Freuds Psychoanalyse

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Freuds Psychoanalyse

Beitrag von Dissident am Do Dez 01, 2016 4:21 pm

(verwendete Abkürzung PA f. Psychoanalyse) --- Zur Person Sigmund Freud  und zur Psychoanalyse als "Lehre":
http://doedr.forumieren.net/t11p75-menschen-und-personalien#988  

https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud  Sigmund Freud (1856-1939) Sohn galizischer Eltern jüdischer Abstammung, wurde als Sigismund Schlomo Freud in Freiberg in Mähren geboren --- 1873 an der Uni Wien zum Studium der Medizin immatrikuliert --- 1881 .. zum Dr. der Medizin promoviert ---
Seine Studie über Kokain, für die er auch Selbstversuche unternommen hatte, wurde 1884 veröffentlicht --- er selbst nutzte über Jahre die therapeutische Wirkung des Kokains --- Während einer Studienreise nach Paris 1885 besuchte er u. a. die psychiatr. Klinik, wo Jean-Martin Charcot wirkte, ein bekannter Professor für Pathologische Anatomie, der die Hysterie als echte Krankheit diagnostiziert hatte u. Hypnose für ernste Zwecke der psychischen Heilung einsetzte. Dieser gab ihm Anschauungsunterricht über Hysterie, u. vermittelte ihm die Auswirkung von Hypnose u. Suggestion. Schon einige Jahre zuvor hatte der junge Freud auch den österr.-jüdischen Arzt Josef Breuer kennengelernt. Der Fall der „Anna O.“ (Bertha Pappenheim), die bei Breuer seit 1880 in Behandlung war, führte zur gemeinsamen Erarbeitung der sogenannten „Sprechtherapie“, einer Art Vorstufe der PA.
Freud erforschte u. benutzte den hypnotischen Zustand zunächst, um den „Zensor“ zu umgehen, der den Analytiker daran hindert, unterdrückte Erfahrungen aufzudecken, die seines Erachtens die Neurosen hervorbringen. Nach einem im Okt. 1886 gehaltenen Vortrag über männliche Hysterie schlug ihm heftige Kritik entgegen. Zu den Kritikern gehörte auch Theodor Meynert, der sich mit dem mit Freud zusammenarbeitenden Hypnosearzt Leidesdorf überworfen hatte. Meynert behandelte Freud, als sei er nur ein Hypnotiseur, der „als ausgebildeter Hypnosearzt arbeitet.“ ---

Schließlich wandte sich Freud von der Hypnose u. a. wegen der peinlichen Entdeckung ab, dass sich seine Patientinnen, als Nebenwirkung der hypnotischen Trance, in den Therapeuten verliebten. Im Anschluss entwickelte er als alternative Methode, um in unbewusste Bereiche vorzudringen, seine Behandlungsform, die vor allem auf freien Assoziationen der Patienten u. Traumdeutung beruhte, um die seelische Struktur des Menschen zu verstehen u. zu behandeln (Psychoanalyse). ---

Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert trat er der jüdischen B’nai-B’rith-Loge in Wien bei --- stand er später den zionistischen Aktivitäten in Palästina wohlwollend gegenüber --- Jahrzehntelang rauchte er ungefähr 20 Zigarren pro Tag. 1922 erkrankte Freud an Gaumenkrebs. 1923 wurden deshalb der rechte Oberkiefer u. Gaumen operativ entfernt, u. es musste eine Prothese eingesetzt werden. Im Laufe der folgenden 15 Jahre wurden 33 weitere, unterschiedl. schwere Operationen durchgeführt. Die Erkrankung verschlimmerte sich gleichwohl beständig bis zu seinem Tod. ---

Von „Psychoanalyse“ sprach Sigmund Freud erstmals im Jahr 1896, u. zwar als „dem etwas subtilen Ausforschungsverfahren von Josef Breuer“; diesem war es in der Behandlung von Bertha Pappenheim gelungen, deren Symptome aufzulösen, indem er Pappenheim die eigentlichen Traumatisierungen, die sich hinter ihren Symptomen verbargen, aufspüren u. aussprechen ließ. Es ging um die Benennung dessen, was sie tatsächlich an Verletzung, Kränkung, Ekel, Entwertung, Gewalt usw. erlebt hatte, jedoch aufgrund der „guten Erziehung“ nicht benennen durfte.
Breuers Vorgehen entsprach ziemlich exakt demjenigen des König Ödipus im Theaterstück von Sophokles: Ödipus durchdringt mit großer Aufrichtigkeit am Ende die wahren Zusammenhänge. Schiller hatte 1797 in einem Brief an Goethe den König Ödipus eine „tragische Analysis“ genannt, weil aus der Rückschau die Zusammenhänge aufgelöst werden. Möglicherweise schlug Breuer Freud vor, zur Betonung dieser Parallele das entwickelte Verfahren „Psychoanalyse“ zu nennen ---
Bis zum Sept. 1897 nannte Freud sein Verfahren mehrfach „Psychoanalyse“, hielt aber dabei immerhin an dem Prinzip der Breuerschen Behandlung fest, indem er seine Patienten Gewalterfahrungen erforschen u. benennen ließ. Jedoch war er in dieser Zeit einseitig fixiert auf Gewalt sexueller Natur, konkretisiert zuletzt als Vergewaltigung durch den Vater im Alter zwischen 2 u. 8 Jahren. Diesen Ansatz verwarf er dann im Sept. 1897 u. verkehrte ihn quasi in sein Gegenteil: Jetzt erwog er, die außer Kontrolle geratenen triebhaften Wünsche u. Phantasien des Kindes gegenüber seinen Eltern seien der Ursprung zahlreicher Störungen ---

1902 wurde er zum außerordentl. Titularprofessor ernannt, nachdem seine Patientin Baronin Marie v. Ferstel den Minister Wilhelm v. Hartel mit der Schenkung eines Kunstwerks dazu 'angeregt' hatte. Im gleichen Jahr gründete Freud die „Psychologische Mittwoch-Gesellschaft“, aus der 1908 die Wiener Psychoanalytische Vereinigung hervorging --- 1910 gründete er die „Internat. Psychoanalytische Vereinigung“ (IPV), es folgten 1911 die „amerikan. psychoanalytische Vereinigung“ sowie 1919 die „britische psychoanalytische Vereinigung“ ---
1906 tritt Freud in einen Briefwechsel mit seinem Fachkollegen Carl Gustav Jung ein -- Freud möchte in Jung seinen „Kronprinzen“ sehen, schon deshalb, damit man seine ohnehin stark angefeindete Lehre nicht als eine jüdische Angelegenheit abtun kann. 1909 reist Freud mit Jung u. Ferenczi auf Einladung dortiger Interessenten an seiner Lehre in die USA. 1910 wird Jung zum Präsidenten der Internat. Psychoanalytischen Vereinigung gewählt. 1913/14, nachdem sich schon 1911 Alfred Adler von Freud getrennt hatte, kommt es auch zum Bruch mit Jung ---
1934 wurde in Österreich die Demokratie in einen klerikalfaschistischen Ständestaat transformiert. Freud scheint die Gefahr, die ihm drohte, nicht ausreichend wahrgenommen zu haben. Er meinte zunächst, der reaktionäre Katholizismus in Österreich sei der damals beste Schutz gegen die Nazis. In Verkennung des Ernstes der Lage ließ er sich sogar zwecks Fortbestands der PA in Deutschland auf allerlei organisatorische Kompromisse mit den Nationalsozialisten ein. In dieser Zeit verschärfte sich auch Freuds Konflikt mit dem – zu dieser Zeit – kommunistisch orientierten Wilhelm Reich, einem ursprünglich von ihm geschätzten Schüler ---

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich wurde seine Tochter Anna Freud durch die Gestapo verhört -- Als Anna wieder heimkommen konnte, war ihr Vater schließlich überzeugt, dass es Zeit sei, das Land zu verlassen. Einflussreiche Anhänger wie sein späterer Biograph Ernest Jones u. seine Patientin u. Schülerin Marie Bonaparte initiierten diplomat. Druck von Seiten Großbritanniens u. der USA, sodass Freud u. die meisten seiner Familienmitglieder nach Zahlung der (von Marie Bonaparte vorgestreckten) „Reichsfluchtsteuer“ ausreisen konnten. Freud erstattete den Betrag später in London zurück. Um ausreisen zu dürfen, unterschrieb er folgende Erklärung: „Ich bestätige gerne, dass bis heute, den 4.6.1938, keinerlei Behelligung meiner Person oder meiner Hausgenossen vorgekommen ist. Behörden u. Funktionäre der Partei sind mir u. meinen Hausgenossen ständig korrekt u. rücksichtsvoll entgegen getreten.“ -- Am 4.6.1938 emigrierte er mit seiner Familie über Paris nach London ---
Nach gut 1 Jahr ließ er seinem Leben durch seinen Hausarzt ein Ende setzen. Er war vom Krebs schwer gezeichnet, konnte kaum noch sprechen u. verlangte von seinem Arzt Sterbehilfe. Am 23.9.1939 um 3 Uhr morgens stellte Max Schur nach einer von Freud gewünschten tödlichen Dosis Morphin dessen Tod fest ---

.. waren die Freudschen Theorien von Anfang an unterschiedlichster Kritik ausgesetzt. Diese Kritik hält bis heute an, wobei allerdings zu beachten ist, dass die PA seit Freud in vielfältige Richtungen weiterentwickelt wurde u. in ihrer aktuellen Ausprägung nicht in allen Punkten mit den Auffassungen Freuds übereinstimmt ---
Für am Kritischen Rationalismus orientierte Wissenschaftler sind die Aussagen Freuds zu wenig wissenschaftlich fundiert, d. h. zu wenig empirisch. So sei auch festzustellen, dass einige Versuche, die Aussagen der PA empirisch zu überprüfen, gescheitert seien. Eine ähnliche Kritik an der PA besagt, dass sie nicht in hinreichendem Maße (natur-)wissenschaftlich formuliert sei, um überhaupt empirisch überprüfbar zu sein (vgl. Falsifikationismus). Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass versch. Annahmen der PA empirisch nicht bestätigt werden konnten ---
Das vielleicht größte ungelöste Problem der Theorie Freuds ist, daß er sich oft widerspricht, manchmal sogar in derselben Publikation. Beispielsweise in der Traumdeutung, die immer noch als ein Eckpfeiler der PA gilt u. vielleicht am wenigsten umstritten ist, behauptet Freud kategorisch, dass alle Träume immer auf infantilen Wünschen beruhen u. meistens sexuell motiviert seien. Gleichzeitig sind seine Beispiele u. Deutungen (vor allem eigener Träume) oft (fast ausschließlich) weder infantil noch sexuell motiviert --- benannte er viele innerpsychische Komplexe nach Vorbildern der griechischen Mythologie ---

Häufig bezweifelt wird auch Freuds Theorie vom sogenannten „Penisneid“: Dieser stehe in der psych. Entwicklung von Mädchen symmetrisch der „Kastrationsangst“ der Jungen gegenüber. Freud vertrat die Auffassung, dass psych. fehlgeleitete Handlungen von Frauen oft auf eine mangelhafte psych. Verarbeitung der Beobachtung zurückgingen, dass ihnen der Penis eines Jungen unerreichbar fehle, woraus ein Gefühl des Neides resultiere. Auch Freuds Aussage, dass Frauen, die durch Stimulation der Klitoris Orgasmen erleben könnten, unreif seien, ist vom wissenschaftlichen Standpunkt aus nicht mehr haltbar ---

Unveröffentlichte Schriften
Eine sehr große Sammlung von Originalschriften u. Briefen Freuds befindet sich in der Sigmund Freud Collection der Library of Congress in Washington. Aus nicht näher genannten Gründen sind insbesondere Briefe, die Freud verfasst hat, teilweise bis über das Jahr 2060 hinaus unter Verschluss. Insbesondere für die Einsicht in Freuds Briefe benötigt man eine Sondergenehmigung des Leiters der Handschriftenabteilung nach Absprache mit den Sigmund Freud Archives in New York, welche aber nur in Ausnahmefällen erteilt wird. Für eine Reihe von Briefen gibt es nicht einmal ein Freigabedatum.
Für die wissenschaftl. Beschäftigung mit Freud ergibt sich daraus ein Problem: Zu Korrekturen u. Auslassungen in früheren Veröffentlichungen seiner Schriften, wie etwa in den 1950 erschienenen Briefen von Freud an Wilhelm Fließ, besteht kein Zugang. In den Veröffentlichungen dieser Schriften hatten seine Tochter Anna Freud u. Ernst Kris zahlreiche Retuschen vorgenommen, wie Jeffrey Masson im Jahr 1985 nachweisen konnte.

http://www.zeit.de/campus/2015/02/sigmund-freud-psychoanalyse-leben --- Kritiker sagen, seine Theorien seien zu spekulativ u. viel zu sexlastig ---
Als junger Forscher nutzt er .. Kokain, zu der er auch seiner Verlobten rät – als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden ---
Leserkommentare:

"Egomane und schlechter Arzt
Ist das schon Wissenschaft, eine autobiografische Erkenntnis ("als Junge auf seinen Vater eifersüchtig u. in dessen junge Frau, seine Mutter, verliebt") für allgemeingültig zu erklären????? Nicht wenige kritische Auseinandersetzung mit Freud, seiner Persönlichkeit, seiner Lehre u. deren Zustandekommen, bzw. späteren Mythologisierung haben aufgezeigt, dass wir es hier mit einer doch recht schillernden Persönlichkeit mit einer ebenso hinterfragbaren "Wissenschaft" zu tun haben. Was wenigen bewusst ist: Freud stand (zumindest zeitweise) unter Kokaineinfluss, hatte ständig Geldsorgen (so dass er Schulden machen, bzw. Geld leihen musste), griff beherzt auch zu Lügen, wenn es ihm nützlich erschien, u. zeigte sich äußerst kreativ, aber auch selbstherrlich hinsichtlich seiner "Schlussfolgerungen" u. "Ergebnisse". Er war ein Karrierist, Hochstapler, Egomane u. schlechter Arzt. Alles das kann man nachlesen, wenn man sich nicht nur auf den Heldenmythos der Psychoanalytischen Gesellschaften verlassen will.
"Das war Freuds Arbeitsmethode", schreibt bspw. Han Israels, "wenn er auf eine einfache, aber bedeutsme Tatsache stieß, fühlte u. wusste er, dass sie in einen universalen Zusammenhang gehörte, u. er dachte nicht daran, statistisches Material über die betreffende Frage zu sammeln" ("Der Fall Freud", S. 121)..."

