für ein Mobiltelefon oder ein kleines Gerät vor, irgendwas, das Menschen einen kostenlosen u. betriebsbereiten Zugang zu einer wirklich sicheren Kommunikationsplattform ermöglicht, etwas, das keine besonderen Kenntnisse erfordert, um es zu nutzen u. zu bedienen.
Wir können vielleicht auf die Möglichkeit einer Reform in den USA, dem Vereinigten Königreich oder einer anderen modern entwickelten Demokratie vertrauen. Aber es gibt
viele Leute an vielen Orten, die darauf nicht vertrauen können. Und also werde ich künftig mehr und mehr Zeit darauf verwenden, zu versuchen, neue Werkzeuge zu entwickeln, die ihnen ihre Rechte garantieren, die nicht durch gesetzliche Garantien abgedeckt sein könnten. Denn eines wird oft vergessen im Dialog von Sicherheit versus Privatsphäre, u. das ist die falsche Darstellung des Themas, das nämlich Freiheit versus Sicherheit lautet.

Die Bombenexplosion beim Boston Marathon
Trotz der Tatsache, dass in Amerika im Moment die Kommunikation aller abgehört wird, sind die Bombenleger von Boston nicht erwischt worden, u. das trotz der Tatsache, dass russ. Geheimdienste das FBI gesondert darauf hingewiesen hatten, dass diese Personen als mit islamistischen Terrorgruppen assoziiert bekannt waren. Wir haben sie einfach nicht komplett überprüft, wir haben nur mal oberflächlich darübergeschaut, u. sind wieder zu unseren Tastaturen, zur Tagesordnung zurückgekehrt, jedermanns E-Mails u. SMS-Nachrichten zu lesen.
Die Frage der Bombenexplosion von Boston ist nicht, unter welche Art der Massenüberwachung stellen wir die gesamte Gesellschaft, um jedes auch nur eben wahrnehmbare Verbrechen zu verhindern, das in Zukunft geschehen könnte, die Frage ist, warum sind wir der Sache nicht nachgegangen, … als wir explizit vor diesen Personen gewarnt wurden u. die sich dann später als echte Bedrohung herausstellten. Was wir im letzten Jahrzehnt in Terrorismus-Fallstudien gelernt haben …, ist, dass fast jeder terroristische Akt, der aufgedeckt wird, fast jeder, der überführt, verurteilt u. ins Gefängnis gesteckt wird, jeder Plan, der vereitelt wird, nicht ein Resultat der
Massenüberwachung ist, nicht ein Resultat dieser Art von unterschiedsloser Überwachung, wie wir sie heute kennen. Alle Erfolge sind Resultat von gezielter Überwachung, traditioneller Überwachung, ganz klassisch vor Ort, ermitteln u. Schlüsse ziehen, von echten Ermittlern, die echte Menschen verhören u. erfolgversprechende Spuren verfolgen, die sich im Verlauf der Ermittlungen ergeben. Kein einziger terroristischer Akt, die Bomben in Boston eingeschlossen, wurde jemals als Resultat einer Massenüberwachung in den USA abgefangen. Es erscheint vernünftig, anzunehmen, dass, wenn es klare Hinweise darauf gibt, dass diese Programme ineffektiv sind, dass wir dann die Ressourcen aus diesen ineffektiven Massenüberwachungsprogrammen abziehen u. sie in Richtung der Art traditioneller, zielgerichteter Überwachung verschieben sollten, die sich seit hunderten Jahren als effektiv erwiesen hat.

Technologie im allgemeinen
[Nutzt er Dropbox?] Sie haben gerade Condoleeza Rice in den Vorstand berufen, die wahrscheinlich Privatsphäre-feindlichste Beamtin, die man sich vorstellen kann. Sie ist eine von denen, die Stellar Wind angeschaut u. es für eine gute Idee gehalten haben. Sie stehen der Privatsphäre also feindselig gegenüber. Obwohl wir im Moment noch nicht unmittelbar revolutionäre Veränderungen sehen, sieht die Wirklichkeit wohl so aus, dass Technologie-Mitarbeiter eine wichtige Gruppe sind, die der Gesellschaft einen wichtigen Dienst erweisen. Sie besitzen ein einzigartiges Niveau technologischer Kenntnisse, das es ihnen erlaubt, für oder gegen unsere natürlichen Rechte zu arbeiten. Und was ich das letzte Jahr über gesehen habe, ist, dass da eine ungemein große Einigkeit unter ihnen darüber besteht, dass unsere private Kommunikation auch privat bleiben soll, dass wir den Schutz gegen diese Art Übergriffe u. Missbrauch durch Geheimdienste erhöhen sollten, u. dass Massenüberwachung kein Thema sein sollte.
[Warum wir Google mehr trauen sollten als dem Staat?] Zunächst mal müssen Sie das nicht. Sich Google anzuschließen ist freiwillig. Aber es stellt sich eine wichtige Frage. Und ich würde sagen, dass, obwohl da ein Unterschied ist – Google kann Sie nicht ins Gefängnis stecken, Google kann keine Drohne programmieren, eine Bombe auf Ihr Haus abzuwerfen – wir ihnen nicht trauen sollten ohne zu überprüfen, welche Aktivitäten sie unternehmen u. wie sie unsere Daten nutzen. Wir sollten eine Art Zivilschutz haben, eine Art ziviler Maßnahmen, auf die wir zurückgreifen können u. die überprüfen, wie Firmen unsere Daten nutzen. Und wir sollten wenigstens eine breite gesellschaftliche Übereinkunft haben darüber, wo die Grenze zu ziehen ist, ohne unnötig neue Geschäftsmodelle u. Dienste zu beschädigen, die wir zwar heute noch nicht voraussehen können, morgen aber brauchen werden … Ich nutze Google nicht. Ich habe Skype u. Google Hangouts genutzt, die klasse sind, aber leider in ihrer Sicherheit kompromittierte Dienste. Ich habe sie für öffentliche Diskussionen eingesetzt, wenn es erforderlich war, aber ich würde sie nicht für private Kommunikation nutzen.
Ich denke, dass jeder in seinem Leben irgendwie mit proprietärer Software in Kontakt kommt, selbst wenn er sich dessen nicht bewusst ist. Auf Ihren Mobiltelefonen laufen Unmengen proprietären Codes der versch. Chiphersteller u. Mobilfunkanbieter.
Wir bewegen uns langsam aber sicher in die Richtung freier u. offener Software, die überprüfbar ist, oder wenn Sie es selbst nicht können, gibt es eine Programmierer-Community, die sich anschauen kann, was diese Geräte tatsächlich tun, u. sagen, ob das sicher u. angemessen ist, oder ob da was bösartiges oder merkwürdiges drin steckt? Das verbessert das Sicherheitsniveau für jeden in unseren Gemeinschaften.
Wir wollen keine Fragmentierung des Internet. Das nützt niemandem, weder in Brasilien, noch in Deutschland, noch in irgendeinem anderen Land der Welt. Was wir brauchen, sind gemeinsame Protokolle, die Daten u. Übertragungen schützen unabhängig von den Rechtssystemen, durch die sie geleitet werden.
Man möchte zum Beispiel nicht, dass, wenn ein ein Franzose etwas über ein Netzwerk an einen Dienst in die USA schickt, dieser Versand in jedem der Länder, durch die er läuft, überwacht, manipuliert oder überprüft wird. Und umgekehrt genauso. Und wenn das für europäische Ländern gilt, dann sollte das für lateinamerikanische genauso gelten u. ebenso für asiatische u. afrikanische.
Und das kann nur klappen, wenn wir die Sicherheit unserer gemeinsamen Basis verbessern, es geht um die Art, wie wir allgemein im Internet kommunizieren, die Basisinfrastruktur, über die wir alle kommunizieren.

Kritik wegen des Schadens, den er angerichtet habe
Dass Leute wissen, dass man Kommunikation überwachen kann, hält sie nicht davon ab, zu kommunizieren … denn sie können nur wählen, ob sie das Risiko annehmen, überwacht zu werden, oder gar nicht kommunizieren. Und wenn wir über Dinge wie terroristische Zellen sprechen oder Atomwaffenhändler – das sind organisierte Zellen. Das sind Dinge, die kann ein einzelner gar nicht alleine. Wenn die also aufhören, miteinander zu kommunizieren, dann haben wir schon gewonnen.
Wenn wir es geschafft haben, den Terroristen auszureden, unsere modernen Kommunikationsnetzwerke zu nutzen, haben wir doch, was unsere Sicherheit angeht, gewonnen – nicht verloren.
[Über Vorwürfe, er schwäche die Demokratie, die er zu schützen beteuert]
Was diese Geheimdienstler sagen, ist, dass das Demokratie-Modell als solches nicht aufrecht zu erhalten ist, dass man dem Volk nicht zutrauen kann, die richtigen Entscheidungen zu treffen, dass wir damit aufhören u. zu einem autoritären Regierungssystem übergehen sollen. Ich glaube aber, wenn wir es als Volk unabhängig anschauen u. Entscheidungen treffen, dann erschüttern uns diese geschwollenen Klagelieder nicht, für die es auch keine stützenden Beweise gibt. Was uns diese
Geheimdienste in Wirklichkeit fragen, ist: Wollen wir in einer Demokratie leben, in der wir gelegentlich dem Risiko eines Unglücks ausgesetzt sind, das wir nicht voraussehen u. vor dem wir uns nicht schützen können? Oder würden wir lieber in einem chinesischen oder russischen Modell leben, in einer Kontrollgesellschaft, die aber weniger frei ist? Es geht nicht darum, von welchen Überwachungsprogrammen die Öffentlichkeit wissen darf, sondern bis zu welchem Detail. All die Spionagechefs sind aufgetreten u. haben verkündet, dass die Atmosphäre verglühen wird, … die Welt endet, der Himmel uns auf den Kopf fällt, u. doch ist bisher nichts davon eingetreten. Die einzigen Leute, die sich vor Freude die Hände reiben, sind die Reformer, die mehr und mehr Beweise dafür sehen, dass die Regierungen hier übers Ziel hinausgeschossen sind u. unfähig, die Behauptungen aufrecht zu erhalten, die sie immer und immer und immer wieder machen, seit die Veröffentlichungen begonnen haben.
Ich kann ihnen jetzt hier sagen, dass auch nach dem letzten Jahr noch immer Terroristen festgenommen werden, es wird noch immer Kommunikation abgehört. Es gibt noch immer Erfolge von Geheimdienstoperationen, die auf der ganzen Welt stattfinden.

Kritik, er sei heuchlerisch und empöre sich selektiv
Die Leute sagen, entweder bist du naiv oder du hast eine Doppelmoral. Das machen doch alle Länder. Aber das stimmt nicht. Es hat sicher nicht jedes Land die Kapazitäten für einen Geheimdienst. Sagen wir also: Ok, was ist mit den Top-Geheimdiensten? Machen die alle dasselbe? Die Antwort ist: nein.
Jemand muss anfangen, muss eine Technologie entwickeln, muss sie anwenden, u. das sehen wir. Wir sehen, dass die USA u.a. Länder der Five-Eyes-Allianz neue Wege
einschlagen, um in das Privatleben einzudringen sowohl von legitimen Zielpersonen als auch in das aller anderen, die im Schleppnetz der Massenüberwachung mitgefangen werden. Wir wissen außerdem auch, dass einige Länder nicht in der gleichen Art spionieren wie wir. Leute können behaupten, meine Empörung sei selektiv, aber wenn wir … in Deutschland Woche für Woche einen CIA-Spion nach dem anderen entdecken, aber keinen deutschen Spion in den USA, u. die deutsche Regierung sagt, sie habe keine solchen Spione, dann gibt es keinen Anlass, solche Dinge zu behaupten.
Nochmal, wenn wir sagen wollen, dass das der Fall ist, dann sollten wir einen Beweis haben, irgendeine Art Beleg, wenigstens einen winzigen Fetzen, einfach einen Hinweis, dass es vorkommt, bevor wir es als eine Tatsache hinstellen. Es könnte sein, dass wir einen terroristischen Plan aufdecken oder mehr Verbrecher entdecken könnten, wenn wir alle Aufzeichnungen privater Aktivitäten beschlagnahmen, uns auf Schritt und Tritt überwachen, jedes Wort analysieren, das wir sagen, abwarten u. Urteile fällen über jede Assoziation, die wir haben, u. alle Menschen, die wir lieben. Aber ist das die Art Gesellschaft, in der wir leben wollen? Das ist die Definition einen
Sicherheitsstaates. Wollen wir in einer Kontrollgesellschaft leben oder wollen wir in einer freien Gesellschaft leben? Das ist die fundamentale Frage, die uns gestellt wird.

Kritik an seinen Verbindungen zu Russland
Da ich keinerlei klassifiziertes Material mit nach Russland gebracht habe, heißt das, obwohl das hier ein Gulag-Staat ist, wo mir jede Nacht die Finger gebrochen u. ich mit Ketten geschlagen werde, dass es für sie nichts zu gewinnen gibt. Ich meine, die Ängste sind überzogen. Was viele Menschen nicht verstehen, ist, dass wir Geheimdienst-
Leute nicht eine endliche Liste von Quellen u. Methoden haben, wo wir zum Regal gehen, etwas herausnehmen, es nutzen u. dann wieder zurückstellen. Und wenn es kaputt geht, fehlt da für immer was, das man nie zurückbekommen kann.
Die Geheimdienste in den USA, genaugenommen jeder Geheimdienst ist viel eher mit einer Fabrik zu vergleichen, die Methoden zur Informationsgewinnung … erzeugt. Wenn ich etwas tolles wüsste über ein Geheimdienst-Programm u. geschlagen oder gefoltert würde oder irgendwie anders kompromittiert, diese Information preiszugeben, wäre die nur eine kurze Zeit lang gültig. Und da die Regierungen, für die ich gearbeitet habe, wussten, worauf ich Zugriff hatte, werden sie in der Lage sein, diese Programme abzuschalten. Sie wären in der Lage, eine Gefährdung zu erkennen. Die Geheimdienstler wissen, dass ich für keine ausländische Regierung arbeite. Sie haben in der Washington Post anonym ausgesagt, dass ich kein Agent einer fremden Macht sei, sie haben keinen Haftbefehl deswegen ausgestellt. Und das ist so, weil die US-Geheimdienstler in der Lage wären, es zu bemerken, wenn ich Informationen an andere Regierungen weitergeben würde, die ich habe, die in meinem Kopf sind. Sie würden Änderungen erkennen in der Art der Informationen, die bei ihnen durchlaufen. Sie würden Quellen erlöschen sehen, die zuvor produktiv waren. Sie würden neue
Quellen von Desinformation sehen auf den entsprechenden Kanälen, u. das ist aber nicht geschehen.
[Es] sieht nur blöd aus, in Russland zu sein. Was Sie also als erstes verstehen müssen, ist, dass ich niemals nach Russland wollte. Ich habe hier nie aktiv Schutz gesucht. Das Außenministerium hat mich in Russland stranden lassen auf meiner Durchreise nach Lateinamerika. Aber ich würde sagen, wenn es meinem Ansehen schadet, dass ich hier bin, oder dort, oder irgendwo anders, dann ist das egal, denn da geht es nicht um mich. Meine Reputation ist egal … Worum es geht, ist, wie die Leute über diese Dinge denken, egal, wie sie über mich denken. Worum es geht, das sind ihre Rechte u. wie gegen sie verstoßen wird. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich die Mehrzahl der neuen Gesetze in Russland zur Internet-Zensur u. Überwachung missbillige. Ich finde es absolut unangebracht für jede Regierung in jedem Land, sich in die Regulierung einer freien Presse einzuschalten. Wir wollen nicht, dass Regierungsbeamte darüber entscheiden, was wir als Volk wissen dürfen oder nicht, was wir drucken dürfen oder nicht u. wie wir leben dürfen oder nicht, und dazu stehe ich.
[Über Edward Lucas, der ihn einen „nützlichen Idioten“ nennt] Ja. Er ist verrückt. Er ist überhaupt nicht glaubwürdig … Wir haben einen neuen Direktor der National Security Agency, Michael Rogers, der gerade angefangen hat. Der hat vollen Zugang zu allen geheimen Informationen. Der hat vollen Zugang zu allen Ermittlungen zu meiner Person.
Er hat öffentlich schlussgefolgert u. gesagt, ich glaube sowohl der Presse als auch dem Kongress gegenüber, dass ich wahrscheinlich kein russischer Spion sei. Dafür gibt es überhaupt keine Anhaltspunkte.
Falls die Regierung das kleinste Indiz, den kleinsten Fetzen eines Beweises hätte, noch nicht einmal, dass ich für die russ. Regierung arbeite, nur dass ich mit der Russ. Regierung in Kontakt wäre, dann wäre das bis Mittag auf der Titelseite der New York Times. Es wird immer Verschwörungstheorien geben. Menschen werden immer abfällige Bemerkungen über andere Menschen machen, egal was diese auch tun, wenn sie an einem Ort sind, der einer unbeliebten Regierung untersteht. Ich verstehe das, weil ich selbst viele der politischen Entscheidungen der russ. Regierung missbillige. Aber es ist elementar unverantwortlich u. journalistisch unehrlich, jemanden zu beschuldigen, für eine fremde Regierung zu arbeiten als Agent fremder Mächte, wenn es dafür überhaupt keinen Hinweis gibt, der diese These unterstützt. Und ich werde nicht auf jede einzelne Verschwörungstheorie antworten, die diese Spinner online hochkochen.
Schlussendlich ergibt es keinen Sinn. Wenn ich ein russ. Spion wäre, wäre ich von Hawaii nach Moskau geflogen. Warum hätte ich nach Hongkong gehen sollen? Warum ging er nach Indien [lt. Lucas' Verschwörungstheorie]? Da gibt es eine ganze Geschichte, dass ich da unerlaubterweise hingegangen wäre. Das ist Schwachsinn, ich war offiziell zu Besuch, arbeitete in der US-Botschaft. Es ist nicht so, dass niemand wusste, dass ich dort war … und der 6-Tage-Kurs danach – das war kein Sicherheits-Kurs, es war ein Programmierkurs, aber das tut nichts zur Sache.

Ob er alle Dokumente gelesen hat
Ich habe meine eigene Entschiedenheit kundgetan darüber, wo Grenzen gezogen werden sollten, aber ich war der Ansicht, dass es wichtig war, dass Journalisten in die Lage versetzt würden, eine unabhängige Einschätzung vorzunehmen, welche Informationen von öffentlichem Interesse wären. Und das können sie nicht, wenn sie nicht Belege haben sowohl für Programme, [die] gerechtfertigt sind, als auch für Programme, [die] ungerechtfertigt [sind]. Wenn sie nur Informationen über Programme hätten, die eindeutig kriminell sind, könnte das ein irreführendes Bild über die Aktivitäten unserer Geheimdienste zeichnen u. eine verzerrte Wahrnehmung, die sie alle als solche Bösewichte darstellt, die sie nicht sind. Sie sind gute Leute, die versuchen, schwierige Arbeit unter harten Bedingungen zu machen.

Warum so viele Dokumente
Wenn Journalisten nur über Programme berichten, die Bürgerrechte oder Menschenrechte verletzen und offenbar nicht legitime, gerechtfertigte Programme sind, die uns helfen, sicher zu leben, die uns in Kriegszeiten helfen, die kritische Infrastruktur schützen, u. wieder solche, die zwar nicht in jedem Detail, aber im großen und ganzen ausreichend zeigen, dass sie guten Sinn und Zweck haben, dann würden wir von der Presse in die Irre geführt, u. nicht von ihr unterstützt. Mir ist klargeworden, dass ich nicht die Entscheidung treffen kann über die Eindrücke, die wir geben sollten. Das sollen Journalisten, unabhängig, ihre Institutionen oder Redakteure.

Die Pflicht für Geschäftsleute, andere digitale Wege zu gehen
Ein unglücklicher Nebeneffekt der Entwicklung all dieser neuen Überwachungstechnologien ist, dass die journalistische Arbeit unermesslich schwieriger geworden ist als sie es in der Vergangenheit je war. Journalisten müssen besonders aufmerksam sein für jede Art NetzwerkÜbermittlung, jede Art Verbindung, jede Art Autokennzeichen-Lese-Einheit, an der sie auf dem Weg zu ihrem Treffpunkt vorbeifahren, jede Stelle, an der sie ihre Kreditkarte nutzen, jeden Ort, an den sie ihr Mobiltelefon mitnehmen, jeden E-Mail-Kontakt, den sie mit ihrer Quelle haben, denn der erste Kontakt, noch bevor die Verschlüsselung der Kommunikation aufgebaut ist, reicht schon aus, um alles zu verraten.
Egal wie vorsichtig Sie von diesem Zeitpunkt an sind, egal wie kenntnisreich Ihre Quelle, Journalisten müssen sicher sein, dass sie vom ersten bis zum letzten Moment der Beziehung zu ihrer Quelle überhaupt keine Fehler machen, sonst gefährden sie die Leute. Rechtsanwälte sind in der gleichen Lage. Und Ermittler. Und Ärzte.
Die Liste wächst konstant, u. wir sind uns bis heute noch nicht einmal bewusst, dass es so eine Liste gibt. Ich würde sagen Rechtsanwälte, Ärzte, Ermittler, womöglich sogar Buchhalter. Jeder, der die Pflicht hat, die Privatsphäre seiner Klienten zu schützen, sieht sich einer neuen u. herausfordernden Welt gegenüber, u. wir brauchen neue Schulungen u. neue berufliche Standards, um sicherzustellen, dass wir Mechanismen haben, die sicherstellen, dass der durchschnittliche Bürger unserer Gesellschaft in annehmbarem Maße Vertrauen in die Fähigkeiten aller Mitglieder dieser Berufe haben kann. Wenn wir unserem Priester in einer Kirche etwas beichten, dann ist das geheim, aber ist das anders, wenn wir unserem Pastor eine private E-Mail schicken, in der wir ihm eine Lebenskrise beichten?

Seine Zukunft

Ich habe sehr klar geäußert, dass ich gerne in die USA zurückkehren würde, u. wenn die Möglichkeit eines fairen Gerichtsverfahrens gegeben wäre, dann könnte man das machen. [Über seine Stelle als Rektor der Universität Glasgow?] Ich bin gerade in Gesprächen, um eine Methode zu finden, wie ich Rektoren-Sprechstunden abhalten kann, wie ich direkt mit den Studenten reden kann u. sehen, was ich tun kann, wenn überhaupt, um zu helfen, deren Belange vorzubringen u. sicherzustellen, dass sie von der Universität in vollem Maße angegangen werden. Leider hat es meine persönliche Situation, meine Sicherheitssituation, schwierig gemacht, direkt hinzufahren, aber wir versuchen, einen Weg zu finden, dass ich nicht wirklich an einen Bildschirm gefesselt bin, sondern hinreisen u. direkt mit Leuten sprechen kann.

Ob er sich fit hält
[Ich stehe] wahrscheinlich kurz vor dem Tod. Also ich esse nicht sehr viel. Ich halte mich an einen skurrilen Plan. Ich war früher sehr aktiv, aber gerade in der letzten Zeit hatte ich zu viel Arbeit, auf die ich mich konzentrieren musste.

Die Zukunft der Geheimdienste
Ich bin übermäßig idealistisch, weil ich nicht sicher bin, ob es politische Reformen schaffen werden, unsere Rechte in Hinsicht auf digitale Kommunikation in Zukunft effektiv zu schützen. Ich bin nicht sicher, dass die Regierung viel Lust dazu hat, diese Schutzmechanismen gesetzlich zu verankern. Ich denke, dass technische Systeme diese Lücke in weitem Maße füllen können, weil wir unsere Systeme u. Werte in die Übertragungsprotokolle einbauen können, die wir nutzen, um [unsere] Beziehungen zu schützen. Es wird wahrscheinlich vor dem Obersten Gericht landen … u. in Europa. Bevorstehende Gerichtsurteile werden, nach meiner Einschätzung, wahrscheinlich zusätzlichen Druck auf die Gesetzgeber ausüben, sinnvolle Reformen zu beschließen. Wir müssen erkennen, dass Menschen ein individuelles Recht auf Privatsphäre haben, aber sie haben auch ein kollektives Recht auf Privatsphäre. Niemand sollte ihre Kommunikation beschlagnahmen u. für unbestimmte Zeit speichern ohne jeden Verdacht oder Rechtfertigung, ohne jeden Verdacht, in irgendeine Art Kriminalität konkret verwickelt zu sein. Genauso, wie das bei jeder anderen Strafverfolgungsermittlung wäre.
Telekommunikationsanbieter müssen erkennen, dass die Rechte ihrer Kunden vor den Interessen irgendeines Staates kommen. Heute lautet ihre Standardantwort auf jede Kritik, die ihnen wegen der Mitwirkung an Abhörprogrammen entgegenschlägt, „wir halten uns an das Recht des Landes X, wenn wir in diesem Land tätig sind.“
Das mag stimmen, u. mag auch rechtlich gesehen vernünftig sein, aber es heißt nicht, dass sie davon befreit sind, die Rechte ihrer Kunden verteidigen zu müssen. Wenn wir ihnen die intimsten Details unserer Leben anvertrauen, wenn wir ihnen unsere privaten Aufzeichnungen zur Verwahrung geben, müssen sie sicherstellen, dass sie ein angemessener Advokat für uns als Kunden sind, nicht nur gesetzlich, sondern sozial gesehen. Und das heißt, dass sie ihre Lobbymöglichkeiten einsetzen müssen, sie müssen ihre wirtschaftliche Schlagkraft nutzen, um die Regierungen zu zwingen, in welcher Rechtsprechung auch immer, verantwortlicher zu handeln was die Gewährleistung unserer öffentlichen Interessen angeht.

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Heinz Lederer

Beitrag von Dissident am Mi Nov 23, 2016 11:17 am

https://www.unzensuriert.at/content/005955-Roter-Spindoktor-Lederer-muss-vor-den-U-Ausschuss --- Roter Spindoktor Heinz Lederer muss vor den U-Ausschuss

Einst nannte sich Lederer im Kreis der SPÖ-Genossen selbstbewusst Spin Doctor. Er zog 1997-2000 mit Andreas Rudas u. Josef Kalina die Strippen für SPÖ-Bundeskanzler Klima. Rudas .. übte damals selbst diese Position aus. Kalina gab den Kanzlerpressesprecher u. Lederer  den SPÖ-Kommunikationschef. Es war die Zeit, als sich im Umkreis von Viktor Klima gerade das rote Netzwerk Euroteam in einer Größenordnung von rund 100 Mio. Schilling an div. öffentl. Fördertöpfen bediente. Gleichzeitig wurden mit Hilfe des ehem. Vranitzky-Kabinettschef Karl Krammer 25 % des ÖIAG-Betriebs Telekom an die italien. Telefonica verscherbelt. Die SPÖ war trotz fallender Umfragewerte u. verlorener Wahlen wieder einmal in einem Machtrausch, an dem rote Berater u. Lobbyisten kräftig mitmischten. Der anlaufende parlamentarische Untersuchungsausschuss weckt nunmehr auch das Interesse an Lederers Rolle zwischen Politik u. Geschäft im letzten Jahrzehnt.

SPÖ-Kommunikationschef unter Bundeskanzler Viktor Klima
Als SPÖ-Kommunikationschef zimmerte er gemeinsam mit Rudas u. Kalina aus dem eher biederen OMV-Manager Klima die Kunstfigur Bundeskanzler von Österreich. Im Wahlkampf 1999 ging dieses .. Experiment aber gründlich schief. Die SPÖ unter Spitzenkandidat Klima stürzte ab. Alle  Inszenierungen der sozialdemokratischen Strippenzieher rund um Lederer hatten nichts genutzt. Nach gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit der ebenfalls abgestürzten ÖVP musste die SPÖ für 6 Jahre auf die harten Oppositionsbänke. Klima u. sein Team Lederer-Kalina-Rudas mussten die SPÖ-Zentrale verlassen. Es kam die Zeit Gusenbauers als SPÖ-Obmann.

Geschäftspartner der Telekom als Vorstand der insolventen lion.cc
Viele Genossen, allen voran auch Lederer, glaubten aber keineswegs an eine lange Abstinenz der SPÖ von der Macht auf Bundesebene. Er heuerte bei der Libro-Tochter lion.cc an u. führte diese als Vorstandsmitglied schlussendlich mit in die Insolvenz. Vorher wurde er aber noch mit der Telekom-Tochter jet2web über den Verkauf eines Kundenstamms von ca. 70.000 Nutzern handelseins. Diesbezüglich gab es in den Medien wilde Gerüchte über den Verbleib von nicht weniger als 342 Mio. Schilling, die durch WAZ u. Telekom Austria via lion.cc an den ebenfalls insolventen Libro Konzern geflossen sein sollen. Lederer blieb auch nach dem lion.cc-Abenteuer dem Telekom-Konzern verbunden. Gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Peter Hochegger war er lt. Medienberichten 2002-2009 für die Telekom tätig. In diesem Rahmen soll er vor allem für die Kontaktpflege in Richtung SPÖ u. Gusenbauer zuständig gewesen sein. Ab 2007, also nach dem Einzug  Gusenbauers ins Kanzleramt wurde Lederer SPÖ-Stiftungsrat im ORF, nominiert vom Bundeskanzleramt.

Im Fokus des parlamentarischen Untersuchungsausschusses
Die Tätigkeiten des SPÖ-Vertrauten Lederers während der schwarz-orangen Regierung Schüssel, aber auch in der Zeit der neuen SPÖ/ÖVP-Koalition unter Gusenbauer bzw. Faymann sind deshalb auch für den gerade angelaufenen parlamentarischen Untersuchungsausschuss von zentraler Bedeutung. Neben der ehem. Grün-Abgeordneten u. nunmehrigen Lobbyistin Monika Langthaler hat Lederer nämlich rund um Hocheggers Telekom&Co-Engagement in den vergangenen Jahren kräftig mitverdient.

http://www.profil.at/home/gusenbauer-telekom-essen-gusenbauer-1518-euro-320203 .. 2011 erklärte Hochegger, er habe Lederer im Auftrag der Telekom Austria (TA) etwa 100.000 € jährlich bezahlt. Die ­Gegenleistung sei Kontaktpflege zur SPÖ-Spitze um Parteichef Gusenbauer u. Klubobmann Cap gewesen. 1 Woche später konterte Lederer, Hochegger wolle ihn anpatzen, die Summe würde nicht stimmen. Daraufhin empfahl ihm wiederum Hochegger, er möge in seine Buchhaltung schauen.
profil liegen nunmehr Auszüge der Buchhaltung von Lederer vor. Nach Durchsicht von Umsatzsteuerjournalen vor allem des Geschäftsjahrs 2007 ergibt sich ein klarer Befund: Peter Hochegger hat Recht .. Lt. eig. Buchhaltung erhielt Lederer von der TA 2007 direkt 180.000 € u. von Hochegger weitere 45.000 €. Zum Vergleich: Insges. nahm Lederer 2007 rund 1 Mio. € Honorarumsatz ein. 2008 verbuchte die Telekom in 5 Tranchen insges. 110.000 € Beratungshonorar für Lederer .. Über 90 % seiner Tätigkeit hätten darin bestanden, Marktanalysen anzustellen u. das Image der Telekom als reinen Shareholder-Value-Konzern zu korrigieren. Auftrag sei es gewesen, Lehrlingsoffensiven u. Frauenförderungsmaßnahmen des Unternehmens zu vermarkten ..

http://www.news.at/a/hypo-alpe-adria-rote-lobby-gusenbauer --- An die Firma des Ex-Parteikommunikationschefs Heinz Lederer zahlte die Hypo-Bank lt. Gutachten von 2007-2010 insges. 456.000 € für Kommunikationsberatung u. PR-Unterstützung ---

http://www.gmx.at/magazine/wirtschaft/hypo-skandal/hypo-skandal-gabriel-lansky-u-ausschuss-befragt-31012148 .. U-Ausschuss befragt .. Lederer sollte sich zu seinem Beratungsvertrag mit der früheren Hypo Alpe Adria in den Jahren 2007-2010 äußern. Erneut erfuhren die Abgeordneten wenig. Mehrfach sprachen sie auch Lederers Beziehung zum Lobbyisten Peter Hochegger vergebens an: Lederer sah sich nicht auskunftspflichtig. Immer wieder .. die Frage zurück, welche der vorgebrachten Themen denn nun Teil des Untersuchungsgegenstandes seien u. welche nicht. So wurde es eine kurze Sitzung mit vielen Fragen u. letztlich wenigen Antworten.

http://www.lederer-communication.at/  --- Heinz Lederer Communications GmbH, 1010 Wien, Wipplingerstrasse 24-26 ---

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Paul Lendvai

Beitrag von Dissident am Mi Nov 23, 2016 2:42 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lendvai  Paul Lendvai (*1929), aus Ungarn stammender Publizist u. Moderator. Er ist politischer Kommentator der Tageszeitung Der Standard sowie in ungar. u. englischsprachigen Medien ..

