Theresienstadt

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Transporte und Häftlings-Nummern

Beitrag von Dissident am Fr Apr 14, 2017 2:49 pm

Häftlingsnummern:
Ortrun Aaron Geboren 17. 07. 1902 -- Transport XII/3, nr. 40 (16. 09. 1942, Frankfurt am Main
Karl Aaron -- Transport VII/1, nr. 2 (22. 07. 1942, Düsseldorf -> Theresienstadt) -- Transport Ev, nr. 841 (28. 10. 1944, Theresienstadt -> Auschwitz)
Johanna Aaron -- Transport XII/3, nr. 39 (16. 09. 1942, Frankfurt am Main
Emmy Aaron -- Transport VII/1, nr. 1 (22. 07. 1942, Düsseldorf -> Theresienstadt) -- Transport Ev, nr. 840 (28. 10. 1944, Theresienstadt -> Auschwitz)
Julia Aal-Broches -- Transport XXIV/5, nr. 2 (07. 04. 1944, Westerbork -> Theresienstadt) -- Transport Et, nr. 1289 (23. 10. 1944, Theresienstadt -> Auschwitz)
Pauline Aal -- Transport II/25, nr. 1 (11. 09. 1942, Nürnberg -> Theresienstadt) -- Transport Bs, nr. 511 (29. 09. 1942, Theresienstadt -> Treblinka)
Jutta Aal -- Transport I/45, nr. 3845 (14. 08. 1942, Berlin -> Theresienstadt)
Fritz Aal -- Transport XXIV/5, nr. 1 (07. 04. 1944, Westerbork -> Theresienstadt) -- Transport Ek, nr. 1648 (28. 09. 1944, Theresienstadt -> Auschwitz
Barbara Aal -- Transport XXIV/5, nr. 3 (07. 04. 1944, Westerbork -> Theresienstadt) -- Transport Et, nr. 1290 (23. 10. 1944, Theresienstadt -> Auschwitz
Leopold Aach -- Transport III/2, nr. 457 (28. 07. 1942, Köln -> Theresienstadt) -- verstorben 29. 09. 1942 Theresienstadt
Johanna Aach -- Transport III/2, nr. 458 (28. 07. 1942, Köln -> Theresienstadt) -- Transport Cr, nr. 562 (23. 01. 1943, Theresienstadt -> Auschwitz)
Pick Elise (1855-1942) Transport IV/8-977 .. Darmentzündung, Todesursache: Herzschwäche
Erich Munk .. Transport J, nr. 579 (04. 12. 1941, Prag -> Theresienstadt) und Transport Ev, nr. 1786 (28. 10. 1944, Theresienstadt -> Auschwitz)
Max Mannheimer hat die Nr. CP510, später in Auschwitz 99.728 ---
Am 25.9. wurden abends die Transportnummern eingetragen (2.800–5.500). Willy Mahler erhielt Nr. 3.017 --- Bevor Willy M. am 29.9.1944 mit Transport El nach Auschwitz deportiert wurde, übergab er seine Aufzeichnungen an eine Bekannte.
Karl Löwenstein --- Transport XVI/1, č. 480 (20. 09. 1942, Lipsko -> Terezín) --- Transport Ep, č. 146 (09. 10. 1944, Terezín -> Osvětim)
Jeschiel Liebeschütz (1856-1943 in Th.) Transportnummer 12666 – I/94
Okt. 1942 -- Transport IV/12-629 Ludwig Hift
Hänisch, Victor Hubert, Freiherr zu Reith und auf Fugglau (1865-?) Transportnummer IV – 14/350/351
Maurice Grün, Wien. Transportnummer IV/14.d/308
Am 13.10.1944, wurden Lore Gabelin u. ihr Mann zum Anhalter Bahnhof gebracht. Von dort ging es ins Lager Th. Lore G. hatte die Transportnummer 1/117-14921
5.7.1943 mit Transport De u. der Nr. 411 von Prag Leo Fantl
3.8.1942 wurde Ottilie (Ottla) David-Kafka mit Transport AAw unter der Registriernummer 5285 nach Th.
5.3.1943 von der Bahnstation Prag–Holosovice nach Th. deportiert. Transport-Bezeichnung CV , Berman hatte die Nummer 1002
Transport IV/9, nr. 6 (28.8.1942, Wien -> Theresienstadt) Ludwig Gutmann
30.11.1941 wurde er nach Th. deportiert (Transportnummer H/128) Rafael Schächter
5.7.1943 -- Transport De Nummer 541 kam am 5.7.1943 Karel Poláček
Panofsky, Liselotte, Transportnummer: 12387–I/91
Simon Popiel (1865-?) Transportnummer 480 –IV/10
Transport XX/2, no. 147 (25. 11. 1942, Magdeburg -> Terezín) --  Benno Russo
665/0 -- Petr Kien http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2350
Transportnummer 8207 – I/71 -- Wongtschowski, Bianka
Transportnummer 11551 – I/90 -- Helene Skutsch
Transport I/96, nr. 13394 -- Ernst Rosenthal