"Vehemente Kritik am (angeblichen) Ödipuskomplex u. seinen traumatisierenden Folgen insbesondere für Betroffenen von so genanntem sexuellem Missbrauch in der Familie übt schon seit vielen Jahren der Psychologe Klaus Schlagmann. Trotz fundierter Analyse prallt er mit seiner berechtigten Kritik bislang in den einzelnen Fachkreisen u. bei Publikationsverantwortlichen regelmäßig ab. http://www.oedipus-online..."

"Anmerkung: Ich schreibe "sogenanntem sexuellem Missbrauch", weil der richtige Begriff "sexualisierte Gewalt an Kindern" oder "sexuelle Kindesmisshandlung" wäre. "Sexueller Missbrauch" ist ein Terminus, der von der überwiegenden Zahl der Betroffenen abgelehnt wird, deshalb "sogenannter sexueller Missbrauch"!"

"Freud´s Erkenntnisse u. Leistungen nach 100 Jahren zu kritisieren ist sehr kurzsichtig. Seine Erkenntnisse muss man auf die damal. Zeit beziehen u. waren definitiv eine herausragende Leistung. Unglaublich wieviele Menschen heutztage meinen, sie wüssten es besser, oder hätten es besser gewußt. Das wäre als wenn man den Erfinder des Ottomotors diskreditieren würde, warum er 1862 noch keinen Hybridantrieb mit 3L Verbrauch u. 450 PS hingekriegt hat."
Antwort darauf:
"Ähem, aber das ist doch genau das Problem der "Lehren" von Freud, bzw. der PA: dass sie noch immer an eben den alten "Motoren" festhält (u.a. Ödipus-komplex, Kastrationsangst, Sublimierung, u.v.m.). Mal ganz abgesehen davon, dass es heute überhaupt keinen Hybridantrieb gäbe, hätte der Erfinder des Ottomotors sich alles so zusammengedichtet u. zusammenspekuliert wie es ein Herr Freud getan hat. Der Vorteil von Herrn Freud u. seinen "Erkenntnissen" gegenüber dem Erfinder des Otto-Motors war/ist, dass sie weniger überprüfbar sind u. einfach geglaubt werden mussten.

Ich schrieb bereits: Jenseits der Heroisierung u. Legendenbildung durch die eingefleischten Anhänger der PA gibt es weit kritischere Töne zu Herrn Freud u. seinen angeblich "herausragenden Leistungen". Leider werden diese bis heute mehr oder weniger ignoriert, vielleicht, weil es so viel einfacher ist, an die "Experten" einfach zu glauben.
"Von den über 600 Studien der Freudschen Theorien, die [Paul] Kline erfasst, kamen bei großzügiger Zählung knapp 100 zu positiven Ergebnissen. Die anderen 500 widersprachen den Freudschen Theorien, oder sie waren für diese entweder irrelevant oder so mangelhaft, dass ihnen weder ein Pro noch ein Kontra zu entnehmen war" (D.E. Zimmer, "Tiefenschwindel", S. 134).
Im selben Werk findet sich folgendes Zitat: "Die Psychoanalyse ist die Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält" (Karl Kraus; ebda S. 57)"

"Alle Hauptthesen von Freud sind widerlegt. Das, was brauchbar ist, lässt sich bequem in andere Schule integrieren bzw. wurde von denen besser erklärt.
Wir brauchen die PA nicht. Freudianer richten großen Schaden bei den Patienten an."

"Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, munter daraufloszuphantasieren, dann spekuliert es sich schnell ganz ungeniert. So mischen sich in der PA feinsinnige Beobachtungen, tatsächliche wissenschaftliche Ergebnisse, wilde Vorstellungen, unzulässige Verallgemeinerungen, Amateurpsychologie u. Salonblödsinn in einer nicht mehr durchschaubaren Weise." (Prof. Dr. med. Dipl-Psych. Borwin Bandelow: Das Angstbuch, S. 158)
"Warum aber haben sich die Psychoanalytiker jahrzehentlang gewehrt, eine wissenschaftliche Überprüfung ihrer Theorien zuzulassen?..........(Auslassung von mir) Die empirische Vorgehensweise versuchte, durch sehr ausgefeilte Methoden die Erkundung der menschlichen Seele von den Traumtänzereien auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.......(Auslassung von mir) Dieser Wissenschaftszwei wurde von der Psychoanalytikern jedoch völlig ignoriert."(ebd. S 158)"

"Andere, die draufgekommen sind
Zitat: „…u. anscheinend ist ja kein anderer vorher darauf gekommen“. Da sehen Sie mal, wie gut es Freud (später seinen Jüngern) gelungen ist, sich selbst zu vermarkten.
Von Okt. 1885 – Feb. 1886 war Freud im Rahmen eines Stipendiums bei Jean Martin Charcot an der Pariser Salpêtrière. Während man in Wien u. anderen medizin. Zentren noch der Ansicht war, „Hysterie“ sei keine richtige Krankheit, betrachtete Charcot die Hysterie als eine neurotische Störung „mit Beziehung zum Genitalsystem“, die er – wiederum in vollem Gegensatz zu vorherrschenden medizin. Vorstellungen – auch bei Männern feststellte. Seine Behandlungsmethode war ebenfalls ungewöhnlich: Er verwendete Hypnose, um die Symptome zu beeinflussen. Bereits 4 Jahre zuvor hatte Freud bei seinem Freund Josef Breuer ein als „kathartische Methode“ bezeichnetes ähnl. Behandlungsverfahren kennengelernt. Freud u. Breuer veröffentlichen ein Buch, in dem sie behaupten, dass Hysterie vor allem sexuelle Ursachen habe. 1887 fand Freud in dem HNO-Spezialisten Wilhelm Fließ jemanden, der sich von der Sexualtheorie der Neurosen nicht abgestoßen fühlte (wie der große Rest der Medizinerschaft damals). Der Grundgedanke des HNO-Arztes war, dass es eine Beziehung zwischen Nase u. Genitalien gäbe u. dass bestimmte neurotische Symptome nicht nur auf Störungen der Sexualfunktionen, sondern auch auf Nasenbeschwerden zurückzuführen seien. (Quellen können nachgereicht werden)"

".. verkennen den Kern der Kritik an der PA u. Freud. Es geht nicht darum, ob jemand glaubt, es besser gekonnt zu haben. Es geht um eine fundamentale Kritik am Zustandekommen einer (angeblichen) „Wissenschaft“ u. Behandlungsmethode, die VON BEGINN AN mehr Schaden als Nutzen für die Behandelten gebracht hat. Viele kluge Wissenschaftler haben sich bereits mit dem Phänomen Freud u. PA auseinandergesetzt u. sind aufgrund fundierter Analysen all der Originalarbeiten u. Materialien, die versch. Kommentatoren glauben zum „besseren Verständnis der PA“ empfehlen zu müssen, wiederholt zu dem Schluss gekommen, dass die PA keinen wissenschaftlichen Kriterien entspricht. „[Freud] war offensichtlich entschlossen, um seine Person u. seine Leistungen eine Legende zu bilden. Mit Unterstützung ergebener Gefolgsleute gelang es ihm, die Welt mit dieser durch u. durch unaufrichtigen Selbstdarstellung zu beeindrucken“, so einer der schärfsten Freud-Kritiker, H.J. Eysenk („Niedergang und Ende der Psychoanalyse“, 1985, S. 27)"

"Eysenk, der viele Jahre zur PA u. zu Freud geforscht hat, ist beileibe nicht der Einzige (auch nicht der Letze, um den üblichen „ist doch veraltet“-Behauptungen der Freudianer gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen), der einen „völligen Mangel an wissenschaftlicher Einstellung bei Freud“ kritisiert: „Naiv verlässt er sich auf Deutungen spekulativster Art, vernachlässigt, ja missachtet die aus Beobachtungen u.a. Quellen gesicherten Tatsachen, versäumt, alternative Theorien in Erwägung zu ziehen, u. glaubt schließlich messianisch an seine eigene Unfehlbarkeit“ (ebda, S. 122).
Han Israels hat bei seinen Forschungen über Freud u. die PA herausgefunden, daß man es bei Freud mit einer Person zu tun hat, „die auch vor Handlungen nicht zurückschreckte, die im Widerspruch zu den elementarsten Geboten der Wissenschaft stehen“ („Der Fall Freud“, S. 12).
Dieter E. Zimmer ("Tiefenschwindel", 1990) schreibt: „...man muss sich den Wust an Quacksalberei schon vergegenwärtigen, wenn man fragt, wie sicher der wissenschaftliche Boden ist, aus dem Freuds Theorie erwuchs“ (S. 168)"

"... PA-Verteidigern, die auffallend dazu neigen, nicht zu argumentieren, sondern persönlich zu werden. Warum nur?"

"Die Methode der freien Assoziation als solche stammt ursprünglich von Sir Francis Galton, einem gefeierten englischen Naturforscher u. einem der Begründer der Londoner Schule der Psychologie. Freud war damals Abonnent der Fachzeitschrift „Brain“ u. dürfte daher fast mit Sicherheit Galtons Werk gekannt haben, schreibt Hans Jürgen Eysenk (1985). Es sei typisch für Freud gewesen, schreibt Eysenk, „allgemein in der Anerkennung von Beiträgen seiner Vorgänger sehr sparsam“ zu sein, „ganz gleich, wie direkt sie sein eigenes Werk vorwegnahmen“ (S. 26)."

"...  wenn sich die PA als Wissenschaft verstanden wissen will! – genau das Gegenteil der Fall: Methoden, Erkenntnisse und/oder Schlussfolgerungen müssen GERADE von Außenstehenden überprüfbar und wiederholbar sein! Alles andere hat mit Wissenschaft einfach nichts zu tun!"


Zuletzt von Dissident am Fr Dez 02, 2016 11:13 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Was ist von der Psychoanalyse zu halten?

Beitrag von Dissident am Fr Dez 02, 2016 10:47 am

http://www.gwup.org/infos/themen/66-gesundheit/71-psychoanalyse --- Was ist von der Psychoanalyse zu halten? (verwendete Abkürzung PA f. Psychoanalyse)

Freuds Annahmen wurden von seinen Schülern zunächst kaum in Frage gestellt, ernstzunehmende Kritik an zentralen Punkten trat innerhalb der Szene erst nach seinem Tod (1939) auf. Moderne Psychoanalytiker haben Freuds Theorie weiterentwickelt u. sich dabei von einigen Grundannahmen wie dem Penisneid u. dem Aggressionstrieb klar distanziert. Insofern weichen moderne PA-Formen von Freuds Theorie ab. Dennoch haben die PA u. die meisten tiefenpsychologischen Verfahren die gleiche theore-tische Grundlage. Vorausgesetzt wird, dass frühere, unbewusste Konflikte von zentraler Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung sind u. deren Aufdeckung therapeu-
tisch wichtig ist. Doch diese u. zahlreiche andere Hypothesen werden seit Jahrzehnten stark kritisiert. Psychoanalyseanhänger konnten die gewichtigsten Kritikpunkte bisher nicht überzeugend entkräften. Nur auf argumentativen "Nebenkriegsschauplätzen" gelang es ihnen, Schwachpunkte der Freud-Kritik aufzuzeigen (Köhler 1996).

Seit den 1970er Jahren nahm die Kritik an Freud zu (Eysenck 1985, Sulloway 1982, Webster 1995, Crews 1998). Dies ist sicherlich auch darauf zurückzuführen,dass sich Freuds Anhängerschaft nach ihrer teuren u. aufwändigen Ausbildung als elitärer Kreis verstand, der sich trotz der fehlenden Evidenz der PA im Besitz einer Art Geheimwissens glaubte. Doch auch bei Nicht-Psychoanalytikern steht die PA hoch im Kurs: Der Bonner Psychologe Rolf Degen (2000) schrieb dazu "Besonders bei geisteswissenschaftlich orientierten Intellektuellen u. im Feuilleton gilt die PA immer noch als eine Insignie der höheren Denkungsart (...), u. dies trägt sicherlich auch dazu bei, dass die PA weiterhin so bekannt ist, obwohl die moderne Psychologie mit ihr nur wenig anfangen kann".

Freud betrachtete die PA ursprünglich als Naturwissenschaft. Im Laufe der Zeit kam es jedoch zu einer "hermeneutischen Wende". Je mehr empirische Fakten gegen die Annahmen der PA sprachen, desto stärker wandelte sich diese zu einer Art "Verstehenskunst". Die bedeutendsten Vertreter der psychoanalytischen Hermeneutik sind keine Psychologen oder Ärzte, sondern Philosophen (Beispiel: Jürgen Habermas), denen die empirische Prüfung der Aussagen der PA nicht relevant erschien. Eine rein hermeneutische Betrachtung der PA wird ihr indes nicht gerecht, denn sie macht als wissenschaftliche Theorie zahlreiche empirisch überprüfbare Aussagen. Eine wissenschaftl. Theorie muss grundsätzlich widerlegbar sein, sie muss ferner so angelegt sein, dass sich widersprechende Tatsachen festgestellt werden können. Wenn sie jedoch grundsätzlich Methoden anwendet, die eine mögliche Selbsttäuschung nicht erkennbar machen, dann sind große Bedenken anzumelden.