Als Sohn jüdischer Eltern wurde er mit seinem Vater 1944 verschleppt. Dank eines Schweizer Schutzpasses überlebten sie in Budapest .. Nach Krieg u. einem Jurastudium schrieb er als Journalist bei sozialdemokratischen Zeitungen. Wg. seiner Tätigkeit wurde er 1953 von den Kommunisten verhaftet u. erhielt 3 Jahre Berufsverbot. Im Zuge des Ungarn-Aufstandes floh er aus Ungarn über Prag u. Warschau 1957 nach Wien ..
In Wien begann er als Übersetzer ungar. Nachrichten u. verfasste später eig. Artikel für Die Presse u. die Neue Zürcher Zeitung – zum Schutz seiner Mutter, die in Budapest geblieben war, unter versch. Pseudonymen. 1959 erhielt er die österr. Staatsbürgerschaft. 1960.-1987 war er Auslandskorrespondent für die Londoner Financial Times in Wien. Er gründete die Zeitschrift Europäische Rundschau, wurde 1982-1987 Leiter der Osteuropa-Redaktion des ORF u. später Intendant von Radio Österreich International ---
Kurz nach dem Erscheinen seines Buches "Mein verspieltes Land" (2010) wurden in der regierungsnahen ungar. Wochenzeitung Heti Válasz Dokumente des ungar. Geheim-dienstes veröffentlicht, nach denen er mit den kommunistischen Behörden Ungarns kooperiert haben soll, was er jedoch in Abrede stellt. In der Folge dieser Anwürfe gab es auch Mobilisierungen u. Drohungen gegen ihn, woraufhin die Heinrich-Böll-Stiftung eine Lesung Lendvais aus Sicherheitsgründen absagte ---
https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Paul_Lendvai .. Faktum ist, daß Lendvay für journalistische Vorteile mit dem Kádár-Regime kooperiert hat. Auch wenn dies von der deutschsprachigen Presse totgeschwiegen ist .. Die Absage der Buchvorstellung in Frankfurt wg. ungar. Drohungen ist sehr komisch. Kurz nach der Absage hat Lendvai sein Buch in Budapest vorgestellt. Niemand hat ihn in Budapest bedroht. Die Absage war Reklame, wurde als Sensation in allen deutsche Medien veröffentlicht. Die nachfolgende, friedliche Buchvorstellung in Budapest war den deutschen Medien keine Nachricht Wert. Lendvai kennt die Tricks, Angst ist die beste Reklame. Damit schreckt er aber viele, naive Reisende von einem Ungarn-Besuch ab. Millionen Euro Schaden für ungar. Hotels, Gastwirtschaft, usw. ---

http://derstandard.at/1289608240746/Ungarn-Rufmord-Kampagne-gegen-Paul-Lendvai .. Lendvai wird als "freiwilliger Informant der (kommunistischen) Kádár-Diktatur" angeprangert, als jemand, der dem damal. kommun. Regime Informationen über die Opposition "angedient" hätte .. Cover-Titel: "Im Dienste des Parteistaates." .. Mitarbeiter der ungar. Botschaft in Wien, mit denen sich der damal. Leiter des ORF-Oststudios häufig traf, fassen den Inhalt ihrer Gespräche mit dem Fernsehmann zusammen ---

http://diepresse.com/home/kultur/medien/611863/Ungarisches-Blatt-wirft-Paul-Lendvai-Spitzeltum-vor?from=gl.home_kultur .. "Heti Valasz" selbst präzisierte in seiner Online-Ausgabe, es habe Lendvai keine Agententätigkeit, sondern vielmehr "freiwilliges Informantentum" vorgeworfen. Während viele Intellektuelle in Ungarn aufgr. v. Druck u. Erpressung zu "Inoffiz. Mitarbeitern" des Geheimdienstes geworden seien, habe sich Lendvai "freiwillig mit ungar. Diplomaten in Wien getroffen, um der kommunistischen Staatsmacht Informationen über eine in Ungarn geplante Oppositionsveranstaltung zu übermitteln" .. Die ungar. Behörden strichen einige Tage später die Raumreservierung für die Veranstaltung, die am Rande eines mehrwöchigen Kulturforums der Konferenz für Sicherheit u. Zusammenarbeit in Europa (KSZE) stattfinden sollte ---
Leserkommentar:
"Für wie dumm hält uns Lendvai eigentlich? Lendvai versucht darzutun, daß er ein Opfer der rechtsextremen Kräfte in Ungarn wäre. Bemerkenswert ist jedoch, daß auch eindeutig links stehende Zeitungen Lendvai vorwerfen, ein freiwilliger Kollaborateur der Kádár-Regimes gewesen zu sein (z.B. Ádám Petri Lukács in Népszabaság, 21.11.2010, siehe: http://nol.hu/velemeny/lendvai___az_onkentes_kollaborans). Eine deutsche Übersetzung des Artikels findet man unter:
http://hungarianvoice.wordpress.com/2010/11/21/die-liberale-ungarische-tageszeitung-nepszabadsag-uber-den-fall-lendvai/ ---"

"Lendvai hat in den letzten Jahren die Regierung Gyurcsány voll unterstützt. Gyurcsány hat bekanntlich in die Apró Familie eingeheiratet, die seit 56 ihren Einfluß ausübte, u. nach der Wende Nutzzieher der Privatisierung war. Es ist schon seltsam, daß Lendvai diese Gruppe unterstüzt hat, die ihre Macht aus den 80-er Jahren hinüberretten hat können. Es ist sicherlich kein Zufall, daß über Lendvai gerade jetzt solche Informationen auftauchen. --- "

"Lendvai hatte als Juso-Funktionär seinerzeit mitgeholfen, Ungarns Sozialdemokraten mit den Kommunisten zu fusionieren, was ihm zu einer raschen Karriere bei der staatl. Nachrichtenagentur verhalf. Diese wurde durch die Ereignisse von 1956 unterbrochen, wobei L. keineswegs als Widerstandskämpfer glänzte, es aber nach Intrigen u. antisemitischen Anwürfen vorzog, nachträglich in den Westen zu gehen. Osteurop. Diplomaten u. Funktionäre erkannten an ihm dennoch immer den "Stallgeruch" des früheren Gefährten u. unterhielten sich mit ihm in einer Art "Insidersprache". Hass u. gegenseitige Zuneigung hielten sich dabei auf beiden Seiten die Waage. Andere Osteuropa-Korrespondenten wunderten sich immer wieder über die regelmässige Vorzugsbehandlung Lendvais."

"Überzeugend ist die Wiederlegung der Vorwürfe nicht: Einfach "absurd" zu sagen, ist etwas dünn. Daß er hier für einen der profiliertesten Journalisten Österreichs gehalten wird, sagt einiges über Österreichs Journalisten aus."

http://de.allbuch.online/wiki/Lendvai,_Paul .. Lendvai, eigentlich Loewenfeld magyarisiert .. Sein schon früh anvisiertes Ziel einer journalistischen Karriere startete er noch während des Studiums beim Jugendorgan der Sozialdemokr. Partei Ungarns. Später machte er ein Volontariat bei der Sozialdemokr. Abendzeitung „Kossuth Nèpe“. Nachdem 1948 die ungar. Parteien zur Einheitspartei MDP zusammengelegt wurden, kam er zum Zentralorgan „Das Freie Volk“ (Szabad Nép) u. wurde dann zur staatl. Nachrichtenagentur MIT versetzt. Danach arbeitete er für die Zeitung „Esti Hírlap“. Er erstellte Propagandaschriften für die kommunist. Partei, wie z.B. Tito, der Feind des ungar. Volkes (1951) od. Frankreich auf dem Kreuzweg (1955). Als Mitglied der ehem. sozialdemokr. Partei kam er während der stalinistischen Exzesse in Ungarn auf die Liste der „politisch Unzuverlässigen“, wurde 1953 verhaftet u. für 8 Monate interniert. Nach dem blutig niedergeschlagenen ungar. Volksaufstand gegen das sowj. dominierte kommun. Regime, in dem er keine Rolle gespielt hat, floh er, die Situation u. seine Privilegien als Journalist ausnutzend, aus privaten Gründen über Warschau Februar 1957 nach Wien .. er ist seit 2004 in 3. Ehe mit Zsóka Lendvai, Verlegerin, verheiratet u. lebt in Wien u. Altaussee. Er hat 1 Tochter, Nicole Ashley, die in San Diego lebt.

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Byung-Chul Han

Beitrag von Dissident am Do Nov 24, 2016 9:22 am

https://de.wikipedia.org/wiki/Byung-Chul_Han  Byung-Chul Han (* 1959 in Südkorea) ist Autor u. Essayist sowie Professor für Philosophie u. Kulturwissenschaft ---
er studierte zunächst Metallurgie in Seoul, bevor er sich dazu entschloss, in Freiburg im Breisgau u. München Philosophie, deutschsprachige Literatur u. katholische Theologie zu studieren. Er wurde 1994 in Freiburg mit der Studie „Heideggers Herz. Zum Begriff der Stimmung bei Martin Heidegger“ promoviert. 2000 habilitierte sich Han an der Uni Basel. Anschließend war er bis 2010 Privatdozent am dortigen philosophischen Seminar. Im selben Jahr wechselte er an die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, an der er bis 2012 als Professor für Philosophie u. Medientheorie tätig war. Seit dem Wintersemester 2012 lehrt er Philosophie u. Kulturwissenschaft an der Universität der Künste Berlin. 2016 erhielt er den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung. Zu Hans Forschungsschwerpunkten gehören die Philosophie ab dem 18. Jahrhundert im Allgemeinen, die Ethik, die Phänomenologie, die Ästhetik sowie die Sozial-, Kultur-, Religions- u. Medienphilosophie.

Position
In seinen aktuellen Veröffentlichungen befasst sich Han mit transparentem Verhalten, das er als durch neoliberale Marktkräfte erzwungene kulturelle Norm interpretiert. Viele Menschen von heute hielten diesen Kult des Individualismus für Freiheit, obwohl er Teil des kapitalistischen Selbstausbeutungssystems sei. Han befürchtet einen Druck zur freiwilligen Offenlegung intimer Details, der ihm zufolge an Pornografie grenze u. ein totalitäres System der Offenheit zu Lasten anderer sozialer Werte wie der Scham, der Vertraulichkeit u. des Vertrauens erzeuge. Aber viele mieden Liebe und Nähe, weil sie zu einer Verletzung führen könnten. So werde der aktuelle Alltag von Sichtbarkeit und Oberflächlichkeit beherrscht ---
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http://salzburg.orf.at/news/stories/2810770/  „Smartphones sind Schnuller“
Smartphones seien Schnuller für alle, u. Studenten an Unis würden immer infantiler u. dümmer, sagte der koreanisch-deutsche Philosoph Byung-Chul Han in Salzburg. Er bekam Mittwochabend den Landespreis für Zukunftsforschung. Als Salzburgs Landesrätin Berthold (Grüne) dem Gast aus Berlin am Mittwochabend nach ihrer Rede das Mikrophon übergab u. fragte, ob Han seine Urkunde für den Landespreis vor oder nach seiner eigenen Dankesrede bekommen wolle, sagte der Philosoph: „Ich brauche überhaupt keine Urkunde. Die Frau Landesrätin muss 10 Rosenkränze für mich beten.“
Zuhörer schmunzelten, schluckten, hörten
Den Landespreis selbst bezeichnete Han dann mit einem Wort aus der menschlichen Verdauung, das wir hier nicht zitieren wollen (Anm. Dissident: Scheisse?). Man hätte in diesem Moment eine Stecknadel fallen hören können. Dann Schmunzeln bis Gelächter im fast vollen Saal. Manche schienen auch erstarrt zu sein.
Eine Dankesrede wie die .. von Han dürfte es in Europa bisher kaum gegeben haben. Der Gelehrte betonte, er sei trotz einer akuten Infektion zu dieser Preisverleihung nach Salzburg gereist, habe Medikamente geschluckt u. werde sich dennoch bemühen, seine Rede zu halten. Spätestens hier dachten manche an mögliche Wechselwirkungen - noch dazu, weil eine Flasche Stieglbier auf dem Rednerpult stand; noch verschlossen.

„Die Uni macht krank, das ganze System ist krank“
Der in vielen Feuilletons der deutschspr. Presse von Edelfedern gelobte Denker ließ sinngemäß dann weiter anklingen, seine aktuelle Erkrankung sei wohl auch somatisch bedingt. Denn seine Infektion u. seine Wirbelsäulenprobleme gingen zurück auf die Tatsache, dass ihn der Universitätsbetrieb krank mache. Er werde schon demnächst seine Professur in Berlin niederlegen. Han sagte im fast vollen Publikumsstudio des ORF Salzburg, dass im akad. Bereich viele „Idioten ohne Hausverstand“ tätig seien: „Die Uni macht krank. Das ganze System ist psychisch krank.“

„Gesellschaft ist extrem prüde“
In der Folge kritisierte Han, dass die moderne Gesellschaft im Spätkapitalismus noch viel leib- u. lustfeindlicher u. „viel prüder als das Viktorianische Zeitalter“ (im Großbritannien des 19. Jahrhunderts) sei: Gleichzeitig seien überall Pornos zu sehen im Internet, u. „Pornos sind die Ersatzsexualität“ unserer Zeit, so der Philosoph ---

Laudator Firlei lobt Han als Analytiker
Vor der Rede des Philosophen hatte der Salzburger Arbeitsrechtler u. Uni-Professor Klaus Firlei die Laudatio auf den Preisträger gehalten. Firlei ist auch Präsident des Kuratoriums der Robert-Jungk-Stiftung. Han sei einer der ganz großen Philosophen unserer Zeit, sagte Firlei. Er biete in seinen Büchern viele Analysen des Kapitalismus u. der modernen Gesellschaft, die bahnbrechend seien.
So ging es auch manchem Klischee ein wenig an den Kragen. Das klassische Menschenbild der Linken, wonach es Ausbeuter u. Ausgebeutete gebe, werde durch Han zum Einstürzen gebracht, so Firlei. Der Philosoph Han zeige, dass es heute immer weniger klassische Fronten u. Arbeitskämpfe gebe, weil die Bruchlinien der sozialen Widersprüche u. Missstände der Gesellschaft mitten durch die Menschen selbst hindurchgingen. Diese seien zwischen verschiedensten Interessen u. sich selbst zerrissen, quasi Ausbeuter u. Ausgebeutete in einem. Firlei sprach in diesem Zusammenhang von einer immer stärker „erschlaffenden u. immer depressiveren Gesellschaft“
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http://www.sueddeutsche.de/politik/neoliberales-herrschaftssystem-warum-heute-keine-revolution-moeglich-ist-1.2110256 --- Gastbeitrag von Byung-Chul Han

Warum heute keine Revolution möglich ist - - -
Als es vor einem Jahr in der Berliner Schaubühne zu einer Debatte zwischen Antonio Negri und mir kam, stießen 2 Kapitalismuskritiken frontal aufeinander. Negri schwärmte für Möglichkeiten des globalen Widerstandes gegen das "Empire", das neoliberale Herrschaftssystem. Er präsentierte sich als kommunistischer Revolutionär u. bezeichnete mich als skeptischen Professor. Emphatisch beschwor er die "Multitude", die vernetzte Protest- u. Revolutionsmasse, der er es offenbar zutraute, das Empire zu Fall zu bringen. Mir erschien die Position des kommunist. Revolutionärs zu naiv u. realitätsfern. So versuchte ich, Negri zu erklären, warum heute keine Revolution mehr möglich ist.

Warum ist das neoliberale Herrschaftssystem so stabil? Warum gibt es so wenig Widerstände dagegen? Warum werden sie alle so schnell ins Leere geführt? Warum ist heute keine Revolution mehr möglich trotz immer größer werdender Schere zwischen Reichen und Armen? Für eine Erklärung ist ein genaues Verständnis notwendig, wie die Macht und Herrschaft heute funktioniert.

Wer ein neues Herrschaftssystem installieren will, muss Widerstand beseitigen. Das gilt auch für das neoliberale Herrschaftssystem. Zur Einsetzung eines neuen Herrschaftssystems ist eine setzende Macht notwendig, die oft mit Gewalt einhergeht. Aber diese setzende Macht ist nicht identisch mit der das System nach innen hin stabilisierenden Macht. Es ist bekannt, dass Margaret Thatcher als Vorkämpferin des Neoliberalismus die Gewerkschaften als "Feind im Inneren" behandelte u. sie gewaltsam bekämpfte. Gewaltsamer Eingriff zur Durchsetzung der neoliberalen Agenda ist jedoch nicht jene systemerhaltende Macht.

Die systemerhaltende Macht ist nicht mehr repressiv, sondern verführend
Die systemerhaltende Macht der Disziplinar- und Industriegesellschaft war repressiv. Fabrikarbeiter wurden durch Fabrikeigentümer brutal ausgebeutet. So führte die gewaltsame Fremd-Ausbeutung der Fabrikarbeiter zu Protesten u. Widerständen. Möglich war hier eine Revolution, die das herrschende Produktionsverhältnis umstürzen würde. In diesem repressiven System sind sowohl die Unterdrückung als auch die Unterdrücker sichtbar. Es gibt ein konkretes Gegenüber, einen sichtbaren Feind, dem der Widerstand gilt.
Das neoliberale Herrschaftssystem ist ganz anders strukturiert. Hier ist die systemerhaltende Macht nicht mehr repressiv, sondern seduktiv, das heißt, verführend. Sie ist nicht mehr so sichtbar wie in dem disziplinarischen Regime. Es gibt kein konkretes Gegenüber mehr, keinen Feind, der die Freiheit unterdrückt u. gegen den ein Widerstand möglich wäre.
Der Neoliberalismus formt aus dem unterdrückten Arbeiter einen freien Unternehmer, einen Unternehmer seiner selbst. Jeder ist heute ein selbstausbeutender Arbeiter seines eigenen Unternehmers. Jeder ist Herr u. Knecht in einer Person. Auch der Klassenkampf verwandelt sich in einen inneren Kampf mit sich selbst. Wer heute scheitert, beschuldigt sich selbst u. schämt sich. Man problematisiert sich selbst statt der Gesellschaft.

Das unterworfene Subjekt ist sich nicht einmal seiner Unterworfenheit bewusst
Ineffizient ist jene disziplinarische Macht, die mit einem großen Kraftaufwand Menschen gewaltsam in ein Korsett von Geboten u. Verboten einzwängt. Wesentlich effizienter ist die Machttechnik, die dafür sorgt, dass sich Menschen von sich aus dem Herrschaftszusammenhang unterordnen. Ihre besondere Effizienz rührt daher, dass sie nicht durch Verbot u. Entzug, sondern durch Gefallen u. Erfüllen wirkt. Statt Menschen gefügig zu machen, versucht sie, sie abhängig zu machen. Diese Effizienzlogik des Neoliberalismus gilt auch der Überwachung. In den 1980er-Jahren hat man heftigst gegen die Volkszählung protestiert. Sogar die Schüler gingen auf die Straße.

Kommunismus als Ware, das ist das Ende der Revolution
Aus heutiger Sicht wirken die notwendigen Angaben wie Beruf, Schulabschluss oder Entfernung zum Arbeitsplatz fast lächerlich. Es war eine Zeit, in der man glaubte, dem Staat als Herrschaftsinstanz gegenüberzustehen, der den Bürgern gegen deren Willen Informationen entreißt. Diese Zeit ist längst vorbei. Heute entblößen wir uns aus freien Stücken. Es ist gerade diese gefühlte Freiheit, die Proteste unmöglich macht. Im Gegensatz zur Zeit der Volkszählung protestieren wir kaum gegen die Überwachung. Freie Selbstausleuchtung u. -entblößung folgt derselben Effizienzlogik wie die freie Selbstausbeutung. Wogegen protestieren? Gegen sich selbst? Diese paradoxe Situation bringt die amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer mit ihrem "truism" zum Ausdruck: "Protect me from what I want."

Es ist wichtig, zwischen setzender u. erhaltender Macht zu unterscheiden. Die systemerhaltende Macht nimmt heute eine smarte, freundliche Form an u. macht sich dadurch unsichtbar u. unangreifbar. Das unterworfene Subjekt ist sich hier nicht einmal seiner Unterworfenheit bewusst. Es wähnt sich in Freiheit. Diese Herrschaftstechnik neutralisiert den Widerstand auf eine sehr effektive Art u. Weise. Die Herrschaft, die Freiheit unterdrückt u. angreift, ist nicht stabil. Das neoliberale Regime ist deshalb so stabil, immunisiert sich gegen jeden Widerstand, weil es von der Freiheit Gebrauch macht, statt sie zu unterdrücken. Die Unterdrückung der Freiheit provoziert schnell Widerstand. Die Ausbeutung der Freiheit dagegen nicht.

Nach der Asienkrise war Südkorea gelähmt u. geschockt. Da kam der IWF u. gab den Koreanern Kredite. Dafür musste die Regierung die neoliberale Agenda gewaltsam gegen Proteste durchsetzen. Diese repressive Macht ist die setzende Macht, die häufig auf Gewalt zurückgreift. Aber diese setzende Macht unterscheidet sich von der systemerhaltenden Macht, die im neoliberalen Regime sich sogar als Freiheit gibt. Für Naomi Klein ist der gesellschaftliche Schockzustand nach Katastrophen wie der Finanzkrise in Südkorea oder Griechenland die Gelegenheit, die Gesellschaft gewaltsam einer radikalen Neuprogrammierung zu unterwerfen. Heute gibt es in Südkorea kaum Widerstände. Es herrscht dagegen ein großer Konformismus u. Konsens mit Depression u. Burn-out. Südkorea hat heute weltweit die höchste Suizidrate. Man wendet Gewalt gegen sich selbst an, statt die Gesellschaft verändern zu wollen. Die Aggression nach außen, die eine Revolution zur Folge hätte, weicht einer Selbstaggression.

Heute gibt es keine kooperierende, vernetzte Multitude, die sich zu einer globalen Protest- u. Revolutionsmasse erheben würde. Vielmehr macht die Solitude des für sich isolierten, vereinzelten Selbst-Unternehmers die gegenwärtige Produktionsweise aus. Früher standen Unternehmen miteinander in Konkurrenz. Innerhalb des Unternehmens war dagegen eine Solidarität möglich. Heute konkurriert jeder mit jedem, auch innerhalb eines Unternehmens. Diese absolute Konkurrenz erhöht die Produktivität enorm, aber sie zerstört Solidarität u. Gemeinsinn. Aus erschöpften, depressiven, vereinzelten Individuen lässt sich keine Revolutionsmasse formen.

Man kann den Neoliberalismus nicht marxistisch erklären. In ihm findet nicht einmal die berühmte "Entfremdung" von der Arbeit statt. Heute stürzen wir uns mit Euphorie in die Arbeit bis zum Burn-out. Die erste Stufe des Burn-out-Syndroms ist eben die Euphorie. Burn-out u. Revolution schließen sich aus. So ist es ein Irrtum zu glauben, dass die Multitude das parasitäre Empire abwirft u. eine kommunistische Gesellschaft installiert.

Die Ökonomie des Teilens führt zu einer Totalkommerzialisierung des Lebens
Wie steht es heute mit dem Kommunismus? Überall wird Sharing u. Community beschworen. Die Sharing-Ökonomie soll die Ökonomie des Eigentums u. des Besitzes ablösen. "Sharing is Caring", "Teilen ist Heilen", so heißt eine Maxime der "Circler" im neuen Roman von Dave Eggers, "The Circle". Die Pflastersteine, die den Fußweg zur Firmenzentrale von Circle bilden, sind durchsetzt mit Sprüchen wie "Sucht Gemeinschaft" oder "Bringt euch ein". Caring is Killing, sollte es aber eigentlich heißen. Auch die digitale Mitfahrzentrale "Wunder Car", die jeden von uns zum Taxi-Fahrer macht, wirbt mit der Idee der Community. Es ist aber ein Irrtum zu glauben, dass die Sharing-Ökonomie, wie Jeremy Rifkin in seinem jüngsten Buch "Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft" behauptet, ein Ende des Kapitalismus, eine globale, gemeinschaftlich orientierte Gesellschaft einläutet, in der Teilen mehr Wert hätte als Besitzen. Im Gegenteil: Die Sharing-Ökonomie führt letzten Endes zu einer Totalkommerzialisierung des Lebens.

Der von Rifkin gefeierte Wechsel vom Besitz zum "Zugang" befreit uns nicht vom Kapitalismus. Wer kein Geld besitzt, hat eben auch keinen Zugang zum Sharing. Auch im Zeitalter des Zugangs leben wir weiter im "Bannoptikum", wo diejenigen, die kein Geld haben, ausgeschlossen bleiben. "Airbnb", der Community Marktplatz, der jedes Zuhause in ein Hotel verwandelt, ökonomisiert sogar die Gastfreundschaft. Die Ideologie d. Community od. der kollaborativen Commons führt zu Totalkapitalisierung der Gemeinschaft. Es ist keine zweckfreie Freundlichkeit mehr möglich. In einer Gesellschaft wechselseitiger Bewertung wird auch die Freundlichkeit kommerzialisiert. Man wird freundlich, um bessere Bewertungen zu erhalten. Auch mitten in der kollaborativen Ökonomie herrscht die harte Logik des Kapitalismus. Bei diesem schönen "Teilen" gibt paradoxerweise niemand etwas freiwillig ab. Der Kapitalismus vollendet sich in dem Moment, in dem er den Kommunismus als Ware verkauft. Der Kommunismus als Ware, das ist das Ende der Revolution.

http://www.sueddeutsche.de/politik/hyperkapitalismus-und-digitalisierung-die-totalausbeutung-des-menschen-1.3035040 --- Die Totalausbeutung des Menschen
Getrieben vom Hyperkapitalismus: Die Digitalisierung beschleunigt die kommerzielle Ausbeutung des menschlichen Lebens. Es ist Zeit, Widerstand zu organisieren.
Essay von Byung-Chul Han

Customer-Lifetime-Value bezeichnet den Wert, den ein Mensch während seines gesamten Kundenlebens für ein Unternehmen darstellt. Diesem Begriff liegt die Intention zugrunde, die ganze menschliche Person, ihr gesamtes Leben in rein kommerzielle Werte umzuwandeln. Der heutige Hyperkapitalismus löst die menschliche Existenz gänzlich in ein Netz kommerzieller Beziehungen auf. Es gibt heute keinen Lebensbereich mehr, der sich der kommerziellen Verwertung entzöge.
Gerade die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft erleichtert, erweitert u. beschleunigt in erheblichem Maße die kommerz. Ausbeutung des menschl. Lebens. Sie unterwirft Lebensbereiche, die bisher dem kommerz. Zugriff unzugänglich waren, einer ökonomischen Ausbeutung. So tut es heute not, neue Lebensbereiche zu errichten, ja neue Lebensformen zu entwickeln, die sich der kommerziellen Totalausbeutung des menschlichen Lebens widersetzen.

Der New Yorker Flagship-Store von Apple stellt in jeder Hinsicht den Tempel des Hyperkapitalismus dar. Er ist ein Kubus aus reinem Glas. Im Inneren ist dieser leer. Er stellt also nichts anderes als seine eigene Durchsichtigkeit aus. Im Untergeschoss ist der eigentliche Laden untergebracht. Transparenz nimmt hier materielle Gestalt an.
Der durchsichtige Apple-Shop ist wohl das architektonische Gegenbild der Kaaba in Mekka mit ihrem schwarzen Umhang. Kaaba heißt wörtlich Kubus. Dem schwarzen Bauwerk fehlt jede Transparenz. Der Kubus ist ebenfalls leer u. steht für eine theologische Ordnung, die der hyperkapitalistischen Ordnung entgegengesetzt ist.

Kommunikation, Kommerz und Konsum
Der Apple-Shop u. die Kaaba stellen 2 Herrschaftsformen dar. Der transparente Kubus präsentiert sich zwar als Freiheit und symbolisiert grenzenlose Kommunikation. Aber diese Transparenz ist selbst eine Herrschaftsform, die heute die Form eines digitalen Totalitarismus annimmt. Er kündigt eine neue Herrschaft an: die Herrschaft des Hyperkapitalismus. Er symbolisiert die heutige Totalkommunikation, die immer mehr mit der Totalüberwachung u. Totalausbeutung zusammenfällt.

Die Kaaba ist verschlossen. Nur Geistliche haben Zugang ins Innere des Baus. Der transparente Kubus ist hingegen rund um die Uhr geöffnet. Jeder hat als Kunde Zutritt. Hier liegen 2 entgegengesetzte Herrschaftsordnungen vor: die Herrschaft der Schließung u. die Herrschaft der Öffnung. Diese ist allerdings effizienter als die erstgenannte, weil sie sich als Freiheit gibt. Mit dem gläsernen Kubus feiert der Hyperkapitalismus eine Hyperkommunikation, die alles durchdringt, durchleuchtet u. ins Monetäre umwandelt. Kommunikation, Kommerz und Konsum - mit dem Apple-Shop im Untergeschoss - fallen hier in eins.

