Evakuierungen von Lagern vor Anrücken der Roten Armee oder US-Armee

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Evakuierungen von Lagern vor Anrücken der Roten Armee oder US-Armee

Beitrag von Dissident am Do Nov 03, 2016 4:04 pm

Anmerkung Dissident: Betreffend aller Inhalte, die ich in der Rubrik "Zeitgeschichte und Nachbarländer" einstelle:
Ich habe nicht vor, zu behaupten, daß in KZ´s keine Häftlinge zu Tode gekommen wären oder daß dort nicht auch schlimme Dinge passiert sind.
Unbestritten haben etliche SS-Männer Verbrechen begangen. Daneben passierten viele Verbrechen durch KL-Häftlinge, die sich als Lagerälteste, Blockälteste, Capos, Schreiber usw. an ihren Mithäftlingen vergingen. In jedem Fall wäre zu klären, was genau geschehen ist und ob das auch wahr sein kann (falsche Zeugenaussagen, Scheinzeugen, erfolterte "Geständnisse", usw.) Mit meinen Hobby-Recherchen zu zeitgeschichtlichen Fragen und Standpunkten (eben auch betreffend der KZ) will ich keine Person, Religionsgemeinschaft oder Ethnie beleidigen.


So wie sich Millionen Zivilisten (auch nicht-deutsche!) vor der heranrückenden Roten Armee retten wollten, genauso wurden Kriegsgefangenen-Lager (Stalags) und KZ Richtung Westen evakuiert. Daß dies nicht immer einfach war, kann man sich vorstellen.
Hier ein Beispiel des Stalag XVIIA Kaisersteinbruch in Niederösterreich:

Aus den Mitteilungen des Museums- u. Kulturvereins Kaisersteinbruch Nov. 1995:
--- Februar 1945: 26.470 Kriegsgefangene, hoffnungslose Überfüllung des Lagers --- Zu allem Überfluß kam im Winter 1944/1945 noch das Problem der alliierten Luftangriffe hinzu. Stalag 17A sollte im Dez. 1944 bombardiert worden sein, wahrscheinlich liegt bei der Meldung aber eine Verwechslung mit Stalag 18A Wolfsberg vor, das im Dez. 1944 das Ziel eines schweren Luftangriffes wurde, der viele Opfer unter den Kriegsgefangenen kostete. Während der Visite durch das IKRK warf ein einzelnes Flugzeug 5 Bomben über einem "Nachbarlager" - wahrscheinlich einem Arbeitskommando - ab. ---
Evakuierung: In einer Zusammenstellung des US-War-Department über Evakuierungsmärsche der Lager des Reichsgebietes wird als Abmarschzeitraum der 30.3. bis 2.4. genannt, wobei die Evakuierung gemeinsam mitz Stalag 17B Gneixendorf erfolgte. Die Ankunft in Braunau wird mit 19.4. datiert. Am Morgen des Abmarschtages wurde allen Gefangenen das Antreten vor den Baracken befohlen, wo ihnen die Durchführung des Evakuierungsmarsches, der sehr anstrengend u. ohne Essen werden würde, mitgeteilt wurde. Die Verpflegung würde nur im Fall der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung organisiert werden können. Die Lageroffiziere stellten den Kriegsgefangenen die Teilnahme am Marsch frei sodaß jene, die zu schwach für den langen Marsch wären, im Lager bleiben können. die slowakischen Gefangenen befürchteten die Massenhinrichtung der Zurückgebliebenen u. so machte sich alles, was noch irgendwie gehfähig war, auf den Weg Richtung Westen ---
Das Gebiet um Braunau bildete einen zentralen Punkt, an dem alle Evakuierungsmärsche von Kriegsgefangenen des Wehrkreis 17 ihr Ziel fanden --- Am Abend des 3.5. ging die Botschaft unter den Kriegsgefangenen um, daß die US-Armee nur noch 10 km entfernt sei u. im Laufe des folgenden Tages tauchten die ersten US-Fahrzeuge auf ---
Die Wachmannschaft, die teilweise in Kaisersteinbruch zurückgeblieben war, verließ das Lager vor Eintreffen der Roten Armee u. überließen es den Kriegsgefangenen. Die ehemaligen Gefangenen befanden sich nach der Befreiung noch einige Zeit im Lager, je nach Nationalität unterschiedlich lang. Zusätzlich wurden DP´s der versch. Nationalitäten im Lager einquartiert.
- - -
http://doedr.forumieren.net/t48p75-mauthausen#222   Seit 1944 hatten unsere Kriegsgegner durch näherrückende Front u. zahlenmäßige Überlegenheit die Lufthoheit bis zu uns nach Österreich herein. Es gab durch Bombardierung viele zerstörte Bahnhöfe, Gleisanlagen u. Fabriken. Nebenbei kamen auch Tieffliegerangriffe auf Züge, Straßen u. Zivilisten vor. Dadurch kam es zu Ausfall u. Verzögerung wichtiger Transporte, was neben der Wehrmacht natürlich auch die Zivilbevölkerung u. die KZ betraf. So ist zu erklären, daß es bei Lebensmitteln, Medikamenten u. anderen wichtigen täglichen Gütern überall zuwenig gab.
Somit war die Belieferung der KZ stark reduziert u. gleichzeitig waren alle KL zu Kriegsende total überbelegt durch die Evakuierten aus den KZ, welche in Feindeshand gefallen waren. Es kam dadurch zu Unterernährung, Ruhr, Typhus u.a Krankheiten bzw. Seuchen. Es war eine chaotische gereizte Stimmung, was eine Erklärung unter anderem ist, daß es vermutlich vermehrt zu Übergriffen auf KL-Häftlinge kam.

https://www.mauthausen-memorial.org/de/Wissen/Das-Konzentrationslager-Mauthausen-1938-1945/Die-Endphase Die Endphase

Mit dem Vorrücken der Roten Armee u. der Auflösung der KZ im Osten wurde Mauthausen ab Jänner 1945 zum Zielort von großen Evakuierungstransporten. Die kommenden Monate bis zur Befreiung waren durch Überfüllung, Unterversorgung, Chaos u. Massensterben gekennzeichnet. Etwa 25.000 neu ankommende Häftlinge aus Auschwitz-Birkenau, Groß Rosen, Sachsenhausen, Ravensbrück u. Mittelbau-Dora wurden von Jänner bis Mai in Mauthausen registriert. Tausende weitere, etwa aus den Außenlagern des KZ Flossenbürg in Venusberg u. Freiberg blieben unregistriert. Die neu ankommenden Häftlinge hatten in der Regel bereits eine mehrjährige Verfolgungsgeschichte u. waren oft bereits zu geschwächt für den Arbeitseinsatz. Sie brachte man zumeist entweder direkt im Sanitätslager, im behelfsmäßig errichteten Zeltlager oder in den ebenfalls neu hinzugekommenen Lagerteilen II u. III unter - - -
Ende März begann die Auflösung der östlich von Mauthausen gelegenen Außenlager. Die Häftlinge wurden in Fußmärschen, Schiffs- u. Eisenbahntransporten ins Hauptlager sowie in Außenlager Gusen, Ebensee u. Steyr verfrachtet. Insgesamt dürften dabei mehr als 23.000 Häftlinge quer durch Österreich auf den Weg gebracht worden sein. Ein ähnliches Schicksal erfuhren die ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiterinnen u. Zwangsarbeiter, die ab Ende März 1945 aus den Lagern für den Bau des sogenannten Südostwalls nach Mauthausen getrieben wurden. ... Hunderte Personen starben auf diesen Todesmärschen an Anstrengung oder wurden von erschossen, weil sie nicht mehr Schritt halten konnten - - - Die Überfüllung der verbliebenen Lager sowie die immer mangelhaftere Versorgung verschlimmerten die Lebenssituation der Häftlinge zunehmend. April 1945 verzeichnete man mehr als 11.000 Todesfälle. Da die Krematorien von Mauthausen überlastet waren, ließ die SS im Februar 1945 nördlich des Lagers, nahe dem Ort Marbach, ein Massengrab ausheben, in dem rund 10.000 Tote verscharrt wurden.

http://doedr.forumieren.net/t48p75-mauthausen#279      Ich habe den Eindruck, daß die Zustände in denjenigen KZ, die zuletzt in Feindeshand gefallen sind, am schlimmsten waren. Und zwar aus dem Grund, weil mit jedem Tag, der näher dem Kriegsende lag, die Versorgungswege am meisten zerbombt waren u. durch die Evakuierung der bereits von der Frontlinie überrollten Lager die restlichen in deutscher Hand befindlichen KL immer mehr überfüllt wurden bei zunehmend schwieriger werdender Lage betreffend Versorgung u. Hygiene.
Als kleines gegenwärtiges Beispiel sind diverse Flüchtlingslager in Ländern, die einfach keine so gute Organisation und Mittel haben wie es bei uns in Österreich der Fall ist. Dabei ist das ganze noch zu Friedenszeit. Man stelle sich vor, im untenstehenden Beispielsfall würde noch tägliche Bombardierung des Umfelds erfolgen und das ganze Land gegen anstürmende Armeen kämpfen müsste...