Inzwischen ist wohl jeder relevante Aspekt der PA zum Thema heftiger Debatten geworden. Eine zentrale Kritik besagt, dass die klassische PA aus methodischen Gründen nicht als empirische Wissenschaft akzeptiert werden kann, da ihre suggestive Wirkung in der Therapiesituation selbsterfüllende Prophezeiungen produziere. Akzeptiert der Patient die Deutung, wertet der Therapeut dies als Bestätigung. Widerspricht er ihr, sucht der Therapeut nach unbewussten Widerständen gegen die Interpretation u. fühlt sich gleichfalls bestätigt. Dies führt zu dem Vorwurf der theoretischen u. methodischen Immunisierung gegen Kritik. Ein weiterer Kritikpunkt besteht in der Tatsache, dass die psychoanalytische Persönlichkeitserklärung auf Erinnerungen an Kindheitserlebnisse beruht, denn diese bilden keine objektiv wahren Ereignisse ab. Sie werden, wie andere Erinnerungen auch, fortlaufend neu konstruiert, sodass das Erinnerte in manchen Fällen erheblich vom wirklich Geschehenen abweicht (Asendorpf 2004). Die Psychologien Elizabeth Loftus belegte eindrucksvoll, wie Erinnerungen erzeugt werden können. Kritik erfolgte auch an der therapeutischen Praxis der PA, die zu langwierig u. teuer sei, während der Nutzen nicht überzeugend belegt sei. Doch auch die Kritik an Freuds Fallgeschichten erschütterte die Psychoanalyseszene. Als Beispiel sei der bekannte Fall des Wolfsmannes genannt, der angeblich von Freud geheilt wurde.

Zum Weiterlesen
Im Folgenden stellen wir eine Auswahl kritischer Bücher zum Weiterlesen vor. Ausführliche Literaturempfehlungen finden Sie in den aufgeführten Werken.

Ein bedeutender Kritiker der Psychoanalyse ist der Amerikaner Frederick Crews, Prof. für engl. Literaturwissenschaft. Er sorgte mit 2 Aufsätzen Mitte der 1990er Jahre für Beachtung auch außerhalb der PA-Zunft, da seine Freud-Kritik in der New York Review of Books erschien, deren Leser der PA sehr zugeneigt sind. Besonderes Aufsehen erregte, daß er Freud Unaufrichtigkeit u. Feigheit vorwarf (Horgan 2000). Crews hat 1998 in engl. Sprache ein Sammelwerk veröffentlicht, in dem 18 Experten, darunter Frank Sulloway u. Frank Cioffi, in ihren Essays Freuds menschliche u. wissenschaftliche Schwächen aufzeigen.
Crews, F. (Hrsg, 1998): The unauthorized Freud - Doubters Confront a Legend. Viking Adult, New York.

Den hermeneutisch orientierten Anhängern der PA sei insbesondere die Kritik von Grünbaum empfohlen. Demnach stellt die PA kausale Hypothesen auf, die prinzipiell wahr oder nicht wahr sein können u. somit grundsätzlich überprüfbar sind. Grünbaum, A. (1988): Die Grundlagen der Psychoanalyse - Eine philosophische Kritik, Stuttgart.

Frank Sulloway schreibt in seinem bereits 1979 erschienen Buch, daß wesentliche Teile von Freuds Theorie schon 1895 von anderen Autoren publiziert wurden u. daß seine Theorien - im Gegensatz zu Freuds Behauptung - in der Fachwelt eher positiv bis wohlwollend aufgenommen wurden. Sulloways Werk wurde besonders deshalb vielfach beachtet, weil der Autor durch seine akribische Forschung einen wichtigen Beitrag zur Entmystifizierung Freuds leistete.
Sulloway, F. J. (1982): Freud - Biologe der Seele. Jenseits der psychoanalytischen Legende. Köln-Lövenich.

1986 veröffentlichte der Wissenschaftsjournalist Dieter E. Zimmer, Redakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT, das Buch "Tiefenschwindel". Der besonders für Laien sehr informative Band kritisiert zentrale Punkte der PA. In den Auflagen ab 1990 kommentiert Zimmer auch Reaktionen auf die Veröffentlichung.
Zimmer, D. E. (1986): Tiefenschwindel - Die endlose und die beendbare Psychoanalyse. Rowohlt, Reinbek.

Greve und Roos (1996) beschäftigen sich mit dem Ödipuskomplex, der als zentrales Modell der PA gilt. Die Autoren, die auch eine eigene Untersuchung an Kindern durchführten, diskutieren die bestehenden Forschungsergebnisse kritisch. Ihr Fazit ist eindeutig: Der Ödipuskomplex als psychoanalytische Entwicklungstheorie gehört nicht in die Lehrbücher der Entwicklungspsychologie, sondern in Darstellungen der Psychologiegeschichte.
Greve, W.; Roos, J. (1996): Der Untergang des Ödipuskomplexes - Argumente gegen einen Mythos. Huber, Bern.

Wer sich für die Frage interessiert, wie Freud zur PA gekommen ist, dem sei Han Israels' Buch "Der Fall Freud" empfohlen. Der Autor vertritt darin die These, dass es sich bei 3 zentralen Aspekten aus den Anfängen der PA um Mythen handelt, die Freud selbst in die Welt gesetzt hat. Israels thematisiert die so genannte Kokain-Episode, den Fall der Anna O. u. die Verführungstheorie.
Israels, H. (1999): Der Fall Freud - Die Geburt der Psychoanalyse aus der Lüge. Europäische Verlags-Anstalt, Hamburg. Noch schärfer u. umfassender setzt sich Han Israels in "Der Wiener Quacksalber" mit der Person Freud auseinander. Israels, H. (2006). Der Wiener Quacksalber. Bussert & Stadeler.
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Re: Freuds Psychoanalyse

Beitrag von Dissident am Sa Dez 03, 2016 4:51 pm

http://www.udo-leuschner.de/psychologie/f0.htm --- der britische Literaturhistoriker Richard Webster: Für ihn ist Sigmund Freud "der Schöpfer einer komplexen Pseudo-Wissenschaft, die als eine der größten Torheiten der westlichen Zivilisation erkannt werden sollte".
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"Der Wiener Seelenpionier ist genauso untot wie Graf Dracula", konstatierte der Psychologie-Kritiker Rolf Degen. "Besonders bei geisteswissenschaftlich orientierten Intellektuellen und im Feuilleton gilt die Psychoanalyse immer noch als eine Insignie der höheren Denkungsart, und die Krankenkassen blättern für eine Behandlung beim Analytiker bis zum Abwinken Mittel der Solidargemeinschaft hin."
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Wie konnte etwas den Nimbus von "Wissenschaft" erlangen, was eher ein moderner Mythos ist? --- Ihre eigentliche Verbreitung erfuhren die psychoanalytischen Thesen also erst durch Presse, Literatur u. sonst. Medien --- Auf fruchtbareren Boden fielen die modernen Mythen der PA erst nach dem 1. Weltkrieg, der alle alten Werte u. Maßstäbe erschüttert hatte. Als typisch für die massenwirksame Adaption der Psychoanalyse in den 20iger Jahren kann ihre Darstellung in der (Trivial-) Literatur gelten ---
glaubte der Marxist Siegfried Bernfeld, in der methodischen Grundhaltung der PA, allen Phänomenen des Bewußtseins eine eigentliche, "unbewußt" bleibende Motivation zu unterstellen --- Praktische Bedeutung erlangte die Auseinandersetzung zwischen PA u. Marxismus vor allem in der "Sexpol"-Bewegung der KPD, die in der Beseitigung der "sexuellen Unterdrückung der Massen im Kapitalismus" den Hebel zur sozialen Revolution zu erblicken vermeinte. Der "Sexpol"-Guru Wilhelm Reich sah in der Psychoanalyse ebenfalls "die Grundlagen einer künftigen dialektisch-materialistischen Psychologie" ---
Erich Fromm (1900 - 1980) gehörte zum Zirkel marxistischer Psychoanalytiker um Wilhelm Reich und Otto Fenichel. Später reüssierte er mit einer unorthodoxen Mischung aus PA u. Marxismus --- Zusammen mit Karen Horney u. Harry Stack Sullivan trug Fromm maßgeblich zur Verbreitung u. Reputation der PA in den USA bei. Das Ansehen, das die PA mittlerweile in den USA erlangt hatte, trug wiederum nach dem 2. Weltkrieg entscheidend zu ihrer weiteren Verbreitung in Europa bei. Denn der alte Kontinent glich auch geistig einem Trümmerfeld ---
Im Zuge der Studentenbewegung gegen Ende der 60iger Jahre wurden die hier skizzierten Verschmelzungsversuche zwischen Marxismus u. PA neu entdeckt. Sie spielten mit der Frankfurter Schule u. der Variante Marcuses eine hervorragende Rolle im Denken der "neuen Linken", bevor diese in Resignation u. Sektenwesen zerfiel ---

http://www.udo-leuschner.de/psychologie/f1.htm --- Es sei daran erinnert, daß die »Gesammelten Werke« Freuds 17 Bände umfassen. Es ist überhaupt eine Eigentümlichkeit der Freudschen PA, daß sie sich schlecht zu präzis-einleuchtender Darstellung eignet. Das Schrifttum Freuds gemahnt eher Belletristik. Ohne seine hervorragende schriftstellerische Begabung wäre es ihm jedenfalls nicht gelungen, die zahllosen Ungereimtheiten seines Systems so erfolgreich zu kaschieren ---

http://www.udo-leuschner.de/psychologie/f2.htm --- Die Psychoanalyse mißt der Sexualität eine übersteigerte, teilweise aberwitzige Bedeutung bei ---
Ohne daß Freud es merkt, gerät ihm seine PA zu einer fadenscheinigen Rationalisierung der bürgerlichen Moral u.nd zu einer Apologie der bestehenden Gesellschaft. Er bringt es fertig, mit "wissenschaftlichem" Anspruch die Frau als minderwertiges Wesen einzustufen, als kastrierten Mann, als einen von Penisneid u. Minderwertigkeits-gefühlen geplagten Verschnitt der Natur. Er versteigt sich sogar zu der Behauptung, daß die Frauen "in einen Gegensatz zur Kulturströmung treten" u. gegenüber dem gesellschaftlichen Fortschritt "ihren verzögernden u. zurückhaltenden Einfluß" ausüben würden ---
1932 kam durch Initiative des "Völkerbundinstituts für geistige Zusammenarbeit" ein Briefwechsel Einsteins mit Freud zum Thema "Warum Krieg?" zustande --- Sein Zustandekommen zeigt allerdings auch, daß Freud schon damals über ein enormes Renommee verfügte u. als Einstein ebenbürtige Geistesgröße angesehen wurde ---

http://www.udo-leuschner.de/psychologie/f3.htm --- Aus der nüchternen Sicht des Naturwissenschaftlers hat Max Planck 1946 den ganzen Mythos vom "Unbewußten", auf den sich die PA u. eine Unzahl abgeleiteter Psychologismen berufen, in wenigen Sätzen zerpflückt u. als Scheinproblem charakterisiert:
"Zwar spielen sich sicherlich viele Vorgänge, vielleicht sogar die ausschlaggebenden, in unserem Unterbewußtsein ab. Aber diese sind einer wissenschaftl. Behandlung nicht fähig. Denn eine Wissenschaft des Unbewußten oder Unterbewußten gibt es nicht. Sie wäre .. ein Widerspruch in sich. Was unterbewußt ist, weiß man nicht. Daher sind alle Probleme, die sich auf das Unterbewußtsein beziehen, Scheinprobleme."
Dennoch gilt Freud bis heute als der "Entdecker des Unbewußten". An dieser Phrase, die in unzähligen Feuilletons nachgeplappert wurde, ist gleich zweierlei fragwürdig: Zum einen gibt es nicht den geringsten Beweis für die Existenz eines solchen Unbewußten, wie es die PA unterstellt. Der Begriff ist nicht wissenschaftlich fundiert, sondern eine Phantasmagorie. Zum anderen kann Freud nicht einmal als Urheber dieser Phantasmagorie gelten, denn sie war zu seiner Zeit längst entdeckt worden: Zuerst von den Romantikern in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts u. dann von den Neukantianern u. der Fin-de-siècle-Philosophie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ---

Den Begriff des "Es" will Freud sogar direkt "in Anlehnung an den Sprachgebrauch bei Nietzsche" übernommen haben --- Freud war ideologisch naiv. Er verfügte über keine nennenswerten Kenntnisse der Geistesgeschichte. Ohnehin war ihm Philosophie ein Greuel. So blieben ihm auch die erkenntnistheoretischen Probleme der Psychologie fremd. Zum Teil übernahm er einfach die Borniertheit des Positivismus, der sich um die Jahrhundertwende ausbreitete ---
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Re: Freuds Psychoanalyse

Beitrag von Dissident am Mo Dez 05, 2016 3:09 pm

http://doedr.forumieren.net/t11p75-menschen-und-personalien#988

".. Anna O./ Bertha Pappenheim würde heute von einem Neurologen mittels EEG und geeigneter Medikation geholfen werden können; Breuer hat ihr nachweislich nicht geholfen, Freud hat sie bekanntlich nicht einmal gesehen. Emma Eckstein, die an Unterleibsbeschwerden litt, hätte ein Gynäkologe helfen können, selbst mit damaligen Mitteln und Kenntnissen, Freud und sein bewunderter Kumpel Wilhelm Fließ, ein veritabler Kokser, haben ihr nicht nur nicht geholfen, sondern sie fast getötet, indem sie ihre Nase operierten und wegen schwerer Blutungen ein einen Meter langes Stück Gaze in ihre Stirnhöhle stopften und dort vergaßen. Bei dieser Operation - der HNO-Arzt Fließ hatte zuvor noch nie in seinem Leben eine Operation durchgeführt, glaubte aber, sämtliche Leiden des menschlichen Körpers durch Nasenbehandlungen und durch die Magie der Zahl 23 heilen zu können - erlitt die Frau einen Herzstillstand und mußte reanimiert werden. Die Gaze hatte eine Sepsis zur Folge, und das in einer Zeit, als die Antibiotika noch nicht erfunden waren. Und wie kommentierte der "geniale" Freud die Geschichte? Emma Eckstein wolle gar nicht gesund werden und produziere immer neue "hysterische" Symptome, da sie in ihn verliebt sei. Ein richtiger Chirurg ist dann eingeschritten und hat der Patientin in letzter Minute das Leben gerettet."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78076208.html --- Der französische Philosoph Michel Onfray .. "Anti Freud. Die Psychoanalyse wird entzaubert" war in Frankreich ein Bestseller. Das Buch ist jetzt in deutscher Übersetzung erschienen ---
- - -
Onfray: Ich stamme aus einfachen Verhältnissen. Ich hatte gerade 4 Jahre in einem Waisenhaus der Salesianer-Mönche hinter mir, von denen einige pädophil waren. Es war ein Abgrund aus Schmach und Schande. 3 Bücher, die ich im Alter von 14 Jahren las, brachten für mich die Rettung: Neben dem "Kommunistischen Manifest" u. Nietzsches "Antichrist" waren es Freuds "Abhandlungen zur Sexualtheorie".