Die US-Firma Acxiom, die personenbezogene Daten erhebt, wirbt mit dem Slogan: "Wir bieten Ihnen einen 360-Grad-Blick auf Ihre Kunden." Gesammelt werden Daten über Konsumverhalten, Familienstand, Beruf, Vorlieben, Hobbys, Wohn- u. Einkommensverhältnisse. Ihre Algorithmen unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der NSA.
Die Welt als Warenhaus erweist sich als digitales Panoptikum mit einer Totalüberwachung. Totalausbeutung u. Totalüberwachung sind 2 Seiten einer Medaille. Acxiom unterteilt Menschen in 70 Kategorien, und zwar rein aus ökonomischem Blickwinkel. Die Gruppe von Personen, die einen sehr geringen Kundenwert aufweisen, heißt "waste", also Abfall oder Müll.
Big Data macht Prognosen des menschl. Verhaltens möglich. Die Zukunft wird dadurch berechenbar u. manipulierbar. Big Data erweist sich als ein sehr effizientes psychopolitisches Instrument, das es erlaubt, Menschen wie Marionetten steuerbar zu machen. Big Data erzeugt ein Herrschaftswissen. Dieses macht es möglich, in die menschl. Psyche einzugreifen u. sie zu beeinflussen, ohne dass die Betroffenen es merken. Die digitale Psychopolitik degradiert die menschliche Person zu einem Objekt, das quantifizierbar u. steuerbar ist. Somit kündigt Big Data das Ende des freien Willens an.

Firmen wie die Schufa schaffen das Vertrauen ab
Souverän ist, so der Staatsrechtler Carl Schmitt, wer über den Ausnahmezustand verfügt. Einige Jahre später revidierte er diesen berühmten Satz: "Nach dem 2. Weltkrieg, angesichts meines Todes, sage ich jetzt: Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt." Schmitt soll zeitlebens Angst vor Radio u. Fernsehen gehabt haben - wg. der manipulativen Wirkung. Heute, im digitalen Regime, müsste der Satz der Souveränität erneut revidiert werden: Souverän ist, wer über die Daten im Netz verfügt.

Die digitale Vernetzung macht die Totalbewertung u. Totalausleuchtung einer Person möglich. Angesichts der Gefahr, die das personenbezogene Datensammeln in sich birgt, ist heute die Politik gefordert, diese Praxis im erheblichen Maße einzuschränken. Auch von Schufa u. anderen Scoring-Firmen geht eine diskriminierende Wirkung aus. Die ökonom. Bewertung einer Person widerspricht der Idee der Menschenwürde. Keine Person sollte zum Objekt algorithmischer Bewertung degradiert werden.
Daß etwa die Schufa, die in Deutschland eine heilige Selbstverständlichkeit geworden ist, vor einiger Zeit überhaupt auf den Gedanken kommen konnte, soziale Netzwerke nach nützlichen Informationen zu durchforsten, verrät die tiefe Intention des Unternehmens. Der Werbeslogan der Schufa: "Wir schaffen Vertrauen" ist ein reiner Zynismus.

Neue, radikale Denkansätze
Unternehmen wie die Schufa schaffen das Vertrauen gerade komplett ab u. ersetzen es durch Kontrolle. Vertrauen heißt, trotz Nichtwissens über einen anderen eine positive Beziehung zu ihm zu unterhalten. Es macht Handlungen möglich trotz fehlenden Wissens. Weiß ich im Vorfeld alles über die Person, so erübrigt sich das Vertrauen. Schufa zum Beispiel bearbeitet täglich mehr als 200.000 Anfragen. Das ist nur in einer Kontrollgesellschaft möglich. Eine Vertrauensgesellschaft benötigt solche Unternehmen wie die Schufa nicht.
Das Vertrauen impliziert die Möglichkeit, dass ihm nicht entsprochen wird, dass es verraten wird. Aber diese Möglichkeit des Verrats ist konstitutiv für das Vertrauen selbst. Auch die Freiheit impliziert ein gewisses Risiko. Eine Gesellschaft, die im Namen der Sicherheit alles der Kontrolle u. Überwachung unterwirft, verfällt in Totalitarismus.
Angesichts des drohenden digitalen Totalitarismus hat Europaparlamentspräsident Martin Schulz kürzlich auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, eine Charta der Grundrechte für das digitale Zeitalter zu formulieren. Auch der ehemalige Innenminister Gerhart Baum fordert eine umfassende Datenabrüstung.

Notwendig sind heute neue, radikale Denkansätze, um den Datentotalitarismus abzuwenden. Es sollte auch über eine konkrete technische Möglichkeit nachgedacht werden, die personenbezogenen Daten in einem bestimmten Umfang mit einer Fälligkeit zu versehen, so dass sie nach einer gewissen Zeit automatisch verschwinden. Diese Praxis würde zu einer massiven Datenabrüstung führen, die heute notwendig ist angesichts des Datenwahns.
Die Charta der digitalen Grundrechte wird alleine den Datentotalitarismus nicht verhindern können. Es sollte auch ein Bewusstseins- u. Mentalitätswandel herbeigeführt werden. Wir sind heute nicht einfach Insassen oder Opfer in einem fremdgesteuerten digitalen Panoptikum.

Ursprünglich war das Panoptikum ein von Jeremy Bentham entworfener gefängnisartiger Bau. Die Gefangenen im Außenring werden darin von einem zentralen Überwachungsturm bewacht. Im digitalen Panoptikum sind wir nicht einfach nur gefangen. Wir sind vielmehr selbst Täter. Wir bauen aktiv mit am digitalen Panoptikum. Wir unterhalten es sogar, indem wir uns entblößen, indem wir uns wie die Millionen Anhänger der Quantified-self-Bewegung am Körper verkabeln u. unsere körperbezogenen Daten freiwillig ins Netz stellen. Die neue Herrschaft erlegt uns kein Schweigen auf. Vielmehr fordert sie uns permanent dazu auf, mitzuteilen, teilzunehmen, unsere Meinungen, Bedürfnisse, Wünsche u. Vorlieben zu kommunizieren, ja unser Leben zu erzählen.
In den 80iger Jahren sind in Deutschland alle auf die Barrikaden gegangen gegen die Volkszählung. In einem Bürgeramt ist eine Bombe explodiert. Sogar die Schüler gingen auf die Straße. Es fanden Massendemonstrationen statt.

Aus heutiger Sicht ist diese Reaktion unverständlich, denn die Informationen, die abgefragt wurden, waren harmlos - wie beispielsweise Beruf, Schulabschluss, Familienstand, Entfernung zum Arbeitsplatz. Heute geben wir hemmungslos selbst intime Daten preis, u. zwar freiwillig. Wir spüren sogar ein Bedürfnis, uns zu entblößen. Wir haben nun nichts dagegen, dass 100 oder 1000 Datensätze über uns gesammelt, gespeichert, weitergegeben u. verkauft werden. Niemand geht dagegen auf die Barrikaden. Es wird keinen massiven Protest gegen Google oder Facebook geben.

Eine ernst zu nehmende Krise der Freiheit
Zur Zeit der Volkszählung glaubte man, dem Staat als Herrschaftsinstanz gegenüberzustehen, der die Bürger gegen deren Willen aushorchen will. Diese Zeit ist längst vorbei. Heute entblößen wir uns freiwillig ohne jeden Zwang, ohne jede Verordnung. Wir stellen freiwillig alle möglichen Daten u. Informationen über uns ins Netz, ohne zu wissen, wer was wann u. bei welcher Gelegenheit über uns weiß.
Diese Unkontrollierbarkeit stellt eine ernst zu nehmende Krise der Freiheit dar. Angesichts der Daten, mit denen man nur so um sich wirft, wird außerdem der Begriff des Datenschutzes selbst obsolet. Heute sind wir nicht einfach Opfer einer staatlichen Überwachung, sondern tätige Elemente des Systems. Freiwillig geben wir private Schutzräume auf u. setzen uns digitalen Netzen aus, die uns durchdringen u. durchleuchten.

Die digitale Kommunikation als neue Produktionsform schafft rigoros Schutzräume ab u. verwandelt alles in Informationen u. Daten. Jede schützende Distanz geht dadurch verloren. In der digitalen Hyperkommunikation vermischt sich alles mit allem. Immer durchlässiger werden auch die Grenzen zwischen innen u. außen. Menschliche Personen werden zu Schnittstellen in einer total vernetzten Welt. Diese digitale Schutzlosigkeit wird vom Hyperkapitalismus gefördert u. ausgebeutet.
Wir müssten uns wieder ernsthaft der Frage stellen, was für ein Leben wir leben wollen. Wollen wir uns weiterhin der Totalüberwachung u. Totalausbeutung der menschl. Person ausliefern u. dadurch unsere Freiheit, unsere Würde preisgeben? Es ist an der Zeit, gemeinsam Widerstand gegen den drohenden digitalen Totalitarismus zu organisieren. Nichts an Aktualität eingebüßt hat Georg Büchners Wort: "Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst!"

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Zuletzt von Dissident am Fr Jun 02, 2017 10:31 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Madeleine Petrovic

Beitrag von Dissident am Do Nov 24, 2016 2:19 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Madeleine_Petrovic  Madeleine Petrovic (*1956, Geburtsname Demand) ist eine österr. Politikerin der Partei Die Grünen. Sie war von 1994 bis März 1996 Bundessprecherin der Grünen u. von 2002 - 2015 Landessprecherin der Grünen in Niederösterreich ---
2013 beschloss sie, für die Europawahl zu kandidieren --- Sie erhielt schließlich 11.168 Vorzugsstimmen, allerdings hätte sie mindestens 20.505 Vorzugsstimmen (5 % der 410.089 für die Grünen abgegebenen Stimmen) benötigt, um ins EU-Parlament einziehen zu können ---

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/142864_Petrovic-und-Chorherr-an-der-Spitze-der-Gruenen.html ---  Die Großeltern waren überzeugte Sozialdemokraten, der jüdische Großvater wurde von den Nazis verfolgt ---


http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/347625/-- 1994-1996 war Petrovic Chefin der Bundes-Grünen -- Bei der Demo für Arigona Zogaj im Okt. bekannte Petrovic, daß sie mithelfe, Asylwerber vor Behörden zu verstecken. Nach Anzeige ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Juristin sieht einer möglichen Anklage gelassen entgegen ---

--- Frau Dr. Petrovic, Sie haben auf der Demo für Arigona Zogaj gemeint, Sie würden mithelfen, Asylwerber zu verstecken. Ist das noch so?
Petrovic: Es gibt da das alte Brecht-Zitat: Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Wenn es um Menschen geht, die eindeutig die Kriterien des Verfassungsgerichts für ein Bleiberecht erfüllen, hier bestens integriert sind, und wenn noch dazu, wie im Fall der Frau Zeqaj, im Kosovo die Konfrontation mit einem gewalttätigen Mann droht, dann kann ich nicht einfach zuschauen.
Marek: Bei der Frau Zeqaj läuft ein Asylverfahren. Was aber die Familie Zogaj betrifft: Man kann nicht aus Unrecht Recht machen. Das ist verantwortungslos.
--- Marek: ---- Multikulti hat leider nicht funktioniert.
Petrovic: Österreich ist wesensmäßig multikulturell. Es genügt ein Blick ins Wiener Telefonbuch. Das macht auch unseren Charme aus. Wir sind keine Deutschen. Wir sind Österreicher ---
Leserkommentare:
"die Dame Petrovic-Demand ist jüdischer Abstammung (nicht französischer, nicht ex-jugoslawischer) und das erklärt so manche germanophobe Tendenz in ihren Äusserungen. Österreich ist nicht Deutsch? Lernens Geschichte, Fr. Petrovic! ..."und der Rest ist (Deutsch-)Österreich"...schon gehört?!

Muss schon blöd sein, wenn man sich in einem Land suhlt, in dem es die native Bevölkerung wagt, noch immer nicht kulturellen Genozid begangen zu haben. Das ewige schwachbrüstige Argument mit dem Wiener Telephonbuch und seinen slawischen Namen, pah- Wien war schon 500 Jahre vor den Römern bevölkert! Von Kelten! Zwar gabs damals noch kein Telephonbuch aber genug Artefakte, die dies belegen. Slawen sind erst viel später eingesickert, Semiten auch, Osmanen sowieso. Da gabs dann schon lange ein Telephonbuch. Also ersparen Sie uns endlich diesen meschuggenen Tineff von der slawisch/semitischen Geschichte. Der ist nur eine Marginalie."

Ein Herr Nowak schreibt: "Übrigens stammt mein eigener Familienname von einem meiner 8 Ururgroßväter. Die 7 übrigen Ururgroßväter und alle 8 Ururgroßmütter (als Ledige) trugen deutsche Familiennamen; meine Mutter hieß als Mädchen noch nicht Nowak, sondern Wohlgemut. Bin ich nach der neuösterreichischen Rassenlehre ein "Sechzehnteltscheche" und zugleich ein "Fünfzehnsechzehnteldeutscher" - Verzeihung, ein "Fünfzehnsechzehnteldeutschsprachiger"? Macht mein tschechischer "Blutanteil" meinen Charme aus?"

"Nichtdeutsche Familiennamen in Österreich u. Deutschland
Schon wieder einmal muß das Wiener Telefonbuch als Beweis für die Behauptung herhalten, dass die Österreicher keine Deutschen seien. Dabei geht es natürlich um die Bevölkerungsmehrheit in unserem Staat; denn die Nichtdeutschheit der Kärntner Slowenen, der burgenländischen Kroaten u. der übrigen Volksgruppen in Österreich steht ja ohnehin außer Streit. Nicht nur in Österreich, sondern im ganzen deutschen Sprach- u. Kulturraum leben Menschen mit nichtdeutschen Familiennamen. Frau MMag. Dr. Madeleine Petrovic, eine gebürtige Demande, möge einen Blick in das elektronische Telefonbuch von Deutschland (www.telefonbuch.de) werfen. Dort kann sie sowohl ihren französischen Ledigennamen als auch ihren serbo-kroatischen Ehenamen finden."

"Endlich kapiert, oder wieviel Wasser muß noch die Donau hinunterrinnen! Nur mühsam ernährt sich die Erkenntnis über Multikulti bei Grün, Rot, und Schwarz, wie beim sprichwörtlichen Eichhörnchen. Sollten die o.g. auch endlich erkannt haben, dass ihr Multikultiparadies ins Reich der Märchen gehört und nicht in eine ewige Diskussion, könnte man beginnen die Dinge mit Vernunft zu lösen, bzw. die schon vollbrachten "Taten" wieder rückgängig zu machen.
Der Lösungsansatz:
1. Stopp unkontrollierter Zuwanderung
2. Abschiebung Illegaler und Krimineller
3. Erschwerung der Zuwanderung, speziell der Familienzuzug
4. Rückführung der arbeitslosen Fremden
5.Wiederherstellung des Saisonierssystems"

http://zeitwort.at/index.php?page=Thread&threadID=8891 --- Offener Brief v. 17. Februar 2009, von Ryke Geerd HAMER an Petrovic (Antwort unbekannt):
Sehr geehrte Frau Dr. Petrovic,
wir kennen uns von 1992 (Wien), 1993 (Wien) u. 1995 (Graz), wie Sie sich sicher erinnern werden. Sie hatten schon 1992 oder 1993 eine Parlamentsanfrage wegen der (Germanischen) Neuen Medizin im Österr. Parlament gestellt. In Graz halfen Sie mir und der guten Sache in der Fernseh-Live-Sendung. Jetzt wende ich mich mit einer großen Bitte an Sie.
Ich weiß, daß Sie engagierte Tierschützerin sind, wie ich auch. Unsere Patienten, von denen in den deutschsprachigen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz) täglich ca. 2000 nichtjüdische Patienten mit Chemo u. Morphium quasi umgebracht werden, sind nicht minder wert als unsere lieben 4-beinigen Mitkreaturen.

Wie ich mich zu erinnern glaube, hatten Sie mir einmal erzählt, Ihr Vater (oder vielleicht auch Ihr Großvater?) sei Rabbiner (gewesen). Auch wenn Sie inzwischen eine andere (zusätzliche) Religion angenommen hätten, würden Sie ja, wenn ich richtig informiert bin, in einem solchem Fall (nach jüd. Gesetzen) trotzdem immer Jüdin bleiben.
Deshalb meine herzliche Bitte:
Sie hätten als Sprecherin der Grünen u. als promovierte Juristin (erst recht wenn Ihr Vater Rabbiner ist) die Möglichkeit, ein ehrliches Wort an geeigneter Stelle zu sagen oder zu schreiben. Denn seit jetzt 28 Jahren findet man zwar weltweit Milliarden Chemoleichen, aber keine jüdischen. Es ist das größte Verbrechen der Weltgeschichte, was hier vor unser aller Augen passiert.
Aber selbst dann, wenn Ihr Vater kein Rabbiner ist, wird Ihnen als Juristin u. Politikerin zu dem größten Verbrechen der Weltgeschichte doch sicher etwas einfallen. Wenn nicht, dann würden Sie doch auch mit allen anderen politischen Engagements unglaubwürdig. Wir Nichtjuden warten immer noch auf den ersten politischen Mandatsträger, der den Mut aufbringt, sich gegen diesen Genozid auszusprechen.
Daß die „Germanische“ richtig ist, das ist inzwischen gar keine Frage mehr, das geben ja sogar die Juden selbst zu (Rabbi Prof. Joav Merrick). Und daß alle Juden der Welt seit 25 oder 28 Jahren „Germanische pur“ praktizieren, wird auch von keinem Juden bestritten.
Also, wie wär´s? Zeigen Sie Mut?! Wenn Sie Jüdin sind, kann Ihnen doch nichts passieren, oder? Jeder Tag, der vergeht, macht dieses schon astronomische Verbrechen noch größer, wenn das überhaupt noch möglich ist.
Bitte, haben Sie Erbarmen mit unseren / Ihren Patienten.

Mit freundlichen Grüßen --- Ihr Dr. Hamer

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Zuletzt von Dissident am Fr Jun 02, 2017 10:32 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Siegmund Bosel

Beitrag von Dissident am Fr Nov 25, 2016 4:16 pm

Ich denke, dieser Bosel war (so wie vermutlich Castiglioni) in Wirklichkeit ein Strohmann für die viel reicheren Rothschilds...
Bosel wohnte ganz in derselben Straße wie Katharina Schratt, deren Liebhaber Kaiser Franz-Joseph war. Gut denkbar, daß der Kriegsgewinnler sogar den Kaiser "bei den Eiern hatte" weil er genug über dessen Eskapaden wusste... Vor der Schratt hatte der Kaiser ein Gspusi mit Anna Nahowski, die auch ganz in der Nähe der Gloriettegasse wohnte. Die Schratt und Bosel dürften sich gekannt haben: sie hatte Spielschulden im Casino von Monte Carlo und der Kaiser musste diese begleichen. Schratts Beitrag zur Rückzahlung waren 2 Schmuckstücke, die ihr Bosel abgekauft hatte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Siegmund_Bosel  Siegmund Bosel, auch Sigmund, (*1893, gest. am 8.2.1942 oder am 8.4.1945) war ein österr. Großkaufmann, Bankier u. Börsenspekulant, der eine umstrittene Rolle im Wirtschaftsleben der 1. Republik spielte ---

Der in Wien geborene Textilkaufmann jüdischer Herkunft arbeitete sich während des 1. Weltkriegs zum größten Heereslieferanten hoch. Während der Nachkriegsinflation bewahrte u. vergrößerte Bosel durch gewagte Börsengeschäfte sein Vermögen, übernahm 1923 die Union-Bank u. wurde kurzfristig zu einem der reichsten Männer Österreichs.

1925 hatte Bosel allerdings starke Verluste durch Fehlspekulationen hinzunehmen u. riss beinahe auch die Postsparkasse, die Bosels Abenteuer finanziert hatte, mit in den Abgrund. Ein großer Teil dieser Schuld wurde ihm 1933 durch Finanzminister Karl Buresch erlassen. Bereits 1926 hatte die in diesem Zusammenhang stehende Flucht des Finanzministers Jakob Ahrer nach Kuba für großes Aufsehen gesorgt. Aufgrund der Verwicklung Bosels in den Postsparkassenskandal begann eine Serie von Prozessen, die ihn den Großteil seines Vermögens kosteten. Bosel blieb im Wesentlichen nur mehr der Besitz es Teppichhauses Schein.
Nach dem Anschluss Österreichs wurde Bosel auch aus „rassischen“ Gründen verfolgt. Unter anderem wurde die gesamte Einrichtung seiner Villa in Wien-Hietzing (Gloriettegasse 15) auf Anordnung des Exekutionsgerichtes am 14. u. 15.7.1938 im Wiener Dorotheum versteigert.

Über Bosels Tod gibt es widersprüchliche Angaben. Das Todesdatum 1945 findet sich im Österr. Personenlexikon. Nach anderen Angaben soll der SS-Führer Alois Brunner Bosel im Februar 1942 anlässlich der Deportation der Wiener Juden nach Riga erschossen haben.

http://www.viennatouristguide.at/Friedhoefe/Zentralfriedhof/Tor1_pers/pers/bosel.htm  Mausoleum Fam. Bosel Wr. Zentralfriedhof, Tor 1, Gruppe 5 b, Reihe 1, Nr. 1
Siegmund Bosel (* 10. Januar 1893; † vermutlich 8. April 1945)

infos aus dem Buch von Ransmayr (sinngemäß)
https://books.google.at/books?id=AI-EDQAAQBAJ&pg=PT18&lpg=PT18&dq=siegmund+bosel+tochter&source=bl&ots=4TLZbb5YEc&sig=QvTUncTWXxtQBzta71xPPhGXUPU&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi81LbjosTQAhXDVxQKHdApD_IQ6AEIZDAO#v=onepage&q=siegmund%20bosel%20tochter&f=false
-- Tochter Julie Marks war in der Nazi-Zeit mit ihrem Bruder Alfons nach London emigriert --- Bosel war in der Zeit des 1.WK Lieferant für Flüchtlingslager, Kraus bezeichnete ihn als Kriegsgewinnler, einen Siegertypen, der "durch das Blut anderer" zu Geld gekommen war --- als Präsident der UNION-Bank war er zum Nachbarn Rothschilds geworden ---
die Mutter seiner Kinder (Ilona Schulz) hat Bosel nie geheiratet, er hatte neben ihr eine Nebenbuhlerin --- neben vielem anderen war er auch Ölbaron und Nachtclub-Miteigentümer (Femina-Bar?) ---
das PSK-Fiasko 1926 war der größte Wirtschaftsskandal der 20er Jahre, Bundeskanzler Buresch war in die Sache verwickelt und beging Selbstmord - die Regierung Schuschnigg hatte damit eine Staatsaffäre am Hals, die unter den Teppich gekehrt werden musste --- Bosel war auch ins CA-Fiasko 1931 verstrickt --- die Kosten dieser Bankenrettungs-Aktionen wurden mit Steuergeld übernommen --- Bosel hat seinen Einfluss zugunsten des langjährigen CA-Mehrheitsaktionärs Louis Rothschild eingesetzt, damit diesem gegenüber die Justiz ihre Ermittlungen einstellt --- seine Rückreise nach Wien war 2 Wochen vor dem Anschluss --- in Deutschland kaufte er einige Häuser und die Privatbank Fester&Co, gründete 1923 die Wochenzeitung "Der Montag Morgen" --- Bosel wohnte ganz in der Nähe von Katharina Schratt, deren Liebhaber Kaiser Franz-Joseph war --- Bosel finanzierte die Zeitung "Der Tag", er hatte Leibwächter und Polizeischutz --- bei einem Fackel-Umzug in der Dollfuß-Ära hatte Familie Bosel Ehrenplätze auf der VIP-Bühne --- Bosel war starker Raucher, aber aus religiösen Gründen hat er Freitagabend und Samstag (Sabbat) keine Zigaretten angerührt ---
angeblich haben "einflussreiche Damen" dazu beigetragen, daß er 1914 nicht zum Militärdienst eingezogen wurde, so konnte er sich seinen Geschäften widmen --- angebl. hat er sich schon 1914 schon mit Hamsterkäufen auf die spätere Lage vorbereitet --- Nov. 1914 gab es schon 140.000 Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina. Diese kamen in Auffanglager (die größten in Nierderösterreich) und mussten mit vielen lebensnotwendigen Dingen versorgt werden. Dez. 1914 müssen schon 290.000 Flüchtlinge und Evakuierte versorgt werden, Jänner 1915 schon 320.000 --- Bosel wird wichtiger Lieferant und bekommt für jede Lieferung 6% Honorar von der Rechnungssumme und 9% als Aufwandersatz --- als sich 1918 die Versorgungslage zuspitzt, übernimmt Bosel die Verpflegung der Polizeibeamten mit allem Notwendigen, damit die Beamten verlässlich sind, "wenn der Kaltstart in die Demokratie ohne Chaos über die Bühne gehen soll". So konnte der Polizeichef mit Hilfe Bosels seine Macherqualitäten demonstrieren und sich als anerkannte einflußreiche Vaterfigur für seine Sicherheitsbeamten etablieren --- Teile der Bevölkerung hungern und Bosels Begünstigte haben alles. Selbst die linke Zeitung "Der Abend" nennt Bosel einen Schleichhändler und Preistreiber. Es gibt linke Gruppen im Beamtenapparat und auch linken Antisemitismus. Bosel hört im Frühjahr 1919 mit seiner Führungstätigkeit in der Polizei-Versorgung auf --- Horrende Inflation: 1914 hatte ein kg Zucker weniger als 1 Krone gekostet, 1921 waren es 96 Kr. und Okt. 1923 schon 12.400 Kr. --- Es gab Millionen Inflationsverlierer, Österreich verarmte brutal, Ehefrauen und Töchter gingen der Prostitution nach ---
Bosels engster Rechtsberater und Generalbevollmächtigter war 2 Jahrzehnte lang der Anwalt Wolfgang Dawid --- Mitte 1919 gründet Bosel das Handelshaus "Omnia" (Import-Export- Verwertung von Heeresmaterial), Länderbank-Direktor Rotter und Minister Mataja mischen im Hintergrund mit. Omnia wird Lieferant fürs Tabakmonopol (2000 Tonnen Rohtabak sind ein siebtel des österr. Jahresverbrauchs...) --- Bosels Gewinne werden in Zinshäuser in guten Lagen investiert --- das inflationsgeplagte Wien wird zum Einkaufsparadies reicher In- und Ausländer, die mit Devisen billigst leben. Bosel wird Haupteigentümer des Handelshauses Gerngroß --- Castiglioni, der Bosel reichtumsmäßig voraus war, wird Geldgeber von Mussolini --- April 1922: Gründung vom "Bankhaus S. Bosel" ---

https://web.archive.org/web/20050319204955/http://www.jmw.at/de/wien_stadt_der_juden_-_gang_du.html --- Jüdisches Museum Wien -- Wien, Stadt der Juden ---
1923: Das Bosel-Gesetz
Ihre Herrschaft währte nur wenige Jahre, doch in dieser kurzen Zeit waren die Könige der Inflation die unumstrittenen Herren der Stadt. Männer wie Siegmund Bosel u. Camillo Castiglioni wurden von dem wirtschaftlichen Tumult der ersten Nachkriegsjahre nach oben gespült. Geschickt nutzten sie die Gunst der Stunde, wagten kühne Börsenmanöver, erwarben riesige Imperien, manipulierten über ihre eigenen Zeitungen die öffentliche Meinung u. machten sich schwache Politiker gefügig. Im Unterschied zu den alteingesessenen Industriebaronen besaßen sie aber wenig mehr als bedrucktes Papier.
Der Trick ihrer Luftgeschäfte war vergleichsweise simpel: In Zeiten der galoppierenden Geldentwertung borgten sie große Summen, erwarben damit Industriebeteiligungen u. zahlten den Nominalwert ihres Kredits zurück, als dessen tatsächlicher Wert bereits auf einen Bruchteil seiner ursprünglichen Kaufkraft geschrumpft war. Spekulanten nannte man plötzlich Börsenjobber. Ihr Metier war gerade groß in Mode u. galt als die sicherste Methode, dem Strudel der Inflation zu entrinnen. In dieser fiebrigen Atmosphäre galten Finanzhaie vom Schlag eines Bosel oder Castiglioni keineswegs als fragwürdige Gestalten, sondern sie waren Glücksritter, die man um ihre Fortune beneidete. Sie gaben gönnerhaft Unsummen aus u. kauften sich so eine Eintrittskarte in die besten Gesellschaftskreise. Am Höhepunkt seiner Karriere gelang es Bosel, der in dem Wiener Polizeipräsidenten Johann Schober einen einflußreichen Mentor besaß, sogar das Parlament zu einem Gesetz zu veranlassen, durch das ihm ein Grundstück am Ballhausplatz zwischen Hofburg u. Staatskanzlei übereignet wurde. Dort beabsichtigte der Parvenu für sich ein Palais u. dahinter der Republik ein Staatsarchiv zu errichten. Eine grandiose Währungsspekulation, die scheiterte, verhinderte jedoch die ehrgeizigen Pläne u. riß beinahe auch die Postsparkasse, die Bosels Abenteuer finanziert hatte, mit in den Abgrund. Die Regierung stürzte, der Finanzminister floh nach Kuba. Castiglioni, ein globaler Spieler, setzte seine Geschäfte im Ausland fort. Bosel, der Bankrotteur aus kleinen Wiener Verhältnissen, prozessierte hingegen noch über ein Jahrzehnt mit der Republik um das Vermächtnis seiner Pleite --

http://diepresse.com/home/politik/zeitgeschichte/1513030/Sigmund-Bosel_Der-Trillionaer-von-Kaisers-Gnaden  Trillionär von Kaisers Gnaden
-- Bosel ist der legendärste »Kriegsgewinnler« --- Journalisten überschlugen sich in Lobeshymnen auf den mächtigsten Financier der 1. Republik ---
blieb ihm der Kriegsdienst „aus gesundheitlichen Gründen“ erspart, u. er konnte beginnen, aus dem Krieg Profit zu schlagen --- 1916 übernahm er die Versorgung der Flüchtlinge mit Lebensmitteln u. Kleidung. Mit teils geschmuggelten Waren wurde er zum größten Heereslieferanten --- Wichtiger waren jedoch die Kontakte zum damaligen Polizeipräsidenten Schober, der später Bundeskanzler werden sollte. Bosel organisierte einen Lebensmittelhandel für die Polizei u. brachte die Truppen gut durch die Kriegsjahre, während ein Großteil der Bevölkerung hungerte. Als Zeitungen begannen, ihn als „Schleichhändler“ u. „Preistreiber“ zu bezeichnen, stellte er die Tätigkeit ein.