Einige Lager wurden vor Überrollen durch die Frontlinie komplett geräumt und evakuiert.
Andere nur teilweise und es blieben Häftlinge zurück. Einige der auf dem Marsch oder Eisenbahntransport befindlichen Häftlingstrupps kamen in Kriegshandlungen um oder wurden auf dem Weg befreit bzw. konnten flüchten. Die letzten Lager hatten kaum mehr Möglichkeiten, irgendwohin zu evakuieren.
Die KL Mauthausen sowie Gusen I, II und III waren die vorletzten, die befreit wurden.  Das KL Stutthof bei Danzig wurde 4 Tage später befreit.


Zuletzt von Dissident am Fr März 24, 2017 11:42 am bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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Evakuierungen von Mauthausen-Außenlagern

Beitrag von Dissident am Do Nov 03, 2016 4:37 pm

In Österreich wurden die östlich gelegenen KL-Außenlager zu Kriegsende aufgelöst und die transportfähigen Insassen Richtung KL Mauthausen evakuiert:

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#182   Außenlager ST. VALENTIN
--- Die alliierten Luftangriffe u. die damit verbundenen schweren Zerstörungen führen zur Auflösung des Lagers St. Valentin im April 1945. Die KZ-Häftlinge werden in das Stammlager Mauthausen u. nach Ebensee verlegt.

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#185   Außenlager AMSTETTEN
--- Am 18.4. löst die SS das Lager endgültig auf u. transportiert die noch verbliebenen 1.500 Häftlinge ebenfalls nach Mauthausen

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#186   Außenlager TERNBERG
--- Die SS löst das KZ-Außenlager am 18.9.1944 auf u. transportiert die Häftlinge ins Stammlager Mauthausen

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#189    Außenlager MELK
--- Zwischen 11. u. 15.4.1945 räumt die SS das Lager vor der herannahenden sowjetischen Armee - - - In mehreren Gruppen werden die Gefangenen mit Schiff, Bahn u. zu Fuß nach Mauthausen u. ins Außenlager Ebensee transportiert

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#191    Außenlager ST: AEGYD
--- Am 1.4.1945 wird das Lager gleichzeitig mit den Außenlagern im Großraum Wien geräumt. 301 Häftlinge werden mit der Bahn nach St. Pölten transportiert u. von dort zu Fuß nach Krems an der Donau getrieben. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Strafanstalt Stein geht der Transport mit der Bahn weiter. Am 4.4.1945 treffen die Gefangenen in Mauthausen ein. Im Zuge der Evakuierung kommen 4 Häftlinge ums Leben

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#192    Außenlager Wien-Schwechat (Heidfeld)
--- Am 1.4.1945 löst die SS die Arbeitskommandos in Wien-Floridsdorf auf - Häftlinge zu Fuß in Außenlager Steyr-Münichholz u. dann weiter ins Stammlager Mauthausen

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#193    Aussenlager Wien-Saurerwerke
--- Die SS löst das Lager am 2.4.1945 auf u. führt die Häftlinge zu Fuß ins Außenlager Steyr-Münichholz.  - - - Die Schwerkranken werden im Lager zurückgelassen u. wenig später von der sowjetischen Armee befreit

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#194    Aussenlager Wien-Schönbrunn
--- Anfang April 1945 werden Häftlinge u. Werkstatt in ein beschlagnahmtes Sensenwerk im oberösterreichischen Leonstein verlegt, wo sie die Arbeit fortsetzen müssen. Kurz vor der Befreiung von Mauthausen wird das Häftlingskommando ins Stammlager zurückgeschickt

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#195  Aussenlager WIEN-SCHWECHAT ("Santa")
--- 2 Fliegerangriffe im April u. Juni 1944 hatten für die KZ-Gefangenen verheerende Folgen, denn 176 von ihnen verloren ihr Leben --- Am 31.3.1945 löst die SS das Lager auf. Die Häftlinge werden nach Wien-Hinterbrühl transportiert. Am darauffolgenden Tag  1.884 Häftlinge zu Fuß von hier nach Mauthausen

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#196  Aussenlager HINTERBRÜHL
--- Ende März 1945 werden die Lager im Großraum Wien vor der herannahenden Roten Armee geräumt. Die KZ-Häftlinge aus Wien-Schwechat werden nach Hinterbrühl transportiert, Am 1.4.1945: 1.884 Häftlinge zu Fuß von hier nach Mauthausen - - -  1.624 kommen am 7. oder 8.4.1945 in Mauthausen an

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#197  Aussenlager WIENER NEUDORF
--- Am 2.4.1945 räumt die SS das Lager angesichts der herannahenden sowjetischen Armee. 39 marschunfähige Häftlinge werden ermordet. 2.518 KZ-Häftlinge müssen sich zu Fuß auf den Weg nach Mauthausen machen. Zumindest 53 Marschunfähige werden unterwegs erschossen, einige können fliehen. Am 13.4.1945 kommen 2.370 erschöpfte Häftlinge im Hauptlager an

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#198    Aussenlager HIRTENBERG
--- wird am 1.4.1945 vor der heranrückenden Roten Armee evakuiert. Die Häftlinge müssen die 170 km lange Strecke nach Mauthausen zu Fuß bewältigen - - - 48 Frauen wagen eine Massenflucht. Über ihr Schicksal ist nichts bekannt. 342 weibliche Häftlinge erreichen am 18./19.4. Mauthausen

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#199    Aussenlager WIENER NEUSTADT
--- Die SS räumt das Lager am 30.3.1945 angesichts der näher rückenden Roten Armee. Etwa 540 KZ-
Häftlinge im Lager müssen zu Fuß ins Außenlager Steyr-Münichholz u. weiter nach Mauthausen marschieren --- mind. 10 können fliehen. Am 9.4.1945 kommen 496 Häftlinge aus Wiener Neustadt in Steyr an

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#200   Aussenlager PEGGAU
--- Am 2.4.  Häftlinge gemeinsam mit jenen aus dem Außenlager Eisenerz zu Fuß nach Bruck an der Mur - - -  Von Bruck aus werden die Häftlinge in Güterwaggons nach Mauthausen transportiert, wo sie am 7.4. eintreffen. 21 Häftlinge kommen bei der Evakuierung ums Leben, 9 können fliehen

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#202   Aussenlager LEIBNITZ (Aflenz)
--- Anfang April 1945 löst die SS das Lager auf. Die 467 noch in Aflenz verbliebenen Häftlinge werden, begleitet von rund 50 Wachmännern, zu Fuß ins Außenlager Ebensee ---  kranke u. marschunfähige Häftlinge erschossen. Etwa 50 Häftlinge unternehmen einen Fluchtversuch. 407 Häftlinge erreichen am 18.4. Ebensee