SPIEGEL: Aha, Freud taugt also doch als Retter?

Onfray: Es war für mich wie die erste Unterhaltung mit einem Mann, der Klartext sprach: Kinder haben Sexualität. Masturbation ist etwas Selbstverständliches. Auch Ambivalenz gehört zu ihren Erfahrungen auf dem Weg zur sexuellen Identität, also manchmal auch Homosexualität. Das alles erklärte mir Freud.

SPIEGEL: Sie schreiben sehr anschaulich über die Folgen der Lektüre: "All dies erhellte mein Dasein und ließ mich auf einen Schlag den jahrelangen christlichen Gestank, den trunkenen Atem und den fauligen Mundgeruch der Priester vergessen", die Sie im Beichtstuhl zu Geständnissen über Selbstbefriedigung gezwungen hatten. Wie kam es nach der ersten Begeisterung für Freud zur totalen Ablehnung?

Onfray: Das dauerte lange. Ich habe mir Freud als Abiturthema gewählt, ich habe ihn gelehrt, ich habe Examensarbeiten korrigiert, die von ihm handelten.
SPIEGEL: So weit alles gut.
Onfray: Dann habe ich das gesamte freudsche Werk gelesen. Das dauerte 2 Jahre. Es folgten die kompletten Werke von Nietzsche. Danach war Freud für mich entzaubert.
SPIEGEL: So lautet der Untertitel Ihres Buchs. Was hat Sie an ihm am meisten enttäuscht?
Onfray: Sein Desinteresse für die Menschen, die bei ihm Heilung suchten. Seine Fälle hätten ihn nie interessiert, hat Freud seinem Weggefährten Sándor Ferenczi anvertraut. Die Patienten seien Gesindel, sie hätten ihm nur zu einer Theorie der Heilung gedient.

SPIEGEL: Trotzdem hat sich Freud intensiv mit seinen Patienten beschäftigt und über viele ausführlich geschrieben. Der sogenannte Wolfsmann oder Emma Eckstein sind berühmt geworden.
Onfray: Als der Wolfsmann Sergej Pankejeff 1979 mit über 90 starb, war er ein Mann, der mehr als 60 Jahre lang in psychoanalytischer Behandlung gewesen war, seit er 1910 Freuds Praxis aufgesucht hatte. Heilungen sehen anders aus.
SPIEGEL: Und Emma Eckstein?
Onfray: Sie ist ein besonderes Beispiel freudscher Borniertheit. Der unter heftigen Blutungen leidenden Frau unterstellte der Analytiker unbelehrbar, sie habe - schwer hysterisch - ihre erotischen Sehnsüchte ihm gegenüber kaschiert. Dabei stellten sich als wahre Ursachen für die Beschwerden gutartige Tumoren in der Gebärmutter heraus. Nachdem sie 1924 an einem Gehirnschlag gestorben war, behauptete Freud noch 1937, sie erfolgreich behandelt zu haben.
SPIEGEL: Freud irrte oft, doch sein großes Verdienst bleibt, dass er die über Jahrhunderte dominante Auffassung einer Trennung von Körper und Geist überwunden hat, indem er sagte, dass körperliche Symptome seelische Ursachen haben könnten. Dieses Verdienst wollen Sie schmälern?
Onfray: Freud hasste den Körper.
SPIEGEL: Wie bitte? Als Arzt war ihm die Bedeutung des Körpers durchaus bewusst.
Onfray: Es ging ihm um seine Konzepte, um seine Mythen. Das Unbewusste ist für Freud nicht körperlich, sondern metapsychologisch.
SPIEGEL: Aber er musste sein Konzept erst einmal durchsetzen. Dass die Psyche und das Unbewusste überhaupt eine Rolle spielen, war zu seiner Zeit doch alles andere als anerkannt.
Onfray: Ja, und um zu erreichen, dass man an die Psychoanalyse glaubte, setzte er auf den Effekt der Zauberei. Er hat am Biologischen nicht mehr festgehalten, weil ihn Mythisches mehr interessierte. Seine berühmteste Erfindung, der Ödipus-Komplex, fußt ja auf Freuds Faszination für alles Mythische.
SPIEGEL: König Ödipus, so der griechische Mythos, beging Vatermord und schlief, ohne es zu wissen, mit der eigenen Mutter. Dem Wiener Bildungsbürgertum haben diese Mythen geholfen, Freud zu verstehen. Mythen gehörten damals zum Bildungskanon. Freud konnte Neues vermitteln, indem er an Bekanntes anschloss.
Onfray: Ja, das war schlau. Freud erkannte, dass mit dem Nichtmedizinischem mehr zu verdienen war.
SPIEGEL: Jetzt unterstellen Sie ihm auch noch Geldgier.
Onfray: Man darf nicht vergessen: Freud brauchte viel Geld. Seine Wiener Wohnung hatte 15 Zimmer. Viele Personen lebten mit ihm. Sechs Kinder, seine Frau, deren Schwester, Hausangestellte. Er liebte und brauchte in der Tat das Geld. Und die berühmte Couch war sehr nützlich. Er verlangte nach heutiger Kaufkraft 450 Euro pro Sitzung. Die Behandlung in der häuslichen Wohnung machte es auch möglich, ein großes Werk zu schaffen. Eine Stelle in einer Klinik wäre zur Erzeugung eines solchen Werks zu profan gewesen.
SPIEGEL: Merkwürdig. Das Wiener Publikum kam doch wegen körperlicher Beschwerden und erhoffte sich körperliche Besserung.
Onfray: Ja. Aber Freud hat alles Mögliche, von Darmproblemen bis zum Schwindel, auf Ödipus zurückgeführt.
SPIEGEL: Aber Ödipus war für ihn doch nicht alles.
Onfray: Aber sehr viel. Wenn man genau hinsieht, waren Freuds großartige Theorien nichts anderes als Gedanken über sein eigenes Leben. Die Psychoanalyse ist so etwas wie eine Autobiografie Freuds. Sie müssen sich nur mal die Entstehung dieser Idee vom Ödipus-Komplex ansehen. Freud behauptete, als kleines Kind seine Mutter im Schlafwagen von Leipzig nach Wien nackt gesehen zu haben. Aus diesem Erlebnis und aus der Tatsache, dass er eine enge Bindung an seine Mutter hatte und seinen Vater verachtete, machte er dann seine Inzesttheorie. Auch wenn Freud über Analität redete, dann war das seine persönliche Konstruktion.
SPIEGEL: Freud hatte viele Patienten, er hatte sehr viele Lebensgeschichten gehört und aus strukturellen Ähnlichkeiten Theorien gebildet.
Onfray: Er hörte, was er hören wollte. Er baute auf Hirngespinste. Zu ihm kamen Leute mit ganz verschiedenen Symptomen. Eine Patientin erschien bei ihm mit einem Ekzem am Mund und Läsionen an den Lippen. Freud diagnostizierte, ihr Vater habe sie als Zwölfjährige zu Oralverkehr gezwungen, und diese verdrängte Kindheitserinnerung wirke in ihrer Psyche nach. Einige Patientinnen konfrontierten ihre Väter mit diesen Deutungen, die Väter beschwerten sich bei Freud, und ihm dämmerte, dass er sich so in Wien als Therapeut nicht lange würde halten können.
SPIEGEL: Welchen Rettungsversuch unterstellen Sie ihm?
Onfray: Er nahm Abstand von seiner Missbrauchstheorie, jedenfalls zum Teil. Zuvor hatte er schon die Behandlung mit Kokain, Handauflegen oder Harnröhrensonden gegen Onanierlust aufgegeben.
SPIEGEL: Es gibt kaum Pioniere, Entdecker neuer Welten, die nicht Fehler machen.
Onfray: Aber schon das stört mich - Freud als Entdecker. Es gab zu seiner Zeit mindestens 30 Leute, die mit der Psychoanalyse arbeiteten. Aber alle sprechen nur von Freud.
SPIEGEL: Sicher, es gab auch Freuds Kollegen Josef Breuer. Aber Geschichtsschreibung funktioniert sehr oft so. Denken Sie an Kolumbus. An der Entdeckung Amerikas waren mehrere Seefahrer beteiligt, aber die Welt hat nur Kolumbus als Entdecker gefeiert.
Onfray: Auf Christoph Kolumbus und die Ideen eines neuen Kontinents hat sich Freud gern bezogen. Ich bin aber Normanne und darf darauf hinweisen, dass auch die Wikinger Amerika entdeckt haben. Die Legende ist nicht die Geschichte. Die Arbeit des Philosophen ist es, die Konstruktionen der Geschichte zu durchschauen und zu dekonstruieren. Freud war größenwahnsinnig. Er sah sich selbst als Ausnahme.
SPIEGEL: Manchmal ist das der entscheidende Impuls, um Bleibendes zu schaffen.
Onfray: Der Preis bei Freud war hoch. Sein Größenwahn ließ einen klaren Blick auf sich selbst nicht zu. Er analysierte ja sogar seine eigene Tochter, was ganz gegen die Regel war. Und sie war völlig besetzt von diesem Vater, hatte ihr ganzes Leben lang nie eine Liebschaft zu einem Mann. Als habe Freud auch bei seiner Tochter eine Bestätigung für seinen generellen Inzest-verdacht gesucht: die Tochter, die nur den Vater liebt.
SPIEGEL: Nirgendwo steht geschrieben, dass die großen Geister, selbst wenn sie Psychoanalytiker sind, ein einwandfreies Leben vorweisen müssen, damit die Öffentlichkeit und die Fachwelt ihre Errungenschaften würdigen.
Onfray: Mich stört die Heldenverehrung. Das 20. Jahrhundert steht für so viel Schlechtes, für die Kriege, den Totalitarismus. Und Sigmund Freud steht offenbar für das Gute. Freud, der Menschenversteher, der das Image dieses verlorenen Jahrhunderts rettete, indem er aus ihm das Jahrhundert der Psychologie gemacht hat. Aber Freud war alles andere als ein Held. Mein Buch liefert dafür unzählige Belege.
SPIEGEL: Er hat selbst nie behauptet, dass er besser sei als seine Patienten. Und vor allem darin liegt doch ein großer Fortschritt. Vor seiner Zeit galten psychisch Kranke noch als Irre, die man in die Anstalt sperrte. Freud wies darauf hin, dass es nur einen graduellen Unterschied gibt zwischen dem vermeintlich Normalen und dem Pathologischen. Das war ein unschätzbarer Beitrag zum Verständnis des Menschseins, der Menschenwürde.
Onfray: War es das? Das sehe ich anders. Es war ein Beitrag zur nihilistischen Ontologie des 20. Jahrhunderts. ---
Onfray: Ich habe schon oft im Gefängnis Verbrecher besucht. Jemand, der schuldig geworden ist, kann seine eigene Schuld besser begreifen, wenn er sieht, dass es einen Unterschied gibt zwischen ihm und den anderen.
SPIEGEL: Wenn Sie ins Gefängnis gehen und mit Verbrechern über deren Leben reden, sind Sie doch auch ein Schüler Freuds. Warum wollen Sie von der heilenden Kraft des Sprechens über sich selbst nichts wissen?
Onfray: An diese Kraft glaube ich durchaus. Ich bin nur gegen die freudsche PA und habe auch gerade ein neues Buch geschrieben, wie eine andere, eine neue Psychoanalyse aussehen kann. Eine, die einem normalen Gespräch ähnelt. Face-to-Face, ohne Couch und Ödipus-Spuk.
SPIEGEL: Die PA aber ist doch nicht mehr so wie vor 100 Jahren. Die Couch muss nicht sein und Ödipus auch nicht. Sie können doch nicht einer ganzen Disziplin unterstellen, sich nicht weiterentwickelt zu haben.
Onfray: Sie kennen die Reaktionen in Frankreich auf mein Buch. Eine Front von Gegnern, die alle Freud als Helden behalten wollen. Ich sehe die große Weiterentwicklung nicht.
SPIEGEL: Ihre Abrechnung mit Freud scheint auch eine Abrechnung mit den franz. Eliten zu sein, die als freudianisch geprägt gelten. Dieser Impuls ließe sich bei Ihnen damit erklären, dass Sie aus einfachen Verhältnissen und aus der Provinz stammen. Womit wir bei Freud wären: das gute alte Trauma der Herkunft. Wir können gar nicht mehr anders als freudianisch über Menschen denken. Und Sie tun das in Ihrem Buch auch.
Onfray: Ich nehme für mich in Anspruch, von Nietzsche sehr viel mehr über den Menschen gelernt zu haben als von Freud.
SPIEGEL: Was denn?
Onfray: Nietzsche wusste, dass hinter Intellektualität die Missverständnisse des eigenen Körpers stecken können: Er, der Schwache, wollte stark sein. Deswegen verherrlichte er alles Starke, durchschaute dies aber. Freud versteckte seine körperlichen Bedürfnisse hinter scheinbarer Objektivität.
SPIEGEL: Monsieur Onfray, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
* Michel Onfray: "Anti Freud. Die Psychoanalyse wird entzaubert". Aus dem Französischen von Stephanie Singh. Knaus Verlag, München; 544 Seiten; 24,99 Euro.
Das Gespräch führten die Redakteure Susanne Beyer und Nikolaus von Festenberg.
Von Susanne Beyer und Nikolaus von Festenberg
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Internationales Netzwerk der Freud-Kritiker