Der finanzielle Clou des legendären „Kriegsgewinnlers“ war jedoch ein ganz anderer: Sigmund Bosel hat für seine Lieferungen an den Staat immer Devisen, nämlich Dollar oder Francs, verlangt. Als in den Jahren nach 1918 mit der Donaumonarchie auch die Krone kollabierte, musste Bosel nur noch dasitzen u. zusehen, wie er reich wurde. Im Aug. 1922 erhielt man an der Börse für 1 Dollar 15.000 x so viele Kronen wie vor Kriegsausbruch. 1923 war Bosel Kronentrillionär. Er gründete das Bankhaus Bosel u. schuf sich mit Spekulationen ein Firmenimperium. Bosel besorgte sich etwa Kredite auf Aktien, die teils das Papier nicht wert waren, auf denen sie gedruckt waren. „Heute wäre man dafür ständig im Gefängnis“, sagt Hoffmann ---

Die frühen 20erjahre waren die Zeit der großen Devisenspekulationen. Da wollte auch die staatliche Postsparkasse mitnaschen, bloß waren Spekulationsgeschäfte Staatsbetrieben nicht erlaubt. Hier kam Bosel ins Spiel. Als Handlanger für die Postsparkasse wettete er auf einen fallenden franz. Franc. Als Mitte 1924 das US-Bankhaus Morgan Paris jedoch eine große Dollaranleihe zur Stützung des Franc gewährte, fiel das Kartenhaus zusammen. Bosel verlor einen Großteil seines Vermögens. Und auch die Postsparkasse hatte plötzlich öffentliche Gelder verspekuliert, obwohl ihr das per Gesetz verboten war.
--- Inoffiziell brachte Bosel einen guten Teil seines Vermögens in die Schweiz. Als Mitte der 30erjahre aufflog, dass er Vermögen verschleiert u. Bilanzen gefälscht hatte, wurde er in einem neuerlichen Verfahren zu 1,5 Jahren Haft verurteilt. 1937 kam er vorzeitig frei. Bekannte drängten den Mittvierziger, das Land zu verlassen. Der „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland war zum Greifen nahe. --- Bosel ging nach Paris.
Doch statt nun ein glückliches Leben zu verbringen, verspekulierte sich der Geschäftsmann ein letztes, fatales Mal. Er kehrte 1938 nach Wien zurück, wohl im festen Glauben, dass ihm – dem einstigen Gönner der österr. Polizei – nichts passieren werde. Doch es sollte anders kommen. Er wurde bei der Ausreise in die Tschechoslowakei verhaftet u. musste die Reststrafe aus dem Postsparkassen-Skandal absitzen. Die Flucht aus dem inzwischen zu Nazi-Deutschland gehörenden Österreich war gescheitert. Am 6.2.1942 steckten ihn die Nazi-Schergen in einen Deportationszug nach Riga. 2 Tage später wurde er bei einem Zwischenstopp in Polen hingerichtet

http://salzburg.orf.at/news/stories/2810981/ --- 1918 stieg Bosel dann als Freund u. Gönner der Wiener Polizei in den Ring. Er organisierte Brennholz für die Wachstuben u. Lebensmittel zu Diskontpreisen für die Familien von 20.000 Wiener Polizisten ---  Schober revanchierte sich bei Bosel, indem er für ihn in den Jahren danach den politischen Schutzengel spielte. Bosel gründete sein erstes Bankhaus u. hatte letztlich Beteiligungen an 210 Aktiengesellschaften, eine „Aktienplantage“, wie es hieß ---
Bosel konnte sich über Jahre nicht zwischen 2 Frauen entscheiden, so blieb er mit beiden zusammen. Und jeder seiner Lieben finanzierte er eine eigene Villa samt großbürgerlichem Haushalt. Die Domizile standen in Wien in größtmöglicher Entfernung voneinander, damit sich die Frauen im Alltag nicht über den Weg liefen ---
Als die Inflation .. die Vermögen der meisten Österreicher restlos vernichtete, da hatte Bosel dagegen vorgesorgt, indem er rechtzeitig große Mengen Schweizer Franken gekauft hatte. So wartete er, bis die österr. Kronenwährung weiter abstürzte, um dann günstig Aktien u. Wirtschaftsbetriebe aufzukaufen ---
Die Nachwehen des PSK-Skandals endeten 1937 mit einer Verurteilung Bosels .Man warf ihm vor, Teile seines Vermögens vor der Postsparkasse verheimlicht zu haben.  Allerdings sei der Prozess streckenweise merkwürdig verlaufen... Es hat wohl für Politiker auch die Gefahr bestanden, dass das Urteil gegen Bosel nicht hielt bzw. eine Mitschuld ans Licht gekommen wäre. Bosel wurde auf freien Fuß gesetzt .. u. wanderte nach Paris aus ---
Bosel wurde mit einer seiner beiden Lebensgefährtinnen von der Gestapo aus einem Zugabteil geholt, wenige Minuten vor ihrer geplanten Flucht nach Budapest. Die neuen Machthaber wollten einen Schauprozess gegen ihn veranstalten – als „Volksschädling und Spekulant“ ---

http://diepresse.com/home/zeitgeschichte/5076344/Der-tiefe-Fall-des-KronenTrillionaers-Bosel --- Ein zweiter Rothschild will er werden. Und er steht im Wettkampf mit dem weitaus berühmteren Camillo Castiglioni. Weil dieser Hasardeur den Eisenbahn-Salonwagen des exilierten Kaisers Karl in seinen Besitz gebracht hat, muss auch Sigmund Bosel so etwa Prächtiges haben. Er legt sich den – noch viel pompöseren Eisenbahn-Sonderwaggon des deutschen Ex-Kaisers Wilhelm zu ---
In seinen besten Jahren stehen 18 Autos im Fuhrpark für seine leitenden Mitarbeiter --- Ob er heimlich sogar Mitglied der Sozialdemokratischen Partei war, ist nicht geklärt (seine Tochter behauptete es). Aber er half der Partei aus einer höchst gefährlichen Krise, indem er die Hammerbrotwerke übernahm, die von den Sozialdemokraten in die Pleite geführt worden waren. Der jüdische Bankier, in dessen Person sich alle antisemitischen Vorurteile er damaligen Zeit zu bewahrheiten schienen ...
... habe herrschen u. die öffentliche Meinung kontrollieren wollen. So übernahm er für kurze Zeit auch die konservative „Neue Freie Presse“ an der die Bundesregierung eine Beteiligung hielt. Da gehörte ihm der linksliberale „Tag“ schon längst ---
Warum er noch einmal geschäftlich in die Heimat fuhr, bleibt ein Geheimnis. Bosel wurde verhaftet u. musste die Reststrafe aus dem PSK-Skandal absitzen. Am 6.2.1942 steckte ihn die SS in einen Deportationszug nach Riga ---
Leserkommentare: "Seltsam, man weiß zwar genau, wie er umgekommen ist, aber offensichtlich nicht, ob 1942 oder 1945."

"Heute heißen die Herren...... Lloyd Blankfein, Bernie Madoff, Ralph Schlosstein, Larry Fink usw. usf. Es hat sich also nichts geändert..."
"Rubinstein nicht vergessen.wo das grosse Geld ist, sitzt fast immer ein Stein"
"...eines hat sich geändert. Nämlich, dass diese kleine Gruppe heute mehr Macht ausübt, als es jemals ein Kaiser konnte."

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Camillo Castiglioni

Beitrag von Dissident am Fr Nov 25, 2016 5:11 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Camillo_Castiglioni  Camillo Castiglioni (1879-1957) wurde als Sohn eines Rabbiners in Triest geboren u. studierte Jura --- er war der Schwiegersohn des bekannten deutschen Ingenieurs Ernst Körting u. mit dessen Tochter Anna verheiratet. Für die Österr.-amerikanische Gummiwarenfabrik AG ging er als Vertreter nach Konstantinopel, wo er so erfolgreich arbeitete, dass man ihn als Leiter der Exportabteilung nach Wien holte. Hier brachte er es bald zum Direktionsstellvertreter u. zum Direktor. 1904 wurde er zum Generaldirektor ernannt.
Zu weiterem gesellschaftl. Aufstieg brachte er es durch den Aufsichtsratsvorsitz v. Austro-Daimler in Wr. Neustadt u. die Übernahme der 1871 gegr. Allg. Depositen-Bank, die 1918 durch ihn erworben wurde. Ferner war er Chef der österr. Fiat-Gesellschaft. 1901 war er .. Mitbegründer des Wiener Aero Clubs, des späteren Österr. Aero Clubs.

1909 kaufte er einen Ballon u. legte am 24.8. erfolgreich die Ballonfahrerprüfung ab. Um aus der aufkommenden Flugzeugbegeisterung auch geschäftliche Vorteile zu ziehen, gründete er die „Motor-Luftfahrzeug-Gesellschaft m. b. H“ (MLG). Über diese Firma – eine reine Handelsfirma – erwarb er die Etrich-Patente u. den Vertrieb der Etrich-Tauben in Österr.-Ungarn. 1912 gründete er in Budapest gemeinsam mit anderen Firmen die Ungarische Flugzeugwerke AG (Ufag). Aufgrund der erworbenen Patente u. mit dem Militär ausgehandelter Verträge erhielt diese Firma für 2 bei der Firma Lohner in Wien bestellte Flugzeuge den Auftrag über ein zu fertigendes Flugzeug.
Während des 1. Weltkrieges gründete Castiglioni weitere Flugzeugfabriken, die er gegen Kriegsende wieder abstieß, um ins Automobilgeschäft einzusteigen. 1922 kaufte er den Motorenbau u. die Marke BMW wieder zurück u. gründete durch die Verschmelzung mit den Bayr. Flugzeugwerken die BMW AG neu, die 1923 den Flugmotorenbau wieder u. den Motorradbau neu aufnahm.

Während der Inflationszeit in der ersten Hälfte der 1920er Jahre spekulierte er mit Firmenbeteiligungen (Puch-Werke, Austro-Daimler, Österr. Alpine-Montan) erfolgreich ein Vermögen zusammen, das er u.a. für eine private Kunstsammlung in seinem Wiener Palais, ehemals Palais Miller-Aichholz, Prinz-Eugen-Straße 28 verwendete. Für Max Reinhardt finanzierte er 1923-1924 den Umbau des Theater in der Josefstadt in Wien u. die Salzburger Festspiele.

Fehlspekulationen ließen in der Folge das aufgebaute Vermögensimperium wieder weitgehend schwinden; so ging z.B. die Allg. Depositen-Bank 1924 in Konkurs. In der Folge verlegte er seine Aktivitäten zunächst nach Berlin u. später nach Italien. Nach dem 2. Weltkrieg war er aber auch für die jugoslawische Regierung tätig.

info aus dem Buch von Ransmayr über Bosel (sinngemäß) https://books.google.at/books?id=AI-EDQAAQBAJ&pg=PT18&lpg=PT18&dq=siegmund+bosel+tochter&source=bl&ots=4TLZbb5YEc&sig=QvTUncTWXxtQBzta71xPPhGXUPU&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi81LbjosTQAhXDVxQKHdApD_IQ6AEIZDAO#v=onepage&q=siegmund%20bosel%20tochter&f=false --- Castiglioni wird Geldgeber von Mussolini ---

http://diepresse.com/home/home/wirtschaft/hobbyoekonom/1337910/ --- 1912 fusionierte er die Continentale mit den Semperit-Gummiwerken unter deren Namen ---
Rechtzeitig verkaufte er seine Flugzeugbeteiligungen, noch ehe in Deutschland u. Österreich der Bau von Flugzeugen verboten wurde --- transferierte er seine flüssigen Geldmittel ab 1917 in die Schweiz, "um sie in wertbeständige Währungen umzutauschen". Sofort nach Kriegsende erlangte er mit Hilfe seiner in Mailand lebenden Familie die italien. Staatsbürgerschaft. "So hatte er die Staatsbürgerschaft einer Siegermacht, die ihn .. im entscheidenden Augenblick politisch u. zum Teil auch währungspolitisch auf die Siegerseite hinüberstellte u. ihn jenseits vieler österr. Steuerverpflichtungen u. Devisenbeschränkungen etablierte, während er doch wirtschaftspolitisch - soweit es ihm passte - im Zentrum des österr. Staates verbleiben konnte." ---
"Der Großmeister der Bankräuber"
1917 stieg Castiglioni in die Leitung der Allg. Depositenbank auf. Diese Position nutzte er auch zur Erweiterung seines Einflusses auf Industrieunternehmen (Alpine, Leykam, Semperit). Der Bankier Castiglioni habe jede Gesellschaft, deren Aktien er erwerben konnte, so gesehen "wie ein Fuchs das Huhn betrachtet, das ihm über den Weg läuft". Er dehnte die Geschäftstätigkeit der Bank aus, sodass diese 1922 an 80 Unternehmen beteiligt war. Das Kapital wurde von 1917-1922 von 80 Millionen auf 1 Milliarde Kronen erhöht. Nach Widerstand innerhalb der Bank zog sich Castiglioni 1922 aus der Depositenbank wieder zurück.
1924 geriet die Depositenbank in Schwierigkeiten u. brach 1 Jahr später zusammen. Die Rolle Castiglionis wurde nun kritisch hinterfragt. "Castiglioni hat die Bank, als er ihr Präsident war, ausgenützt", schrieb "Der Österr. Volkswirt" im Mai 1924. Und 1 Monat später: Es gehe nicht an, "dass der Großmeister der Bankräuber sein Vermögen behält u. straffrei bleibt". Schließlich musste Castiglioni vor einem Untersuchungsrichter aussagen, ehe es zu einer Einigung zwischen ihm u. der Depositenbank kam. Man einigte sich auf eine Zahlung von 15 Milliarden Kronen bar u. in Raten. Zu einem Prozess - an dem viele Entscheidungsträger nicht interessiert waren - kam es nie, belastende Steuerakten verschwanden. Dennoch war es der Anfang vom Niedergang in Österreich --- Castiglioni befolgte laut Stiefel den Rat seiner Feinde, in Österreich keine Geschäfte mehr zu machen. Er verlagerte seine Geschäftstätigkeiten nach Deutschland...

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/4940077/BMW-und-der-vergessene-Osterreicher --- er hat die Firma 1919 vor dem Untergang gerettet u. BMW erst zu einem Automobilproduzenten gemacht. Aber Camillo Castiglioni kommt in keiner Festschrift vor. Denn Castiglioni, Anfang des 20. Jahrhunderts der reichste Mann Mitteleuropas, war zwar ein sehr weitsichtiger Industrieller, aber auch ein ziemlich skrupelloser u. fieser Spekulant --- Peinliche Geschichte. „Natürlich ist er ihnen peinlich“, meint der Wirtschaftshistoriker Stiefel, der 2012 die 1. große Biografie über ihn veröffentlicht hat..: „Das ist wie beim Theater in der Josefstadt, das Castiglioni 30 Jahre lang gehört hat: Keine einzige Tafel erinnert an ihn.“ Karl Kraus wetterte 1923 in der „Fackel“ (Nr. 632) gegen ihn. Castiglionis ganzes Genie bestehe darin, „reicher zu sein, als man noch vor einer Stunde geglaubt hat“. Er sei „die stärkste Ellbogenkraft des modernen Kapitalismus“ ---
BMW sieht den 7.3.1916 als seinen Gründungszeitpunkt, weil an diesem Tag die Bayr. Flugzeugwerke AG (BFW) in München registriert wurde. Doch 3 Jahre später stand die Firma schon vor der Pleite, gerettet hat sie Castiglioni, der alle Anteile übernahm, das Unternehmen umstrukturierte u. ihm den Namen Bayr. Motoren Werke gab --- Castiglioni behielt seine Anteile nicht lang, bereits 1920 veräußerte er sie an die Knorr-Bremse-AG. Doch schon 1922 kaufte er den brachliegenden Motorenbau zurück. Der Vertrag schloss neben Maschinen auch sämtl. Patente u. Markenrechte ein. Während das verbliebene Unternehmen in Süddeutsche Bremsen AG umbenannt wurde, gründet Castiglioni die BMW AG. Sein Raffinement bewies er bei der Finanzierung des Kaufs um 75 Millionen Mark. Die Knorr-Bremse-AG akzeptierte eine Anzahlung von 10 Millionen Mark, der Restbetrag sollte bis April 1923 überwiesen werden. „Trotz der sich nun auch in Deutschland dramatisch beschleunigenden Inflation scheint Castiglioni bei den Verhandlungen der Einzige zu sein, der die Geldentwertung ins Kalkül zieht“ --- Tatsächlich wird der geschuldete Betrag binnen Jahresfrist „zur Marginalie zerbröseln“ ---
Er war vor allem daran interessiert, „so viel wie möglich aus dem Unternehmen herauszuholen“ .. 2-stellige Dividendenzahlungen machten es BMW unmöglich, in guten Jahren Reserven anzulegen --- seine massiven Gewinnentnahmen ließen BMW in seiner Ära ständig am Rande des Ruins wandeln. Verdeckte Gewinnentnahmen kosteten ihn auch seine Anteile u. seinen Einfluss bei BMW. Da das Unternehmen aber kein Interesse an einem öffentlichen Prozess hatte, einigte man sich außergerichtlich auf eine Rückzahlung der Gelder. Okt. 1929 muss Castiglioni sämtliche BMW-Anteile an das im Aufsichtsrat vertretene Bankenkonsortium abtreten ---
Er hatte 1924 auf einen Verfall der franz. Währung gesetzt. Mit Leerverkäufen gelang es ihm tatsächlich gemeinsam mit einem Partner, den Wert des Franc binnen eines Monats um 40 % zu senken. Doch dann setzte die Banque de France gemeinsam mit den Investmentbanken Lazard u. J.P. Morgan zum Gegenangriff an, kauften massiv Franc, der Wert der Währung stieg wieder u. Castiglioni verlor Millionen ---

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Heinz Schaden

Beitrag von Dissident am Sa Nov 26, 2016 12:00 pm

http://www.salzburg.com/wiki/index.php/Heinz_Schaden  Heinz Schaden (*1954) zog 1976 nach Salzburg, promovierte 1981 an der Uni Sbg. zum Dr. der Philosophie in Politikwissenschaft, Publizistik u. Wirtschaftsgeschichte. Politisch war er in dieser Zeit als Studienrichtungsvertreter am Politologie-Institut tätig ---
1985 wurde er als Kabinettschef des Staatssekretärs für Wohnbaufragen ins Wiener Bautenministerium berufen. 1987 kehrte er nach Salzburg zurück u. übernahm die Medienabteilung der AK. Ende der 1980er Jahre begann Schaden sich auch für die Kommunalpolitik in seiner Wahlheimat zu engagieren. Er war unter anderem im Bürgerforum Schallmoos u. in der SPÖ-Sektion Schallmoos aktiv. 1992 zog er als Bürgermeister-Stellv. ins Schloss Mirabell ein ---

1999 wurde er Bürgermeister d. Stadt Salzburg --- 2004 mit über 51% im Amt bestätigt. 2009 .. setzte er sich gegen Preuner mit 53,7% durch (Wahlbeteiligung: 37,45%). 2014 musste Schaden .. abermals in die Stichwahl gehen. Im 2. Wahlgang .. lautete das Ergebnis 68,9 %. Somit hat er bis 2019 das Amt des Bürgermeisters inne ---
http://salzburg.orf.at/news/stories/2857783/ .. Schaden gab am 31.7.2017 bekannt, daß er zurücktreten wird. Er war wegen Beihilfe zur Untreue im Finanzprozess nicht rechtskräftig zu 3 Jahren Haft - 1 davon unbedingt - verurteilt worden .. Er werde auch alle öffentl. Ämter, die mit der Funktion des Bürgermeisters verbunden sind, zurücklegen ..

https://www.facebook.com/heinzschaden

http://salzburg.orf.at/news/stories/2578803 Schaden u. die gebürt. Chinesin Jianzhen „Jenny“ Reiter haben geheiratet --- Reiter .. leitet d. China-Büro des Landes Sbg.

http://heinzschaden.at/sites/lebenslauf%200 --- 1982 – 1983 Zivildienst (Bewährungshilfe Salzburg) ---
Funktionen:    Mitglied des SPÖ-Bundesparteivorstandes
   Stv. Vorsitzender des Aufsichtsrates der Salzburg AG
   Vorsitzender des Aufsichtsrates des Messezentrums Salzburg GmbH
   Obmann des Reinhalteverbands Salzburg
   Obmann des Regionalsverbands Salzburg
   Mitglied des Kuratoriums der Salzburger Festspiele
   Vizepräsident des Österr. Städtebunds
   Vertreter des Österr. Städtebunds im Ausschuss der Regionen (EU)
   Mitglied der Geschäftsleitung des Österr. Städtebunds
   Vorsitzender der Landesgruppe Salzburg des Österr. Städtebunds
   Vorsitzender des Kuratoriums Salzburg Museum
   Vorsitzender des Aufsichtsrats der Salzburg Museum GmbH
   Mitglied des Theaterausschusses des Landestheater Salzburg
   Mitglied des Orchesterausschusses des Mozarteum Orchesters
   Präsident der Volkshochschule Salzburg
   Mitglied des Kuratoriums Internationale Stiftung Mozarteum
   Stv. Vorsitzender des Aufsichtsrates der Osterfestspiele

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Schaden --- Schaden ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter aus erster Ehe ---
2013 trat er aus allen Parteiämtern zurück u. begründete dies mit „einigen gravierenden inhaltlichen Problemen“ mit der Linie der SPÖ ---

http://salzburg.orf.at/news/stories/2857593/ .. 2017 appellierte er .., man möge das Anti-CETA/TTIP-Volksbegehren ja nicht unterschreiben --- Kritiker bezeichneten ihn mehrmals als Dickschädel, Egomanen oder beratungsresistent --- Nach Streit mit einer Stewardess hatte ihn die Besatzung einer Ryan-Air-Maschine 2006 in Salzburg von der Polizei aus dem Flugzeug führen lassen ---

http://derstandard.at/1381369065257/Salzburgs-Buergermeister-Schaden-legt-SPOe-Parteiaemter-zurueck
--- es wird eine Fundamentalopposition gemacht", begründete Schaden gegenüber dem ORF seinen Schritt --- Als Beispiel führte er etwa die jüngste Diskussion um die geplante Tauerngasleitung im Landtag an, die von der SPÖ im Land als "Spekulantenpartie" bezeichnet wurde. Er selbst halte die Gasleitung im Sinne der Versorgungs-sicherheit für absolut notwendig --- Schaden ist bekannt dafür, sich immer wieder gegen die offizielle SPÖ-Parteilinie gestellt zu haben, sein Verhältnis zur Landespartei war auch durch die beiden parlamentar. Untersuchungsausschüsse zur gescheiterten Olympia-Bewerbung Salzburgs u. dem Finanzskandal nicht das Beste. Der Salzburger Bürgermeister präzisierte jedoch am Freitag, dass er seine Funktionen für die Landes-SPÖ genau genommen nicht zurückgelegt, sondern beim vergangenen Landesparteitag am 5.10. nicht mehr für die Parteiämter kandidiert hat ---

http://doedr.forumieren.net/t118-salzburger-finanzskandale#2134 .. Im Prozess um den Finanzskandal hat Ex-Olympiaberater Erwin Roth am Dienstag seine belastenden Aussagen bekräftigt .. Er legt detaillierte Gesprächsnotizen aus 2007 vor, die belegen sollen, daß Schaden zu Burgstaller gesagt habe, das Land könne die faulen Stadt-Wertpapiere besser verstecken ..  Er wisse, daß Heinz Schaden korrupt sei, wiederholt Roth mehrmals vor Gericht. Etwa weil die Stadt damals einen Olympia-Werbeauftrag nicht an den Bestbieter sondern eine 20.000 € teurere SPÖ-nahe Werbeagentur vergeben habe, so Roth.
Durch Rufschädigung hätte Schaden Roths Beratungsfirma in den Konkurs getrieben, auch sei der Bürgermeister wörtlich „link“ u. Roth habe einen Detektiv auf ihn angesetzt. „Tequlia, Schnaps, Tränen u. Musik“ - So sei die Stimmung in Guatemala 2007 nach der gescheiterten Olympiabewerbung gewesen. Dabei habe er das Gespräch zwischen Schaden u. Burgstaller mitgehört. Der Bürgermeister habe zur damal. Landeshauptfrau gesagt, „das Land könne die Papiere besser verstecken, Othmar Raus habe schon zugestimmt“.
Aber er wolle keine Revanche am Bürgermeister nehmen obwohl dieser öffentlich gesagt habe, Roth bekomme mehr als 1 Mio. € Honorar u. könne nichts .. Auf Befragung der vorsitzenden Richterin Anna-Sophie Geisselhofer schilderte Roth am Dienstag, was er gehört habe: Zunächst hätten die beiden über die Musik in dem Raum gesprochen. Dann sei es um „faule Papiere“ der Stadt gegangen, die das Land übernehmen sollte, sagte Roth. Schaden habe Burgstaller gefragt, ob das Land die Papiere nicht verstecken könne. Die Landeshauptfrau habe geantwortet, nein, das ginge nicht. Daraufhin habe der Bürgermeister erklärt, daß der damal. Finanzreferent LHStv. Othmar Raus (SPÖ) aber schon zugestimmt habe. Über das Gespräch habe er am Folgetag ein Protokoll in seinen Kalender eingetragen, sagte Roth.

http://doedr.forumieren.net/t118-salzburger-finanzskandale#2179 .. „Deal vor dem Gemeinderat verschleiert“ Er warf dem Bürgermeister der Stadt Salzburg vor, er habe die Übertragung der 6 Derivate der Stadt ans Land mit einem negativen Barwert von ca. 5 Mio. € am 11.9.2007, für die es keine Gegenleistung seitens der Stadt gegeben habe, nicht nur deshalb initiiert, um das Minus loszuwerden. Sondern er habe diesen politischen Deal auch vor dem Gemeinderat verschleiert, um sein Amt als Bürgermeister - im Jahr 2009 standen Wahlen bevor - zu retten. Sonst hätte es geheißen, „die rote Stadt hat spekuliert u. hat Millionen in den Sand gesetzt“, argumentierte der Staatsanwalt der Wirtschafts- u. Korruptionsstaatsanwaltschaft. „Der Bürgermeister hat alles gegeben, daß die Oppositionsparteien keinen Wind davon bekommen, u. er sein Amt behalten kann ..

http://www.salzburg.com/nachrichten/dossier/finanzskandalsalzburg/sn/artikel/heinz-schaden-tritt-zurueck-salzburg-verliert-seinen-sturen-hund-265699/ .. 20.9.2017.. Nach 18 Jahren an der Spitze der Landeshauptstadt verlässt ein Meister der Macht die politische Bühne. Es ist ein unfreiwilliges Karriereende - und ein unrühmliches noch dazu .. Politisch setzte Schaden in der Stadt lange Zeit auf eine rot-grüne Achse. Mit der FPÖ hatte er nie etwas am Hut - u. ließ das die Freiheitlichen auch bei jeder Gelegenheit wissen .. Nach und nach sanierte er als Finanzreferent die Budgets, was ihm die Beinamen "Geizhals" u. "Dagobert Duck" einbrachte. Heute ist Salzburg durch diesen Sparkurs die reichste Stadt Österreichs, mit einem Berg an Rücklagen u. einem jährlichen 40-Millionen-Plus. Es ist die Ironie der Geschichte, daß Heinz Schaden ausgerechnet über einen Finanzskandal stolpert ..
http://salzburg.orf.at/news/stories/2867170/ .. mögliche Aussicht auf 1 Jahr Haft - auch wenn diese unter Umständen mit Fußfessel ‚abgesessen‘ werden könnte ..

http://salzburg.orf.at/news/stories/2867369/ .. Als einen besonderen Erfolg seiner Amtszeit hob Schaden hervor, den Stadtteil Lehen zu einem selbstbewussten Stadtteil gemacht zu haben - u. den Umstand, dass die Stadt Salzburg finanziell kerngesund dastehe ..
http://www.salzburg.com/nachrichten/salzburg/politik/sn/artikel/heinz-schaden-der-ruecktritt-its-time-to-say-goodbye-265656/ .. ".. Aus Lehen ist ein anderer Stadtteil geworden .." Leserkommentar: "Wetten, daß ... heute wieder nicht darüber informiert wird, ob er eine hohe Politikerpension samt fetter Abfertigung erhält oder nicht!"
Lt. SN v. 20.9.2017 braucht Schaden für seine ASVG-Pension noch 15 Monate, die er (wie Gabi Burgstaller) in der Arbeiterkammer ableisten wird...

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Elisabeth Markstein & Heinz Markstein

Beitrag von Dissident am Di Nov 29, 2016 4:24 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Markstein  Elisabeth Markstein (geb. Elisabeth Koplenig; 1929-2013) war die Tochter der Historikerin Hilde Koplenig (gebürtige Oppenheim) u. des Politikers u. langjährigen KPÖ-Vorsitzenden Johann Koplenig. 1933 gingen ihre Eltern wegen des Dollfuß-Regimes in den Untergrund. Ihre Kindheit verbrachte sie teilweise in Prag, Schweiz u. ab 1936 in Moskau im Hotel Lux .. Sommer 1945 kehrte sie mit ihren Eltern nach Österreich zurück; das Abitur legte sie in Moskau ab, wohin sie deswegen zurückkehrte. Sie studierte Slawistik in Moskau u. an der Uni Wien. Sie pflegte Kontakt zu russ. Dissidenten u. Emigranten, wurde 1968 aus der Kommun. Partei ausgeschlossen u. von der Sowjetunion mit einem mehrjährigen Einreiseverbot belegt, nachdem bekannt geworden war, dass sie Briefe Solschenizyns aus dem Land geschmuggelt hatte. Ihre Sympathie für die Sowjetunion endete mit der Niederschlagung des Prager Frühlings Aug. 1968.

Markstein lehrte ab 1966 an Instituten für Translationswissenschaft sowie den Instituten für Slawistik in Wien, Innsbruck, Graz u. Austin (Texas). Sie war Mitglied der Berufsvereinigungen Übersetzergemeinschaft u. Universitas u. übersetzte (zum Teil gemeinsam mit ihrem Kollegen Ernst Walter) unter anderem aus dem Russ. das Hauptwerk Solschenizyn, Der Archipel Gulag. Für die Übersetzung benutzte sie zunächst das Pseudonym Anna Peturnig. Mit Felix Philipp Ingold gab sie Über Solschenizyn heraus, übersetzte Dostojewskis Der Spieler, Werke Lew Kopelews, die Erinnerungen seiner Frau Raissa Orlowa-Kopelewa u. übertrug Janusz Meissners Wracks aus dem Polnischen. Sie pflegte Freundschaft mit dem deutschen Literaturnobelpreisträger Böll u. begegnete neben anderen Joseph Brodsky, Nikita Chruschtschow u. Molotow.
--- Sie war fast 60 Jahre mit dem Schriftsteller Heinz Markstein (1924–2008) verheiratet.

http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/531734/Das-andere-Osterreich --- werden die raren Zeitungen geradezu verschlungen – vor allem die Artikel der Kriegskorrespondenten Ilja Ehrenburg u. Wassili Grossman. „Ehrenburgs vielfach diskutierter Aufruf ,Ubej Nemtsa!‘ – ,Töte den Deutschen!‘ hat mich nicht gestört“, meint Elisabeth Markstein nachdenklich. Dass nicht in jedem Wehrmachtssoldaten ein Mörder steckte, habe sie erst später u. erst sehr langsam verstehen gelernt ---
Von Stalins Terror erfährt sie erstmals während des Krieges, als ihr eine poln. Freundin die Briefe ihres als Trotzkisten verhafteten Vaters zu lesen gibt ---
Die überschwänglichen Hoffnungen ihrer Eltern u. des Parteidenkers Ernst Fischer auf ein kommunist. Österreich wurden im Nov. 1945, bei den ersten Wahlen seit 1934, zunichte gemacht. Von den 3,5 Millionen Wahlberechtigten stimmten kaum 5,5 % für die KPÖ. Damals habe sie ihren Eltern u. Freunden gesagt: „Man will uns hier nicht.“ ---

http://derstandard.at/1271374869958/daStandardat-Interview-Leben-in-zwei-Welten ---Markstein: --- "Auch das Jüdische in mir ist eine eigene Welt,.." ---

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Markstein Heinz Markstein (Pseudonyme Josef Heimar, Jan Melnik; 1924-2008) stammte aus einer Familie assimilierter Juden. Sein Vater u. Onkel waren als Sozialisten im KZ Buchenwald inhaftiert. Nachdem sie freigelassen worden waren, emigrierte die Familie März 1939 nach Bolivien. In La Paz war er führendes Mitglied der „Bewegung für ein freies Österreich“. 1945 ging die Familie nach Argentinien. 1951 kehrte er nach Wien zurück. Er arbeitete zunächst als Freier Mitarbeiter für Radio Wien u. war Redakteur der Volksstimme. 1961-1963 arbeitete er als Auslandskorrespondent in Prag. Bei der Volksstimme wurde er entlassen, nachdem er aus der KPÖ ausgetreten war. Ab 1970 arbeitete er als Schriftsteller u. freier Journalist. Er verfasste Berichte u. Kommentare für Zeitschriften, Radio-Features für den ORF, Hörspiele u. Fernsehspiele für Kinder. Markstein war mit der Slawistin, Übersetzerin u. Autorin Elisabeth Markstein verheiratet.

http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/394484/Der-sanfte-Freund ---  1955, nach dem Abzug der Alliierten, verlor er seine Arbeit als Radiojournalist ---

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Otto Weininger

Beitrag von Dissident am Di Nov 29, 2016 5:50 pm

http://de.metapedia.org/wiki/Otto_Weininger  Otto Weininger (1880-1903) war ein jüdischer Antijudaist, Psychologe u. Philosoph. Seine judenkritischen Darlegungen stellen eine radikale Abrechnung mit dem Judentum dar.