CV-1002 -- Karel Berman  http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1713
EZ-240 -- Alfred Cierer (18.12.1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1718
AAw-5285 -- Ottilie (Ottla) David-Kafka http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1729

Transporte und Häftlings-Nummern  http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/t/transporte.htm  

Ab 24.11.1941 wurde mit dem Eintreffen von 342 Männern aus Prag (Aufbaukommando) das Lager Th. als 'Transitghetto' für Juden aus dem Protektoratsgebiet genutzt.
Frühjahr 1942 endete die ausschließliche 'Protektoratsfunktion' Th., da das RSHA die Transporte der deutschen Juden ins 'Altersghetto' Th. nun als 'dringend' ansah.

Deportation aus dem Protektorat Böhmen u. Mähren
Okt. u. Nov. 1941 gingen 'Judentransporte' aus dem Protektorat noch nach Minsk u. Litzmannstadt.
16.10.1941 wird der erste Transport aus dem Protektorat nach Łódź (Litzmannstadt) geschickt.
Weitere Transporte folgen am 21.10., am 26.10. u. am 3.11.1941. Insges. wurden 5.000 Personen deportiert.

Ab Ende Nov. 1941 war dann Th. für die meisten der 88.105 Juden aus Böhmen u. Mähren der erste Anlaufpunkt.
1942 gingen 5 Transporte aus Prag nach Łódź (Litzmannstadt) u. ein Transport aus Brünn nach Minsk.
Innerhalb weniger Tage verließen diese aus jeweils 1.000 Personen bestehenden Transporte ab dem 16.10. Prag u. Brünn ---
Der letzte Transport nach Polen erfolgte nach dem Attentat auf Heydrich. Man schickte einen aus 1.000 Personen bestehenden sog. 'Straftransport' nach Ujazdow bei Lublin. --- Der Transport hatte die Bezeichnung AAh, was man als Abkürzung für „Attentat auf Heydrich“ verstand.
Bis zum letzten Transport aus dem Protektorat am 15.5.1945 wurden 73.608 'Protektoratsjuden' in 102 Transporten nach Theresienstadt verbracht.
Davon wurden 60.382 Personen weiter in die KZ nach Osten transportiert ---
Die Transporte erfolgten meist mit jeweils ca. 1.000 Personen aus den wichtigsten Ortschaften des Protektorats. Die Prager Juden verbrachten vor ihrer Abfahrt 3-4 Tage im Sammellager 'Radiomarkt'. Die Transporte liefen mit der Bahn zur Station Theresienstadt-Bauschowitz, Eger (Terezin-Bohušovice nad Ohrí) die ca. 2,5 km lange Strecke vom Bahnhof ins Ghetto mußten die Menschen unter Bewachung maschieren. Ab Juni 1943 verlief die Bahntrasse direkt bis ins Ghetto

Deportationen aus dem Reichsgebiet
Mai 1942 setzten Transporte aus dem Reichsgebiet einschl. Österreich nach Th. ein. In den Transporten befanden sich meist ältere Menschen sowie Angehörige 'bevorzugter Gruppen'. Diese als 'Prominente' bezeichneten Personen hatten sich Verdienste im Militär erworben, hatten internat. Verbindungen oder waren sog. 'Geltungsjuden'. Aus dem 'Altreich' trafen mit 417 Transporten 42.921 Personen ein. Dazu kamen ca. 17.000 Personen aus Wien --- Nach Th. gingen 648 Transporte mit ca. 140.000 Menschen ---

Kennzeichnung der Transporte nach Theresienstadt
Jeder Transport wurde an seinem Abgangsort mit Buchstaben gekennzeichnet. Die Transporte vorzubereiten u. durchzuführen war im Protektorat weitgehend Aufgabe der Prager Jüd. Kultusgemeinde (JKG) u. ihrer „Transportabteilung“. Die Betroffenen wurden meist durch Boten verständigt u. erhielten eine „Transportnummer“, die für die Dauer ihre Aufenthaltes in Th. gleichsam zu einem Bestandteil ihres Namens wurde u. im amtlichen Verkehr angegeben werden mußte. Man hatte etwa die Transportnummer W 982 oder AA 475 oder Cv 13, was besagte, daß die Person mit dem Transport W oder AA oder Cv nach Th. gekommen war u. in der entsprechenden Transportliste unter der Position 982, 475 oder 13 geführt wurde. Die „Transportlisten“ wurden im Auftrag der „Zentralstelle“ von der JKG zusammengestellt, mehrfach ausgefertigt u. dem Kommandanten der deutschen Begleitmannschaft nach Th. mitgegeben, wo je ein Durchschlag ans „Zentralsekretariat“ u. an die „Zentralevidenz“, also an jüd. Stellen gelangte. Gewöhnlich wurden 1.000 Personen transportiert. Gelegentlich kamen auch kleinere oder größere Transporte vor. Später waren es auch kleine u. kleinste Gruppen. Anfang 1945, als Personen aus 'Mischehen' transportiert wurden, gab es wieder größere Transporte.