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#205   Aussenlager SCHLOSS LIND
--- Am 3.5.1945 werden die Häftlinge in Richtung Mauthausen in Marsch gesetzt. Wegen der heranrückenden alliierten Streitkräfte müssen die Gefangenen jedoch wieder umkehren. Am 5.5. befreit die Österreichische Freiheitsbewegung das Lager. Am 11. oder 12.5. treffen britische Einheiten ein

http://doedr.forumieren.net/t48p50-mauthausen#206    Aussenlager KLAGENFURT
--- Am 6.5.1945 befiehlt die SS den Abriss der Häftlings- u. der SS-Baracke. Am 7.5. wird das Außenlager aufgelöst. Die Häftlinge werden ins Außenlager Loiblpaß transportiert

http://doedr.forumieren.net/t48p75-mauthausen#207   Aussenlager LOIBL Nord
--- Am 15.4.1945 schließt die SS das Lager nördlich des Loibls. Die Häftlinge werden ins Südlager gebracht

http://doedr.forumieren.net/t48p75-mauthausen#208    Aussenlager LOIBL Süd
--- Am 7.5.1945 müssen die Gehfähigen unter ihnen zu Fuß westwärts marschieren. Die Kranken werden im Lager zurückgelassen, jugoslawische Häftlinge entlassen. Am 8.5. befreien Partisanen die Häftlingskolonne nahe Feistritz

http://doedr.forumieren.net/t48p75-mauthausen#211  Aussenlager LENZING
--- Am 4.5.1945 verlassen Lagerführung u. Wachmannschaften das Lager. Am 5.5. übergibt der Werkleiter v. Lenzing das Lager an US-Soldaten

http://doedr.forumieren.net/t48p75-mauthausen#213   Aussenlager REDL-ZIPF
--- Am 2. u. 3.5.1945 räumt die SS das Lager vor der heranrückenden US-Armee. Marschunfähige Häftlinge werden mit LKW, die übrigen zu Fuß ins Außenlager Ebensee gebracht, wo sie am 6.5. die Befreiung erleben

http://doedr.forumieren.net/t48p75-mauthausen#216    Aussenlager WELS II
---  Am 13.4.1945 löst die SS das Lager auf u. überstellt die Häftlinge ins Außenlager Ebensee. Der SS-Lagerarzt in Ebensee meldet am 12.4. 19 Tote unter den Welser Häftlingen u. weitere 35 am 13.4.
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Prominente Häftlinge nach Südtirol

Beitrag von Dissident am Do Nov 03, 2016 4:49 pm

Ein Sonderfall einer Evakuierung waren die prominenten Häftlinge in Dachau, welche als Faustpfand für Verhandlungen als Geiseln nach Südtirol verbracht wurden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Befreiung_der_SS-Geiseln_in_S%C3%BCdtirol - - - Die zumeist prominenten Häftlinge waren als Geiseln der SS aus versch. KZ nach Südtirol verschleppt worden. Als Faustpfand sollten sie dort Kaltenbrunner, dem Chef des SD, für Waffenstillstandsverhandlungen mit den Westalliierten zur Verfügung stehen. Der Transport der 139 Häftlinge aus 17 Nationen Europas erfolgte in 3 Gruppen vom Sammelpunkt im KZ Dachau aus. Ende April 1945 wurden die Sippen- und Sonderhäftlinge in Niederdorf und in Prags befreit. --- Unter den Internierten befanden sich der ehemalige österr. Bundeskanzler Schuschnigg mit Frau u. Tochter, der ehemalige Wiener Bürgermeister Schmitz, der frühere franz. Ministerpräsident Blum mit Frau, der franz. Bischof Piguet, der ehemalige ungarische Ministerpräsident Kállay, der Oberbefehlshaber des griechischen Heeres, General Papagos mit Stab, die Agenten des britischen Geheimdienstes Best u. Stevens, die Theologen Neuhäusler u. Niemöller, der ehemalige Generalstabschef des deutschen Heeres, Generaloberst Halder mit Ehefrau, der General von Falkenhausen, der General Thomas, der Generalstabsoffizier von Bonin, der Adlige Philipp von Hessen, der Widerstandskämpfer u. Offizier von Schlabrendorff, der Großindustrielle Fritz Thyssen mit Ehefrau, der frühere Reichsbankpräsident u. Reichswirtschaftsminister Schacht, die Kabarettistin u. spätere Ordensschwester Vermehren sowie unter den Sippenhäftlingen der Widerständler des 20. Juli 1944 acht Familienangehörige von Oberst Stauffenberg u. 7 aus der Familie Goerdelers. ---
In Niederdorf/Hochpustertal ... gelang es einem der Gefangenen, Oberst von Bonin, Kontakt mit einer höheren Dienststelle der Wehrmacht in Italien aufzunehmen. Er nannte sowohl die Angehörigen des Transports als auch die Befehle der SS-Wachmannschaften, sie nicht lebend in die Hände des Feindes fallen zu lassen. Daraufhin befreiten Soldaten der Wehrmacht, die unter dem Kommando des Hauptmanns von Alvensleben standen, die Gefangenen am 30.4.1945 aus der Gewalt der SS. Die Wehrmacht übernahm den Schutz der befreiten SS-Geiseln und brachte sie ins Hotel „Pragser Wildsee“ --- Am 4.5.1945 trafen US-Truppen am Pragser Wildsee ein u. übernahmen die Gefangenen. ---
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Tragödie der Evakuierungszüge nach Dachau

Beitrag von Dissident am Do Nov 03, 2016 4:53 pm

Eine Tragödie war der Evakuierungszug nach Dachau:  http://doedr.forumieren.net/t96-kl-dachau#608

Hier ein Bericht über den letzten katastrophalen Evakuierungszug vom KL Buchenwald ins KL Dachau, es gab mehrere Züge...
Am 4.4.1945 befahl Himmler, die Häftlingszahl im KL Buchenwald soweit wie möglich zu verringern.
Der Zug mit 5.009 Häftlingen sollte zum KZ-Flossenbürg geleitet werden. Die Fahrdauer war mit 24 Stunden veranschlagt worden --- Er musste aber wegen der herankommenden Amerikaner nach Osten über die Tschechoslowakei ausweichen:
Dresden - Pilsen - Deggendorf - Nammering - Passau - Pocking - München - Dachau (siehe Planskizze unten)
(Am 27. April mittags u. 28. April um 1 Uhr nachts kommt der Todeszug in 2 Teilen in Dachau an)
Ich lasse viele Passagen weg, nicht weil ich manches verschweigen will, sondern um die Fakten nicht durch emotionale Eindrücke abzuschwächen.