Beitrag von Dissident am Mo Dez 05, 2016 3:36 pm

http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpinfcde/
INFC (De) --- Internationales Netzwerk der Freud-Kritiker

In den letzten Jahrzehnten hat sich die PA in vielen westl. Ländern als begleitender, in Deutschland gar als integraler Teil staatlich anerkannter u. gewährleisteter gesundheitlicher Versorgung der Bevölkerung etabliert. In ebenso vielen Ländern hat an ihr jedoch gleichzeitig eine Kritik festgemacht, die an Umfang u. wissenschaftlicher Stringenz alles in den Schatten stellt, was skeptisch den Lehren Freuds u. ähnl. „Seelen-Forscher“ von Anfang an, also seit rund 100 Jahren begegnet. Ihnen wirft die Kritik nicht weniger als wissenschaftl. Betrug u. Nasführung kranker, hilfesuchender, damit besonders verführbarer, aber auch besonders schutzbedürftiger Menschen  vor. Auch seien die Folgen für die Allgemeinheit unabsehbar.

Nachdem Vertreter der „Gesundheitsberufe“, Medien u. Gesundheitspolitiker den Schwindel weithin stützen, die wissenschaftlich umfassend belegte Kritik ignorieren u. die Kritiker ausgrenzen, kamen einige ihrer Wortführer in versch. Ländern 2003 überein, gemeinsam eine Plattform zu schaffen, von der aus fortlaufend, kurz u. bündig informiert werden soll

– über den Stand der kritischen Freud-Forschung wie  

– über den aktuellen Stand der Freudianer–Etablierungen in den versch. Ländern.

Eine wirkliche Durchdringung der Thematik ist natürlich nur durch ein eingehendes Studium der einschlägigen Literatur, einer Vielzahl von Büchern u. Artikeln, fast schon einer Bibliothek möglich. Auch durch entsprechende Literaturhinweise wie auch Hinweise auf andere zweckdienliche Informationen im Netz will INFC zur Gewinnung einer möglichst umfassenden Übersicht beitragen.

http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpinfcde/aufstieg-und-fall-freuds-druben-und-huben/ --- Aufstieg und Fall Freuds ---
1. Seit 100 Jahren beansprucht die PA Deutungshoheit über den Menschen. Sie wurde ihr nach 1945 von Amerika aus in der ganzen westl. Welt zunehmend eingeräumt. Der Kulturbetrieb, die Medien, die Intellektuellen begeisterten sich an ihr. Die Ärzte machten sie zu einem integralen Bestandteil der gesundheitl. Versorgung im Land. Im berühmten Bericht der Enquête-Kommission von 1975 „über die Lage der Psych­­­­­iatrie in der BRD“, einer „Unterrichtung durch die Bundesregierung“(drs 7/4200, S. 293), wurde das „von der PA entwickelte Konzept der Entstehung neurotischer u. psychosomatischer Erkran­kungen“ als gesicherte Erkenntnis verkündet u. entspre­­chende Behandlungen forciert. „Be­ratung u. The­rapie“, hieß es, „müs­­­sen so früh wie möglich einsetzen, um der Chronifizierung von Krisen u. Krank­heiten … vorzubeugen.“

Nun ist in den letzten Jahrzehnten just von USA aus eine Kritik laut geworden, die besagtes Kon­zept von Grund auf erschüttert. Profunde „Freud-Ge­lehrte“ –  die kritische Durchforstung der Gesam­melten Werke Freuds hat tatsächlich etwas wie eine neue Fach­dis­zi­plin hervorgebracht – wiesen die Theorien u. Me­tho­den des berühmten Wieners u. seiner An­hänger als fragwürdige Kopf­geburten aus.

2.  Unter den vielen Freud-Kritiken, die heute so besonders im eng­l. Sprachraum kursieren – kaum etwas ist davon auf deutsch erschienen -, ist das Buch des US-Psych­­iaters E. Fuller Torrey FREU­DIAN FRAUD (Freud’sche Betrügerei), HarperCollins, 1992, besonders bemer­kens­wert. Torrey bekleidete über Jahre eine hohe Stellung am National Institute of Mental Health (NIMH) der USA. Primär um die dortige Situation kreisend, ist sein Buch auch für uns von Belang, weil hier­zulande doch nur bruchstückhaft bekannt ist, wie die Lehre „drüben“ ihre Geltung erreichte, bevor sie dann über uns kam.

Seine erste Anhängerin in Amerika fand Freud, so Torrey, in der Anar­chi­stin-Femi­nistin Emma Gold­man, die ihn, die gesellschaft­­liche Sprengkraft seiner Sexualtheo­rien erfassend, schon 1895 in Wien aufgesucht hatte. Auch über zwischenzeitl. Inhaftierungen u. ihre spätere Abschiebung in ihr (nach 1917) sowjetisches Herkunftsland hinaus blieb sie seine umtriebige Propa­gan­­­­distin. 1909 weilte Freud zu einem Vortrag an der Clark University, Worcester, Massachusetts, „Red Emma“ in der 1. Reihe seines Auditoriums. Auch danach brachten Freud weiteren Zulauf nicht die the­ra­peu­ti­schen Versprechen seiner Lehre, sondern deren „Sex-Appeal“ – insbesondere im links-li­beralen New Yorker Künstler-Vier­­­­tel Greenwich Village bei den dort zentrierten In­tel­lek­tuel­len, Mar­­xisten, Trotzkisten, „Freigeistern“, brachte ihm zu­dem die för­dern­de Aufmerksamkeit einflußreicher Medien.

Weiter bekannt u. bedeutsam wurde die PA über den lang u. heftig anhaltenden Aus­ein­an­derset­zun­gen in den USA um „nature / nurture“, zwischen solchen also, die den Menschen vom Ererbten u. solchen, die ihn vom Erlebten her erklärten. Bei Freuds Betonung frü­her sexueller Kind­heitstraumen standen die Freu­dianer natürlich auf Seiten letzterer u. be­haup­­teten mit ihnen dann auch das Feld. Ihnen gesellten sich ab 1933 die aus Nazi-Deutsch­­land vertriebenen Analytiker zu, die aus der alten „Nähe zwischen Freud u. Marx“ jetzt so etwas wie eine „Bluts­gemeinschaft“ mach­ten, „Partisan Review“, das führende In­tel­lek­tuel­lenmagazin der USA damals, die Presse, die Theater des Broadway, die Sozialarbeit u. Sozialpädagogik ihr bevorzugter Tummelplatz u. Resonanzboden.

3.  Freud gewann so ab den 20ern in den USA zunehmend Einfluß auf die Kindererziehung, die Rechtsprechung, das Meinungsklima insgesamt. 1. Höhepunkt 1945 unter dem Eindruck der Bilder vom Holocaust – Freud selbst ein Verfolgter, 4 seiner Geschwister in KZs umgekommen. Als mit dem dann einsetzenden „kal­­ten Krieg“ eine Distanzierung von Stalin u. damit auch von Marx not­wendig wurde, stieg Freud, jetzt posthum, bei den ame­rikanischen, zur Hälfte jüdischen Intellek­tuellen als Idol noch höher, womit er auch in deutschen Landen wieder landen konnte, hier wie dort bald von den Linken wieder eingeholt, neuen Linken, Fidel, Che, Ho Chi Minh, Mao, Marcuse usf., ihre nicht nur stu­den­ti­sche Suite in den USA meist als „li­be­ral“ ge­han­delt, primär so von den „Demokraten“, ansonsten „außerpar­lamentarisch“ unterstützt, ab Mitte der 50er u.a. von und mit der „Mental Health-Bewe­gung“.

Sie konkretisierte sich unter John F. Kennedy ab 1963 auch über die Kuba-Krise hin­weg in kompakten Einrichtungen u. Programmen, u.a. in über das Land verteilten, aus Bun­des­mit­teln getragenen Com­munity Mental Health Centers (CMHC). In ihnen sahen manche früh-so­wje­tische Utopias „neuer Men­schen(ma­che)“ wieder auferstehen. Sie wurden aber auch von „Republikanern“ letztlich akzep­tiert. Sie verspra­chen, psychischer Krank­heit u. sonstigen Übeln, nicht zuletzt der Ar­mut zu wehren, ja ihnen vorzu-beugen, versprachen gar „die psychische Gesund­heit der Bevöl­kerung“ zu vermehren. In jedem Fall ver­breiteten sie Freud’sche Ideologie weiter u. vermehrten, ver­zwan­zig­fach­ten die Zahl der „Psycho-Pro­fis“. Sie nährten, verbreiteten  den Rauschzustand der 68er Kulturre­vo­lu­tion, womit sich der Freud-Marxis­mus noch fester in ALLE Winkel der amerikanischen, ja der westl. Ge­sell­schaf­­ten eingrub, besonders in Erziehung, Schu­le, Uni­ver­si­täten, Medien, Unterhal­tungs­in­dustrie, Recht­sprechung, Kirchen u. nochmals natürlich in die Heilkunde selbst, besonders Psych­iatrie u. Psy­cho­lo­gie. „McFreud“ über­all – hüben und drüben. Dort freilich begann in den 70ern mit Henry F. Ellen­berger auch schon der Paradigmenwechsel, die Ent­­zau­be­rung Freuds.

4.  Es ist hier nicht Platz, Torreys Ausleuchtung der psychoanalytischen Durchdringung ALLER Lebensbereiche in den USA nachzuzeichnen. Ein Bereich nur sei wegen seiner Aktualität auch hier­zulande als Beispiel herausge­griffen, die Durchsetzung u. da­mit Verwandlung der Rechts­prechung. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im angelsächs-ischen Strafrecht die Schuld eines Verbrechers bei offensichtl. psychischer Erkrankung als aufgehoben oder vermindert angesehen, fraglos ein hu­ma­nisierendes Element in der Rechtspraxis (RB 2/07, 2.1). Schon ab den 20ern aber wurde, so Torrey, die Gerichtspsychiatrie in den USA mehr u. mehr von Freu­dianern (W. Healy, B. Glueck, W.A. White, später K. Men­ninger) besetzt. Sie stellten das Prinzip der Schuld grundsätzlich in Frage u. machten damit 1924 erstmals Geschichte. 2 junge, aus wohlhabenden Familien stam­men­de Män­ner, Leopold u. Loeb, 19 u. 18-jährig, hatten wohl durchdacht ein 13-jäh­­­riges Mäd­chen ermordet u. ihre Leiche in einem Ab­wasserkanal nahe Chicago „entsorgt“. Vor Gericht pauk­ten sie geschickte An­wälte u. als Zeugen der Verteidigung einige der besagten Psycho-Experten unter an­ge­le­gentlicher Teilnahme der Medien heraus.
Das Verbrechen war laut Healy „nur möglich aufgrund psychischer Abnormität mit pathologischer Spaltung der Persönlichkeit“. Die Schuld, sagte Glueck, läge bei den El­tern. White, der Star-Foren­si­ker damals, der ge­rade Prä­sident d. US-Psychiaterfachgesellschaft ge­worden war, lastete ihnen bei aller Zuerkennung be­ster Ab­sichten „Vernachlässigung“ an. Standesgemäß waren die Täter in ihrer Jugend von Kindermädchen betreut wor­den. Eines da­von, so White, sei „prüde u. streng“ gewesen, habe „schrecklich zu den Haus­aufgaben an­gehalten“. „Als Konsequenz solcher Kind­heits­erlebnisse“ hätten sich die „antisozialen Tendenzen“ entwickelt.