Auch die Transporte aus anderen Ländern nach Th. brachten in der Regel Verzeichnisse mit, aber ohne Bezeichnungen, die im Lager übernommen worden wären.
Endgültige Listen aber wurden erst in Th. von der „Transportabteilung“ oder in der „Zentralevidenz“ angelegt. Die Transporte wurden benannt, die Deportierten bekamen ihre „Transportnummer“. Als Grundlage wählte man römische Ziffern von I bis XXVI, jede einem oder mehreren Ankunftsorten vorbehalten, die meist den einzelnen Gestapobereichen entsprachen. So besagte I Berlin, IV Wien u. XXIV Holland. Den einzelnen Transporten wurde eine arabische Nummer zugesetzt, so war I/90 der 90. Transport aus Berlin. Die „Transportnummern“ wurden diesen Deportierten in fortlaufender Reihenfolge zugewiesen, so daß sich die individuellen Nummern, z.B. unter römisch I, nicht wiederholten u. die Personalziffern bei Berlin, Wien usw. in die Tausende gingen. Für jeden Alteingesessenen war die Nummer eines jeden Insassen Hinweis auf die Herkunft u. Aufenthaltsdauer in Th. ---
Unter Polizeieskorte kamen „Einzelreisende“ nach Th. Einzelreisende aus dem Protektorat wurden mit EZ bezeichnet u. bekamen fortlaufende Nummern. Brachte man „Einzelreisende“ aus anderen Ländern, so wurden sie meist dem letzten Transport zugezählt, der seinem Herkunftsort entsprach.

siehe auch: =>Die Vorbereitung eines Transports am Beispiel Berlins

Weitere Informationen über einzelne Transporte:
=>Transporte aus Hamburg
=>Transport aus Köln

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/w/westerbork.htm .. Das Lager Westerbork wurde 1939 von den holländischen Behörden angesichts der großen Flüchtlingsströme als Auffanglager für deutsche Juden eingerichtet --- 1942 übernahmen die NS das Lager u. funktionierten es um zu einem Durchgangslager für alle holländischen Juden u. alle deutsch-jüd. Emigranten ---  Einige der das Lager verlassenden Transporte gingen nach Theresienstadt. Ich nehme an, daß von den in Th. aus Holland eintreffenden Transporten all die aus Westerbork kamen, die mit XXIV gekennzeichnet sind.
Folgende Transporte kamen zwischen 1943 u. 1944 aus Holland im Ghetto Th. an :
Transportnummer -- Datum -- Anzahl
XXIV/1 -- 22.4.1943 -- Westerbork -- 295 Personen
XXIV/2 -- 20.1.1944 -- Westerbork -- 870 Personen
XXIV/3 -- 27.1.1944 -- Westerbork -- 283 Personen
XXIV/4 -- 26.2.1944 -- Westerbork -- 809 Personen
XXIV/5 -- 7.4.1944 --- Westerbork -- 289 Personen
XXIV/6 -- 2.8.1944 --- Westerbork -- 213 Personen
XXIV/7 -- 6.9.1944 --- Westerbork -- 2.081 Personen
XXIV/8 -- 20.11.1944 -- Westerbork -- 51 Personen
Gesamt: 4.891 Personen