http://www.nsaller.de/1994-Buch-erschienen/Darsonville-Frz_/darsonville-frz_.html --- Robert Darsonville, ehemaliger franz. Häftling berichtet: ---
Der Weg nach Weimar. Ich bin fast glücklich darüber, das Lager zu verlassen. Man evakuiert mit uns den Block 10 mit Franzosen, 2 Blocks mit Polen u. Ungarn, 2 Blocks mit Russen u. 1000 bis 1200 Mann des kleinen Lagers, insgesamt ca. 4500 Deportierte. Ich habe noch notiert: "Marsch nach Weimar nicht allzu schnell", aber die Transporte, die vor uns marschierten, haben furchtbar leiden müssen.... Tote entlang der ganzen Strecke, vom Lager bis zu den ersten Häusern der Stadt...    Es ist 18.30 Uhr. Man wirft uns in die Eisenbahnwägen: 80 Mann je Waggon u. 2 Brote für 3 Mann, 1 Päckchen Margarine für 5 Mann. In meiner Ecke mache ich mir Notizen.
Weimar, 8.4.1945. Abfahrt um 21.00 Uhr. 80 Mann in 1 Güterwagen. 4 Wachtposten je Waggon, zwischen den Wagen sitzend. Man hörte Geschützfeuer. Wir rollen uns zusammen. Es ist kalt. Ich habe große Kopfschmerzen. Es sind 4 Waggons Franzosen (Block 26). Die Nacht ist da. Es muß gegen 22.00 Uhr oder ein wenig später sein. Fliegertätigkeit ohne Rast. Bombardierung einer nahe gelegenen Stadt. Vielleicht Jena? Und die Bomben fallen... Ich habe das Gefühl, sterbenskrank zu sein. Aufenthalt auf freiem Feld. Wir schlagen die Richtung gegen Eger ein. Im Morgengrauen neuerlich  Fahrtunterbrechung in einem Tal, das mit Nebel bedeckt ist.
9.4.1945. Wir erhalten 1 Scheibe Wurst. Es ist unmöglich, sich auszuruhen. Wir passieren Leissling, Weissenfels, Zeitz, das 2 Tage nach unserer Durchfahrt besetzt wird. Es scheint, dass wir in Richtung Dachau fahren.... Tägliche Fliegertätigkeit. Nein, wir wenden uns nach Osten. Häufiger Fliegeralarm überall. Kommen in Glauchau an.
10.4.1945. Abfahrt von Glauchau im Morgengrauen. Wir passieren Chemnitz, das zu 2 Dritteln weggebombt ist. Nach den Angaben eines Eisenbahners 80.000 Tote bei 400.000 Einwohnern!
Wir verlassen die Eisenbahnhauptstrecke, passieren Reifland u. Wurschberg. Freundliche, sympathische Bevölkerung. Eine deutsche Frau weint. Berge, Flüsschen, sehr schöne Gegend. Passieren Flöha, Pockau, Lengefeld, Zöblitz. Überqueren die böhmischen Berge...3 Lokomotiven...Wohin kommen wir? Diskussion mit den Kameraden. Was sollen wir tun?... Abfahrt von Zöblitz um 18.55 Uhr. Reizenhain 19.55 Uhr. Nachts wird eine Stadt schrecklich bombardiert, etwa 30 km von uns entfernt.
11.4.1945. Sehr zeitig früh kommen wir in Komotau an, an der Grenze in die Tschechoslowakei. Wir haben Hunger. Wir verbringen hier einen Teil des Tages. Bei Sonnenuntergang einen Napf Suppe u. 1 Schnitte Brot erhalten. Nach 10 Minuten Fahrt halten wir auf einem kleinen Bahnhof. Priesen. Wir verbleiben hier die ganze Nacht u. einen Teil des nächsten Vormittags. Es ist sehr schönes Wetter. Ich bin noch in derselben Ecke wie bisher, u. wir rühren uns nicht vom Platz.
12.4.1945.Wir sind noch in Priesen u. werden durch den Volkssturm bewacht. Ein Viertel Liter Suppe, 1 Stück Brot, 1 Scheibe Wurst. Es gibt Szenen u. Streit bei der Verteilung. Wir halten unsere Kameraden zurück. Ich schreie wie ein wildes Tier... Ergebnis: Die SS teilt Hiebe mit dem Gewehrkolben aus. Mehrere blieben am Erdboden liegen. In der Nacht Gewehrschüsse u. Gebrüll... Ohne Zweifel sind einige junge Deportierte von den Waggons gesprungen.
13.4.1945. Noch immer in Priesen. Drohende Haltung der Volkssturmmänner... Ein Viertel Liter Suppe. Abfahrt um 15.30 Uhr... Passieren Kaaden, Brunnersdorf. Aufenthalt in Klösterle-Prechenitz. Wir bringen Tote aus den Waggons, 3 Fuhren, mehr als 150. Das ist nun die 4. Entladung. Die Ruhr wütet, auch unter den Franzosen. Wir passieren Schlackenwerth, Neudau, Dallwitz. Kommen in Kuttenplan an, wo wir die Nacht verbringen. 14.4.1945. Fahren in Richtung Plan bei Marienbad. Einige Waggons des Zuges kommen aber einige Stunden später wieder leer zurück. Wo sind unsere Kameraden geblieben? Wir haben seit 24 Stunden nichts zu essen bekommen. Die Wahnvorstellungen von Kochrezepten u. Speisekarten nahmen in gleichem Maße zu wie die Steigerung der Hungergefühle u. des Durstes. Abfahrt um 15 Uhr Richtung Tachau/Böhmen - Aufenthalt oder Ziel?..
15.4.1945. Wir sind den ganzen Tag in Tachau. Widersprüchliche Gerüchte... 1500 Häftlinge wurden vom Konvoi separiert u. nach Flossenbürg /? / in Gang gesetzt. Wahr oder unrichtig? Lebensmittelausgabe: Ein Brot für 4 Mann, 1 Päckchen Margarine, 1 Stück Käse. Unsere Waggons haben sich durch Disziplin ausgezeichnet. Die Müdigkeit ist grenzenlos. Wir erfahren den Tod von Roosevelt. Abfahrt um 20.45 Uhr. Wir fahren die ganze Nacht. 16.4.1945. Morgendämmerung. Es ist kalt. Wir sind in Rensperg, das wir gegen 7.15 Uhr verlassen. Wir erhalten eine 2. Lokomotive, passieren Neugramtin, Klentsche-Ober, Chodenschloß u. Mawlowitz - Richtung Pilsen. Werden von amerikanischen Jagdflugzeugen angegriffen. Zurück nach Klentsche-Ober.
12.00 Uhr. Eisenbahnschienen unterbrochen. Tschechoslowakei. Erstaunlicher Empfang durch die Bevölkerung des Dorfes. Verpflegung durch sie. Auseinandersetzung mit der SS. Entgegenkommen unserer Wächter, die die Verpflegung zulassen. Am Abend bringen die Frauen warme Suppe... aber die Nacht wird hart. Es gibt Fluchtversuche... Gewehrsalven ... Gebrüll der jungen SS-Leute.
17.4.1945. Noch immer Klentsche-Ober. Die Bevölkerung wirft uns Brot in die Waggons. Wir sind nur noch insgesamt an die Tausend. Täglich viele Tote... Gewehrfeuer auf einen Waggon mit Russen u. auf die tschechischen Zivilisten.
Die SS ist mehr und mehr entnervt. Wir fahren in der Dämmerung ab. In der Nacht passieren wir einen sehr langen Tunnel. Zahlreiche Fluchtversuche. Erschießungen. Viele werden wieder ergriffen, denn wir haben die Tschechoslowakei verlassen u. sind in Bayern, wo überall Volkssturm ist. Wir sehen, dass man Verwundete zurückbringt, die in die Waggons geworfen werden.
18.4.1945. Erwachen in Eisenstein, einem alten Grenzbahnhof zwischen der Tschechoslowakei u. Deutschland. Wir durchfahren Ludwigsthal, dann Regen, Deggendorf. Aufenthalt. Verpflegung: Brot u. Margarine. Herrliche Gegend... Eindrucksvolle Stille... Wir steigen aus den Waggons. Das Brot ist längst verschlungen. Verbringen die Nacht in den Waggons.
19.4.1945. Sind noch in Deggendorf. Man fühlt sich leer, tot... Die Nacht ist kalt. Was für eine schreckliche Nacht. Die einen sind mit den anderen zusammengepfercht. Wir sind zerschunden, zerschlagen. Und der Hunger! Gegen 7.30 Uhr müssen wir aus den Waggons... werden gruppiert, sortiert, selektiert wie Vieh. 27 Franzosen, darunter Karmarrec, Rey-Golliet, Chailloux, Pierro Carton, Hug'ele usw. Wir sind vorgesehen für ein Bauzugkommando ---
- - -
Der obige Bericht von Robert Darsonville endet beim 19.4. frühmorgens. Er kommt nicht nach Nammering, er wird einem Bauzugkommando zugeteilt u. muss zunächst in Plattling die zerbombten Gleise reparieren. Mit dem Bauzug geht es auf LKWs weiter zu mehreren Arbeitseinsätzen. Schließlich erreicht er Salzburg erst am 5.Mai.