Besagte Ex­perten, die natürlich höchste Honorare kassierten – White, der gleichzeitig Beamter war, wurde später dafür belangt -, setzten eine Praxis in Gang, die den genannten vernünftigen Rechts­grundsatz pervertierte. Glueck hatte in seinem Buch „Studies in Forensic Psych­­­iatry“ allem Verbrechen ein „psychisches Trauma“ zugrunde gelegt. White, der Verbrecher als „Geiseln ihres Unbewußten“ darstellte, plädierte konsequent für die Abschaffung aller Gefängnisse u. ihren Ersatz durch Psych­iatrische Behandlungszentren, ähnlich wie es der Früh-Kom­munist Wilhelm Weit­ling vordem schon gefordert hat (RB 3/78, S. 19). Das Problem der Schuld wird von Psych­­­­­iatern, Psy­chotherapeuten, heute auch „Neuro-Wis­senschaftlern“ (RB 1/04,4.1-4) immer wie­der gewälzt. Außer in dem Ausnahmefall ernster psychi­­scher Erkrankung konnten sie es freilich näher nie be­stimmen. Hier­zulande diskutiert man aus aktuellem Anlaß, wann Ju­gend­strafrecht beginnen oder enden soll.

5.  Während Freud hierzulande aber mit der 68er Re­vo­lution erst voll zur Geltung kam, begann „drü­ben“, wie ge­sagt, schon sein Abbau. Zunehmend wurden an Freud Unregelmäßigkeiten entdeckt, wozu einige sei­ner eigenen Mitteilungen beitrugen. Mit Sigmund Freud – Briefe an Wilhelm Fließ 1887–1904 brachte  Jeffrey M. Masson, ein dissidenter Analytiker, 1985 erstmals auf englisch (deutsche Ausgabe 1986 bei S. Fischer) die vertraulichen Mitteilungen des Meisters an seinen lang­jährigen Intimus un­gekürzt (!) heraus. Mit ihnen kam die kritische Freud-For­schung in eng­l.- u. franz.-sprachi­gen Ländern in Schwung, auch dort na­türlich gegen ge­nügend Widerstände. Es wurde jetzt möglich, Freuds „offiziell“ ausgedruckte Be­haup­­tungen mit vertraulich abgege­benen zu vergleichen. Eine Fülle von Ungereimt­­heiten, ja eine sein ge­samtes Werk durchziehende Unredlichkeit tra­ten so ans Ta­geslicht. Einige Beispiele:

–          Freud empfahl 1884 – es war quasi sein 1. eigenständiges Forschungsprojekt – seinem über qualvollen Schmerzen morphinabhängig gewordenen Freund u. Kolle­gen Fleischl von Mar­xow das damals noch unerforschte Kokain zur Entwöhnung. Er publizierte die „Entziehungskur“ im gleichen u. folgenden Jahr als erfolgreich, wobei er empfahl, bei „ähnlichen Entziehungskuren Cocain in subcuta­nen In­jectionen… zu ge­ben u. sich vor der Häu­fung der Dosen nicht zu scheuen“ (Z. für The­ra­pie, 1.4.1885). Der Freund kam darüber innerhalb kürzester Zeit weiter herunter. Er wurde zusätzlich kokainabhängig. Freud aber verteidigte sein Vorgehen als heilsam öffentlich weiter. Es wurde bald von einem anderen Arzt, dem Sucht-Kli­niker Erlenmey­er überprüft u. als nichtsnutzig verworfen. Freud behauptete darauf (1887), Erlen­meyer habe sich nicht an seinen Dosierungsvorschlag ge­hal­ten u. ha­be ent­gegen seinem Rat „sub­­kutane Injektionen gegeben“ (Wiener Med. Wo­chen­­­schrift, 9.7.1887).

–          Im Fall der (1880-81 von Josef Breuer behandelten) Anna O. (Berta Pappenheim), pu­bli­ziert von Breuer u. Freud zusammen in Studien über Hysterie, 1895, berichteten die Autoren von der „wun­­derbaren Tat­sache, daß vom Beginne bis zum Abschlusse der Erkrankung alle … ihre Fol­gen durch das Aussprechen in der Hypnose dauernd beseitigt wurden…“ De facto wurde nichts „dauernd beseitigt“. Vielmehr mußte die Patientin unmittelbar nach Breuers Psychotherapie klinisch eingewiesen wer­den.

–          Auch bei seinen eigenen psychotherapeut. Behandlungen ab 1894 berief sich Freud in Wort u. Schrift immer wieder auf therapeutische Erfolge. Seinem Intimus Fließ aber gestand er am 3.1.1897 im Hinblick auf einen bevorstehenden Kongreß: „Viel­leicht habe ich bis Ostern einen Fall zu Ende gebracht“, was doch heißt, daß er bis da­­hin noch nicht eine einzige Behandlung erfolgreich ab­geschlossen hatte.

–          Von diesen Behandlungen behauptete Freud auch spä­­­­­­­ter noch, seine Patient/inn/en hät­ten ihm von se­xu­ellen, in der Kindheit erlittenen Traumen, Ver­füh­run­gen durch ihre Väter berich­tet („ha­bemus papam“, et­wa: Da haben wir den Vater, schrieb er spöttisch-tri­umphierend an Fließ), während weitere vertrauliche Mitteilungen an diesen zeigen, mit wel­cher Kalt­schnäu­zigkeit, ja Brutalität er ihnen solche „Er­in­ne­rungen“ aufdrängte.

–          In seinem „Traum­­muster“ (2. Kapitel der 1899 fertig gestellten TRAUMDEUTUNG) nimmt Freud Bezug auf seinen (angeblichen) Mustertraum vom 23./24.07. 1895 u. bei dessen Ausdeutung auf eine Di­ph­the­rie­er­krankung seiner Tochter Mathilde im Jahr 1893. Er exem­pli­fi­ziert daran die Tätigkeit „des Unbewußten“, macht letztlich seine Traum­theorie, die Letztfassung seiner gesamten Lehre daran fest, wie­wohl es bei Mathilde zum ange­gebe­nen Zeitpunkt – sie machte die Krankheit 1897 durch – eine Di­phtherie, die Immunität hinterläßt, nicht gegeben haben kann (Wil­cocks, RB 1/06,4.3). Der „Mustertraum“, Eckstein quasi des Freud’schen Theoriegebäudes, steht damit auf Sand. Dem ruhm- u. karrierebedachten Freud war offensichtlich selbst die lebensbe­drohliche Krank­­heit seines Kindes eine Lüge wert.

Manche dieser Flunkereien lagen von Anfang an offen auf. Einige wurden erst in jüngerer Zeit aufgedeckt. Viele angesehene Gelehrte verschiedenster Disziplinen u. unter-schiedlicher, auch jüdischer Herkunft haben daran An­teil, unter ihnen der Kinderpsychologe Jacques Bénesteau, Toulouse, mit Mensonges freu­diens, der Philosophie-professor Frank Cioffi, Canterbury, mit Freud and the Question of Pseudo­science, der Literaturprofessor Frederick Crews, Berkeley, mit u.a. Follies of the Wise, der Mathe-matiker Allen Esterson, London, mit Seductive Mirage, der Psychologe Prof. Malcolm Macmillan, Mel­bourne, mit Freud Evaluated, der Pädagoge Prof. Max Scharn­berg, Upp­sala, mit The Non-Authentic Nature of Freud’s ObServa­tions, der Philologe Richard Webster, Suffolk, mit Why Freud was wrong, der Literaturprofessor Robert Wil­cocks, Edmonton, mit u.a. Maelzel’s Chess Player – Sigmund Freud and the Rhetoric oF De­ceit, um nur einige der ak­tuellsten Forscher auf dem Gebiet u. einige ihrer gewichtigen Schriften zu nennen. Die Psychiater Henry F. Ellenberger u. E. Fuller Torrey wurden mit ihren Beiträgen schon vor­gestellt.

6.    Entsprechend sind insbesondere in den angelsächsischen Ländern sowohl die Zahlen ana­ly­tischer Behand­lun­gen als auch der Ausbildungskandidaten stark rückläufig. Wie Paul Roazen, ein ebenfalls leicht dissi­den­ter, in­zwischen verstorbener Analytiker, im AMERICAN  Journal of Psychiatry vom Okt. 1994 mit­teilte, war eine Freud’sche Zusatzausbildung in den 60ern Vorbe­din­gung zur Erreichung höherer Funktionen in der Psychiatrie, etwa auch in der Weiterbildung des Nachwuchses. 30 Jahre später war sie für eine solche Po­si­ti­on eher zum Hindernis geworden. Bénesteau nennt in dem genannten Buch eine Reihe ähnlicher Hin­­weise, die den Rück­gang Freud’schen Einflusses in Amerika anzeigen.

Dabei ist Freud auch „drüben“ keineswegs schon erledigt. Erst kürzlich kam das Buch des Psychiaters u. Psychoanalytikers George Ma­kari heraus, Re­volu­tion in Mind: The Creation of Psy­ch­o­­ana­lysis, HarperCollins, New York, 2008, 630 Seiten, über 80 Seiten erklärender End­noten, kennt­nis­reich, flüssig geschrieben. Makari berührt gar einige der oben angeführten Kritikpunkte. Die meisten freilich übergeht er, den Kern ohnedies. Er bleibt letztlich bei der alten Freud-Vergötzung. ---

In der heutigen Aus­einandersetzung spielt eine wesentliche Rolle, daß mit dem Internet jetzt verlags­un­ab­hän­gige Möglichkeiten der Veröffentlichung exi­stieren, die einen raschen, welt­weiten Informa­tionsaustausch unter den fachlich Interessierten ermöglichen. Das In­ternationale Netzwerk der Freud-Kri­tiker (INFC) publiziert aktuelle Beiträge auf engl., franz. u. deutsch u. gibt somit auch dem deutschsprach. Leser Zugang zu einer der weltweit lebhaftesten Auseinandersetzungen um Mensch und Gesellschaft, von denen er über 30 Jahre abgeschnitten war.

Das markiert in der bei weitem noch nicht ausgestandenen Auseinandersetzung den großen Unter­schied zwischen neuer u. alter Welt, daß Freud, der drüben rasch u. nachhaltig zur Geltung kam, dort jetzt kritisch dis­kutiert, wenn nicht zerpflückt wird, während er „hüben“, insbes. im deutsch­spra­ch. Raum erst nach ’45, mehr noch nach ’68 zur Geltung kam, dafür hier jetzt um so unangefochtener herrscht. Von all den lebhaften Kontroversen um Freud im Ausland ist hier kaum etwas be­kannt, geschwei­ge daß nachhaltige Beiträge dazu ge­leistet worden wären.

7.  Was die therapeutische Wirksamkeit der Analyse betrifft, so tendierte diese seit den Tagen der Anna O. gegen Null. Kürzlich stellte dies auch der GEK–Report 2007 der Gmünder Ersatzkasse fest. Torrey selbst spricht al­len Psychotherapien eine gewisse Effektivität zu. Glei­che Wirksamkeit aller Psychotherapien hebt freilich auch den Wert aller hinter ihnen stehenden Konzepte einschließlich der Freu­d’schen von den frühkindlichen Trau­mati­sierun­gen bis zum Ödi­­pus­­kom­plex als Ursache späterer Neurosen auf, ihren Wert als the­rapeuti­sches Agens.

Torrey  streift kurz ungünstige Therapieausgänge. Schon eine im Vergleich zum Bevölkerungs­durch­schnitt ungewöhnlich große Zahl früher Freudianer beging Suizid. Jacques Bénesteau führt das in seinem o.g. Buch weiter aus. Vielen Freud-Gläubi­gen, so Torrey, wur­de ihr Glaube an Freud zur sä­kularen Ersatz­religion. Wil­helm Stekel etwa nannte sich „Apostel Freuds, der mein Christus war.“ Auch sein Glaube an die ma­teria­li­stischen, deterministischen Konzepte des Meisters erwies sich als wenig tragfähig. Freud selbst glaubte an Telepathie, Telekinese u. ähnlich obskures Zeug, verachtete nur Religion. Noch kurz vor dem Einmarsch der Nazis in Wien bezeichnete er die katholische Kirche als seinen „wah­ren Feind“.

8.  Das Buch Torreys könnte für uns im Deutschsprachigen bedeutsam sein, weil es Versteigungen zu­recht rückt, die mit den 68ern in der Seelen­(heil)-kunde auch hier Platz gegriffen haben. Die Ver­spre­chen wachsender „psychischer Gesundheit der Bevölkerung“ etc. ver­­fingen hier nicht we­niger als drüben, wurden im übrigen hier so wenig wie dort eingelöst, geschweige daß die PA einem menschl. Ge­brechen oder gesellschaftl. Übel je „vorgebeugt“ hät­­te. In jedem Fall aber ist es gut, einmal zu er­fahren, wie die Freud-in­spi­rierte Psych­iatrie-Re­form „drü­ben“ so gelaufen ist. Mit Gesund­heitsre­formen ist man „hü­ben“ zumindest rege weiter beschäftigt.

Am drängendsten ist sicher die Frage nach der Wirksamkeit der Psychotherapie, der Freud’schen wie jeder anderen.
Unbe­stritten ist die Wichtigkeit des „Wortes“ in der Heilkunde, unbestritten auch, daß das „richtige“ Wort in schwierigen Lebenssituationen erleichternd, ja rettend sein kann, umstritten freilich wie eh u. je, ob es lehrbar für alle Wechselfälle des Lebens, insbesondere aber Krank­heiten oder krank­heitswertige Störungen ein solch „rich­­tiges Wort“ gibt, für Fäl­le also, in denen Psycho­the­rapie nach den gesetzlichen Bestimmungen allein zur An­wendung kommen darf. Immerhin sind da nicht nur Millionen-Beträge, sondern vor allem Menschenschicksale im Spiel. Ob darüber hierzulande noch eine realistische Diskussion aufkom­men wird? Entgegen dem, was be­sagte „Unterrichtung durch die (da­mals sozial-libe­rale) Bundesregierung“ als gesichert ausgab, erscheinen Freuds Konzepte heute zweifelhafter denn je.