Weininger war der Sohn eines jüd. Goldschmieds. Nach dem Abitur 1898 studierte er Philosophie u. Psychologie an der Uni Wien. 1902 wurde er promoviert u. trat zum Protestantismus über. 1 Jahr später veröffentlichte er sein grundlegendes Werk Geschlecht und Charakter, das insgesamt 28 Auflagen erreichte --- Darin entwickelte er eine eigenständige Geschlechterpsychologie, die nach den Größen der männlichen u. weiblichen Persönlichkeitsanteile forscht.
In diesem Werk finden sich äußerst schroffe Abkanzelungen der Weiblichkeit, die sowohl systematisch begründet sind als auch auf biographische Erfahrungen des Verfassers zurückgehen. Wegen dieser (eher frauenverachtenden als frauenfeindlichen) Ausführungen gilt Weininger bis heute als Klassiker der Misanthropie.
Wer sich von Sonntagsreden erholen möchte, liest Weininger. Die wissenschaftliche Bedeutung seiner Arbeit liegt in ihrer wirksamen – u. heute mehr u. mehr spürbaren – Konkurrenz zu Sigmund Freud u. in ihrer inspirierenden Wirkung auf die empirische Psychologie (da Versuche, Weininger zu widerlegen, seit langem zu den akademischen Grundübungen angehender Psychologen gehören).

In seinen Schriften rief er zum Kampf der „Arier gegen das Judentum“ auf, welches für ihn „der Inbegriff des unsittlichen Materialismus“ darstellte.
Zum Thema jüd. Selbsthaß schrieb er:
„Die allerschärfsten Antisemiten sind unter den Juden zu finden. Denn der Mensch haßt nur, durch wen er sich unangenehm an sich selbst erinnert fühlt.“

Er erschoß sich aus Abscheu vor seiner jüdischen Herkunft im Sterbezimmer Ludwig van Beethovens.

http://www.taz.de/!701282/
--- Sosehr in jeder von Weiningers Thesen der Faschismus schlummert, so wenig konnten die Nazis mit ihnen anfangen: Sein Buch, unterm Naziregime verboten ---

http://www.theabsolute.net/ottow/lucka.html --- VON EMIL LUCKA, SCHUSTER & LOEFFLER IN BERLIN, 1921 ---
Kurze Zeit nach dem Tode Otto Weiningers wurde es mir von befreundeter Seite nahegelegt, etwas über ihn und sein Werk zu veröffentlichen.  Ich habe mich jedoch damals nicht hierzu entschließen können, weil mich die Roheiten und Bosheiten, die dem Verstorbenen noch in das offene Grab von verschiedenen Leuten nachgesandt wurden, sowie auch die Lobsprüche, die ihm Wohlwollende in wenig passender Weise spendeten, nicht sonderlich anregen konnten, in den Chor einzustimmen ---

--- Was er über das Judentum sagt, wird für jede künftige Kulturpsychologie fundamentale Bedeutung haben.  Hier ist zum erstenmal mit dem höchsten Grade von Klarheit ausgesprochen, worum es sich da handelt: um den Geist des Judentums, und nicht um die Abstammung der Juden.  Das Problem des Judentums, soweit es für die allgemeine Kultur Interesse besitzt (und nicht nur für die Anthropologie), ist ein ausschließlich psychologisches, kein naturwissenschaftliches ---

--- den Geist des Jüdischen, die Idee des Judentums, die ja nicht so einfach festzulegen ist wie die Abstammung, in ihrer Vollendung zu zeigen.  Und das ist meiner Überzeugung nach Weininger im höchsten Maße gelungen.  Hätte er nicht in sich selbst Jüdisches besessen, so wäre es ihm nicht möglich gewesen ---

---  in den historischen Juden ist das, was Weininger als J hätte bezeichnen können, in hohem Maße vertreten.  Nur soweit es in ihnen ist, nur soweit kann man sie als „Juden“ ansprechen.  Und ob es überhaupt einen Stammesjuden gibt, der vom „Jüdischen“ nichts in sich hat, bleibt zweifelhaft; hier liegt die Wahrheit des Rassenantisemitismus ---

--- Das größte Problem der wissenschaftlichen Philosophie ist das, eine letzte Position zu gewinnen.  Diese liegt für Weininger in dem höchsten Wert der Wahrheit, worin sich Logik, der Wille, wahr zu denken, und Ethik, der Wille, wahr zu handeln, treffen.  Beide sind „Pflicht gegen sich selbst. Sie feiern ihre Vereinigung im höchsten Werte der Wahrheit, dem dort der Irrtum, hier die Lüge gegenübersteht: die Wahrheit selbst aber ist nur eine.  Alle Ethik ist nur nach den Gesetzen der Logik möglich, alle Logik ist zugleich ethisches Gesetz.  Nicht nur Tugend, sondern auch Einsicht, nicht nur Heiligkeit, sondern auch Weisheit ist Pflicht und Aufgabe des Menschen --- Weininger formuliert sie als Wahrheits-Postulat und macht so die notwendige Einheit des Denkens und Handelns vollkommen klar. ---

---  Es ist vielleicht die größte Erkenntnis Weiningers, die für die Psychologie der Moral weittragende Folgen haben muß, hier, wo alles so wenig greifbar ist, einige Sätze gefunden zu haben.  Es besteht eine eigentümliche Korrelation zwischen den Funktionen des nur animalischen, respektive pflanzlichen Lebens (im Menschen) und denen des höheren, des „zweiten Lebens“.  Lust und Trieb sind die Motive alles Organischen, dessen, was geformt, aber nicht .. beseelt ist; da überbaut eine höhere Eigenschaft, die doch der niederen verwandt ist, die erste; was Lust war, wird Wert, was Trieb war, (bewußter) Wille.  Wo nur das Individuum (das heißt organisch unteilbares Existieren) bestand, tritt Individualität auf (das heißt einheitliches, autonomes Sein mit voller Bewußtheit), wo nur Geschlechtstrieb existierte, tritt Liebe hinzu.  Die höhere Seinsform ersetzt die niedere nicht, „es ist gleichsam, als wäre jeder bloß tierischen Eigenschaft im Menschen eine verwandte und doch einer höheren Sphäre angehörige Qualität superponiert. Jene niederen Eigenschaften fehlen dem Menschen keineswegs, allein es ist zu ihnen in ihm etwas hinzugekommen.“ „Neben dem organischen hat der Mensch noch teil an einem anderen Leben ---

---  Ich habe mich aufrichtig bemüht, in der Beurteilung der Gedanken Weiningers nicht den Autor vor Augen zu haben, der mir lieb gewesen ist, und dessen Tod eine Lücke in meinem Leben gelassen hat, sondern nur das anzuerkennen, was meinem objektiven Urteil gelungen und wertvoll erscheint.  Da wir ein Stück in unserem geistigen Leben gemeinsam gegangen sind --- Es liegt mir ferne, die Schwächen Weiningers zu übersehen.  Unter den Aphorismen finden sich Sätze, die ganz nichtssagend sind, und sogar Trivialitäten laufen neben abgründlichen Gedanken mit unter.  Einige Aphorismen dürften nichts sein als kurze Zettelnotizen ---
Ich will es nunmehr versuchen, die Motive zu rekonstruieren, die Weininger zum Selbstmord getrieben haben.  Die Richtigkeit der Darstellung seines Seelenlebens kann ich nicht Schritt für Schritt belegen; sie stützt sich auf meine genaue Kenntnis seines Wesens, seine eigenen Mitteilungen und auf die Folgerungen, die ich aus seiner letzten Aufzeichnung ziehen darf. --- Weininger fühlte sich zu keinem lebenden Schriftsteller so hingezogen wie zu Knut Hamsun. Er glaubte, viel Ähnlichkeit mit ihm zu haben, und lernte vermutlich deshalb norwegisch, um Hamsuns Romane im Urtext lesen zu können. --- Eines Tages (vielleicht dreiviertel Jahre vor seinem Tod) kam Weininger ziemlich verstört und erzählte im Freundeskreise, Knut Hamsun hätte sich erschossen.  Die Nachricht bestätigte sich nicht; von dem seltsamen Einfall aber und der entsetzten Miene, mit der er vorgebracht wurde, waren alle betroffen.  Auf spätere Fragen, wie er auf diesen Gedanken gekommen wäre, gab Weininger keine rechte Antwort.  Ich glaube jetzt, daß der Entschluß zum Selbstmord damals schon festgestanden hat, und daß sich das Sinnen hierüber mit dem Gedanken an Knut Hamsun, dem er sich sehr verwandt fühlte, auf irgendeine unerklärliche Weise verschwistert hatte. ---

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Emil Lucka

Beitrag von Dissident am Mi Nov 30, 2016 4:28 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Lucka  Emil Lucka (1877-1941) war Angestellter bei der Zentral-Bodenbank in Wien u. veröffentlichte parallel dazu kulturkritische Essays in versch. Zeitschriften. Sobald sich sein Lebensunterhalt allein aus seiner literarischen Arbeit bestreiten ließ, gab er seinen Beruf als Bankbeamter auf. Nach eigenen Aussagen wurde er von der Philosophie Kants, aber auch vom Werk seines Freundes Otto Weininger sehr beeinflusst --- 1901 konvertierte Lucka vom jüdischen zum katholischen Glauben --- 1930 veröffentlichte er „Fremdlinge“, einen biographischen Roman über den Komponisten Anton Bruckner. Neben seiner Biographie Weiningers veröffentlichte Lucka auch vielbeachtete Biographien Dostojewskis u. Michelangelos.

Mit seinen Theaterstücken hatte Lucka weniger Glück; er konnte sie veröffentlichen, doch sie setzten sich nicht durch u. wurden kaum gespielt. Das Wiener Stadttheater versuchte sich an einigen; da sich aber kein Erfolg einstellte, wurden sie nicht ins Repertoire aufgenommen.

Nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich durften Luckas Werke nicht mehr erscheinen u. er selbst wurde mit Schreibverbot belegt. Ab 1938 bestritt er seinen Lebensunterhalt von einer kleinen Rente, welche ihm von der Zentral-Bodenbank ausgesetzt worden war. Im Alter von 63 Jahren starb er am 15.12.1941 in Wien.

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Karl Kraus

Beitrag von Dissident am Mi Nov 30, 2016 5:12 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Kraus  Karl Kraus (1874-1936) Kind des jüdischen Papier- u. Ultramarinfabrikanten u. wohlhabenden Kaufmanns Jakob Kraus u. seiner Frau Ernestine (geborene Kantor) --- Er verfasste für unterschiedl. deutsche u. österr. Zeitschriften Artikel, vor allem Literatur- u. Theaterkritiken --- 1897 gelang ihm mit der Veröffentlichung von Die demolirte Litteratur eine satirische Abrechnung mit der Kaffeehauskultur der Wiener Moderne. Die Satire war sein erster großer Publikums-erfolg; symptomatisch war bereits zu diesem Zeitpunkt, dass er sich die bittere Feindschaft der durch ihn bloßgestellten Literaten zuzog ---

1898 begann Kraus .. die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift zu erwägen. Diese Zeitschrift – Die Fackel – erschien erstmals April 1899 -- 1901 fand der erste von vielen Prozessen statt, die von Personen eingeleitet wurden, die sich durch Korruptionsvorwürfe der Fackel angegriffen fühlten: hier der Theaterkritiker u. Bühnenautor Hermann Bahr u. der Intendant Emmerich Bukovics --- 1899 trat Kraus aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft aus --- 1910 hielt er die erste seiner bis 1936 siebenhundert öffentlichen Lesungen ab --- Die erste aufsehenerregende „Erledigung“ durch Kraus erfolgte 1907, als er seinen früheren Gönner Maximilian Harden aus Anlass von dessen Rolle im Eulenburg-Prozess angriff --- 1915 begann er mit der Arbeit an dem Theaterstück "Die letzten Tage der Menschheit" ---

1924 begann die Auseinandersetzung mit dem erpresserischen Verleger des Boulevardblatts Die Stunde, Imre Békessy. Békessy antwortete mit Rufmordkampagnen gegen Kraus, der im Jahr darauf unter dem Schlachtruf „Hinaus aus Wien mit dem Schuft!“ zu einer „Erledigung“ ausholte u. 1926 erreichte, dass Békessy sich seiner Verhaftung durch Flucht aus Wien entziehen musste. 1927 forderte Kraus Johann Schober, den für die blutige Niederschlagung der „Julirevolte“ mitverantwortlichen Wiener Polizei-präsidenten, auf Plakaten erfolglos zum Rücktritt auf. Im Stück Die Unüberwindlichen, 1928 erschienen, verarbeitete er diese beiden Auseinandersetzungen. Im selben Jahr veröffentlichte er die Akten des Prozesses, den Alfred Kerr gegen Kraus angestrengt hatte, da Kraus ihm in der Fackel dessen frühere chauvinistische Kriegsgedichte vorgehalten hatte ---

Mit seiner Unterstützung für den diktatorisch regierenden österr. Bundeskanzler Dollfuß, von dem er sich erhoffte, er würde das Übergreifen des NS auf Österreich verhindern, entfremdete sich Kraus Teilen seiner Anhängerschaft --- 1936 wurde er .. in der Dunkelheit von einem Radfahrer niedergestoßen. Die Folgen waren immer stärkere Kopfschmerzen u. Gedächtnisschwund --- Nach einem Herzinfarkt im Café Imperial am 10.6. starb er am 12.6.1936 in seiner Wohnung an Herz- u. Gehirnschlag

--- Sein Feldzug gegen die Presse („Journaille“, „Tintenstrolche“, „Fanghunde der öffentlichen Meinung“, „Preßmaffia“, „Preßköter“) zieht sich durch sein gesamtes Lebenswerk. Er wirft ihr vor, dass „bloß das, was zwischen den Zeilen steht, nicht bezahlt“ sei. Insbesondere wendet er sich gegen die Neue Freie Presse (heute: Die Presse), von der er sagt, dass es „keine Schlechtigkeit gibt, die der Herausgeber der Neuen Freien Presse nicht für bares Geld zu vertreten, u. keinen Wert gibt, den er aus Idealismus nicht zu leugnen bereit ist“ ---
Seine Vorwürfe konnte Kraus mit Tatsachen begründen. So wies er die Zahlung sogenannter „Pauschalien“ an Zeitungen nach, mit denen sich große Wirtschaftsunternehmen das Wohlverhalten der Zeitungen erkauften. Er konnte einen Zusammenhang zwischen Angriffen einer Zeitung auf ein Unternehmen u. deren Erlöschen nach der Schaltung einiger Inserate durch dasselbe belegen ---

Karl Kraus und das Judentum
1899 trat er aus der jüd. Kultgemeinschaft aus u. ließ sich nach einigen Jahren der Konfessionslosigkeit 1911 katholisch taufen. Dieser Schritt aber blieb der Öffentlichkeit unbekannt, bis er 1922 in aufsehenerregender Weise wieder aus der Kirche austrat – als Protest gegen eine Kirche, welche die Salzburger Kollegienkirche dazu hergab, dass Max Reinhardt darin Theateraufführungen inszenierte.
Kraus’ Schriften weisen stellenweise einen Duktus auf, den man als antisemitisch auffassen könnte, so etwa, wenn er das „Jüdisch-Deutsch“ als „mauscheln“ bezeichnet, oder wenn er in Rückgriff auf die angebl. Ritualmorde der Juden die Tätigkeit des Herausgebers der Neuen Freien Presse, Moriz Benedikt, einen „Ritualraub“ nennt. Auch in der langwährenden polemischen Auseinandersetzung Kraus’ mit Heinrich Heine, einem deutsch-jüdischen Schriftsteller wie Kraus selbst, dem er vorwirft, er habe der deutschen Sprache das Mieder gelockert, so dass jeder Kommis nun an ihren Brüsten herumfingern dürfe, finden sich zahlreiche versteckte u. offene Anspielungen auf Heines Judentum, obwohl sich Heine 1825 taufen ließ.

Diese Ambivalenz gegenüber der eigenen Herkunft u. die Neigung, die vermeintlichen „typisch jüdischen“ Eigenschaften vornehmlich als negativ aufzufassen, ist in seiner Zeit nicht ungewöhnlich. Eine assimilierungswillige u. weitgehend schon assimilierte Judenschaft in Wien traf auf die aus Galizien u. Lodomerien nach Wien strömenden ostjüd. Glaubensgenossen mit ihrem als unzeitgemäß empfundenen Kaftan, ihren Schläfenlocken u. ihren Tefillin – u. empfand Fremdheit u. Beklemmung. Die „Westjuden“ legten Wert darauf, nicht mit den „Ostjuden“ verwechselt zu werden, hingen mit besonderer Liebe an Deutschland u. Österreich u. gaben sich bisweilen deutscher als die christl. Deutschen, waren kulturell überaus engagiert, wirtschaftlich erfolgreich u. wollten angesichts einer Zeit, welche die atavistische Judenfeindschaft scheinbar ein für alle Mal überwunden hatte, den Geruch u. die Erniedrigung des jahrhundertelangen Ghettos hinter sich lassen, ohne von osteurop. Glaubensbrüdern erneut daran erinnert zu werden. Außerdem bestand die Sorge, dass die Ostjuden durch ihre Erscheinung u. ihre fremden Gebräuche alte Ressentiments von neuem beleben könnten – zumal gerade gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Wien u. anderswo das Phänomen des Antisemitismus immer stärker um sich griff. Zur Wiederentdeckung der Kultur des Ostjudentums hat es eines Martin Buber bedurft.

Kraus, Abkömmling einer wohlhabenden Familie großbürgerlicher Industrieller, teilte dieses Empfinden der alteingesessenen Judenschaft. Die von Kraus vertretene Einstellung des arrivierten Judentums zur jüdischen Frage lässt sich gut an seinem Pamphlet Eine Krone für Zion (1898) erkennen, das auf Herzls Publikation Der Judenstaat antwortet. Die Krone, eigentlich die österr.-ungar. Währung (wobei für die Berechtigung einer Teilnahme am 2. Zionistischen Kongress als Mindestspende 1 Krone zu erlegen war), wurde von Kraus als Krone eines Möchtegern-„Königs von Zion“ gedeutet. Er warf dem Zionismus vor, zu einem historischen Fehler anzusetzen: Er verlasse den einzig erfolgversprechenden Pfad der Assimilierung u. führe in die Irre, u. er spiele außerdem denjenigen in die Hände, die eine Trennung zwischen Juden u. Nichtjuden herbeiführen wollten. Insbesondere den militanten Zionisten sei es gelungen, „Christen, die dem Antisemitismus bisher keinerlei Geschmack abgewinnen konnten, von der Heilsamkeit der Absonderungsidee zu überzeugen“. Der Zionismus werde vor der Integration kapitulieren müssen: „Es ist kaum anzunehmen, dass die Juden diesmal trockenen Fußes ins Gelobte Land einziehen werden, ein anderes rotes Meer, die Sozialdemokratie, wird ihnen den Weg dahin versperren.“ Außerdem fühlte sich Kraus auch angesichts seiner jüd. Abstammung grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, sich von der zionistischen Idee vereinnahmen lassen u. für einen eigenen Judenstaat optieren zu müssen: Er fühlte sich als Österreicher u. Wiener. Darin wusste er sich mit einem bedeutenden Teil der altansässigen Judenschaft einig, welche – so sehr sie auch die Notwendigkeit einer Lösung für das bedrängte Ostjudentum sehen mochte – für sich selbst einen Sinn u. einen Zweck der Bewegung des Zionismus nicht erkannte, weil sie nicht sah oder sehen wollte, was Theodor Herzl inmitten des Tumults im Verlauf des Dreyfus-Prozesses gefolgert hatte.

Die Distanz zu den eigenen Wurzeln hat sich bei nicht wenigen Angehörigen der assimilierten Judenschaft in einer Haltung entladen, die als „jüdischer Selbsthass“ bezeichnet wurde. Wenngleich es auch nicht an Stimmen fehlte, die eine überstürzte Assimilierung als würdelos ansahen, ging der Tenor dahin, den Begriff „jüdische Eigenschaften“ als negativ besetzt anzusehen u. die eigene jüd. Herkunft möglichst zu ignorieren – wofür das Werk von Kraus, der jene allerdings nicht verleugnet hat, in vieler Hinsicht ein Beispiel darstellt.
Verkennen sollte man allerdings nicht, dass Kraus viel eher als die Juden die Antisemiten unter seinen Zeitgenossen lächerlich fand. In dem Aufsatz Er ist doch e Jud (Okt. 1913) druckt er die Zuschrift eines Lesers ab, welcher ihn bittet sich dazu zu erklären, ob ihm, Kraus, „nichts von allen den Eigenschaften des Juden anhaftet“, u. „welche Stellung“ er zu dem Satz einnehme, „dem auch Lanz-Liebenfels beipflichtet“, dass man nämlich „aus der Rasse … nicht austreten“ könne. Kraus führt dazu aus, es sei nicht seine Sache, „mir meinen Kopf von fremden Leuten zerbrechen zu lassen […] Meine Unbildung bringt es mit sich, daß ich über das Rassenproblem kaum so viel auszusagen wüßte, als notwendig ist, um in einem halbwegs anständigen Kegelclub, der auf sich hält, noch für einen intelligenten Menschen zu gelten. Trotzdem war es möglich, daß ein Fachmann wie der Dr. Lanz v. Liebenfels, auf den sich auch mein Prüfer beruft, mich als den 'Retter des Ario-Germanentums' angesprochen hat. Wie das zugeht, weiß ich nicht, da doch diese Rassenantisemiten auch den Satz aufgestellt haben: 'Aus der Rasse kann man nicht austreten' […] Ich weiß nicht, ob es eine jüd. Eigenschaft ist, das Buch Hiob lesenwert zu finden, oder ob es Antisemitismus ist, ein Buch Schnitzlers in die Ecke zu werfen […] Mit der Rasse kenne ich mich nicht aus“.

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach Veröffentlichung von Eine Krone für Zion schrieb er dazu: „Ich kann, da ich nicht mit soviel Gesinnung auf die Welt gekommen bin wie ein zionistischer Redakteur, unmöglich als 50-jähriger aufrechterhalten, was ich als 23-jähriger geschrieben habe.“ Jedoch „Reue als Vorstellung, dass ich es damals hätte unterlassen oder anders tun können, kann sich nie meiner bemächtigen. Das wäre doch nur möglich, wenn ich wüsste, dass ich es gegen meine Überzeugung getan hätte!“

„Erledigungen“
Kraus wirkte, indem er sich mit berühmten Zeitgenossen anlegte. Die Liste seiner Gegner ist lang u. illuster: statt vieler seien Hermann Bahr, Sigmund Freud u. die Psychoanalyse, Arthur Schnitzler, Moriz Benedikt, Maximilian Harden, Alfred Kerr u. Johann Schober genannt. Sie mussten groß sein, Anhänger u. Einfluss haben, um sich zur Exemplifizierung des Grundsätzlichen zu eignen. Kraus agierte hier mit seiner Zeitschrift wie eine Gerichtsinstanz. 4 Kampagnen seien hier exemplarisch umrissen:

Maximilian Harden
... gab in Berlin seine eigene Zeitschrift Die Zukunft heraus. Ursprünglich herrschte Freundschaft zwischen Kraus u. Harden; Die Zukunft, ebenfalls im Wesentlichen Sprachrohr eines Einzelnen, war in vieler Hinsicht ein Vorbild für die Fackel, u. Kraus hatte sich mit Harden vor dem Start der Fackel beraten. Dann jedoch suchte er den Konflikt mit Harden vor dem Hintergrund der von Kraus leidenschaftlich angegangenen Sittlichkeitsprozesse, wie sie für die Zeit vor dem 1. Weltkrieg typisch waren. Dieser Art von Prozessen widmete Kraus mit Sittlichkeit u. Kriminalität eine ganze Sammlung seiner Aufsätze, in denen er für das Recht des Individuums auf Lust u. auf Verschonung von Sexualschnüffelei eintrat.
Im Rahmen der sogenannten Eulenburg-Prozesse gegen den kaiserlichen Vertrauten Philipp Fürst zu Eulenburg u. Hertefeld u. Graf Kuno v. Moltke, die homosexueller Handlungen beschuldigt waren, kämpfte Harden in einer Schlammschlacht (u. a. wurden Meineide geschworen u. Harden ließ sich bezahlt beleidigen, um im folgenden pro-forma-Prozess eine Zeugenaussage verwerten zu können) gegen die „Hofkamarilla“. Obwohl Kraus für das System des deutschen Kaiserreichs selbst nicht sehr viele Sympathien hegte, widerten ihn die Führung eines weiteren großen Sittlichkeitsprozesses im Allgemeinen u. die Methoden Hardens – mit seiner Taktik, für politische Ziele das Privatleben anderer Menschen ans Licht zu zerren u. dabei die Vernichtung ihrer bürgerlichen Existenz in Kauf zu nehmen – im Besonderen an. So widmete er ein ganzes Doppelheft der Fackel einer großen Abrechnung mit Harden, worin er auch bemüht ist, seine oben angedeutete, nicht widerspruchsfreie, Stellung zu Harden als frühem Förderer anzusprechen u. mit seiner Entwicklung zu begründen.
Die Auseinandersetzung mit Harden zieht sich allerdings auch noch durch die später erscheinenden Bücher Die chinesische Mauer u. Literatur u. Lüge, da Kraus sich auf die außergewöhnlich geschraubte Sprache Hardens stürzte, die von dessen Prunken mit Bildung u. Halbbildung u. von gewollt altertümlichen Wendungen strotzte. Kraus nannte dieses Hardensche Deutsch „Desperanto“ u. gab in der Fackel mehrfach Übersetzungen aus Harden heraus („Unterm Wonnemond ein borussisches Sodom bezetern – Im Mai über preußische Sittenverderbtheit klagen.“)

Alfred Kerr

... blieb für Kraus fast ein lebenslanges, jedenfalls durch seine jeweiligen unüberlegten Reaktionen ein besonders dankbares Objekt seiner „Erledigungen“.
Bereits 1911 gerieten er u. Kerr erstmals aneinander. Kerr war Hauptautor der literarischen Zeitschrift Pan, die vom Verleger Cassirer herausgegeben wurde. 1911 hatte der Berliner Polizeipräsident v. Jagow die Schauspielerin Durieux, zu der Zeit Ehefrau Cassirers, umworben. Diese Affäre wurde von allen Beteiligten gütlich beigelegt, u. es hätte keine Notwendigkeit bestanden, noch daran zu rühren. Kerr allerdings wollte aus politischen Gründen Druck auf v. Jagow ausüben u. veröffentlichte hierzu mit Billigung Cassirers die Affäre mit privaten Details im Pan. Kraus verwies ihm in den Fackel-Aufsätzen Der kleine Pan ist tot, Der kleine Pan röchelt noch u. Der kleine Pan stinkt schon seine Handlungsweise ebenso, wie er es Harden gegenüber tat. In der folgenden Auseinandersetzung griff Kraus Kerrs ganzes Schaffen an u. bezweifelte dessen literarische Fähigkeiten. Schließlich ließ sich Kerr dazu hinreißen, ein „Capricho“ auf Kraus zu verfassen, das voller persönlicher Beleidigungen steckt u. in einem unflätigen Spottgedicht gipfelte ---
Der Demokrat u. Pazifist Kerr erwies sich als überaus empfindlich gegen den Nachweis seines schriftstellerischen Werks während des Kriegs. Er nahm den Umstand, dass Kraus ihm eines der vielen unter einem Sammelpseudonym (Gottlieb) veröffentlichten Kriegsgedichte fälschlicherweise zugeschrieben hatte, zum Anlass, gegen Kraus eine Verleumdungsklage zu erheben. Dieser brachte seinerseits eine Widerklage ein. Kerr, obwohl selbst jüdischer Herkunft, verwendete die Angriffe antisemitischer Vereinigungen auf Kraus zu dem Zweck, das mutmaßlich selbst antisemitisch eingestellte Berliner Gericht gegen Kraus einzunehmen. Beide Klagen wurden vor Gericht einvernehmlich zurückgezogen, da Kerr allmählich schwante, welche Öffentlichkeitswirkung der Prozess entfalten würde. Kraus nannte Kerr einen „Schuft“ u. gab an, er habe der Erledigung des Verfahrens zugestimmt, um die von Kerr dem Gericht vorgelegten Schriftsätze in der Fackel veröffentlichen zu können. Dies geschah im Sept. 1928 in einer Fackel von über 200 Seiten Umfang. Kerr steht in diesem von Kraus kommentierten Text, nicht nur wegen der antisemitischen Seitenhiebe, wenig vorteilhaft da. Er kündigte im selben Monat eine Antwort u. Abfuhr contra Kraus an, von der es hieß: „Erscheint in 8 Tagen“. Der Erscheinungstermin wurde immer weiter hinausgezögert – doch Kerrs Antwort erschien niemals, obwohl (wenn Kraus’ Freunde sich recht erinnern) der begabte Stimmenimitator Kraus immer wieder einmal anonym bei Kerr angerufen u. ihn gefragt haben soll, wann denn nun mit der Gegenschrift zu rechnen sei.