http://www.nsaller.de/Halt-in-Nammering/Klossinger-Bahnhof/klossinger-bahnhof.html ---
Der damalige Bahnhofsvorsteher Heinrich Klössinger von Nammering hat  als unmittelbarer Zeitzeuge seine Beobachtungen aufgeschrieben am 23.12.1945
--- Am 17.4.1945 nachmittags kam ein Zug in 3 Teilen aus Richtung Deggendorf nach Bahnhof Nammering. Bei Abfahrt des Zuges vom Bahnhof Eging wurde mir von dem dortigen Fahrdienstleiter erklärt, dass es sich bei diesem Transport um KZ-Häftlinge aus dem Lager Buchenwald handelt. ---
Dieser Zug wurde hier hinterstellt u. dann 2 weitere Teile angefahren, so dass insgesamt 54 Waggons beim Bahnhof Nammering abgestellt wurden --- kam Obersturmführer Merbach ins Büro u. erklärte, dass hier ein Transport von 4500 Häftlingen aus dem Lager Buchenwald sei, u. dass er damit nach Dachau bei München weiter sollte.
Das war aber vorerst nicht möglich, weil ein vorausgefahrener Wehrmachtstransport zwischen Tittling u. Kalteneck die Böschung hinuntergestürzt war. Merbach erklärte, dass er mit dem Transport schon 14 Tage unterwegs sei; er habe aber bloß für 3 Tage Verpflegung gefasst, weil gerechnet worden war, dass er auf normalem Wege nach Dachau komme. Wie Merbach sagte, starben täglich Leute am Hungertod u. er habe schon 250 Tote in einem Waggon mitgebracht. Ich verwies Merbach an den Ortsbauernführer in Renholding, damit er auch Kartoffeln für die wehrlosen Menschen bekomme. Diese wurden auch angefahren, gekocht und an die Häftlinge verteilt.
--- Der hiesigen Bevölkerung wurde das Sterben der hungernden Menschen bekannt und auf Aufforderung eines Geistlichen wurde eine Sammlung von Lebensmitteln veranstaltet. --- Große Mengen wurden aus allen Richtungen herangebracht u. durch die SS an die Häftlinge verteilt. So konnte das Hungersterben etwas gelindert werden. --- Die Zahl der Toten belief sich schließlich auf ungefähr 800 Mann, worauf Obersturmführer Merbach die Beerdigung anordnete --- Am 23.4. u. 24.4. wurde der Rest der Häftlinge in 2 Teilen mit dem Zug nach  Pocking abgefahren, von wo er nach Dachau weitergehen sollte.

http://www.nsaller.de/Halt-in-Nammering/Pfarrer-Joh-Bergmann/pfarrer-joh-bergmann.html  Dann möchte das Pfarramt (Aicha) folgendes bekanntgeben:
Die allgemein bekanntgewordenen Vorkommnisse in Nammering haben unter der Bevölkerung vielfach Unruhe verursacht. Ein Zug von Häftlingen, der von einem Lager in ein anderes überführt werden sollte, u. der ursprünglich für die normaler Weise  vorgesehene Dauer der Überführung mit genügend Lebensmitteln versehen war, ist durch die Zerstörung von Bahnen u. Bahnhöfen ungewöhnlich lange aufgehalten u. auf Strecken gedrängt worden, die abseits des Bestimmungszieles lagen. Eine Verständigung des Zugkommandos mit den zuständigen Oberbehörden ist wegen Beschädigung von Telegraph u. Telefon nicht in der notwendig schnellen Weise möglich, so daß eine Nachlieferung von Lebensmitteln nicht zur rechten Zeit eintreffen konnte. Es sind Schritte unternommen worden, um den unliebsamen Zuständen abzuhelfen. Der Transport soll weitergeleitet werden, wenn nicht Unvorhergesehenes dazwischenkommt, heute abend schon. Bei Erreichung der Hauptstrecke soll auch wieder für Verpflegung gesorgt werden. Aber der Tag oder die paar Tage bis dahin sollen überbrückt werden.
Nach Rücksprache mit den zuständigen Stellen wende ich mich deshalb im Namen Christi an die Pfarrgemeinde: In jedem Haushalt ist trotz aller Knappheit eine Kleinigkeit zu erübrigen: einige Pfund Kartoffel, ein größeres Stück Brot, es muß ja kein ganzer Laib sein, ein paar Pfund Mehl u.s.w. ---
Die Sachen sollen bis heute Mittag dem Lagerkommando in Nammering, das bei Koller Wirt untergebracht ist, zur Verfügung gestellt werden. Wenn es auch Sträflinge sind, um die es sich handelt, und vielfach Ausländer, so sind wir doch nicht ihre Richter. Wenn sich die Leute in den Ortschaften und Dörfern zusammentun, bräuchten schließlich nicht alle einzeln nach Nammering gehen.
- - - Am Sonntag, den 22.4., überzeugte ich mich persönlich, dass die Gefangenen auch in den Genuss der gespendeten Lebensmittel kamen. Als dem Spender der Lebensmittel wurde mir erlaubt, unter die Gefangenen zu gehen, die voll des Dankes waren, dass sie nun wieder einmal genügend zu essen bekamen, u. zwar warmes, gekochtes Essen. Am Dienstag, den 24.4., wollte ich nochmals sammeln lassen, aber am Dienstag Abend ging die letzte Abteilung, 1100 Mann, nach Passau ab, nachdem am Montag, den 23.4., schon 2000 abtransportiert worden waren. Diesen Bericht erlaube ich mir zur Ehrenrettung meiner Pfarrgemeinde an das amerikanische Oberkommando einzureichen.

http://www.nsaller.de/Halt-in-Nammering/Andere-Zeugen/andere-zeugen.html --- Der damalige  Bahnhofsvorstand von Eging, Josef Rothauscher, schrieb später auf:
  "Etwa 100 Häftlinge kamen mit großen Bottichen zu mir, um Wasser zu  holen. Quälender Durst überall. Da habe ich die Ventile aller  Wasserkranen geöffnet; auch die für Lokomotiven, denn in Nammering gab es keine Wasseranlage. Als ich die Abfahrt  verzögerte, bedrohten mich Wachen ungarischer Herkunft. Ein  Fliegerangriff drohte. Während der Fahrt musste es zu einer Hungerrevolte  gekommen sein, bei der zwei Posten getötet wurden. Der SS-Kommandant  berichtete mir, dass die Niederschlagung des Aufstandes 400 bis 500 tote Häftlinge verursacht habe. Ich selbst sah drei Wachen, die noch  Verbände am Kopf trugen."
- - -
http://www.nsaller.de/Halt-in-Nammering/Andere-Zeugen/andere-zeugen.html --- Alois Bauer, Besitzer des angrenzenden Steinbruchs
Er war auch Bürgermeister von Nammering --- Am 19.4.1945 kamen auf dem Bahnhof Nammering 4 Züge mit Häftlingen. Als ich etwa um 9 Uhr an die Bahn kam, erlaubte mir ein Posten in einen Wagen zu sehen. Mit Schrecken sah ich, daß dort bis zu den Knochen abgemagerte Menschen waren. Auch hörte ich das Wimmern … in den Wagen. Als ich hernach in meinen Steinbruchbetrieb kam, waren dort soeben 2 Offiziere gewesen, welche auf eine Grube zeigten und sagten, daß sie Leichen zu vergraben hätten. Hierauf ging ich zu dem Transportführer des Zuges und wehrte mich gegen das Verbringen von Toten zu meinem Betrieb. Dieser Offizier wahrscheinlich ein Oberleutnant sagte, er sei in einer schlimmen Lage. --- Unser Pfarrer rief das Volk zum Spenden auf und es wurden größere Mengen Lebensmittel angefahren, so daß alle zu esse bekamen, aber die Sterblichkeit blieb groß, denn die Leute hatten vorher 7 Tage kein Essen. ---
Die Posten waren zum Teil Ungarn und gerade diese behandelten die Gefangenen roh --- Hätte das Volk nicht eingegriffen, wären alle verhungert. ---