In Deutschland sieht es dennoch so aus, als wollte die „Psycho-In­du­strie“ (Dineen, RB 2/01,3.1) noch zulegen. Fragen nach ihrem therapeutischen Wert beantwortet sie weiter mit Vorspiegelungen. In DÄ 8/08 behauptete der BÄK-nahe Psychologe Prof. D. Schul­te kürzlich, es ginge heute um neue Metho­den psychothera­peu­ti­scher Be­handlung u. ihrer Überprüfung. Als neu führte er die In­terper­sonelle Psychotherapie der H. St. Sullivan u. G. B. Chisholm an. Letzterer, der 1. Generalsekretär der WHO, bestimmte 1945 (!) „als Ziel aller effektiven Psy­cho­therapie die Aus­merzung von Gut u. Böse“. Das Buch George Makaris RE­VO­LUTION IN MIND wird auch in Deutschland jetzt offen­sichtlich viel gekauft, weil sich die Freudianer davon neue Munitionierung versprechen. Freuds Sa­che wird weiter machtvoll „von oben“ ge­stützt. Allein von dieser politischen Unterstützung lebt sie. (3.1) Ob sie „ewig“ so leben kann, bleibt die spannende Frage.

- - -

http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpinfcde/freud-und-der-nobelpreis/ --- 1929 wurde Henry Marcus, Professor am Karolinischen Institut, vom Nobelkomitee beauftragt, eine vorläufige Bewertung von Freuds Leistungen zu erstellen, um zu entscheiden, ob eine vollständige Analyse durchgeführt werden solle. Marcus verneinte die Notwendigkeit einer solchen Untersuchung energisch, weil Freuds Arbeiten nicht von nachgewiesenem wissenschaftlichem Wert seien. Nach einer Zusammenfassung der Lehre Freuds resümierte Marcus: „Wenn man versucht, Freuds psychoanalytische Lehre einer strengen Kritik zu unterziehen, muß man einräumen, daß die Forschung über die Bedeutung verdrängter Affekte für die Verursachung nervöser Symptome äußerst interessant ist u. die Erkenntnisse über diese Zustände von den Neurologen fast ausnahmslos anerkannt sind. Dagegen meinen die meisten Forscher – mit Ausnahme von Freuds eigenen Schülern, von denen ihm diesbezüglich allerdings bereits mehrere abtrünnig geworden sind – es gäbe keinen Beweis dafür, daß die sexuellen Komplexe eine vorrangige Rolle für die Neurosen spie­len. Vor allem muß die Annahme der unbewußten sexuellen Traumen im frühen Kindesalter als unbewiesen und vom naturwissenschaftlich denkenden Arzt als hochgradig unwahrscheinlich und befremdlich angesehen werden. Freud stützt seine Behauptungen nur auf einige wenige Beispiele. Seine Traumdeutungen können darum nur als rein subjektive Erfahrungen und Konstruktionen angesehen werden. So wie sie jetzt vorliegt, ist Freuds ganze psychoanalytische Lehre größtenteils eine hypothetische Lehre, zu der sich ihre Anhänger fanatisch und fast religiös bekennen. Ich finde nicht, daß sie einer wirklich wissenschaftlichen Kritik standhalten kann.“

Professor Marcus’ scharfsinnige Beurteilung ist heute noch als zusammenfassende Kritik der PA relevant.
- - -
Das Problem sei jedoch, daß Freuds Lehren immer noch unbewiesen seien – die Verleihung eines Nobelpreises setze aber voraus, dass die zu belohnende Entdeckung völlig gesichert sei. --- Die Gutachten der Schwedischen Akademie und des Nobelkomitees sind heute noch genauso stichhaltig wie damals. Die seriöse Kritik der Psychoanalyse hat erst in den letzten Jahrzehnten ihre volle Wirkung entfaltet.

http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpinfcde/zur-wirksamkeit-analytischer-psychotherapie/
Zur Wirksamkeit analytischer Psychotherapie
Wie es sich mit der therapeutischen Wirkung der Freudschen Psychotherapie und ihren angeblichen Nachweisen verhält, dazu der folgende, von uns schon im Juli 2002 ins Netz gestellte Beitrag

Wiederholt schon haben wir aus guten Gründen gegen die PA Stellung bezogen. Aus ebenso guten Gründen ist es jetzt angebracht, die einschlägigen Argumente einmal kurz zusammenzustellen --- Gern tritt die PA unter wechselnden Bezeichnungen auf („psychodynamische“, „analytische / neoanalytische Psychotherapie“, „Tiefenpsychologie“  etc.), über deren Unterschiede die ärztlichen wie nicht-ärztlichen (psychologischen) „Fachleute“ mitunter heftig streiten, die aber doch alle entscheidend auf Freudschen Grundsätzen fußen ---
.. ihren heilkundlichen Anspruch stützen sie letztlich gemeinsam auf eine einzige Arbeit, nämlich auf A. Dührssens Katamnestische Ergebnisse bei 1004 Patienten nach analytischer Psychotherapie (Z. psycho-som. Med. 8,1962, 94ff). Sie stellen die grundlegende Arbeit dar, die besagte „Therapie“ in die Kassenmedizin, den Rehabilitationsbetrieb, letztlich in Deutschland zur allgemeinen „Anerkennung“ u. damit zur Massenverabreichung brachte ---
Jahrzehnte später erschienen für die analytischen Verfahren zwar weitere „Erfolgsnachweise“. Für die Zulassung eines neuen Heilverfahren bleibt es in jedem Fall ungewöhnlich, daß eine einzige, noch dazu eine auf den ersten Blick grob wurmstichige Arbeit den Erfolg zweifelsfrei bewiesen hat oder haben soll, just sie der „analytischen Psychotherapie“ Eingang in die kassenärztliche Versorgung verschaffen u. über 30 Jahre hinweg Ausgaben der Krankenkassen in Höhe vieler, vieler Millionen Mark u. Euro auslösen konnte. Es sind in späteren Jahren zwar weitere „Erfolgsnachweise“ nachgekommen. Sie sind bei näherem Hinsehen jedoch auch nicht überzeugender als jener „entscheidende“ erste ---

.. das Hauptmanko der gesamten Psychotherapie u. der von ihr geprägten „Reform-Psychiatrie“, daß es Unparteilichkeit u. damit eine fair moderierte, alle divergenten Aspekte zulassende Diskussion hierzulande nie gegeben hat. Grawes Interesse war und ist, die Psychologen besser ins Geschäft zu bringen.
- - -
Es kommen zwar in Ärzteblättern mitunter auch heute noch Freud-Kritiken vor. Sie werden aber umgehend mit den wütenden Entgegnungen, scipionischen Drohungen derer konterkariert, die mit Freudschem Bluff ihren Lebensunterhalt bestreiten. Empörung bei ihnen, daß Schwindel mitunter noch Schwindel genannt wird. „Nirgends wird in der Medizin so fanatisch und intolerant gestritten wie in der ‚Tiefenpsychologie’“ ---

PA wie auch… Psychotherapie sind Glaubenslehren auf brüchigem Fundament, darüber kann auch das durch Brille, Bart u. Zigarre unterstützte Durchblickergebaren ihres Erfinders Freud nicht hinwegtäuschen. Der Spuk wäre schon längst in der akad. Mottenkiste gelandet, gelänge es nicht deren in mannigfachen Zirkeln organisierten „Hohenpriestern“ in froher Seilschaft mit einschlägigen Medien … ihren Seelenfirlefanz als tiefe, hilfreiche Erkenntnis zu verkaufen… ---
Gespräche mit gesundem Menschenverstand geführt …, sind in seelischer Not oft hilfreich, wer wüßte das nicht? …
Der Anspruch jedweder „Therapie“-Verfahren – natürlich nur in unzähligen, teuren Psychoseminaren schwer zu erwerben -, kraft höherer Einsichten u. besserer Methoden etwas darüber hinaus zu bewirken, ist … gleichermaßen naiv wie lächerlich…

Mit der Attitüde der Erhabenheit über kleinliches Gezänk, vor allem aber dem Verweis auf den psychotherapeutischen „Wirksamkeitsnachweis“ Dührssens setzten sich Ärztevertretung, Ärztetag, Ärzteblatt etc. anstandslos über Jahre, Jahrzehnte über alle, auch die fundiertesten Einwände hinweg.
In Salami-Taktik trieben sie die „Integration“ der Freudschen Pseudowissenschaft in die Medizin voran u. krönten sie 1999 mit der Einrichtung eines auf Freuds Dogmen ruhenden „Facharztes für psychotherapeutische Medizin“. ---

Jaspers bemerkte in Rechenschaft u. Ausblick (Piper, München) 1950 schon, wie von den Ärzten die Ansprüche der PA „ernst genommen werden, (darüber) kann man wohl in Staunen geraten. Das Maß der Anerkennung… seitens der Nichtanalytiker, die Vorsicht, als ob etwas daran sein könne, die Sorge, durch radikale Verwerfung der Unwissenschaft sich zu blamieren, zeigt, wie tief die Wirkung dieser Glaubensweisen geht…“
In dem jahrzehntelang schleichenden, mit fast krimineller Energie verfolgten Anerkennungsprozeß der „analytischen Psychotherapie“ wurden die Ärzte offensichtlich von keinen wissenschaftlichen, sondern von rein politischen Überlegungen und/oder Einflüssen bestimmt, ---
So „fanatisch und intolerant“ sie immer stritt (s.o.), wurde die „Tiefenpsychologie“, dem Marxismus auch hierin verwandt, weithin als „Friedenserziehung“ gefeiert. ---

Hierzulande aber kotauen heute hochmögendste Psychiatrie-Ordinarien, rührigste Ärztevertreter, schlaueste Journalisten wie auch reputierteste Gelehrte vor Freud. Wie vor anderen Herausforderungen in der „Seelenheilkunde“, etwa der Psychiatrie-Reform, dem Psychiatriemißbrauch gehen sie der offenen Diskussion aus dem Weg, helfen sie Freuds Konstruktionen institutionell zu befestigen und sie dem Volk immer eindringlicher unterzujubeln. Konnte und kann solches, darf man fragen, anders geschehen und anders zum Erfolg führen als auf höchste politische Veranlassung hin?

--- Trotz unentwegter Propaganda, die für die Psychoanalyse über die Jahrzehnte allerorts lief, steht ihre therapeutische Wirksamkeit bis heute dahin. Wie viele Millionen Mark und Euro wurden da aus öffentlichen Mitteln vergeudet? Wieviel Korruption hat sich von ihr und ihrer öffentlichen Anerkennung zudem über die ganze Gesellschaft gebreitet? Wie viel mehr noch wiegt aber das menschliche Leid, das dadurch erhalten, wenn nicht gar produziert wurde? Erbarmungslos wurden und werden hilfesuchende Menschen der Pseudowissenschaft ausgeliefert. ---


Zuletzt von Dissident am Mo Dez 05, 2016 6:05 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Freuds Psychoanalyse

Beitrag von Dissident am Mo Dez 05, 2016 5:14 pm

http://www.psychiatrie-und-ethik.de/wpinfcde/warum-kritik-der-psychoanalyse-zu-ihrer-wiederein%c2%adfuhrung-nach-45/

--- Zur Wiederein­führung der Psychoanalyse in Deutschland nach 1945 ---

---  Mitscherlich hatte 1945 offensichtlich ein Gespür dafür, was unter der Fahne der Freiheit jetzt anstand. Es waren jedenfalls aktuelle po­li­ti­sche Klün­gel, die der Psy­cho­somatik und mit ihr bald der 68er „Revolution“ zum Durchbruch verhalfen. ---
Nur um nochmals ansichtig zu machen, wie deutsche Psychiater von Weltgeltung gegen Freud argumen­tier­ten, was speziell Jaspers dem hier behandelten Mitscher­lich-von-Weiz­sä­cker­­­schen Vorge­hen entgegensetzte u. was die deutsche Ärzteschaft danach lässig vom Tisch wischte u. bis heute ignoriert, ..:
Emil Kraepelin aus Dementia praecox and Para­phrenia (aus dem Englischen rückübersetzt):
„… Überall treffen wir den charakteristischen Grundzug der Freudschen Untersuchungsmethode, die Prä­senta­tion willkürlicher Annahmen u. Kon­strukti­o­nen als Fakten, die ohne Zögern zum Bau neuer u. immer höher aufgetürmter Luftschlösser genommen werden, wie auch die Tendenz, von einzelnen Beobachtungen aus zu maßlosen Generali­sierungen zu ge­lan­gen. Ich muß letztlich bekennen, daß ich beim be­sten Willen dem Gedankenfluß dieser ‚Meta-Psych­iatrie’ nicht folgen kann…“
---
Aus Karl Jaspers’ Zur Kritik der Psychoanalyse: --- Freud nimmt nicht teil am Sinne moderner Wissenschaft. Er bewirkt mit seinen Entschleierungen selber neue Verschleierungen…. --- Man weiß, daß alle psy­chotherapeutischen Verfahren in der Hand wirksamer Persönlichkeiten Erfolge haben, durch die Jahr­tau­sende hindurch. ---
Krankheit wird zur Schuld. Was in begrenzten Bereichen ein möglicher Standpunkt gegenüber Krankheitserscheinun­gen ist – in keinem Falle ein ärztlicher Stand­punkt – das wird mehr oder weniger deutlich auf alle Krankheiten aus­gedehnt. Eine falsche und in ihren Folgen inhumane Philoso­phie verdirbt den Sinn und das Ethos ärztlichen Helfens. --- die Sorge, bei radikaler Verwerfung der Unwissenschaft als befangen zu gelten, zeigt, wie tief die Wirkung dieser Glau­bens­weisen geht. ----
An solchen Mahnungen ging Deutsch­land wieder vorbei, ebenso an denen vieler an­derer Freud-Kritiker, die sich bald, auf neue Entdeckungen Freudscher Flunkerei ge­stützt, zu­nehmend in aller Welt zu Wort meldeten. Hierzu­lande wurde derweil aus­gegrenzt, wer an Freud nicht glaub­te. ---

1973, als die analytisch reichlich schon mitbestimmte Psych­­­ia­trie-En­quête, von der CDU/CSU angefor­dert, vom Bun­­­destag in Gang gesetzt, schon fortgeschritten war u. ihr Zwi­­­­schen­be­richt bereits vorlag, toppte die damalige Bun­des­gesund­heitsmi­nisterin Focke (SPD) das Unterneh­men, in­dem sie der Enquête-Kom­mis­sion noch ei­nen Extra-Trupp von Ana­ly­ti­kern aufsetzte. Deren Wortführer war jetzt Horst-Eber­hard Richter, Mit­scher­­lichs Nachfolger als Direktor des Sigmund-Freud-In­stituts in Frank­furt, SPD-Wahl­kämp­fer, Vor­mann des Freud-(Mar­­x)ismus jetzt in Deutschland. Nicht zuletzt über dem psy­cho­analy­ti­schen Auf­satz geriet der anderthalb tausend DIN-A-seitige En­quête-Be­richt 1975 in seiner sprachli­­chen Öde, seiner Verblasenheit u. seiner po­litischen Verdrücktheit – über Institutsambulanzen ver­folgte er breiteren staat­lichen Zugriff auf das Fach, über die Psycho­­therapie Zu­griff auf jedermann – zu einer neu­en Peinlich­keit der deutschen See­lenheil­kun­de.