Imre Békessy
... ein vorbestrafter Ungar, der 1923 die österr. Staatsbürgerschaft erhielt, gab in Wien die Tageszeitung Die Stunde heraus, für Wien eine Tageszeitung neuen Typs mit vielen Bildern, wenig Text, vielen Annoncen, einer Menge Klatsch u. wenig Politik. Kraus nahm die Stunde lange nicht wahr, weil er sich mit den sogenannten Qualitäts-blättern für die gebildete Schicht anzulegen pflegte. Die Boulevardzeitung fiel Kraus erstmals auf, als der Herausgeber Békessy einen Prozess zweier Redakteure der Zeitschrift Der Volkswirt abzuwürgen vermochte, indem er mit der Veröffentlichung eines Privatbriefs eines der Redakteure drohte. Békessy war der Idealtypus eines käuflichen Redakteurs, der sich Zuwendungen nicht lediglich unter der Hand andienen, sondern sich das Erscheinen oder Nichterscheinen eines Artikels bezahlen ließ.
Die Stunde reagierte auf die ihr eigene Weise, indem sie „Enthüllungen“ über Karl Kraus anbot. Das reichte von der Veröffentlichung eines Jugendfotos, auf welchem der Retuscheur Kraus abstehende Ohren u. einige weitere unansehnliche Züge verpasste, bis zu einem erlogenen Erbschaftsstreit Kraus’ mit seiner Schwester.
Kraus reagierte: Juni 1925 las er den Text „Entlarvt durch Békessy“ vor, der in dem Ruf gipfelte: „Hinaus aus Wien mit dem Schuft!“, welchen er bei späteren Gelegenheiten aus Anlass weiterer Arbeiten u. Lesungen zu Békessy ebenso publikumswirksam wiederholte. Bundesgenossen hatte Kraus nur wenige; insbesondere die Sozialdemokratische Partei u. der Wiener Polizeipräsident Schober (die an sich Kraus Schützenhilfe versprochen hatten) zögerten beide, gegen Békessy vorzugehen, da Békessy zu viel über sie wusste.
Békessy hielt dem Druck der Fackel nicht stand: Ein Prokurist wurde verhaftet, ein Angestelltenverband forderte seine Mitglieder auf, die Stunde nicht mehr zu kaufen, er sah sich einem Ermittlungsverfahren wegen Erpressung ausgesetzt. Kraus nannte Békessy öffentlich einen Betrüger, Meineidigen u. Erpresser u. stellte ihm anheim, den Gegenbeweis vor Gericht anzutreten. Stattdessen floh Békessy ins Ausland, wie es hieß „zur Kur“, um nicht mehr nach Wien zurückzukehren.
Mai 1928 machte Kraus Békessy u. seine Stunde zum Gegenstand seines satirischen Dramas Die Unüberwindlichen, in dem Békessy als Barkassy, der Wiener Polizeipräsident Schober wegen seiner Rolle bei der Niederschlagung der Julirevolte sowie der Spekulant Castiglioni auftreten. Castiglioni erreichte ein Aufführungsverbot in Österreich, so kam es zur Uraufführung in Dresden.

Johann Schober
..., dreimaliger österr. Kanzler u. damals gerade Polizeipräsident von Wien, hatte die blutige Niederschlagung der Julirevolte vom 15.7.1927 zu verantworten: Eine nach dem Schattendorfer Urteil aufgebrachte Menge hatte den Justizpalast angesteckt, die Polizei hatte auf die Leute geschossen, u. etwa 100 Menschen waren dabei zu Tode gekommen. Dieses Ereignis wird bis heute kontrovers gesehen. Schober hatte in seiner Position angesichts eines rasenden Mobs, der Gebäude anzündete, zweifellos eine Entscheidung zu treffen. Ob der Schießbefehl unumgänglich war, u. warum es zu einer derart hohen Zahl von Opfern hatte kommen müssen, ist seitdem vielfach diskutiert worden. Der Skandal war allerdings nicht so sehr der Schießbefehl allein, sondern der Blutrausch, in dem Abteilungen der Wiener Polizei ein regelrechtes Scheibenschießen auf ihre „Gegner“ veranstalteten. Nach den in der Fackel veröffentlichten Augenzeugenberichten wurde wahllos auf Passanten geschossen, darunter Kinder u. nachweislich Unbeteiligte.
Die bürgerliche Regierung jedenfalls stellte sich hinter Schober, der sich damit rechtfertigte, seine Pflicht getan zu haben, u. hinter dessen Polizei. Kraus war empört, zog in der Fackel Vergleiche mit dem Weltkrieg u. plakatierte in Wien mit großen Buchstaben die an Schober gerichtete Botschaft: „Ich fordere Sie auf, abzutreten“. Kraus gedachte Schober ähnlich in die Ecke zu drängen, wie es ihm mit Békessy gelungen war, u. zwar nicht nur mit publizistischen Mitteln, sondern auch unter Einsatz der Justiz. Abgesehen von den Ereignissen des 15.7. stützte sich Kraus auf Zusagen Schobers im Kampf gegen Békessy, die dieser nicht eingehalten, u. Maßnahmen, die dieser nicht ergriffen hatte. Schober, so Kraus, habe sein Wort gebrochen u. habe somit abzutreten.
Hier verrechnete sich Kraus: Das Publikum, an das er sich mit seinem moralischen Appell wandte, wollte davon kaum etwas wissen. Weder wollten die Bürger den „Retter vor dem Umsturz“ preisgeben, noch konnten die Sozialdemokraten Kraus gegen den „Arbeitermörder“ Schober voll unterstützen, weil zwischen ihnen u. ihrem Schutzbund einerseits u. den Heimwehren andererseits im Wesentlichen nur Schober u. seine Polizei stand. Daher richtete Kraus gegen Schober im Ergebnis nichts aus. Die angestrebte „Erledigung“ konnte er in diesem Falle nicht erreichen. Hinzu kam, dass ein Wiener Original, der sogenannte „Goldfüllfederkönig“, als Schabernack seinerseits Plakate affichieren ließ, in denen Schober im gleichen Wortlaut aufgefordert wurde, „nicht abzutreten“.
Kraus porträtierte Schober in dem Drama Die Unüberwindlichen als die Figur Wacker. Diesem Wacker wird durch Kraus das von ihm selbst gedichtete Schoberlied in den Mund gelegt, welches Kraus dadurch populär zu machen hoffte, dass er es als billig zu erstehende Flugschrift vertrieb – in der trügerischen Hoffnung, ein in allen Straßen gesungenes Spottlied könnte Schober zum Amtsverzicht bewegen:
   Ja das ist meine Pflicht,
   bitte sehn S’ denn das nicht.
   Das wär’ so a G’schicht,
   tät’ ich nicht meine Pflicht […]
Das Lied leiert in dieser Weise weiter (zu Motiven aus Üb immer Treu und Redlichkeit u. dem Radetzky-Marsch), endet aber mit der Strophe:
   Wohl wagt’s mancher Wicht
   und verkennt meine Pflicht.
   Doch vors G’richt geh’ ich nicht,
   das ist nicht meine Pflicht!
Damit spielt Kraus darauf an, dass Schober ihn trotz wütender Angriffe nicht verklagte.

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Sigmund Freud

Beitrag von Dissident am Do Dez 01, 2016 2:14 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud  Sigmund Freud (1856-1939) Sohn galizischer Eltern jüdischer Abstammung, wurde als Sigismund Schlomo Freud in Freiberg in Mähren geboren --- 1873 an der Uni Wien zum Studium der Medizin immatrikuliert --- 1881 .. zum Dr. der Medizin promoviert ---
Seine Studie über Kokain, für die er auch Selbstversuche unternommen hatte, wurde 1884 veröffentlicht --- er selbst nutzte über Jahre die therapeutische Wirkung des Kokains --- Während einer Studienreise nach Paris 1885 besuchte er u. a. die psychiatr. Klinik, wo Jean-Martin Charcot wirkte, ein bekannter Professor für Pathologische Anatomie, der die Hysterie als echte Krankheit diagnostiziert hatte u. Hypnose für ernste Zwecke der psychischen Heilung einsetzte. Dieser gab ihm Anschauungsunterricht über Hysterie, u. vermittelte ihm die Auswirkung von Hypnose u. Suggestion. Schon einige Jahre zuvor hatte der junge Freud auch den österr.-jüdischen Arzt Josef Breuer kennengelernt. Der Fall der „Anna O.“ (Bertha Pappenheim), die bei Breuer seit 1880 in Behandlung war, führte zur gemeinsamen Erarbeitung der sogenannten „Sprechtherapie“, einer Art Vorstufe der Psychoanalyse.
Freud erforschte u. benutzte den hypnotischen Zustand zunächst, um den „Zensor“ zu umgehen, der den Analytiker daran hindert, unterdrückte Erfahrungen aufzudecken, die seines Erachtens die Neurosen hervorbringen. Nach einem im Okt. 1886 gehaltenen Vortrag über männliche Hysterie schlug ihm heftige Kritik entgegen. Zu den Kritikern gehörte auch Theodor Meynert, der sich mit dem mit Freud zusammenarbeitenden Hypnosearzt Leidesdorf überworfen hatte. Meynert behandelte Freud, als sei er nur ein Hypnotiseur, der „als ausgebildeter Hypnosearzt arbeitet.“ ---

Schließlich wandte sich Freud von der Hypnose u. a. wegen der peinlichen Entdeckung ab, dass sich seine Patientinnen, als Nebenwirkung der hypnotischen Trance, in den Therapeuten verliebten. Im Anschluss entwickelte er als alternative Methode, um in unbewusste Bereiche vorzudringen, seine Behandlungsform, die vor allem auf freien Assoziationen der Patienten u. Traumdeutung beruhte, um die seelische Struktur des Menschen zu verstehen u. zu behandeln (Psychoanalyse). ---

Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert trat er der jüdischen B’nai-B’rith-Loge in Wien bei --- stand er später den zionistischen Aktivitäten in Palästina wohlwollend gegenüber --- Jahrzehntelang rauchte er ungefähr 20 Zigarren pro Tag. 1922 erkrankte Freud an Gaumenkrebs. 1923 wurden deshalb der rechte Oberkiefer u. Gaumen operativ entfernt, u. es musste eine Prothese eingesetzt werden. Im Laufe der folgenden 15 Jahre wurden 33 weitere, unterschiedl. schwere Operationen durchgeführt. Die Erkrankung verschlimmerte sich gleichwohl beständig bis zu seinem Tod. ---

Von „Psychoanalyse“ sprach Sigmund Freud erstmals im Jahr 1896, u. zwar als „dem etwas subtilen Ausforschungsverfahren von Josef Breuer“; diesem war es in der Behandlung von Bertha Pappenheim gelungen, deren Symptome aufzulösen, indem er Pappenheim die eigentlichen Traumatisierungen, die sich hinter ihren Symptomen verbargen, aufspüren u. aussprechen ließ. Es ging um die Benennung dessen, was sie tatsächlich an Verletzung, Kränkung, Ekel, Entwertung, Gewalt usw. erlebt hatte, jedoch aufgrund der „guten Erziehung“ nicht benennen durfte.
Breuers Vorgehen entsprach ziemlich exakt demjenigen des König Ödipus im Theaterstück von Sophokles: Ödipus durchdringt mit großer Aufrichtigkeit am Ende die wahren Zusammenhänge. Schiller hatte 1797 in einem Brief an Goethe den König Ödipus eine „tragische Analysis“ genannt, weil aus der Rückschau die Zusammenhänge aufgelöst werden. Möglicherweise schlug Breuer Freud vor, zur Betonung dieser Parallele das entwickelte Verfahren „Psychoanalyse“ zu nennen ---
Bis zum Sept. 1897 nannte Freud sein Verfahren mehrfach „Psychoanalyse“, hielt aber dabei immerhin an dem Prinzip der Breuerschen Behandlung fest, indem er seine Patienten Gewalterfahrungen erforschen u. benennen ließ. Jedoch war er in dieser Zeit einseitig fixiert auf Gewalt sexueller Natur, konkretisiert zuletzt als Vergewaltigung durch den Vater im Alter zwischen 2 u. 8 Jahren. Diesen Ansatz verwarf er dann im Sept. 1897 u. verkehrte ihn quasi in sein Gegenteil: Jetzt erwog er, die außer Kontrolle geratenen triebhaften Wünsche u. Phantasien des Kindes gegenüber seinen Eltern seien der Ursprung zahlreicher Störungen ---

1902 wurde er zum außerordentl. Titularprofessor ernannt, nachdem seine Patientin Baronin Marie v. Ferstel den Minister Wilhelm v. Hartel mit der Schenkung eines Kunstwerks dazu 'angeregt' hatte. Im gleichen Jahr gründete Freud die „Psychologische Mittwoch-Gesellschaft“, aus der 1908 die Wiener Psychoanalytische Vereinigung hervorging --- 1910 gründete er die „Internat. Psychoanalytische Vereinigung“ (IPV), es folgten 1911 die „amerikan. psychoanalytische Vereinigung“ sowie 1919 die „britische psychoanalytische Vereinigung“ ---
1906 tritt Freud in einen Briefwechsel mit seinem Fachkollegen Carl Gustav Jung ein -- Freud möchte in Jung seinen „Kronprinzen“ sehen, schon deshalb, damit man seine ohnehin stark angefeindete Lehre nicht als eine jüdische Angelegenheit abtun kann. 1909 reist Freud mit Jung u. Ferenczi auf Einladung dortiger Interessenten an seiner Lehre in die USA. 1910 wird Jung zum Präsidenten der Internat. Psychoanalytischen Vereinigung gewählt. 1913/14, nachdem sich schon 1911 Alfred Adler von Freud getrennt hatte, kommt es auch zum Bruch mit Jung ---
1934 wurde in Österreich die Demokratie in einen klerikalfaschistischen Ständestaat transformiert. Freud scheint die Gefahr, die ihm drohte, nicht ausreichend wahrgenommen zu haben. Er meinte zunächst, der reaktionäre Katholizismus in Österreich sei der damals beste Schutz gegen die Nazis. In Verkennung des Ernstes der Lage ließ er sich sogar zwecks Fortbestands der Psychoanalyse in Deutschland auf allerlei organisatorische Kompromisse mit den Nationalsozialisten ein. In dieser Zeit verschärfte sich auch Freuds Konflikt mit dem – zu dieser Zeit – kommunistisch orientierten Wilhelm Reich, einem ursprünglich von ihm geschätzten Schüler ---

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich wurde seine Tochter Anna Freud durch die Gestapo verhört -- Als Anna wieder heimkommen konnte, war ihr Vater schließlich überzeugt, dass es Zeit sei, das Land zu verlassen. Einflussreiche Anhänger wie sein späterer Biograph Ernest Jones u. seine Patientin u. Schülerin Marie Bonaparte initiierten diplomat. Druck von Seiten Großbritanniens u. der USA, sodass Freud u. die meisten seiner Familienmitglieder nach Zahlung der (von Marie Bonaparte vorgestreckten) „Reichsfluchtsteuer“ ausreisen konnten. Freud erstattete den Betrag später in London zurück. Um ausreisen zu dürfen, unterschrieb er folgende Erklärung: „Ich bestätige gerne, dass bis heute, den 4.6.1938, keinerlei Behelligung meiner Person oder meiner Hausgenossen vorgekommen ist. Behörden u. Funktionäre der Partei sind mir u. meinen Hausgenossen ständig korrekt u. rücksichtsvoll entgegen getreten.“ -- Am 4.6.1938 emigrierte er mit seiner Familie über Paris nach London ---
Nach gut 1 Jahr ließ er seinem Leben durch seinen Hausarzt ein Ende setzen. Er war vom Krebs schwer gezeichnet, konnte kaum noch sprechen u. verlangte von seinem Arzt Sterbehilfe. Am 23.9.1939 um 3 Uhr morgens stellte Max Schur nach einer von Freud gewünschten tödlichen Dosis Morphin dessen Tod fest ---

.. waren die Freudschen Theorien von Anfang an unterschiedlichster Kritik ausgesetzt. Diese Kritik hält bis heute an, wobei allerdings zu beachten ist, dass die Psychoanalyse seit Freud in vielfältige Richtungen weiterentwickelt wurde u. in ihrer aktuellen Ausprägung nicht in allen Punkten mit den Auffassungen Freuds übereinstimmt ---
Für am Kritischen Rationalismus orientierte Wissenschaftler sind die Aussagen Freuds zu wenig wissenschaftlich fundiert, d. h. zu wenig empirisch. So sei auch festzustellen, dass einige Versuche, die Aussagen der Psychoanalyse empirisch zu überprüfen, gescheitert seien. Eine ähnliche Kritik an der Psychoanalyse besagt, dass sie nicht in hinreichendem Maße (natur-)wissenschaftlich formuliert sei, um überhaupt empirisch überprüfbar zu sein (vgl. Falsifikationismus). Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass versch. Annahmen der Psychoanalyse empirisch nicht bestätigt werden konnten ---
Das vielleicht größte ungelöste Problem der Theorie Freuds ist, daß er sich oft widerspricht, manchmal sogar in derselben Publikation. Beispielsweise in der Traumdeutung, die immer noch als ein Eckpfeiler der Psychoanalyse gilt u. vielleicht am wenigsten umstritten ist, behauptet Freud kategorisch, dass alle Träume immer auf infantilen Wünschen beruhen u. meistens sexuell motiviert seien. Gleichzeitig sind seine Beispiele u. Deutungen (vor allem eigener Träume) oft (fast ausschließlich) weder infantil noch sexuell motiviert --- benannte er viele innerpsychische Komplexe nach Vorbildern der griechischen Mythologie ---

Häufig bezweifelt wird auch Freuds Theorie vom sogenannten „Penisneid“: Dieser stehe in der psych. Entwicklung von Mädchen symmetrisch der „Kastrationsangst“ der Jungen gegenüber. Freud vertrat die Auffassung, dass psych. fehlgeleitete Handlungen von Frauen oft auf eine mangelhafte psych. Verarbeitung der Beobachtung zurückgingen, dass ihnen der Penis eines Jungen unerreichbar fehle, woraus ein Gefühl des Neides resultiere. Auch Freuds Aussage, dass Frauen, die durch Stimulation der Klitoris Orgasmen erleben könnten, unreif seien, ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus nicht mehr haltbar ---

Unveröffentlichte Schriften
Eine sehr große Sammlung von Originalschriften u. Briefen Freuds befindet sich in der Sigmund Freud Collection der Library of Congress in Washington. Aus nicht näher genannten Gründen sind insbesondere Briefe, die Freud verfasst hat, teilweise bis über das Jahr 2060 hinaus unter Verschluss. Insbesondere für die Einsicht in Freuds Briefe benötigt man eine Sondergenehmigung des Leiters der Handschriftenabteilung nach Absprache mit den Sigmund Freud Archives in New York, welche aber nur in Ausnahmefällen erteilt wird. Für eine Reihe von Briefen gibt es nicht einmal ein Freigabedatum.
Für die wissenschaftl. Beschäftigung mit Freud ergibt sich daraus ein Problem: Zu Korrekturen u. Auslassungen in früheren Veröffentlichungen seiner Schriften, wie etwa in den 1950 erschienenen Briefen von Freud an Wilhelm Fließ, besteht kein Zugang. In den Veröffentlichungen dieser Schriften hatten seine Tochter Anna Freud u. Ernst Kris zahlreiche Retuschen vorgenommen, wie Jeffrey Masson im Jahr 1985 nachweisen konnte.

Hier ein Zitat aus dem Buch "Allgemeine Theorie der rätselhaften Botschaften: Freuds Menschenbild und ..." von Werner A. Disler:
--- Einer der dubiosesten Fälle aus Freuds Praxis mit deutlichster Suggestion betrifft einen amerikan. Kollegen des Österreichers, den Psychiater Horace Frink. Dieser hatte sich 1921 in Wien von Freud analysieren lassen und kam wie seine Tochter Helen Frink-Kraft schildert, mit der Diagnose zurück, daß er latent homosexuell sei und daß seine emotionalen Probleme gelöst würden, wenn er sich von seiner ersten Frau scheiden ließe und eine zu der Zeit ebenfalls noch anderweitig verheiratete reiche Erbin namens Angelika Bijur heiratete.
Wie aus einem späteren Brief Freuds an Frink hervorgeht, hatte der Amerikaner offensichtliche Zweifel an der Analyse seines großen Kollegen: "Ihre Beschwerde, daß Sie Ihre Homosexualität nicht verstehen können, impliziert, daß Sie sich noch nicht Ihrer Phantasie bewusst sind, mich zu einem reichen Mann zu machen", heisst es in dem kürzlich von der "New York Times" auszugsweise veröffentlichten Brief. Und dann wird der Vater der PA noch deutlicher:
"Wenn alles gut verläuft, dann lassen Sie uns, diese imaginäre Gabe in eine reale Spende für die Psychoanalytischen Fonds umwandeln."
Was auch immer  der finanzielle Erfolg dieses Bettelbriefes war - die "analytisch" begründete Ehestiftung gelang. Frink ließ sich scheiden und heiratete 1922 die ebenfalls frischgeschiedene Angelika Bijur, die eine ehemalige Patientin von ihm war. Aber die Verbindung stand unter keinem glücklichen Stern. Geplagt von Schuldgefühlen, weil er seine Frau verlassen hatte, verfiel Frink in Depressionen. Schon 1924 wurde die Ehe wieder geschieden. "Freud hat meinen Vater ausgenutzt, meine Mutter und meine Stiefmutter", schreibt Helen Frink-Kraft, die die Affäre 1988 in der Zeitschrift der John Hopkins Universität in Baltimore beschrieb.
Die dubiose Eheanbahnung hätte beinahe sogar zu einem öffentlichen Eklat geführt. Frau Frink-Kraft fand in den Archiven der Universität einen offenen Brief an Freud, den der frühere Ehemann von Angelika Bijur eigentlich als Anzeige veröffentlichen wollte. Der Multimillionär Abraham Bijur verlangt darin Rechenschaft, wie Freud dazu komme, seine Ehe zu zerstören. Der Brief schliesst mit den Worten. "Großer Doktor, sind Sie ein Gelehrter oder ein Scharlatan?" ---

http://diepresse.com/home/kultur/film/706297/Freuds-Hassliebe-zu-Wien --- Das öffentliche Unverständnis gegenüber seiner Arbeit und berufliche Kränkungen waren zu einem großen Teil für Freuds Hass auf Wien mitverantwortlich. Aber nicht nur – auch mit dem Naturell der Wiener konnte er nie allzu viel anfangen. „Ich bin kaum drei Tage hier“, schrieb er nach der Rückkehr von einer Reise, „und schon hat mich der ganze Missmut des Wienertums ergriffen.“ Mit den in Wien geltenden Idealen der Gemütlichkeit und der Genussfreude stand er auf Kriegsfuß. „Freud unternahm bewusst oder unbewusst vieles, um seiner Stadt ein Fremder zu bleiben“, schreibt Eva Gesine Baur in ihrem Buch „Freuds Wien“. Er „vermied konsequent alles typisch Wienerische, besuchte selten die Oper, das Theater, Heurige, Beiseln oder Kaffeehäuser“. ---
Leserkommentare:
".. Anna O./ Bertha Pappenheim würde heute von einem Neurologen mittels EEG und geeigneter Medikation geholfen werden können; Breuer hat ihr nachweislich nicht geholfen, Freud hat sie bekanntlich nicht einmal gesehen. Emma Eckstein, die an Unterleibsbeschwerden litt, hätte ein Gynäkologe helfen können, selbst mit damaligen Mitteln und Kenntnissen, Freud und sein bewunderter Kumpel Wilhelm Fließ, ein veritabler Kokser, haben ihr nicht nur nicht geholfen, sondern sie fast getötet, indem sie ihre Nase operierten und wegen schwerer Blutungen ein einen Meter langes Stück Gaze in ihre Stirnhöhle stopften und dort vergaßen. Bei dieser Operation - der HNO-Arzt Fließ hatte zuvor noch nie in seinem Leben eine Operation durchgeführt, glaubte aber, sämtliche Leiden des menschlichen Körpers durch Nasenbehandlungen und durch die Magie der Zahl 23 heilen zu können - erlitt die Frau einen Herzstillstand und mußte reanimiert werden. Die Gaze hatte eine Sepsis zur Folge, und das in einer Zeit, als die Antibiotika noch nicht erfunden waren. Und wie kommentierte der "geniale" Freud die Geschichte? Emma Eckstein wolle gar nicht gesund werden und produziere immer neue "hysterische" Symptome, da sie in ihn verliebt sei. Ein richtiger Chirurg ist dann eingeschritten und hat der Patientin in letzter Minute das Leben gerettet."

http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpinfcde/freud-zu-freud/ --- Der „Vater der PA“ war für seine Enkelin eine Art Schaumschläger --- Freud zu Freud ---
Im Folgenden Ausführungen von Freuds Enkelin Dr. Sophie Freud beim 3. Welt-Kongreß für Psychotherapie 2002 in Wien:
--- Enkelin von Sigmund Freud, hat vor den „falschen Propheten“ gewarnt, zu denen sie auch ihren Großvater zählt --- Sophie Freud, die in Boston (USA) lebt u. wie ihr Großvater die österr. Staatsbürgerschaft besitzt, sieht als falsche Propheten viele Persönlichkeiten an, die die Geschichte u. die Gesellschaft beeinflußt haben ---
Wie sie vor Experten in Wien darlegte, war Sigmund Freud „von der heroischen Bedeutung seiner Mission überzeugt, die menschliche Seele zu verstehen“. Seither haben sich viele Psychoanalytiker von einigen Lehren Freuds losgesagt, etwa vom Ödi­pus-Komplex. Dies aber dauerte beträchtliche Zeit. „Bis 1976 zögerten die Frauen“, wie die Expertin betonte, „zu verstehen, daß sie nicht eine Art kastrierter Männer sind“. Die Kraft und der Fortbestand dieser Irrtümer ließen sich darauf zurückführen, daß sich um diese Propheten pseudoreligiöse Gruppen bildeten, deren Anhänger sie verehrten u. deren Eleven diese Lehre sich zu eigen machten, um ihrerseits wiederum als Missionare aufzutreten. Die entsprechenden Theorien blieben so innerhalb geschlossener Zirkel, anstatt auf wissenschaftlichen Foren diskutiert zu werden, betonte Sophie Freud.
„Darüber hinaus gab es insbesondere viele Frauen, die Freud, diesem großen Manne, mehr vertrauten als ihren eigenen Wissen, ihrem eigenen Körper“. ---
Freud wurde von vielen Frauen wie ein Gott verehrt --- Jedoch kann, so Sophie Freud, so viel Verehrung den Charakter verderben. Die Enkelin Freuds kritisierte auch die wissenschaftlichen Methoden ihres Großvaters. Verdrehte dieser doch kurzerhand spontane Ideen u. intuitives Denken in wissenschaftliche Tatsachen, verstieß er laufend auch gegen die Regeln , die er selbst aufgestellt hatte. So forderte er z.B. eine neutrale Beziehung zwischen Therapeut u. Patient. Er selbst aber hielt sich an diese Regel nicht. --- Wir sollten die Werthaltigkeit im wissenschaftlichen Denken präzisieren, betonte die Pädagogin, deren Vortrag auf dem Kongreß zum Schluß mit großem Applaus aus dem Auditorium bedacht wurde. ---

http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpgepde/4272-2/kulturpoltisches/ ---  Freud selbst sah die Homosexua­li­tät wie alle Perver­sionen als von jedermann zu durch­laufende, von manchen nur beibehaltene, je­denfalls als eine natürliche Ge­ge­benheit an. Mitunter benützte er sie wie im Fall des Horace Frink als Druck­­­mittel, um an Geld, viel Geld zu kommen. Ungerührt nahm er darüber das Zerbrechen nicht nur einer Ehe, sondern des Le­bens der Eheleute und Kinder in Kauf (RB 1/08,7.7). Freud, der von den Seinen gern auch als Gegenpol zur Körpermedizin, als Festpunkt hu­manerer „Psychosomatik“ herausgestellt wird, verfügte, wie jüngst bekannt wurde, die Rönt­genkastration der Prinzessin Battenberg, der Mutter von Prinz Philipp.
- - -
Das Motiv für die penetrante Unterstützung der krummen „Psycho-Industrie“ durch staatliche, staats­nahe Instanzen, deren offensichtliches Interesse nämlich an Kontrolle der Bevölkerung und Steu­erung des Den­kens in ihr, kom­mt kaum zur Sprache. ---

http://www.zeit.de/campus/2015/02/sigmund-freud-psychoanalyse-leben --- Kritiker sagen, seine Theorien seien zu spekulativ und viel zu sexlastig ---
Als junger Forscher nutzt er .. Kokain, zu der er auch seiner Verlobten rät – als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden ---
Leserkommentare:

"Egomane und schlechter Arzt
Ist das schon Wissenschaft, eine autobiografische Erkenntnis ("als Junge auf seinen Vater eifersüchtig u. in dessen junge Frau, seine Mutter, verliebt") für allgemeingültig zu erklären????? Nicht wenige kritische Auseinandersetzung mit Freud, seiner Persönlichkeit, seiner Lehre u. deren Zustandekommen, bzw. späteren Mythologisierung haben aufgezeigt, dass wir es hier mit einer doch recht schillernden Persönlichkeit mit einer ebenso hinterfragbaren "Wissenschaft" zu tun haben. Was wenigen bewusst ist: Freud stand (zumindest zeitweise) unter Kokaineinfluss, hatte ständig Geldsorgen (so dass er Schulden machen, bzw. Geld leihen musste), griff beherzt auch zu Lügen, wenn es ihm nützlich erschien, u. zeigte sich äußerst kreativ, aber auch selbstherrlich hinsichtlich seiner "Schlussfolgerungen" u. "Ergebnisse". Er war ein Karrierist, Hochstapler, Egomane u. schlechter Arzt. Alles das kann man nachlesen, wenn man sich nicht nur auf den Heldenmythos der Psychoanalytischen Gesellschaften verlassen will.
"Das war Freuds Arbeitsmethode", schreibt bspw. Han Israels, "wenn er auf eine einfache, aber bedeutsme Tatsache stieß, fühlte u. wusste er, dass sie in einen universalen Zusammenhang gehörte, u. er dachte nicht daran, statistisches Material über die betreffende Frage zu sammeln" ("Der Fall Freud", S. 121)..."

"Vehemente Kritik am (angeblichen) Ödipuskomplex u. seinen traumatisierenden Folgen insbesondere für Betroffenen von so genanntem sexuellem Missbrauch in der Familie übt schon seit vielen Jahren der Psychologe Klaus Schlagmann. Trotz fundierter Analyse prallt er mit seiner berechtigten Kritik bislang in den einzelnen Fachkreisen u. bei Publikationsverantwortlichen regelmäßig ab. http://www.oedipus-online..."

"Anmerkung: Ich schreibe "sogenanntem sexuellem Missbrauch", weil der richtige Begriff "sexualisierte Gewalt an Kindern" oder "sexuelle Kindesmisshandlung" wäre. "Sexueller Missbrauch" ist ein Terminus, der von der überwiegenden Zahl der Betroffenen abgelehnt wird, deshalb "sogenannter sexueller Missbrauch"!"