Zeitzeugin Maria Simperl– handschriftliche Aussage am 26. Mai 1945:
--- fragte ich sofort meine Mutter was für eine Schießerei am Bahnhof wäre, worauf mich die Frau des SS Hauptsturmführers unterbrach mit den Worten: „Das sind nur Schreckschüsse.“ --- kam der Obersturmführer Merbach zu uns ins Lokal u. erklärte mir an Hand eines Transportbegleitscheines, daß er von Buchenwald mit 4.652  Justizverbrechern gekommen wäre u. weiter nach Lager Dachau müsse. Der Verpflegungszettel, soviel ich sehen konnte, lautete auf 2 Tage. Märbach erklärte vom Ortsbauernführer der Gemeinde Aicha vorm Wald 20 Zentner Kartoffel erhalten zu haben u. möchte diese bei uns für die Gefangenen kochen. Am selben Tage noch wurden von den Häftlingen unter Aufsicht von 2 Posten die Kartoffeln gekocht. --- Das Zerkleinern der Brote machte ich u. trug 2 Körbe voll zu den Wagons wo ich verteilte. Hier konnte ich sehen wie sich die Menschen vor Hunger untereinander sich selbst schlugen. ---

http://www.nsaller.de/Halt-in-Nammering/Andere-Zeugen/andere-zeugen.html  Dr. med. Ernst Dame über 25 Jahre Arzt in Fürstenstein
--- Die Behandlung durch die Posten war durchwegs roh. Es handelte sich offenbar um Leute mehrerer Nationalitäten (Russen, Polen und ..) Ich selbst habe nur mit einem jungen Arzt aus Wien gesprochen, der mich als Häftling mit einem erkrankten Posten in der Sprechstunde aufsuchte ---

Josef Dichtl, Landwirt in Nammering --- Er musste mit einem Fuhrwerk die Toten transportieren

--- Einer der Wachmannschaften, der nicht der SS angehörte sondern Infanterist war, sagte zu mir, daß er in diesem Krieg schon viel mitgemacht hat, aber solch etwas Grauenhaftes noch nicht gesehen hat. Er wäre viel lieber an der Front als bei diesen armen Gefangenen. Der SS-Feldwebel sagte zu mir, daß die Gefangenen alle gefährlich u. Schwerverbrecher wären u. wenn die Zivilbevölkerung einen Ausgebrochenen dieser Gefangenen einfängt, müßten sie ihn umbringen oder der nächsten Gendarmeriestation abliefern. ---
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Seuchen und andere ansteckende Krankheiten eingeschleppt

Beitrag von Dissident am Do Nov 03, 2016 5:25 pm

Mit den Evakuierungen wurden auch Seuchen und andere ansteckende Krankheiten eingeschleppt:

http://doedr.forumieren.net/t96-kl-dachau#428  --- Am 6.7.1944 kam der Todestransport aus dem Lager Compiègne in Dachau an, von 2521 Häftlingen waren bereits 984 tot -

November 1944 brach erneut eine durch einen Evakuierungstransport ins Lager eingeschleppte Flecktyphus-Epidemie aus. Die Sterberaten erhöhten sich, von 403 im Oktober 1944, auf 997 im November 1944, und 1.915 im Dezember 1944.
- - -
Seit Jahresbeginn 1945 bis in den April hinein trafen Evakuierungstransporte aus bereits geräumten Lagern ein - - - Ebenso traf Lagerpersonal ein, im Januar 1945 beispielsweise der später freigesprochene SS-Arzt Hans Münch. Die Überfüllung des Lagers beschleunigte die Typhusepidemie: Die Sterblichkeit lag im Januar bei 2903 Toten und stieg die folgenden Monate an. Das Krematorium wurde außer Betrieb genommen, ab dem 12.2. wurde mit Massenbestattungen auf dem Friedhof Leitenberg begonnen. Der Epidemie erlagen auch eine Reihe Ärzte und Pfleger - - -
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Freilassungen oder Übergabe von Häftlingen an das Rote Kreuz

Beitrag von Dissident am Do Nov 03, 2016 5:29 pm

Es gab zu Kriegsende auch vermehrt Freilassungen oder Übergabe von Häftlingen an das Rote Kreuz:

http://doedr.forumieren.net/t96-kl-dachau#428 --- Ende März wurden hunderte deutsche Geistliche entlassen; 170 blieben inhaftiert - - -

Am 4.4.1945 wurden im Rahmen der Rettungsaktion der Weißen Busse dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) dänische und norwegische Haftinsassen übergeben - - -
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Teil-Evakuierungen von Dachau und Dachau-Außenlagern

Beitrag von Dissident am Do Nov 03, 2016 5:31 pm

Teil-Evakuierungen von Dachau und Dachau-Außenlagern:
http://doedr.forumieren.net/t96-kl-dachau#428

Am 17. u. 24.4.1945 wurden einige Häftlinge ... Richtung Tirol transportiert - -  -

Am 23.4.1945 verließen die Arbeitskommandos zum ersten Mal nicht mehr das Lager.

Ein weiterer Evakuierungstransport fuhr mit Reichsbahn über Emmering–München–Wolfratshausen–Mittenwald nach Seefeld/Tirol. Die 2000 Häftlinge wurden am 4.5. befreit.

Ein anderer Evakuierungstransport fuhr mit Reichsbahn am 25.4. von Emmering über München, Wolfratshausen u. Kochel nach Seeshaupt/Starnberger See. Die 3000 Häftlinge konnten am 30.4. befreit werden.

Der Evakuierungstransport vom 26.4. über Emmering–München–Wolfratshausen–Penzberg–Staltach mit 1759 Juden konnte ebenfalls am 30.4. befreit werden.

Am selben Tag stoppten die US-Amerikaner einen Marsch von 6887 Häftlingen. Er hatte am 26.4. begonnen u. führte über Pasing, Wolfratshausen u. Bad Tölz zum Tegernsee  - - -

Am 27.4. wurden 2000 Häftlinge von Emmering aus mit der Reichsbahn auf einen Transport geschickt; ab Wolfratshausen mussten die Häftlinge zu Fuß marschieren. Nachts traf der Eisenbahnzug mit Häftlingen aus Buchenwald ein, von denen viele verhungert waren.
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Der Brünner Todesmarsch

Beitrag von Dissident am Mi Nov 16, 2016 2:50 pm

Die Todesmärsche unserer deutschen Volksangehörigen Crying or Very sad werden bei der sog. Vergangenheitsbewältigung fast totgeschwiegen.
Hier einige Berichte und Buchhinweise zum Brünner Todesmarsch:

http://doedr.forumieren.net/t142-tschechien#839
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Re: Evakuierungen von Lagern vor Anrücken der Roten Armee oder US-Armee

Beitrag von Dissident am Di Feb 07, 2017 6:01 pm

https://www.wien.gv.at/kultur/archiv/geschichte/gestapo/biografien.html -- Arbeitserziehungslager (AEL) Ober-Lanzendorf

Karl Künzel wurde am 8.9.1907 in Wien geboren. Er hatte seit 1933 Kontakt zu illegalen NSDAP-Mitgliedern. Ab Sommer 1942 war Künzel provisorisch, ab Sept. 1944 definitiv Leiter des Arbeitserziehungslagers (AEL) Ober-Lanzendorf der Gestapo.

Die Zahl der Häftlinge betrug 1942 circa 800 Personen. Am 4.4.1945 wurde das Lager aufgelöst.
Es kam zum "Ober-Lanzendorfer-Todesmarsch" unter seiner Leitung nach Mauthausen. Künzel brach mit ca. 450 Häftlingen auf u. kam am 16.4.1945 mit nur noch 175 Personen an --- 1950 wurde Künzel zu lebenslänglichem, schweren Kerker verurteilt. 1955 wurde er aus der Haft entlassen. Künzel starb 1983 in Wien.
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Re: Evakuierungen von Lagern vor Anrücken der Roten Armee oder US-Armee

Beitrag von Dissident am Do Jun 08, 2017 3:55 pm

http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1927

Lisa Mikova (1922-?) Am 30.1.1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, am 4.10.1944 weiter nach Auschwitz (Transport En). Bereits wenige Tage später wurde sie für einen Arbeitseinsatz selektiert. Mit einem Transport jüd. Frauen, zu dem auch Helga Weissová u. ihre Mutter gehörten, kam sie nach Freiberg in Sachsen, wo sie in einem Flugzeugwerk Zwangsarbeit leisten mußte. Dann wurde sie weiter nach Mauthausen deportiert, wo sie am 28.4.1945 ankamen. Hier wurde sie durch US-Truppen befreit. Lisa M. lebt heute in Prag.