Immerhin war es ja die Zeit, in der jenseits des großen Teichs – davon erfuhren wir freilich erst später – ein ganz anderer Trend schon eingesetzt hatte. Zu Aufstieg u. Fall Freuds in den USA standen in RB 1/08,3, stützend auf das Buch von E. Fuller Torrey FREUDIAN FRAUD, schon einige Ausfüh­rungen. Ein weiteres in­zwi­schen er­schienenes Buch verbreitert die Spur, das Buch des Psychiatrie-Profes­sors an der McGill University in Montreal Joel Pa­ris THE FALL OF AN ICON (University of Toronto Press, 2005). Es zeigt, wie in Nord-Ame­rika bereits in den 70er Jahren die Ablösung von Freud innerhalb der Psychiater-Zunft vorankam. Hierzulan­de erwärmten sich derweil die Seelen-Exper­ten, die Ärzteschaft insgesamt, ja die gesamte „politische Klas­se“, auch die Union für ihn (und Marx) erst richtig. ---

Auf der Höhe der Revolte lud die McGill-Klinik Herbert Marcuse zur Diskussion, zu seiner fachlichen Unterstützung dazu noch den Psychiater „Ro­bert“. Die Versammlung wurde von einer Gruppe Maoisten gestürmt, die die Diskussion mit Zwischenrufen störten. Marcuse klagte das Fach an, auf der Seite des „Establishments“ zu stehen. Der alt verdiente Klinikchef (Dr. Lehmann) hielt da­gegen, die Revolutio­näre versprächen nach der Revolution kommende Sahne, lieferten sie aber nie. Robert stand auf, rief: „Ich geb’ euch eine“ u. spritzte Leh­mann mit Sahne voll. Als ihn McGills De­kan zu stoppen ver­suchte, gab’s ihm „Robert“ ebenso. Marcuse verteidigte ihn. Die Maoisten brüllten u. drohten, die Ar­beiter-Klas­­­­­­se zum Aufruhr zu führen. Lehmann sorgte für Beru­hi­gung, indem er einräumte, vielleicht ein fal­sches Wort gesagt zu haben. „Aber lassen Sie uns jetzt die Diskussion fortsetzen“ – wie’s dann auch geschah.

Als in Berlin 1974 ein ähnlicher Haufen in den Deutschen Ärztetag brach (RB 1/01,6.9), ließ die Ärztetagsleitung die eben lau­fende Psychiatrie-Diskussion – kurz war ich da noch zu Wort gekommen – in lauter Marschmu­­sik un­terge­hen u. schloß sich in der Folge ohne viel Auf­he­bens den linken Chaoten an, die Psychotherapie, in der es Ein­fühlung u. Offenheit braucht, der Freudschen Dogmatik überlas­send, dafür andere jetzt ausgrenzend. ---

„Die“ Psychiater waren da­mals in aller Welt ver­sessen, die deutschen zu­dem von „kompensatori­scher Lei­denschaft“ erfüllt, die Gesellschaft zu verändern u. sie (zu­min­dest rhetorisch) von al­l ihren Gebre­chen zu heilen. „Psychis“, die Kar­riere ma­­chen woll­­ten, wa­ren da­mals allesamt „Sozialpsychiater“ – solche, denen die Psy­ch­­iatrie der DDR auch heute noch als „positiv u. be­wah­­­renswert“ gilt (RB 1/09,2.7). Neben Psychoanalytikern u. Po­liti­kern wa­ren sie die treiben­­de Kraft hinter der Reform. Wer ein noch so dürftiges Pa­pier­chen zum En­­quête-Be­richt bei­trug, hat­te bereits das Ticket für einen psych­ia­tr. Chef­arzt­posten in der Tasche. Das „unfreie System der Planwirtschaft“ legte da in seiner „Ver­korkstheit“ (Philipp Rösler) im Gesundheitswesen los. ---

Der Schriftsteller E. Dolnick etwa er­innert, wie sie Eltern, in Sonderheit „schizophrenogenen“ Müttern kranker Kinder zu all ihrem Un­glück auch noch die Schuld an deren Leiden aufluden. --- Auf die geschichtliche Entwicklung verweisen auch deutsche Psychiater jetzt gern, nachdem sie die PA über Jahrzehnte Platz greifen ließen. Sie stellen diese u. solide Wissenschaft jetzt einmal nach u. das nächste Mal neben einander, stellen er­stere als zu­mindest historisch interessant, im Handumdrehen dann aber auch als therapeutisch relevant u. somit ebenbürtig hin. Sie geben den Schwindel damit immer noch als honorig-emp­feh­lens­­werte Therapie-Alternative aus, ja benützen den guten Ruf ärztlicher Wissenschaft, um Schwindel zu be­stär­ken. Das Ergeb­nis ist, daß zur Anwendung kommen­de Psychotherapien zu drei Vierteln weiterhin freud-ori­entiert sind (RB 1/06,7.3).

Auch in Ame­rika aber lautet die Anklage nicht nur sanft auf hi­storischen Irrtum, sondern rundweg auf Lüge u. Be­­trü­gerei
(Torrey, FREUDIAN FRAUD – 3.6). Uns steht in jedem Fall ein entschiedenes Urteil zu: Ohne daß unsere einschlägig über Jahre erhobenen Anklagen je ge­prüft worden wären, wur­den u. werden wir ausgegrenzt, die Freudsche Schwin­del­wissen­schaft aber von obersten Ärztevertre­tern, KV-Boß Köh­ler u.a., weiter be­stärkt, Hil­fesu­chende weiter verschaukelt, Zwangs­­­­bei­träge der Kran­kenversicherten, Millionen-, Milliardensummen in den Sand ge­setzt u. das ganze Land irrege­führt.
- - -
Letztlich waren es das Geld der Rockefeller-Stiftung u. „der politische Druck des Justizministers Carlo Schmid“, die 1950, schreibt Bormuth, zur Eröffnung der „FreudKlinik“ an der Heidelberger Universität führte. --- Unter dem gleichen Etikett „Psychotherapie“ und immer zum gleichen Preis verkaufen die Herrschaften unterschiedlichste Inhalte, ihre Wirksamkeit nie näher diskutierend. Gern ziehen sie bei passender Gelegenheit aber Freud unter dem Ladentisch wieder hervor ---
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Freuds Unredlichkeit und seine Pfuschereien

Beitrag von Dissident am Mi Dez 07, 2016 10:14 am

Freuds Unredlichkeit


Hier ein Zitat aus dem Buch "Allgemeine Theorie der rätselhaften Botschaften: Freuds Menschenbild und ..." von Werner A. Disler:

--- Einer der dubiosesten Fälle aus Freuds Praxis mit deutlichster Suggestion betrifft einen amerikan. Kollegen des Österreichers, den Psychiater Horace Frink. Dieser hatte sich 1921 in Wien von Freud analysieren lassen und kam wie seine Tochter Helen Frink-Kraft schildert, mit der Diagnose zurück, daß er latent homosexuell sei und daß seine emotionalen Probleme gelöst würden, wenn er sich von seiner ersten Frau scheiden ließe und eine zu der Zeit ebenfalls noch anderweitig verheiratete reiche Erbin namens Angelika Bijur heiratete.
Wie aus einem späteren Brief Freuds an Frink hervorgeht, hatte der Amerikaner offensichtliche Zweifel an der Analyse seines großen Kollegen: "Ihre Beschwerde, daß Sie Ihre Homosexualität nicht verstehen können, impliziert, daß Sie sich noch nicht Ihrer Phantasie bewusst sind, mich zu einem reichen Mann zu machen", heisst es in dem kürzlich von der "New York Times" auszugsweise veröffentlichten Brief. Und dann wird der Vater der PA noch deutlicher:
"Wenn alles gut verläuft, dann lassen Sie uns, diese imaginäre Gabe in eine reale Spende für die Psychoanalytischen Fonds umwandeln."
Was auch immer  der finanzielle Erfolg dieses Bettelbriefes war - die "analytisch" begründete Ehestiftung gelang. Frink ließ sich scheiden und heiratete 1922 die ebenfalls frischgeschiedene Angelika Bijur, die eine ehemalige Patientin von ihm war. Aber die Verbindung stand unter keinem glücklichen Stern. Geplagt von Schuldgefühlen, weil er seine Frau verlassen hatte, verfiel Frink in Depressionen. Schon 1924 wurde die Ehe wieder geschieden. "Freud hat meinen Vater ausgenutzt, meine Mutter und meine Stiefmutter", schreibt Helen Frink-Kraft, die die Affäre 1988 in der Zeitschrift der John Hopkins Universität in Baltimore beschrieb.
Die dubiose Eheanbahnung hätte beinahe sogar zu einem öffentlichen Eklat geführt. Frau Frink-Kraft fand in den Archiven der Universität einen offenen Brief an Freud, den der frühere Ehemann von Angelika Bijur eigentlich als Anzeige veröffentlichen wollte. Der Multimillionär Abraham Bijur verlangt darin Rechenschaft, wie Freud dazu komme, seine Ehe zu zerstören. Der Brief schliesst mit den Worten. "Großer Doktor, sind Sie ein Gelehrter oder ein Scharlatan?" ---

Freuds Pfuschereien


http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26364 --- Alice, Prinzessin von Griechenland u. Dänemark, ihr Sohn: Philip, heute Duke of Edinburgh ---

Prinz Philip ist inzwischen 95 und steht immer noch im Rampenlicht. Doch von der Mutter des Ehemanns von Königin Elizabeth ist herzlich wenig bekannt. Sollte doch jemand über Kenntnisse ihrer Biografie verfügen, sind es meist uncharmante Züge, etwa dass sie »in der Klapsmühle saß« oder »als Nonne bei der Krönung Elizabeths auftrat«. ---
Alice von Battenberg, die spätere Prinzessin von Griechenland und Dänemark, kommt 1885 in Anwesenheit ihrer Urgroßmutter Königin Victoria im Windsor Castle zur Welt, im gleichen Zimmer wie ihre Mutter bei deren eigener Geburt. Sie ist das erste von vier Kindern von Prinzessin Victoria von Hessen und Prinz Ludwig Alexander von Battenberg. Die Familie ist größtenteils deutsch mit starker Anbindung ans britische Königshaus. ---
Taub geboren, entwickelt sich Alice zur perfekten Lippenleserin. ---
Alice vertieft in dieser Zeit ihr Interesse an christlich-religionsphilosophischen Werken. Sie tritt der griechisch-orthodoxen Kirche ihres Mannes bei. Gleichzeitig beginnt sie, zunehmend unter psychischen Störungen zu leiden, und glaubt 1929 vehement, die Braut Jesu zu sein, mit ihren Händen heilen zu können und der Welt eine Botschaft mitteilen zu müssen. 1930 wird sie, psychisch krank, in Ernst Simmels Sanatorium Schloss Tegel in Berlin von diesem und Sigmund Freud untersucht. Die beiden stellen eine »paranoide Schizophrenie« fest und glauben, dass der Erkrankung auch sexuelle Frustration zugrunde liegt. Die Psychoanalytiker beschließen, mit starken Röntgenstrahlen einen vorzeitigen Einsatz der Wechseljahre zu erreichen, um Alice zu beruhigen, ohne dass das erwünschte Resultat eintritt.

Alice verlässt kurz darauf auf eigenen Wunsch die Klinik, ohne indes stabiler geworden zu sein. Unter der Leitung ihrer Mutter wird Alice mit einem Getränk betäubt und gegen ihren Willen in eine psychiatrische Klinik nach Kreuzlingen in die Nähe von Konstanz gefahren. Briefe und ärztliche Notizen aus dieser Zeit bezeugen, wie sie in ihren zwei Jahren in dieser Klinik ständig versuchte, ihre Freiheit wiederzuerlangen. Letztendlich erreicht sie dies durch Appelle an die Familie. --- In den Jahren darauf lebt Alice zuerst getrennt von ihrer Familie in verschiedenen Pensionen und Heilanstalten, bevor sie ab 1936 langsam wieder zu sich findet. ---

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