"Freud´s Erkenntnisse u. Leistungen nach 100 Jahren zu kritisieren ist sehr kurzsichtig. Seine Erkenntnisse muss man auf die damal. Zeit beziehen u. waren definitiv eine herausragende Leistung. Unglaublich wieviele Menschen heutztage meinen, sie wüssten es besser, oder hätten es besser gewußt. Das wäre als wenn man den Erfinder des Ottomotors diskreditieren würde, warum er 1862 noch keinen Hybridantrieb mit 3L Verbrauch u. 450 PS hingekriegt hat."
Antwort darauf:
"Ähem, aber das ist doch genau das Problem der "Lehren" von Freud, bzw. der Psychoanalyse: dass sie noch immer an eben den alten "Motoren" festhält (u.a. Ödipus-komplex, Kastrationsangst, Sublimierung, u.v.m.). Mal ganz abgesehen davon, dass es heute überhaupt keinen Hybridantrieb gäbe, hätte der Erfinder des Ottomotors sich alles so zusammengedichtet u. zusammenspekuliert wie es ein Herr Freud getan hat. Der Vorteil von Herrn Freud u. seinen "Erkenntnissen" gegenüber dem Erfinder des Otto-Motors war/ist, dass sie weniger überprüfbar sind u. einfach geglaubt werden mussten.

Ich schrieb es bereits: Jenseits der Heroisierung u. Legendenbildung durch die eingefleischten Anhänger der Psychoanalyse gibt es weit kritischere Töne zu Herrn Freud u. seinen angeblich "herausragenden Leistungen". Leider werden diese bis heute mehr oder weniger ignoriert, vielleicht, weil es so viel einfacher ist, an die "Experten" einfach zu glauben.
"Von den über 600 Studien der Freudschen Theorien, die [Paul] Kline erfasst, kamen bei großzügiger Zählung knapp 100 zu positiven Ergebnissen. Die anderen 500 widersprachen den Freudschen Theorien, oder sie waren für diese entweder irrelevant oder so mangelhaft, dass ihnen weder ein Pro noch ein Kontra zu entnehmen war" (D.E. Zimmer, "Tiefenschwindel", S. 134). Im selben Werk findet sich folgendes Zitat: "Die Psychoanalyse ist die Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält" (Karl Kraus; ebda S. 57)"

"Alle Hauptthesen von Freud sind widerlegt. Das, was brauchbar ist, lässt sich bequem in andere Schule integrieren bzw. wurde von denen besser erklärt.
Wir brauchen die Psychoanalyse nicht. Freudianer richten großen Schaden bei den Patienten an."

"Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, munter daraufloszuphantasieren, dann spekuliert es sich schnell ganz ungeniert. So mischen sich in der Psychoanalyse feinsinnige Beobachtungen, tatsächliche wissenschaftliche Ergebnisse, wilde Vorstellungen, unzulässige Verallgemeinerungen, Amateurpsychologie u. Salonblödsinn in einer nicht mehr durchschaubaren Weise." (Prof. Dr. med. Dipl-Psych. Borwin Bandelow: Das Angstbuch, S. 158)
"Warum aber haben sich die Psychoanalytiker jahrzehentlang gewehrt, eine wissenschaftliche Überprüfung ihrer Theorien zuzulassen?..........(Auslassung von mir) Die empirische Vorgehensweise versuchte, durch sehr ausgefeilte Methoden die Erkundung der menschlichen Seele von den Traumtänzereien auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.......(Auslassung von mir) Dieser Wissenschaftszwei wurde von der Psychoanalytikern jedoch völlig ignoriert."(ebd. S 158)"

"Andere, die draufgekommen sind
Zitat: „…u. anscheinend ist ja kein anderer vorher darauf gekommen“. Da sehen Sie mal, wie gut es Freud (später seinen Jüngern) gelungen ist, sich selbst zu vermarkten.
Von Okt. 1885 – Feb. 1886 war Freud im Rahmen eines Stipendiums bei Jean Martin Charcot an der Pariser Salpêtrière. Während man in Wien u. anderen medizin. Zentren noch der Ansicht war, „Hysterie“ sei keine richtige Krankheit, betrachtete Charcot die Hysterie als eine neurotische Störung „mit Beziehung zum Genitalsystem“, die er – wiederum in vollem Gegensatz zu vorherrschenden medizin. Vorstellungen – auch bei Männern feststellte. Seine Behandlungsmethode war ebenfalls ungewöhnlich: Er verwendete Hypnose, um die Symptome zu beeinflussen. Bereits 4 Jahre zuvor hatte Freud bei seinem Freund Josef Breuer ein als „kathartische Methode“ bezeichnetes ähnl. Behandlungsverfahren kennengelernt. Freud u. Breuer veröffentlichen ein Buch, in dem sie behaupten, dass Hysterie vor allem sexuelle Ursachen habe. 1887 fand Freud in dem HNO-Spezialisten Wilhelm Fließ jemanden, der sich von der Sexualtheorie der Neurosen nicht abgestoßen fühlte (wie der große Rest der Medizinerschaft damals). Der Grundgedanke des HNO-Arztes war, dass es eine Beziehung zwischen Nase u. Genitalien gäbe u. dass bestimmte neurotische Symptome nicht nur auf Störungen der Sexualfunktionen, sondern auch auf Nasenbeschwerden zurückzuführen seien. (Quellen können nachgereicht werden)"

".. verkennen den Kern der Kritik an der Psychoanalyse u. Freud. Es geht nicht darum, ob jemand glaubt, es besser gekonnt zu haben. Es geht um eine fundamentale Kritik am Zustandekommen einer (angeblichen) „Wissenschaft“ u. Behandlungsmethode, die VON BEGINN AN mehr Schaden als Nutzen für die Behandelten gebracht hat. Viele kluge Wissenschaftler haben sich bereits mit dem Phänomen Freud u. Psychoanalyse auseinandergesetzt u. sind aufgrund fundierter Analysen all der Originalarbeiten u. Materialien, die versch. Kommentatoren hier glauben zum „besseren Verständnis der Psychoanalyse“ empfehlen zu müssen, wiederholt zu dem Schluss gekommen, dass die Psychoanalyse keinen wissenschaftlichen Kriterien entspricht. „[Freud] war offensichtlich entschlossen, um seine Person u. seine Leistungen eine Legende zu bilden. Mit Unterstützung ergebener Gefolgsleute gelang es ihm, die Welt mit dieser durch u. durch unaufrichtigen Selbstdarstellung zu beeindrucken“, so einer der schärfsten Freud-Kritiker, H.J. Eysenk („Niedergang und Ende der Psychoanalyse“, 1985, S. 27)"

"Eysenk, der viele Jahre zur Psychoanalyse u. zu Freud geforscht hat, ist beileibe nicht der Einzige (auch nicht der Letze, um den üblichen „ist doch veraltet“-Behauptungen der Freudianer gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen), der einen „völligen Mangel an wissenschaftlicher Einstellung bei Freud“ kritisiert: „Naiv verlässt er sich auf Deutungen spekulativster Art, vernachlässigt, ja missachtet die aus Beobachtungen u.a. Quellen gesicherten Tatsachen, versäumt, alternative Theorien in Erwägung zu ziehen, u. glaubt schließlich messianisch an seine eigene Unfehlbarkeit“ (ebda, S. 122).
Han Israels hat bei seinen Forschungen über Freud u. die Psychoanalyse herausgefunden, dass man es bei Freud mit einer Person zu tun hat, „die auch vor Handlungen nicht zurückschreckte, die im Widerspruch zu den elementarsten Geboten der Wissenschaft stehen“ („Der Fall Freud“, S. 12).
Dieter E. Zimmer ("Tiefenschwindel", 1990) schreibt: „...man muss sich den Wust an Quacksalberei schon vergegenwärtigen, wenn man fragt, wie sicher der wissenschaftliche Boden ist, aus dem Freuds Theorie erwuchs“ (S. 168)"

"... Psychoanalyse-Verteidigern, die auffallend dazu neigen, nicht zu argumentieren, sondern persönlich zu werden. Warum nur?"

"Die Methode der freien Assoziation als solche stammt ursprünglich von Sir Francis Galton, einem gefeierten englischen Naturforscher u. einem der Begründer der Londoner Schule der Psychologie. Freud war damals Abonnent der Fachzeitschrift „Brain“ u. dürfte daher fast mit Sicherheit Galtons Werk gekannt haben, schreibt Hans Jürgen Eysenk (1985). Es sei typisch für Freud gewesen, schreibt Eysenk, „allgemein in der Anerkennung von Beiträgen seiner Vorgänger sehr sparsam“ zu sein, „ganz gleich, wie direkt sie sein eigenes Werk vorwegnahmen“ (S. 26)."

"...  wenn sich die PA als Wissenschaft verstanden wissen will! – genau das Gegenteil der Fall: Methoden, Erkenntnisse und/oder Schlussfolgerungen müssen GERADE von Außenstehenden überprüfbar und wiederholbar sein! Alles andere hat mit Wissenschaft einfach nichts zu tun!"

"Freud Zitat: "Ich bin nämlich gar kein Mann der Wissenschaft, kein Beobachter, kein Experimentator, kein Denker. Ich bin nichts als ein Conquistadorentemperament, ein Abenteurer, wenn Du es übersetzt willst, mit der der Neugierde, der Kühnheit und der Zähigkeit eines solchen."
(Sigmund Freud, Brief an Wilhelm Fließ, 1. Februar, 1900).

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Albert Einstein

Beitrag von Dissident am Fr Dez 02, 2016 5:25 pm

http://de.metapedia.org/wiki/Einstein,_Albert  Albert Einstein (1879-1955) war ein jüdischer Heiliger, Physiker, Träger des Nobelpreises für Physik, Plagiarist u. Zionist. Er gilt als einer der einflußreichsten Forscher des 20. Jahrhunderts. Im Laufe seines Lebens hielt er teilweise überlappende Staatsbürgerschaften folgender Staaten: Deutsches Reich (1879–1896 u. 1914–1933), Schweiz (1901–1955), Österreich-Ungarn (1911–1912), USA (1940–1955) ---

Heiliger?- ja: Der Geistesmächtige, Der Spiegel, 50/1999, 13. Dezember 1999, S. 262 --- "Was er ab 1919 erlebte, vor allem auf seinen Reisen um den Globus, diese bis an Hysterie reichende Verehrung als Held und Heiliger, [...]"

--- nach Abschluß der Kantonsschule in Aarau konnte er 1896 an der TH Zürich sein Studium aufnehmen, das er 1900 als Fachlehrer für Mathematik u. Physik abschloß. 1905 promovierte er an der Uni Zürich über „Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen“, u. 1908 habilitierte er sich an der Berner Universität --- war 1902-1909 als „technischer Experte III. Klasse“ am Patentamt in Bern angestellt ---
Politisch war Einstein ein linker Zionist, bewunderte in den 1920er Jahren den Aufbau des „sozialistischen Rußlands“ u. förderte die „Rote Hilfe“ (KPD). Schon 1932 verließ er Deutschland. Bereits 1939 überzeugten Wissenschaftler in den USA Einstein, einen Brief an Präsident Roosevelt zu schreiben mit der Aufforderung (Brief vom 2.8.1939), eine Atombombe zu bauen, um diese gegen Deutschland einsetzen zu können --- 1941 erwarb er die US-Staatsbürgerschaft u. fungierte in der Folge als Verbindungsmann zum Judentum in der Sowjetunion, insbesondere über das Jüdische Anitfaschistische Komitee. Ende 1942 initiierte er das später von den jüd. Sowjet-Propagandisten Ilya Ehrenburg u. Wassilij Grossmann zusammengestellte u. 1946 herausgebrachte Schwarzbuch (The Black Book), einer vorgeblichen Dokumentation angeblicher von den Deutschen an Juden begangenen Verbrechen. Nach dem Krieg erklärte er die Deutschen für kollektivschuldig u. schrieb: „Unter diesen Umständen fühle ich eine unwiderstehliche Aversion dagegen, an irgendeiner Sache beteiligt zu sein, die ein Stück des deutschen öffentlichen Lebens verkörpert ..." ---
Okt. 1947 schrieb er einen offenen Brief an die United Nations, in welchem er ermutigt, alle nationalen Regierungen zu zerstören, um den Weg freizumachen für eine Weltregierung, die von der UN geleitet werden soll. Theodor Heuss erhielt von Einstein am 10.1.1951 den Bescheid, daß „ein sich selbst respektierender Jude nicht wünschen kann, irgendwie mit einer offiziellen deutschen Institution verbunden zu sein“. Einsteins Wille wird eklatant mißachtet, viele deutsche Institutionen tragen seinen Namen. Sogar seine Büste wurde 1990 in der Ruhmeshalle „Walhalla“ bei Regensburg aufgestellt. Er war „bewußter Jude u. Zionist“. Seine ganze Liebe galt Israel, er trug sich sogar mit dem Gedanken der Einwanderung. 1952 bot man ihm das Amt des israel. Staatspräsidenten an, was er jedoch ablehnte ---

Ehe mit Wissenschaftlerin Mileva Marić, von der er wissenschaftlich in hohem Maße profitiert hatte, stellte er schriftlich drakonische u. demütigende Bedingungen für die Fortsetzung eines gemeinsamen Lebens. Aus seinem Brief vom 18.7.1914 an Mileva Einstein-Marić wird wie folgt zitiert:
   Bedingungen

   A. Du sorgst dafür
       daß meine Kinder und Wäsche ordentlich im Stand gehalten werden.
       daß ich die drei Mahlzeiten im Zimmer ordnungsgemäß vorgesetzt bekomme.
       daß mein Schlafzimmer und Arbeitszimmer stets in guter Ordnung gehalten sind, insbesondere, daß der Schreibtisch mir allein zur Verfügung steht.

   B. Du verzichtest auf alle persönlichen Beziehungen zu mir, soweit deren Aufrechterhaltung aus gesellschaftlichen Gründen nicht unbedingt geboten ist. Insbesondere verzichtest Du darauf
       daß ich zu Hause bei Dir sitze,
       daß ich zusammen mit Dir ausgehe oder verreise.

   C. Du verpflichtest Dich ausdrücklich, im Verkehr mit mir folgende Punkte zu beachten:
       Du hast weder Zärtlichkeiten von mir zu erwarten noch mir irgendwelche Vorwürfe zu machen.
       Du hast eine an mich gerichtete Rede sofort zu sistieren, wenn ich darum ersuche.
       Du hast mein Schlaf- und Arbeitszimmer sofort ohne Widerrede zu verlassen, wenn ich darum ersuche.

   D. Du verpflichtest Dich, weder durch Worte noch durch Handlungen mich in den Augen meiner Kinder herabzusetzen.

Die Ehe wurde 1919 geschieden. Aus dem Jahre 1925 ist folgendes Zitat überliefert: „Die Ehe ist bestimmt von einem phantasielosen Schwein erfunden worden.“

Plagiarismus
Einstein eignete sich in seiner Schrift des Jahres 1905 über die „spezielle Relativität“ u. E = mc² die Arbeiten mehrerer Wissenschaftler an, was jedoch bislang noch nicht in der Lehrmeinung angekommen ist. Er schrieb seine Abhandlung zur speziellen Relativitätstheorie (Originaltitel: „Zur Elektrodynamik beweglicher Körper“) ohne jegliche Referenzierungen. Viele der darin unterbreiteten Schlüsselideen waren bereits dem engl. Wissenschaftler S. Tolver Preston, dem niederländ. Physiker Henrik A. Lorentz (1853–1928; sog. Lorentz-Transformation) u. dem franz. Wissenschaftler Jules Henri Poincaré (1854–1912) bekannt, bevor Einstein sie 1905 zu Papier brachte.
Er nahm das vorhandende Wissen aus ihren Entdeckungen, wählte daraus ihm gefällige Ideen, um dann damit eine Geschichte zu (er)spinnen, die seinen vermeint. Beitrag zur speziellen Relativität beweisen sollte. Dies geschah sogar oft mit Kenntnis u. Einvernehmen Dritter, wie zum Beispiel den Herausgebern der „Annalen der Physik“.
Die vielleicht bekannteste Gleichung aller Zeiten ist E = mc². Sie wird für gewöhnlich Einstein zugeschrieben. Die Umwandlung von Materie in Energie u. von Energie in Materie war jedoch bereits Isaac Newton („Gross bodies and light are convertible into one another …“) wohl bekannt.
Jedoch entspricht die behauptete Umwandlungsmöglichkeit von Materie in Energie nur einer falschen Interpretation der Aussage Newtons, da Newton keineswegs Licht mit Energie gleichsetzt, sondern nur die Umwandlung von Materie (gebundenes Licht) in Licht (freies Licht) u. andersherum korrekt behauptet.
Die Gleichung selbst ist lange vor Einstein insbesondere S. Tolver Preston, Jules Henri Poincaré u. Olinto De Pretto zuzuschreiben. Da Einstein die Gleichung E = mc² niemals richtig hergeleitet hat, gibt es allen Indizien nach nichts, was sie originär in irgendeiner Weise mit von ihm Erdachtem verbindet.

Eddingtons höchst selektive Darstellung v. Daten der Sonnenfinsternis von 1919, die „Einsteins“ allgemeine Relativitätstheorie unterstützen sollte, verstieß gegen jede wissenschaftliche Ethik. Seine propagandistische Unterstützung Einsteins war bar jeder Objektivität u. korrumpierte nachhaltig den Verlauf der Wissenschaftsgeschichte.

Die Gemeinde der Physiker ist bis heute an einem gigantischen Betrug u. einer stillen Verschwörung beteiligt. Die andauernde Perpetierung des Betruges ist das Nebenprodukt ihrer fortdauernden passiven Duldung, während die durch nichts gerechtfertigte Hyperinflation von Huldigungen u. Berichten über Einsteins vermeintliche Leistungen ebenfalls andauert.

Spezielle Relativität
Jules Henri Poincaré (1854–1912) war ein großer Wissenschaftler, der einen bedeutenden Beitrag zur Theorie der speziellen Relativität geleistet hat. Es wurde dazu festgestellt, daß Poincaré   „eine vorläufige Version der Theorie der speziellen Relativität skizzierte“, bereits in seiner Abhandlung Bull. of Sci. Math. 28 „erklärte, daß die Lichtgeschwindigkeit eine Grenzgeschwindigkeit“ sei u. gleichzeitig „eine völlig neue Funktion, wonach die mit der Lichtgeschwindigkeit zunehmende Trägheit eine Höchstgrenze sei u. nicht überschritten“ werden könne, andeutete, behauptete, daß „die Masse eine Funktion der Geschwindigkeit“ sei, „ein Relativitätsprinzip formulierte, wonach kein mechanisches oder elektromagnetisches Experiment zwischen dem Zustand einer einförmigen Bewegung u. Stillstand unterscheiden“ könne, u. „die Lorentz-Transformation herleitete“. Es ist danach offenkundig, wie profund Jules Henri Poincaré mit der speziellen Relativität beschäftigt war.

G. H. Keswani sah sich veranlaßt festzustellen, daß „Poincaré, der Neuerer, bereits im Jahre 1895 vermutet hatte, daß es unmöglich ist, uneingeschränkte Bewegung festzustellen“, u. daß „er im Jahre 1900 ‚das Prinzip der relativen Bewegung‘ einführte, das er später in seinem im Jahre 1902 veröffentlichten Buch ‚Science and Hypothesis‘ mit den gleichwertigen Bezeichnungen ‚das Gesetz der Relativität‘ u. ‚das Prinzip der Relativität‘ nannte.“
Einstein hat keine der theoretischen Abhandlungen Poincarés erwähnt, als er im Jahre 1905 seine eigene Abhandlung ohne jedwede Referenzierungen veröffentlichte.
Ursprünglich beruht ein wesentlicher Teil des gesamten Konzepts der Relativität auf Poincaré, darunter insbesondere seine Thesen zur „lokalen Zeit“. Von ihm stammt auch die Idee der Uhrensynchronisation, die für die spezielle Relativität entscheidend ist.

Charles Nordman sah sich bereits 1921 veranlaßt, folgendes festzustellen: „Es wird sich erweisen, daß die Verdienste für die meisten Dinge, die gegenwärtig Einstein zugeschrieben werden, in Wirklichkeit Poincaré gebühren“, u. „... nach Meinung der Relativisten sind es die Meßlatten, die Raum u. die Uhren, die Zeit erschaffen. Alles dies war bereits Poincaré u. anderen lange vor der Zeit Einsteins bekannt u. man verstößt gegen die Wahrheit, wenn man ihm die Entdeckung zuschreibt.“
Nordman hatte sich, wie wir heute wissen, geirrt. Einstein ist bis heute nicht nur mit seinem Plagiarismus davongekommen, man huldigt ihm im deutschsprachigen Raum sogar als größten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts.

Es gab einige Wissenschaftler, die dennoch öffentlich kundtaten, daß sie keineswegs von „Einsteins“ spezieller Relativitätstheorie so beeindruckt waren wie die von jüdischen Monopolmedien desinformierte u. zum Narren gehaltene nicht-jüdische Masse (Gojim).

Max Born schrieb im Jahre 1956: „Ein anderer merkwürdiger Umstand der jetzt berühmten Abhandlung Einsteins aus dem Jahre 1905 ist das Fehlen jegl. Referenzierungen auf Poincaré oder andere“. … „Dadurch wird der Eindruck einer völlig neuen Unternehmung vermittelt, aber dies ist natürlich, wie ich zu erklären versucht habe, unwahr.“

G. Burniston Brown konstatierte 1967: „Im Gegensatz zum allgemeinen Glauben wird sich erweisen, daß Einstein nur eine geringe Rolle in der Herleitung einer brauchbaren Formel der beschränkten oder speziellen Relativitätstheorie spielte, u. Whittaker nannte sie daher die Relativitätstheorie von Poincaré u. Lorentz.“

Aufgrund der Tatsache, daß „Einsteins“ spezielle Relativitätstheorie in einigen Kreisen als Relativitätstheorie von Poincaré u. Lorentz bekannt war, sollte der gesunde Menschenverstand eigentlich zu der logischen Annahme gelangen, daß Poincaré u. Lorentz irgendetwas mit ihrer Schaffung zu tun hatten. Daher ist in diesem Zusammenhang umso befremdlicher, daß, obwohl Poincaré der weltweit führende Experte auf dem Gebiet der Relativität war, Einstein entweder nie von Poincaré gehört haben will oder aber seiner Erwähnung nicht für wert erachtete.

Sept. 1904 machte Poincaré in einer öffentl. Rede einige bemerkenswerte Äußerungen zur speziellen Relativitätstheorie: „Aus allen Ergebnissen, falls sie bestätigt werden, würde eine völlig neue Mechanik hervorgehen, die vor allem anderen auf der Tatsache beruhen würde, daß, genausowenig wie keine Temperatur unter ‚Absolut Null’ fallen kann, keine Geschwindigkeit die des Lichtes überschreitet, weil Körper einer zunehmenden Trägheit jenen Ursachen entgegenwirken würden, die dazu neigen, ihre Bewegung zu beschleunigen, u. diese Trägheit würde mit der Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit unendlich werden.

Ohne Fußnoten und Referenzierungen
An der Tatsache, daß der Plagiarismus auch vorsätzlich betrieben wurde, läßt sich kaum zweifeln. In diesem Zusammenhang sei zum Beispiel aus dem im Jahre 1984 erschienenen Buch „Einstein: The Life and Times“ von Ronald W. Clark zitiert, wo es auf S.101 wie folgt heißt: „Zur Elektrodynamik beweglicher Körper‘ … ist in mehrfacher Hinsicht eine der bemerkenswertesten Abhandlungen, die jemals geschrieben wurden. Sogar in Form u. Stil ist sie ungewöhnlich, weil die Fußnoten u. Referenzierungen fehlen, die den wichtigsten Erläuterungen Gewicht verleihen würden.“
Auffallend ist, daß Einstein - trotz seiner Ausbildung im Berner Patentamt (ab 23.6.1902: Technischer Experte 3. Klasse) - nicht die Notwendigkeit von Referenzierungen in seiner Abhandlung über die spezielle Relativität (1905) für erforderlich erachtete. Es wäre üblich gewesen, daß Einstein, der 1905 noch ein Neuling auf dem Gebiet der Relativität war, eher zuviel als zu wenig bzw. sogar überhaupt keine Referenzierungen verwendet hätte.

Allem Anschein nach gab es nicht den geringsten Versuch einer wissenschaftlichen Qualitätskontrolle, als Einsteins Abhandlung in den Annalen der Physik veröffentlicht wurde. Die meisten Herausgeber wissenschaftlicher Werke hätten Einsteins Abhandlung wegen des Fehlens jeglicher Referenzierungen als a priori unseriös abgelehnt, ohne es überhaupt gelesen zu haben. Als absolutes Minimum hätte von dem Herausgeber erwartet werden müssen, von sich aus, gegebenenfalls mit Hilfe von Fachgelehrten, die einschlägige Fachliteratur zu erforschen, um zu bestimmen, ob Einsteins Behauptung der Originalität gerechtfertigt war. Bereits erste Recherchen hätten dann ergeben, daß Einstein sich insbesondere bei Preston, Poincarè u. Lorentz bedient hatte.

Max Born stellte zu seiner Abhandlung fest: „Der verblüffende Punkt ist, daß sie nicht eine einzige Referenz zu früherer Literatur enthält.“ Born weist eindeutig darauf hin, daß das Fehlen von Referenzierungen von der Norm abweicht u. daß dies, selbst nach den wissenschaftlichen Anforderungen des frühen 20. Jahrhunderts, höchst seltsam u. unprofessionell sei. Einstein selbst, mit dem Vorwurf des Plagiarismus konfrontiert, gab keine überzeugenden Auskünfte, um diesbezügliche Vorwürfe zu widerlegen.

C. J. Bjerknes zitiert den folgenden Abschnitt aus dem Buch „The Dynamic Universe“ (Charles Scribner’s Sons, New York, 1931, S. 42–43) von James MacKaye: „Einsteins Erklärung ist eine dimensionale Verkleidung für Lorentz. Damit ist Einsteins Theorie nicht etwa eine Leugnung von oder eine Alternative zu Lorentz, sondern nur ihr Duplikat u. ihre Verkleidung. Einstein bestätigt ständig, daß die Theorie von Lorentz richtig ist, er stimmt nur nicht mit seiner ‚Interpretation‘ überein. Es ist deshalb unklar, daß – wie in anderen Fällen – auch in diesem Fall Einsteins Theorie nur eine Verkleidung der Lorentzschen Therorie ist, mit der Maßgabe, daß die scheinbare Nichtübereinstimmung hinsichtlich der ‚Interpretation’ in Wirklichkeit nur ein Wortgefecht ist.“

Jules Henri Poincaré schrieb 30 Bücher u. über 500 Abhandlungen über Philosophie, Mathematik u. Physik. Einstein schrieb ebenfalls über Mathematik, Physik u. Philosophie, behauptete jedoch, nie irgendwelche Beiträge Poincarés zur Physik gelesen zu haben. Und dennoch tauchen viele der Ideen von Poincaré – zum Beispiel, daß die Lichtgeschwindigkeit eine Grenzgeschwindigkeit ist u. daß Masse mit Geschwindigkeit zunimmt – in Einsteins Abhandlung „Zur Elektrodynamik beweglicher Körper“ ebenfalls auf, ohne daß sie von dem Schüler Einstein dem wirklichen Urheber J. H. Poincaré gutgeschrieben werden.

De facto wurde fast die gesamte Abhandlung Einsteins „Zur Elektrodynamik beweglicher Körper“ von Lorentz u. Poincaré gestohlen.

In einer Abhandlung des Jahres 1907 versuchte Einstein dies wie folgt zu rechtfertigen: „Es erscheint mir in der Natur der Sache zu liegen, daß das, was nachfolgt, schon teilweise von anderen Autoren gelöst wurde. Trotz dieser Tatsache, da der Gegenstand der Kritik hier von einem anderen Gesichtspunkt angesprochen wird, bin ich berechtigt, ein äußerst pedantisches Literaturverzeichnis wegzulassen …“. 1935 gesteht Einstein beläufig ein, von Lorentz inspiriert worden zu sein: „Die Frage hinsichtlich der Unabhängigkeit dieser Beziehungen stellt sich natürlich, weil die Lorentz-Transformation, die wirkliche Grundlage der speziellen Relativitätstheorie …“

Die Geschichte der Emc-Formel
Das Konzept, daß Masse in Energie verwandelt werden kann u. umgekehrt, soll angeblich bereits Isaac Newton (1704) behauptet haben. Dies ist falsch. Newton sagte in Wahrheit vollkommen richtig „Gross bodies and light are convertible into one another“. Er sprach also davon, daß sich Masse in Licht umwandeln läßt u. auch umgekehrt. Licht wurde dann mit Energie gleichgesetzt bzw. umgedeutet, was jedoch eindeutig falsch ist. Licht wie auch Masse hat Energie in Form von Bewegung, aber Energie ohne Massebeteiligung ist nicht denkbar. Masse besteht aus in Clustern gebundenen Photonen, welche bei Energieumwandlungen frei werden u. dann sichtbar bzw. wirksam werden können. E=mc² ist die Summe eines relativen (bezugspunktabhängigen) u. eines absoluten (Rotationsenergie) Energieanteils der Masse. Nur der relative bezugs-
punktabhängige Energieanteil (m/2 * v², auf die Lichtquelle bezogen dann m/2 * c²) ist variant, während der absolute Energieanteil m/2 * c² im Prinzip invariant ist. Der absolute Energieanteil ändert sich jedoch auch infolge vielfältiger Bewirkungen u. damit Drehimpulsentzug in sehr langen Zeiträumen. Dies entspricht dann „müdem“ rotverschobenem Licht. Masse kann nicht einmal mathematisch in Energie umgewandelt werden. Die Einheit der Masse (kg) unterscheidet sich nämlich von der Einheit der Energie (kgm²/s²) u. daher kann die Umwandlung „kg <==> kgm²/s²“ niemals gelingen.

G. Burniston Brown äußerte sich dazu wie folgt: „Auf diese Weise entstand die Gleichung E = mc² allmählich, bis sie im Jahre 1900 ohne allgemeinen Beweis von Poincaré vorgeschlagen wurde.“ Eines kann mit Sicherheit festgestellt werden: Einstein war nicht der Urheber der Gleichung E = mc².

C. J. Bjerknes erwähnt als möglichen Kandidaten S. Tolver Preston, der „basierend auf der Formel E = mc² bereits in den 1870er Jahren Atomenergie, die Atombombe u. Supraleitfähigkeit formulierte“. Ein anderer Kandidat ist Olinto De Pretto. In diesem zeitlichen Zusammenhang ist auffallend, daß Einstein fließend Italienisch sprach, er Abhandlungen italien. Physiker besprach u. sein bester Freund der Italo-Schweizer Michele Besso war. Einstein, der seine Abhandlung 1905 veröffentlichte, hatte eindeutig Zugang zu der Schrift von De Pretto. In dem Artikel „Einstein’s E = mc² was Italian’s idea‘“ von R. Carroll werden schwerwiegende Indizien aufgeführt, die beweisen, daß De Pretto hinsichtlich der Formel E = mc² einen zeitlichen Vorsprung vor Einstein hatte.

Hinsichtlich der Erkenntnis, daß mittels einer kleinen Masse eine ungeheure Energiemenge freigegeben werden kann, gebührt S. Tolver Preston das Verdienst, dies bereits vor der Geburt Einsteins gewußt zu haben. Es ist eindeutig, daß Preston die Gleichung in seinem Werk benutzt hat; denn der von ihm bestimmte Wert, wonach ein Korn ein Objekt von 100.000 Tonnen bis zu einer Höhe von 1,9 Meilen hochliften kann, entspricht der Gleichung E = mc².