Aus dem von Hans Joachim Wolter, .. Niedergeschrieben nach Tonbandaufzeichnung im Einverständnis mit Frau Mikova:
" .... wurden wir in den nächsten Transport nach Th. eingereiht .. kamen wir in Th. an. Die Männer wurden von den Frauen separiert ---
Ich heiratete. Das war eigentlich eine rein administrative Angelegenheit: Mein Name wurde auf der Karteikarte meines Mannes eingetragen, damit wir im Falle eines Transportes gemeinsam nach Osten weiterfahren konnten, .. Am 28.9.1944 verließ ein außergewöhnlicher Transport Th. 5.000 Männer im arbeitsfähigen Alter, darunter auch mein Mann. Er hatte in einer Widerstandsgruppe mitgearbeitet u. wurde deswegen als Strafmaßnahme in den Osten deportiert. Ich blieb allein zurück. 2 Tage später konnten sich die Frauen „freiwillig“ melden u. ihren Männern nachfahren. So wie viele andere meldete ich mich auch u. am 1.10.1944 fuhren wir in dieselbe Richtung wie unsere Männer, diesmal nicht im Viehwagen. Auf der Toilette stand: „Achtung Gas“. In der Nacht kamen wir in Auschwitz an .. Ich hatte nach ungefähr 2 Wochen wieder einmal Glück. Meine Cousine, meine Freundinnen u. ich wurden in einen Arbeitstransport eingereiht. Es ging zurück in dieselbe Richtung, aus der wir gekommen waren. Nach 1 Nacht, 1 Tag u. einer 2. Nacht hielt der Zug in Freiberg. Es war der 14.10.1944. Zuerst kamen wir in Quarantäne .. Dann begann die schwere Arbeit ..: Ich nietete mit meiner schwangeren Cousine Flugzeugflügel .. Im März gab es anscheinend Probleme, die fertigen Flügel wurden nicht abtransportiert .. Dann kam ein plötzlicher Aufbruch. Am 13. oder 14.4.1945 ging es wieder zum Bahnhof. Wir wurden in offene Waggons verladen u. fuhren ins Protektorat in Richtung Westen, vorbei an Bahnhofsschildern mit vertrauten Namen. Die Nächte waren kalt, manchmal schneite oder regnete es. Zu Essen bekamen wir nur manchmal. Ähnlichen Transporten begegneten wir auf der Strecke immer wieder. Dann hielten wir lange Zeit u. wurden in geschlossene Wagen umgeladen. Die Leute aus dem Ort brachten uns Essen. Wir sollten in unser Stammlager Flossenbürg. Dem tapferen Stationsvorsteher verdanken wir, daß der Transport trotz der Drohungen mit dem Revolver aufgehalten wurde. Wir fuhren weiter in Richtung Budweis. Niemand wusste, was in den Nachbarwagen geschah. Einmal am Tag wurde der Wagen mit dem Kommando „Tote raus“ geöffnet. Wir merkten, daß der Zug die Richtung änderte, u. dann standen wir im Bahnhof von Mauthausen. Es war der 29.4.1945 -- Am 5.5. wurden wir von der US-Army befreit, am gleichen Tag begann in Prag der Aufstand. Tschech. Häftlinge bewachten uns, im Lager wurde geschossen, mit Kapos u. Verrätern abgerechnet .. Wir siedelten in die SS-Baracken über u. nähten uns aus Bettbezügen u. Decken Blusen u. Röcke. Am 18.5. fuhren wir mit Bussen, begleitet von US-Soldaten, nach Budweis, wo wir mit Jubel empfangen wurden. Mit einem Sonderzug, wir waren fast 1.500 Personen, fuhren wir nach Prag .."

(gekürzte Version mit Schwerpunkt auf Transport)
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Re: Evakuierungen von Lagern vor Anrücken der Roten Armee oder US-Armee

Beitrag von Dissident am Mi Jun 21, 2017 3:35 pm

http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#1992

Grete Salus, lange in Th., wurde .. am 23.10.1944 nach Auschwitz deportiert, .. einige Tage später .. ins Lager Öderan verfrachtet, .. befand sich eine Patronenfabrik,
wo man arbeitete .. Am 14.4.1945 wurden die Häftlinge in offene Kohlenwagen verladen, in jeden Wagen ebenfalls Aufseherinnen. Geplantes Reiseziel war Mauthausen.
2 Tage hielt der Zug in Aussig, wo ein Tieffliegerangriff glimpflich verlief.
Dann stand der Zug 3 Tage lang in Leitmeritz (Litoměřice), pendelte daraufhin wiederholt zwischen hier u. Aussig.
Statt, wie geplant, die Frauen nun nach Dachau oder Flossenbürg zu evakuieren, ließ man am 21.4. in Litoměřice aussteigen u. führte sie ins Ghetto Th.
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Re: Evakuierungen von Lagern vor Anrücken der Roten Armee oder US-Armee

Beitrag von Dissident am Di Jul 18, 2017 4:46 pm

http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2069

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/s/szternfeld.htm L. Szternfeld war Gefangener im Krakauer Ghetto, kam dann ins Lager Plaszów u. Mai 1944 nach Groß-Rosen, 4 Tage später mit 250 Mann ins Außenlager Wüstegiersdorf, wo unter erträglichen Bedingungen für die Organisation Todt gearbeitet wurde. Am 16.2.1945 wurde das Lager geräumt, erst 4 Tage Marsch mit einem Laib Brot, dann 4 Tage mit der Bahn zu 120 Mann pro Waggon ohne Essen u. Trinken nach Flossenbürg. Auf der Fahrt gab es Tote .. Nach 2 Wochen ging es in ein „Grawinkiel“ genanntes Außenlager, wo unterirdische Magazine für die Hermann Göring Werke gebaut wurden. Am 30.3. überstand man ein arges Bombardement, am 3.4. wurde unter Beschuß u.a. Strapazen nach Buchenwald marschiert. 4 Tage später begann die 12tägige Bahnfahrt im offenen Waggon nach Theresienstadt. “Der Hunger war so schrecklich, daß die Leute die Leichen von jenen aßen, die vor Erschöpfung gestorben waren. Ich habe selbst gesehen, wie sie Fleisch abschnitten und verzehrt haben.“ Am 21.4. kam Szternfeld in Th. an.
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Re: Evakuierungen von Lagern vor Anrücken der Roten Armee oder US-Armee

Beitrag von Dissident am Mi Nov 22, 2017 10:40 am

Angesichts der massiven Bombardements der Bahnhöfe, Bahnlinien und des ausgefallenen Zugmaterials kann man sich vorstellen, unter welch erschwerten Bedingungen die Evakuierungen der KZ-Häftlinge vor sich gehen mussten. Dadurch verursachte Wartezeiten und Umleitungen von Transporten hatten viele Todesfälle unter den Häftlingen zur Folge.




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Re: Evakuierungen von Lagern vor Anrücken der Roten Armee oder US-Armee

Beitrag von Dissident am Sa März 31, 2018 8:27 am

http://noe.orf.at/news/stories/2904178/ - .. 1945, in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag (29.3.1945) begann ein Todesmarsch von 2.000 jüdischen Zwangsarbeitern von Bratislava (Pressburf) nach Bad Deutsch-Altenburg (Bezirk Bruck an der Leitha) ..

.. wurde das Lager Engerau, im heutigen Stadtteil Petrzalka von Bratislava gelegen, aufgelöst. Der Todesmarsch für die ungarischen Jüdinnen und Juden führte über Wolfsthal und Hainburg nach Bad Deutsch-Altenburg. Ziel war das KZ Mauthausen in Oberösterreich ..

.. Rabbi M. Kapustin .. sprach davon, .. dass mit dem Todesmarsch zum hohen Osterfest auch die monotheistischen Religionen diskreditiert wurden ..
(Anmerkung Dissident: ich denke, man darf vermuten, daß angesichts der anrückenden Roten Armee die Lagerleitung Engerau sich keine Gedanken um eine Terminwahl machen konnte, welche irgendwelche religiös-symbolischen Bedeutungen gehabt hätte.)


.. Einer von ihnen war Rudolf Pevny: „Seine sterblichen Überreste sind, so wie die der anderen 9 Personen, die auf der Gedenktafel angeführt sind, auf dem jüdischen Friedhof des Wiener Zentralfriedhofes bestattet worden. Im Exhumierungsprotokoll aus der Nachkriegszeit steht folgendes geschrieben: Die Leichen waren schlecht bekleidet, manche hatten überhaupt keinen Rock an. Sie trugen keine Schuhe an den Füßen ..
(Anmerkung Dissident: ich denke, man darf vermuten, daß bedingt durch die schlechte Versorgungslage zu Kriegsende nicht jeder Schuhe hatte, und plausibel wäre, daß weitermarschierende Häftlinge Bekleidungsstücke von Toten verwendeten, um ihre eigene schwierige Lage zu verbessern)

http://www.zeit-geschichte.com/wpckh/category/engerau/ - Ende Nov. / Anfang Dez.1944 kamen ca. 2.000 ungarische Juden mit Transport aus Bu­dapest am Bahnhof von Engerau (Petržalka, Bratislava) an. Sie wurden in Baracken, Bau­ern­hö­fen, Scheunen, Ställen u. Kellern der Ortsbevölkerung einquartiert u. mussten Skla­ven­ar­beit im Rah­men des so genannten Südostwallbaues leisten .. um die vorrückende Rote Armee in ihrem Vormarsch Rich­tung Westen aufzuhalten.
Das Lager Engerau bestand aus mehreren Teillagern, die von großteils aus Wien stammenden SA-Män­nern sowie von „Politischen Leitern“ bewacht wurden. Die Lebensumstände im Lager Engerau wa­ren katastrophal. Täglich starben Häftlinge an den menschenunwürdigen Bedingungen, an Hunger, Käl­te und Entkräftung. Andere wurden von Angehörigen der Wachmannschaft „auf der Flucht erschossen“, er­schlagen, oder waren zur „Liquidation“ freigegeben worden, wofür einige SA-Männer „zur besonderen Ver­wendung“ abgestellt waren. Eine von der slowakischen Regierung im April 1945 zusammengestellte Kom­mission exhumierte mehr als 500 Leichen, die auf dem Friedhof von Petržalka bestattet sind ..

Die Evakuierung des Lagers am 29. März 1945
.. Der Marsch der Gefangenen führte über Wolfs­thal u. Hainburg nach Bad Deutsch-Altenburg .. Auf dem Gelände des heutigen Kurparks in Bad Deutsch-Al­ten­burg mussten die ungar. Juden auf ihren Weitertransport warten ..Transport auf Schleppkähnen nach Mauthausen .. Nach 7-tägiger Fahrt wurden sie ins KZ eingewiesen. Aufgrund der dort vorherrschenden Überbelegung wurden sie auf einen weiteren Marsch von Mauthausen ins Wald­lager Gunskirchen bei Wels getrieben ..
Die Engerau-Prozesse
.. am 15.5.1945 erstattete einer der an den Verbrechen in Engerau beteiligten SA-Männer in Wien Anzeige. Diese zog die umfangreichsten u. am längsten andauernden gerichtlichen Ermittlungen in der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte Österreichs nach sich. 1945-1954 fanden in Wien .. zahlreiche Prozesse statt, 6 davon erhielten die Be­zeichnung „Engerau-Prozesse“. Der 1. Engerau-Prozess im Aug.1945 war gleichzeitig der erste Pro­zess wg. NS- Gewaltverbrechen in Österreich. In den 6 Engerau-Prozessen wa­ren 21 ehem. SA-Männer u. „Politische Leiter“ angeklagt. 9 von ihnen wurden zum Tode ver­ur­teilt u. hingerichtet, einer erhielt lebenslange Haftstrafe, einer 20 Jahre, einer 19 Jahre. 1 An­ge­klagter wurde freigesprochen ..

https://de.wikipedia.org/wiki/Petr%C5%BEalka - Petržalka (deutsch Engerau) .. Am 4.4.1945: Einnahme des Ortes durch die Rote Armee ..
Während der Zugehörigkeit zum Deutschen Reich entstanden hier große Rüstungsbetriebe (die 2 größten Fabriken Matador u. Kovosmalt wurden dem Wiener Semperit-Werk angeschlossen u. mussten auf Waffenproduktion umsteigen). Deren Zulieferbetriebe u. der Transportbedarf wuchsen erheblich, so daß 1941 die Strecke der Pressburgerbahn, die seit 1919 nicht mehr direkt bis in den Ort führte, wieder zum Bahnhof Engerau verlängert wurde. Ende Nov.1944 wurde von den NS-Machthabern ein Lager für jüdische Zwangsarbeiter in Engerau eingerichtet, das bis Ende März 1945 bestand. Von den ca. 2000 Häftlingen, die Schanzarbeiten am Südostwall durchführen mussten, starben mehrere Hundert an Erschöpfung, Hunger, Kälte oder wurden von österr. SA-Wachmännern bzw. politischen Leitern zu Tode misshandelt, erschlagen u. erschossen ..
.. Eine slowakische Untersuchungskommission exhumierte auf dem Friedhof von Engerau die sterblichen Überreste von mehr als 400 Häftlingen in 5 Massengräbern des städtischen Friedhofs .. Die deutsche Bevölkerung wurde nach 1945 aus Engerau vertrieben ..  Der kommunistische Politiker Gustav Husak sagte ..in Hinblick auf die Vertreibung der Deutschen: "Ich will deutsche Konzentrationslager sehen und keine deutschen Dörfer!" In der Engerau wurde bereits im April 1945 ein "Auffanglager" (Konzentrationslager) für die Deutschen die ausgesiedelt werden sollten, errichtet. Die inhaftierten Personen waren bis zu ihrem Aussiedlungstermin zur unentgeltlicher Arbeit verpflichtet. Sept.1945 sandte die Ortsverwaltung von Engerau dem Slowak. Nationalrat ein Memorandum in dem es heißt: "Das Lager ist unzureichend hygienisch ausgestattet wodurch massenweise Infektionskrankheiten ausgelöst werden. Der Mangel an Arztkräften u. Desinfektionsmitteln verursacht Epidemien, die sich nicht nur im Lager, sondern auch in der Ortschaft ausserhalb des Lagers ausbreiten. Bisher hatten wir 92 Todesfälle, die durch die Epidemie ausgelöst wurden. Da sich die Situation täglich verschlechtert u. täglich weitere Todesfälle zu erwarten sind, fordern wir die Auflösung des Konzentrationslagers." ..

http://www.nachkriegsjustiz.at/service/archiv/engerau_2005.php .. "Wie ich 2-300 Meter nach rückwärts gegangen bin, habe ich diesen Juden am Boden liegen gesehen. Er wollte auf, da bin ich hingegangen und wollte ihm helfen, ich habe ihn schon in der Höhe gehabt, da ist er wieder hingefallen, da habe ich ihn mit der Taschenlampe angeleuchtet und da habe ich gesehen, dass das Auge heruntergehängt ist. Da ist Neunteufel gekommen, ich habe ihm den Juden gezeigt, dass er sieht, wie sie die Leute hergerichtet haben, ich wollte dass er nach vorne kommt, aber er konnte nicht mehr. Darauf hat Neunteufel gesagt, ich soll ihn liegen lassen, er geht ohnehin drauf. Ich bin weggegangen, dann ist mir der Gedanke gekommen, ich kann den Menschen doch nicht liegen lassen, dann ist er erledigt, Hilfe gibt es nicht; daraufhin bin ich zurückgegangen und habe ihm mit meiner Pistole in die Schläfe einen Schuss gegeben; er war sofort tot." ..

.. Auffallend krankhafte Veränderungen fanden sich nur bei der Leiche 1 des Dr. Rudolf Pewny. Wie weit bei den anderen 9 Leichen solche krankhaften Veränderungen bestanden, konnte an den stark verwesten Leichen nicht mehr festgestellt werden. Nach den aufgefundenen krankhaften Veränderungen muß angenommen werden, dass Dr. Rudolf Pewny infolge der krankhaften Veränderungen des Herzens an Herzlähmung eines natürlichen Todes gestorben ist, wobei die Strapazen den Eintritt des Todes begünstigt haben können. Bei den Leichen 2-10 konnte ein gewaltsamer Tod durch Erschießen festgestellt werden ..
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Re: Evakuierungen von Lagern vor Anrücken der Roten Armee oder US-Armee

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