H. E. Ives ist der Ansicht, daß die Herleitung, die Einstein hinsichtlich der Formel E = mc² versuchte, zum Scheitern verurteilt gewesen sei; denn Einstein machte sich daran, etwas zu beweisen, was er annahm. Diese Vorgehensweise ähnelt Einsteins unwissenschaftlicher Handhabung hinsichtlich seiner Gleichungen zum radioaktiven Verfall. Es stellt sich heraus, daß Einstein Kinematik u. Mechanik vermischte u. als Ergebnis dessen das „Neutrino“ (angeblich masseloses Elementarteilchen) entstand. Das Neutrino ist allem Anschein nach ein eher mystisches Teilchen, das opportunistisch von Einstein geschaffen wurde. Hinsichtlich des Neutrinos gibt es nur die Wahl: entweder es gibt von ihm mindestens 40 verschiedene Typen oder es gibt keinen Typ.

Die Sonnenfinsternis des Jahres 1919
Es kann wohl kaum eine eindeutigere Definition wissenschaftlichen Betrugs geben als das, was am 29.5.1919 in den Tropen durch Eddington, dem marktschreierischen Propangandisten Einsteins, vonstatten ging. Es ist in diesem Zusammenhang eindeutig, daß dieser die Daten der Sonnenfinsternis in dem Sinne passend machte, damit sie mit Einsteins Arbeit zur allgemeinen Relativität in Einklang gebracht werden konnten. C. L. Poor, G. Burniston Brown, R. W. Clark u. Ian McCausland behandeln alle die Umstände, die diese Sonnenfinsternis betreffen.
Eddington war willens, alles zu tun, um Einstein zu bestätigen, u. konnte selbst durch die Tatsache eines bewölkten Himmels nicht abgeschreckt werden: „Es sah so aus, als ob unser Bemühen, soweit es die Expedition nach Principe betraf, mißlungen sein mochte.“ … „Wir entwickelten die Photos, 2 je Nacht während der 6 Nächte nach der Sonnenfinsternis. Das bewölkte Wetter brachte meine Pläne durcheinander u. ich mußte anders vorgehen als ich ursprünglich beabsichtigt hatte. Als Folge dessen war ich nicht in der Lage, irgendwelche vorläufige Ankündigungen über das Ergebnis abzugeben“.
Es fällt auf, daß, sobald Eddington auch nur ein Körnchen eines (oft nur vermeintlichen) Beweises für Einsteins allgemeine Relativitätstheorie gefunden zu haben meinte, dieses dann sofort als (tatsächlicher) Beweis vermarktet wurde, was einer redlichen Wissenschaftmethodik widerspricht.
Was aber sagten die Astronomen, als Eddington schließlich seine Ergebnisse verkündete? Hatte 1919 irgendjemand außer Eddington tatsächlich einen Blick auf die Photoplatten geworfen? C. L. Poor tat es später u. wies die Ergebnisse Eddingtons insgesamt zurück. Aus der Zusammenfassung seiner Untersuchung wird C. L. Poor wie folgt zitiert: „Die mathematische Formel, auf Grund derer Einstein seine Abweichung von 1,75 (Bogen)Sekunden für Lichtstrahlen, die in ihrem Verlauf den Sonnenrand passieren, berechnet, ist allgemein bekannt u. eine einfache Formel der physikalischen Optik“. … „Nicht ein einziges seiner Konzepte über unterschiedliche Zeit, krumme bzw. verbogene Räume, Gleichzeitigkeit oder Relativität der Bewegung betrifft in irgendeiner Weise Einsteins Voraussage zu oder Formeln für die Ablenkung von Licht“. … „Den vielen u. ausführlichen Sonnenfinsternis-Expeditionen ist daher nur eine fiktive Wichtigkeit zuzumessen. Ihre Ergebnisse können die Relativitätstheorie weder beweisen noch widerlegen.“

Bei G. Burniston Brown ist nachzulesen, daß Eddington kaum abwarten konnte, Einsteins Relativitätstheorie zu bestätigen, seine Schlußfolgerungen basierten aber auf einer voreiligen Bewertung der Photoplatten. Anfänglich schien sich der Richtungsverlauf der sonnennahen Sterne – aufgrund der sonnengravitationsbedingten Lichtablenkung – scheinbar zu „biegen“, dann aber ereignete sich, so Brown, das Unerwartete: Es wurde beobachtet, wie sich die Richtungen einiger Sterne quer zu der Richtung u. wieder andere sogar in entgegensetzter Richtung dazu „bogen“, wie dies aufgrund der Relativitätstheorie Einsteins hätte erwartet werden müssen.

Die Absurdität der Daten, die während der Sonnenfinsternis des Jahres 1919 aufgenommen worden waren, wurde von C. L. Poor enthüllt, der daraufhin zu dem Ergebnis gelangte, daß 85% der Daten der 1919er Sonnenfinsternis aufgrund von „Zufallsfehlern“ verworfen werden mußten. Mit anderen Worten: Sie widerlegten Einsteins sog. kosmologische Konstante. Auffallenderweise waren nur die 15 % „passender“ Daten mit Einsteins Konstante überwiegend kompatibel. Es wurden also diejenigen Sterne, deren Bewegungen Einsteins Theorie nicht bestätigten, schlicht unterschlagen – u. so begann der manipulierte Mythos. Auf der Grundlage einer Handvoll nicht eindeutiger Daten wurden 200 Jahre an Theorien, Experimenten u. Beobachtungen zahlreicher Wissenschaftler weggeworfen, um Einstein Platz zu machen.

Einstein selbst hat sich in seiner Abhandlung „Elementary Derivation of the Equivalence of Mass and Energy“ aus dem Jahre 1935 nie zu den Arbeiten von C. L. Poor („Die tatsächlichen stellaren Abweichungen, sollten sie authentisch sein, weisen nicht die geringste Ähnlichkeit zu den von Einstein vorausgesagten Beugungen auf. Sie stimmen weder in der Richtung, noch im Umfang oder der Rate der Entfernungsverminderung zur Sonne überein“) geäußert, obwohl ihm diese bekannt gewesen sein müssen.
Bemerkenswert ist im Zusammenhang dieses Schweigens, daß sowohl die 1919 von Eddington benutzten Instrumente wie auch die physikalischen Bedingungen nicht geeignet waren, Messungen von großer Präzision vorzunehmen. 2002 wurde in einem Weltnetz-Artikel des britischen „Institute of Precise Physics“ hervorgehoben, daß die während der Expeditionen benutzten Kameras nur einen Genauigkeitswert von 1/25 hatten.

Ian McCausland zitiert den früheren Herausgeber des Magazins „Nature“, John Maddox, wie folgt: „Sie (Crommelin u. Eddington) wurden gebeugt, die Lichtabweichung zu messen.“ … „Die Tatsache, daß die Messungen des Jahres 1919 nicht besonders genau waren, wurde nicht sehr gut dokumentiert“ … „Trotz der Tatsache, daß im Jahre 1919 der experimentelle Beweis für die Relativität nicht sehr stichhaltig war, ist Einsteins enormer Ruhm intakt geblieben u. seine Theorie ist seitdem stets als eine der höchsten Errungenschaften menschlichen Denkens eingestuft worden.“

Familie
Albert Einstein war in 1. Ehe ab 1903 mit Mileva Marić verheiratet, die mit ihm am Polytechnikum Zürich studiert hatte. Das Paar hatte eine Tochter, Lieserl, u. 2 Söhne, Hans Albert u. Eduard. Lieserl war noch vor der Eheschließung 1902 zur Welt gekommen u. vermutlich zur Adoption freigegeben worden; manche Quellen behaupten, daß sie das „Down-Syndrom“ gehabt habe. Bereits 1914, als Marić Einstein mit den Kindern nach Berlin folgte, hatte dieser seine Cousine Elsa kennengelernt u. ein Verhältnis mit ihr begonnen. In der Folgezeit behandelte er Marić Forschungen zufolge häufig herablassend u. verletzend. Als Bedingung für die Fortsetzung ihrer Ehe legte er sogar Verhaltensregeln für Marić fest. Die Scheidung von Marić erfolgte 1919 nach 5jähriger Trennung. Allerdings überließ Einstein 1922 die Zinsen des Preisgeldes des Nobelpreises seiner Ex-Frau u. seinen Söhnen, um die er sich in der Folge aber nicht besonders kümmerte. Hans wurde Ingenieur u. zog später auch in die USA. Eduard erkrankte an Schizophrenie u. starb 1965 in einer Heilanstalt. Noch im Jahr seiner Scheidung heiratete Einstein in 2. Ehe seine Cousine Elsa Löwenthal, eine Witwe mit 2 Töchtern, mit der er bis zu ihrem Tod 1936 zusammenlebte. 1939 kam seine Schwester Maja zu Einstein nach Princeton u. lebte bis zu ihrem Tod 1951 bei ihm.
--- In seinem Testament verfügte Einstein, daß sein gesamter schriftlicher Nachlaß an die „Hebräische Universität“ in Jerusalem gehen sollte.

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Friedrich Hasenöhrl

Beitrag von Dissident am Mi Dez 07, 2016 2:24 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Hasen%C3%B6hrl  Friedrich Hasenöhrl (1874-1915) war ein österr. Physiker.

Leben und Werk
--- Schon in seiner Schulzeit trat er durch kleinere Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Mathematik in Erscheinung. 1892 begann er das Studium der Mathematik u. Physik u. arbeitete an der Uni Wien u.a. bei Franz-Serafin Exner, Josef Stefan u. Ludwig Boltzmann. Bereits während des 2. Studienjahres veröffentlichte er die mathematische Arbeit „Über das quadratische Reziprozitätsgesetz“. 1894 unterbrach er sein Studium für eine 1-jährige freiwillige Militärzeit, während der er Hugo v. Hofmannsthal kennenlernte. 1896 promovierte er bei Exner Über den Temperaturkoeffizienten der Dielektrizitätskonstante in Flüssigkeiten u. die Mosotti-Clausius'sche Formel.

Danach wandte sich Hasenöhrl stärker der theoretischen Physik zu, wurde 1897 zum Dr. der Philosophie promoviert u. 1899 mit einer Arbeit über Potentialtheorie habilitiert. Ein Auslandsaufenthalt führte ihn zu Heike Kamerlingh Onnes an die Universität Leiden — Boltzmann hatte ihn Kamerlingh-Onnes auf Anfrage als Assistenten empfohlen. 1899 heiratete er Ella Brückner u. erhielt noch im selben Jahr die venia legendi an der Uni Wien. Schnell erwarb er sich den Ruf, ausgezeichnete Vorlesungen zu halten. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Paul Ehrenfest u. Erwin Schrödinger. 1905 wurde Hasenöhrl mit dem Haitinger-Preis der Akademie d. Wissenschaften in Wien ausgezeichnet.
1906 wurde er außerordentl. Professor an der Techn. Hochschule in Wien. Als noch im selben Jahr Boltzmann starb, wurde erl, der nach Wilhelm Wien u. Max Planck als dritter auf der Berufungsliste stand, dessen Nachfolger als Ordinarius für Theoretische Physik. Er war Teilnehmer der ersten beiden Solvay-Konferenzen 1911 u. 1913.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges meldete sich Hasenöhrl, mittlerweile 40-jährig, freiwillig zum Kriegsdienst. Nach einer Verwundung an der Schulter im Juli 1915 erhielt er das Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse. Als Oberleutnant der Reserve u. Bataillonskommandant im 14. Infanterie-Regiment wurde er am 7.10. in Vielgereuth (Folgaria) bei Trient durch einen Granatsplitter tödlich am Kopf getroffen, während er die Attacke seines Bataillons anführte. Sein früher Tod im Alter von nur 41 Jahren erregte in breiten Kreisen Aufmerksamkeit – er galt als die große Hoffnung der Theoretischen Physik in Österreich. Der Kaiser persönlich schickte der Witwe ein Kondolenztelegramm. Seine Gebeine ruhen heute auf dem Friedhof von Altmünster bei Gmunden. 1956 wurde die Hasenöhrlstraße in Wien-Favoriten nach ihm benannt.

Die Hohlraumstrahlung
Ab 1880 wurde von Physikern wie Joseph John Thomson (1881), George Frederick Charles Searle (1897), Wilhelm Wien (1900), Henri Poincaré (1900), Max Abraham (1902), u. Hendrik Antoon Lorentz (1904) der Begriff „elektromagnetische Masse“ benutzt. Diese drückte aus, dass die elektromagnetische Energie einen Impuls besitzt u. zur Masse eines Körpers beiträgt. --- Hasenöhrls Ergänzung zu diesen vorhergehenden Leistungen bestand darin, dass er diesen Zusammenhang u. a. auf die Hohlraumstrahlung anwandte u. mit thermodynamischen Überlegungen in Verbindung brachte. Für diese Leistung erhielt er, auf Vorschlag von Boltzmann, den Haitinger-
Preis der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien u. wurde 1906, trotz seiner Jugend, Nachfolger Boltzmanns als Ordinarius. Unter Bezug auf Hasenöhrl wurde die Hohlraumstrahlung später auch von Kurd von Mosengeil (1906) und, dem letzteren folgend, in sehr allgemeiner Weise im Rahmen der Relativitätstheorie von Max Planck (1907) benutzt.
In weiteren Arbeiten (1907, 1908) baute Hasenöhrl seine Theorie weiter aus u. merkte an, dass die Ergebnisse seiner neuen Theorie mit denen von Mosengeil u. Planck übereinstimmten. Dabei beklagte er allerdings, dass seine 1904-Ergebnisse von Planck (1907) überhaupt nicht erwähnt worden waren. Allerdings wurde Hasenöhrls neue Arbeit von 1907 nun auch von Planck (1908) anerkannt, indem er wie Hasenöhrl anmerkte, dass deren Ergebnisse trotz unterschiedlicher Methoden mit denen aus der Relativitätstheorie gefolgerten übereinstimmten.

Max Planck und Wolfgang Pauli schrieben:   „Darauf, daß die Hohlraumstrahlung Trägheit besitzt, hat zuerst F. Hasenöhrl aufmerksam gemacht.“

– Max Planck   „Die Strahlung im bewegten Hohlraum. Dieser Fall hat ein historisches Interesse, da er allein auf Grund der Elektrodynamik, auch ohne Relativitätstheorie, behandelt werden kann. Man kommt dann notwendig dazu, der bewegten Strahlungsenergie Impuls, also auch träge Masse zuzuschreiben. Es ist interessant, daß dieses Resultat schon vor Aufstellung der Relativitätstheorie von Hasenöhrl gefunden wurde. Seine Schlüsse waren allerdings in einigen Punkten verbesserungsbedürftig. Eine vollständige Lösung des Problems gab zuerst K. v. Mosengeil.“

– Wolfgang Pauli --- 4/3-Faktor
Es gibt unterschiedliche Erklärungen für den 4/3-Faktor in Hasenöhrls Formel. Beispielsweise nahmen Enrico Fermi u. andere an, dass dies analog zum selben Faktor für die elektromagnetische Masse zu sehen sei. D. h. man muss nicht nur die Energie der Strahlung selbst, sondern auch die elastischen Spannungen in der Hülle des Hohlkörpers berücksichtigen. ---

Darüber hinaus meinen Stephen Boughn u. Tony Rothman (2011) u. Boughn (2012), dass Hasenöhrl mit den Mitteln der damaligen Zeit, d. h. ohne die relativistischen Transformationsformeln, die kinetische Energie nicht korrekt berechnen konnte. Vor allem habe er übersehen, dass die Strahlungsquellen während der Strahlung an Masse verlieren, was ironischerweise einer Energie-Masse-Beziehung entspricht, die Hasenöhrls Arbeit eigentlich hätte demonstrieren sollen. Trotzdem verdiene Hasenöhrl für die grundlegende Erkenntnis, dass elektromagnetische Energie zu Masse strahlender Körper beiträgt, Anerkennung.

Hasenöhrl und Einstein
Die Formeln zur elektromagnetischen Masse (wie auch die von Hasenöhrl vom Juli 1904) ähneln sehr der Formel   E = m c 2   die Albert Einstein einige Ausgaben später, im Sept. 1905 in derselben Zeitschrift in seiner Arbeit Zur Elektrodynamik bewegter Körper veröffentlichte. ---
So behauptete Lenard in einer Arbeit von 1921 (wo er übrigens auch die Priorität von Johann Georg von Soldner u. Paul Gerber behauptete), dass es Hasenöhrls u. die darauf folgenden Untersuchungen gewesen wären, welche die „Trägheit der Energie“ (also eine Kombination aus Äquivalenz von schwerer u. träger Masse u. der Äquivalenz von Masse u. Energie) erwiesen hätten. Max von Laue (1921) antwortete darauf, dass die Trägheit der elektromagnetischen Energie insbesondere durch Poincaré (1900) u. Abraham (1902) durch Einführung des elektromagnetischen Impulses erwiesen worden war, während Hasenöhrl diese Erkenntnisse im Grunde nur auf die Hohlraumstrahlung angewandt hätte. ---

http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/4673831/Die-Formel-des-Friedrich-Hasenoehrl --- Die Formel des Friedrich Hasenöhrl
Sie ist die berühmteste Formel der Welt: Sie ziert Tassen, T-Shirts,Kunstdrucke u. diente sogar als Titel für Mariah Careys 11. Studioalbum. Jeder Jugendliche lernt sie in der Schule, sie fehlt in keinem Physikbuch, u. jedem wissenschaftlich Interessierten ist sie ein Begriff: E = mc2,die Äquivalenz von Masse u. Energie.
Albert Einstein ... sicherte sich mit ihr einen Platz in der Geschichte ---

Doch nur die wenigsten .. wissen, dass bereits 1n Jahr zuvor der Wiener Physiker Friedrich Hasenöhrl eine ganz ähnliche Formel veröffentlicht hatte. Sein Pech war, dass er sie nicht so allgemeingültig wie später Einstein formulierte, sondern sie nur auf einen Spezialfall bezog, auf in einem Hohlraum eingeschlossene elektromagn. Strahlung.
- - -
Hasenöhrl erweiterte diesen Ansatz um eine auf den ersten Blick ziemlich abstrakt wirkende Erkenntnis: Auch dem Innenraum eines Gefäßes, aus dem man die Luft pumpt, muss eine Masse u. somit eine Trägheit zukommen, wenn dieses von elektromagnetischer Strahlung, etwa Wärme, durchdrungen wird. Infolgedessen besitzt auch ein Hohlraum Masse. Hasenöhrl veröffentlichte dazu in den Jahren 1904 u. 1905 mehrere Arbeiten mit dem Titel „Zur Theorie der Strahlung in bewegten Körpern“. 1904 stellte er die Formel E = 3/8mc2 auf, die er 1905 in E = 3/4mc2 änderte. Für diese Studien erhielt Hasenöhrl von der Österr. Akademie der Wissenschaften den Haitinger-Preis.
- - -
Zu einem Prioritätenstreit zwischen Hasenöhrl u. Einstein kam es nie. Die beiden begegneten einander 1911 persönlich: auf der 1. Solvay-Konferenz, einer bis heute in regelm. Abständen stattfindenden internat. Fachkonferenz für Physik u. Chemie. Eingeladen war alles, was damals in der Szene Rang u. Namen hatte: Unter den 24 Teilnehmern befanden sich 9 spätere Nobelpreisträger. Der einzige österr. Physiker war Hasenöhrl, was seinen damal. Ruf als Wissenschaftler in Fachkreisen verdeutlicht.
- - -
Eine gewisse Begabung in Mathematik u. Physik machte sich bei Hasenöhrl schon während der Schulzeit bemerkbar. Er hatte einen engagierten Mathematik- u. Physiklehrer, der die talentierten Schüler in der Differenzial- u. der Integralrechnung unterwies. 1892 maturierte Hasenöhrl mit Auszeichnung. Im selben Jahr erhielt er die höchste Auszeichnung für begabte Zöglinge der Theresian. Akademie: die Kaiserpreis-Medaille, die ihm für einen in der Zeitschrift „Die österr. Mittelschule“ veröffentlichten Text verliehen wurde. Das Thema dieser Arbeit geht dem Laien vermutlich nicht ganz leicht von den Lippen: Es drehte sich um die Quadratur u. die Retifikation der Zykloide.
- - -
1897 promovierte Hasenöhrl unter Exner über die Abhängigkeit der Dielektrizitätskonstante fester u. flüssiger Stoffe von der Temperatur. Seine ersten Publikationen waren zahlentheoretische Arbeiten, aber schon bald wandte er sich der Theoretischen Physik u. hier speziell der Elektrizität zu. Als Student veröffentlichte er unter Boltzmann eine Arbeit, wie man die gegenseitige Induktion elektrischer Ströme mechanisch erklären könnte.
1898 heiratete Hasenöhrl die Wienerin Ella Brückner, mit der er 1 Sohn u. 1 Tochter hatte. 1898/99 absolvierte er einen Auslandsaufenthalt in den Niederlanden, an der Uni Leiden, der seinen weiteren Berufsweg entscheidend prägte. Auf Empfehlung seines Wiener Lehrers Boltzmann verbrachte er ungefähr 1 Jahr als Assistent im einst welt-
berühmten Kältelabor des späteren Nobelpreisträgers Heike Kamerlingh Onnes. Dieser erhielt 1913 die höchste wissenschaftliche Auszeichnung für seine Untersuchungen der Eigenschaften von Materie bei tiefen Temperaturen u. für die erstmalige Herstellung von flüssigem Helium bei minus 272,3 Grad Celsius.
In Leiden vollendete Hasenöhrl seine Arbeit über die elektr. Eigenschaften von flüssigem Stickoxydul – heute Distickstoffoxid genannt – u. von Sauerstoff. Während dieser Zeit lernte er eine weitere ihn prägende Physikkapazität kennen, den späteren Nobelpreisträger Hendrik Antoon Lorentz, Begründer der modernen Elektronentheorie,
- - -
Mit zahlreichen Denkanstößen von Onnes u. Lorentz im Gepäck kehrte der junge, zielstrebige Physiker 1899 nach Wien zurück. Im selben Jahr habilitierte er sich an der Uni Wien u. wandte sich ganz der Theor. Physik zu. Zur Jahrhundertwende legte Max Planck mit seiner Hypothese, dass Strahlungsenergie nicht kontinuierlich, sondern in Portionen, den Quanten, abgegeben wird, den Grundstein für die Entwicklung der Quantenmechanik. 1905 wurde Hasenöhrl als Prof. die Techn. Hochschule Wien berufen, wo er sein theor. Wissen auch auf prakt. Problemstellungen anwandte. Beispielsweise veröffentlichte er während dieser Zeit eine Arbeit zur Theorie einer Schnellumlauf-Warmwasserheizung – was immer das gewesen sein mag.
2 Jahre später folgte die Krönung seiner Karriere. Er übernahm den Lehrstuhl seines einstigen Förderers Boltzmann, der sich am 5.9.1906 am Fensterkreuz eines Kurhotels im österr. Duino, heute an der italien. Adriaküste gelegen, erhängt hatte. Eine verantwortungsvolle Bürde, die man dem damals 33-Jährigen übertrug, die er jedoch – wie sich bald herausstellte – mit Bravour zu bewältigen verstand. Durch sein liebenswürdiges, bescheidenes Wesen gewann er sowohl die Gunst der Kollegen als auch die Zuneigung vieler seiner Studenten. Und das, obwohl Hasenöhrl, der unter den Professoren den Studierenden altersmäßig am nächsten stand, als sehr streng galt. Mittelmaß war ihm ein Gräuel. ---
Der trotz allem beliebte Professor verlangte viel von seinen Studenten, vertrat er doch den Standpunkt, dass der Weg zum Doktortitel kein einfacher sein sollte. Um diesen Grad zu erlangen, sollte man ein grundlegendes Verständnis für physikalische Probleme mitbringen. Diejenigen, bei denen er einen Funken dieses Verständnisses erahnte, förderte er u. pflegte mit ihnen ein nahezu freundschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe. Und die Beziehung ging in mehreren Fällen über den Hörsaal u. die Uni hinaus. So mancher Student lernte bei Hasenöhrl nicht nur ein solides physikalisches Grundwissen sowie eigenständiges Denken u. das Lösen physikalischer Aufgaben, sondern auch Klettern u. Wandern und ließ sich von der Begeisterung des jungen Professors für die Alpen anstecken.
Der Liebe zur klassischen Musik frönte er in einem Quartett, in dem er Geige spielte, u. bei der Hausmusik mit Studenten. --- Hasenöhrls Musikbegabung scheint sich vererbt zu haben: Sein Urenkel ist ausgebildeter Pianist, hat sich aber aus pragmatischen Gründen für den Berufsweg des Rechtsanwalts entschieden.

Hoch gelobt wurde der charismatische Physikprofessor für seinen exzellenten, klar verständlichen Vortragsstil, mit dem er eine ganze Physikergeneration prägte. Sein Schüler u. Nachfolger Hans Thirring erinnerte sich in seinem Nachruf auf Hasenöhrl 1916 an Seminarübungen, in denen der „Kontrast zwischen Dozierenkönnen u. Nichtkönnen“ am deutlichsten ins Auge stach. Die Studierenden mussten über selbst gewählte Themen referieren. „Da kam es dann recht häufig vor“, so Thirring, „dass einer von uns Jüngeren an der Tafel stand u. mit großem Rechenaufwand die wüstesten Formeln entwickelte, während wir anderen hilflos in der Bank saßen, unfähig, dem Gedankengang der Rede zu folgen. Dann stand Hasenöhrl auf, sagte in 4, 5 Sätzen, um was es sich handle, u. nun fiel es wie Schuppen von unseren Augen, so klar traten die Zusammenhänge zutage.“
Hasenöhrls Vorlesungsreihe über Theor. Physik dauerte 6-7 Semester u. behandelte neben den klassischen Themen auch die neuesten, teils noch keineswegs anerkannten modernen Gedankengebäude wie die Relativitätstheorie, die er als einer der Ersten überhaupt vortrug. Seine Studenten, darunter Paul Ehrenfest, Erwin Schrödinger u. Hans Thirring, kamen somit sehr früh mit den damals noch leicht abstrus wirkenden physik. Theorien in Berührung. ---

1914 wurde mit dem Kriegsausbruch schlagartig alles anders. Beim jungen Physikprofessor machte sich die in seiner Familie verankerte Verbundenheit mit der Monarchie bemerkbar. Er meldete sich aus Pflichtbewusstsein u. Patriotismus sofort freiwillig zum Militärdienst – bei der Kraftfahrertruppe, denn er besaß damals bereits ein Automobil. Ende 1914 wurde er dem Festungskommando Krakau als physikalisch-technischer Referent zugeteilt. Ähnliche Aufgaben sah das Vaterland für die meisten Hochschullehrer der Physik, Chemie u. Technik vor, schließlich bestand kein Interesse daran, die klügsten Köpfe an der Front zu opfern.
Doch Hasenöhrl hielt es nicht hinter der Front. Er setzte alle Hebel in Bewegung, um zum 14. Infanterieregiment versetzt zu werden. Sein Ansinnen hatte Erfolg. Am 20.7. traf den inzwischen zum Kommandanten eines Marschbataillons des 14. Infanterieregiments beförderten Hasenöhrl bei Kämpfen am Monte Piano eine Gewehrkugel an der rechten Schulter. Kaum genesen, kam er nach Folgaria in der Provinz Trient, wo seine Kompanie die Italiener zurückdrängen sollte. Ein Granatsplitter tötete den 41-jährigen Hasenöhrl am 7.10.1915 durch einen Treffer am Kopf. 3 Tage später wurde er auf dem Ortsfriedhof von Folgaria beerdigt.

Sein früher Tod schockierte die im Hochschulwesen Tätigen. Immerhin hatte Hasenöhrl als großer Hoffnungsträger auf dem Gebiet der Theor. Physik in Österreich gegolten. Der Kaiser persönlich schrieb der Witwe einen Beileidsbrief. Der Brief kam übrigens früher bei ihr an als die Benachrichtigung von der Front. Heute ruhen die Überreste Hasenöhrls auf dem Friedhof von Altmünster in Gmunden.
Nach seinem Tod gerieten Hasenöhrls wissenschaftliche Verdienste zusehends in Vergessenheit. Namen wie Einstein, Planck, Heisenberg, Pauli u. Bohr dominierten den Fortschritt in der Physik. Hasenöhrls Nachlass ist bis heute verschollen, was die Beurteilung seiner fachlichen Bedeutung zudem erschwert. Dennoch wird immer wieder die Forderung erhoben, dass man das Masse-Energie-Prinzip fairerweise Hasenöhrl-Einstein-Prinzip nennen solle.
Erst Anhänger der deutschen Physik, unter ihnen Philipp Lenard u. Johannes Stark, riefen den Namen Hasenöhrl wieder ins Gedächtnis, --- denn die nationalsozialistisch geprägten Vertreter bezichtigten Albert Einstein des Plagiats. Nach dem 2. Weltkrieg geriet Hasenöhrl wieder in Vergessenheit. Eine Büste im Arkadenhof des Hauptgebäudes der Uni Wien erinnert noch an ihn.
2013 fand der Name Friedrich Hasenöhrl neuerlich Niederschlag in den Medien, als 2 amerikan. Physiker, Stephen Boughn vom Haverford College in Pennsylvania u. Tony Rothman von der Princeton University in New Jersey, den Beitrag des Wieners auf dem Weg zu Einsteins Formel unter die Lupe nahmen u. seine Arbeiten aus den Jahren 1904 u. 1905 analysierten.

Leserkommentare:

"Einstein war der größte Scharlatan und Betrüger in der Wissenschaftsgeschichte!
Besondere Verdienste um die Allgemeine Relativitätstheorie kommt aber dem deutschen Astronomen Johann v. Soldner zu, der bereits 1801 die Ablenkung des Lichtes durch die Sonne von fernen Sternenkörpern mit der Newtonschen Mechanik berechnen konnte, indem er die Lichtwellen als Lichtteilchen betrachtete. Damit war er seinen Kollegen über 100 Jahre weit voraus! Es muss auch davon ausgegangen werden, dass Soldner bei seinen Berechnungen mit der vermeintlich berühmten Einsteinschen Formel
E = m*c² in modifizierter Form operierte u. somit diese mathematische Beziehung bereits kennen musste! Anderseits verweist Stelzner in seinem Aufsatz (1998) darauf, dass nach Martin Reisig diese Formel auf den österr. Physiker Hasenöhrl (1874-1915) zurückgehen soll, --- Anderseits: Andere Autoren sind auch denkbar. Beispielsweise soll der Physiker Wilhelm Eduard Weber die Formel (1) bereits 1847 verfasst haben! Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen im April 2015"

"und wenn wir schon dabei sind: Die berühmte Formel Einsteins lautet (in einer nicht ganz so eingeschränkten Form wie im artikel präsentiert)
E^2=(m*c^2)^2 (p*c)^2
p bezeichnet den Impuls, m die Ruhemasse und c die Lichtgeschwindigkeit, E die Gesamtenergie des Teilchens. Die im Artikel erwähnte Form beschreibt nur den (in der Realität eher seltenen Fall) eines völlig ruhenden Teilchens - und birgt somit auch nur einen Bruchteil der Erkenntnisse."

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Alois Mannichl

Beitrag von Dissident am Mo Dez 12, 2016 10:02 am

Alois Mannichl, bayrischer Polizist

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