--- Einige Häftlinge mit einer Sperre erhielten ab 1943 die Möglichkeit, mit einem Transport nach Bergen-Belsen (was ebenfalls als Vorzugslager galt) oder nach Th. zu gehen. Entschieden wurde über die Ansprüche von einer Angestellten des IVB4, einer Frau Gertrud Slottke. Nach Bergen-Belsen fuhren 8 Transporte mit 3.751 Menschen, die überwiegend über Palästina-Austauschpapiere oder eine „Diamanten-Sperre“ verfügten. Die Kategorie, die für Th. in Frage kam, war breiter als die für Bergen-Belsen: Häftlinge mit Kriegsauszeichnungen, Häftlinge mit Friedensverdiensten, herausragende Persönlichkeiten. Eine besondere Rolle bildeten die jüd. Mitglieder der holländischen Nationaal Socialistische Beweging (NSB), die es im Gegensatz zur NSDAP bis 1936 abgelehnt hatte, jüd. Mitglieder (ca. 150) auszustoßen. Dies wurde erst Okt. 1938 u. dann gegen den Willen des Vorsitzenden Mussert beschlossen. Mussert kümmerte sich auch nach der deutschen Okkupation um diese Menschen. Etwa 20 Juden wurden im Osten des Landes interniert, unter ihnen auch Jo Spier u. dessen Familie, der zwar kein Mitglied des NSB war, dessen Zeichnungen aber von Mussert bewundert wurden. Die 295 Personen des 1. Transportes, zu denen auch die Mussert-Leute gehörten, wurden Anfang März mit Personenwagen II. u. III. Klasse nach Th. deportiert. Unter ihnen waren auch Ehepartner nicht mehr existierender Mischehen. Dieser Transport, wie auch die nächsten, waren mit Eichmann abgesprochen. Die Nachricht verbreitete sich schnell, daß Th. eine gute „Alternative“ zu den Transporten nach Polen war u. immer mehr Menschen bemühten sich um einen Platz in Th. Mit dem 2. Transport fuhren auch Häftlinge der von Gemmeker aufgestellten „Stammliste“, auf der sich hauptsächlich gutgediente Häftlinge befanden, die dadurch „belohnt“ werden sollten. Auf Einspruch der Gestapo musste Gemmeker die Transportliste jedoch revidieren u. stattdessen ehem. Frontsoldaten deportieren lassen. Mit dem 3. Transport fuhren dann jedoch im Wesentlichen „Altgediente“. Eine weitere Kategorie für Th. waren Kinder, deren Eltern bereits in Th. waren. Der 4., eigentlich für Th. bestimmte Transport, wurde nach Bergen-Belsen umgeleitet (14.9.1943), weil Th. überfüllt war. 3 Monate blieben die Häftlinge in Bergen-Belsen, bevor der Transport nach Th. weitergeleitet wurde. Dabei wurden einige der aus Westerbork gekommenen Häftlingen in Bergen-Belsen belassen, andere Häftlinge in den Transport eingereiht.
- - -
Später wurden Mitglieder des Amsterdamer Joods Raads u. Kinder verdienter Häftlinge (wie Ärzten) auf die Th.-Listen gesetzt. Es hat den Anschein, daß die Transporte u. die Häftlingskategorien ab Sept. 1943 nicht mehr ausschließlich von Eichmann vorgegeben, sondern von Den Haag aus dirigiert wurden. Unter Ausweitung der Kategorien wurde am 18.1.1944 ein weiterer Transport nach Th. geschickt. Dieser Transport ging in Personenwagen III. Klasse ab. Jetzt waren ein Großteil der Stammliste (auch „Tausenderliste“ genannt) nach Th. deportiert worden. Andere Gruppen unter den Häftlingen gewannen jetzt an Einfluss u. konnten z.B. wie der Judenratsangestellte Curt Blüth dafür sorgen, daß junge Hechalutzmitglieder vorrangig nach Th. u. nicht in den Osten deportiert wurden. Unklar war eine Zeitlang, was mit einer Gruppe von „portugiesischen“ Juden geschehen sollte. Während einige in den Osten deportiert wurden, gingen 308 in einen Transport nach Th. Von ihnen wurden bei Kriegsende 23 befreit, 17 Personen waren zuvor mit dem Ew-Transport in die Schweiz entkommen.
Anf. Sept. 1944 gingen die letzten 3 Transporte aus Westerbork ab. Der 1. nach Auschwitz, der 2. nach Th., der 3. nach Bergen-Belsen. Aufzeichnungen u. Kartotheken wurden vernichtet. Im letzten Transport befanden sich viele Judenratsmitglieder mit ihren Familien u. Angehörige der Kranken- u. Versorgungsdienste aus Westerbork.
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Dissidents Auflistung der Transport nach Th. und von Th. nach Auschwitz u.a. KZ:

Nach Theresienstadt:
? -- Transport IV/8 .. Pick Elise (1855-1942) Darmentzündung, Todesursache: Herzschwäche
? -- Transport IV/14.d -- Wien
? -- Transport IV/14
? -- Transport PG 800
24.11.1941 -- Transport Ak I „Aufbaukommando“
30.11.1941 -- Transport H
02.12.1941 -- Transport G
04.12.1941 -- Transport AK II „Aufbaukommando“
04.12.1941 -- Transport J
10.12.1941 -- Transport L
28.01.1942 -- Transport U -- von Brünn
30.01.1942 -- Transport V -- von Prag
12.02.1942 -- Transport X
26.02.1942 -- Transport Z -- von Kladno
29.03.1942 -- Transport Ae
08.04.1942 -- Transport Ai
18.04.1942 -- Transport Akb
15.05.1942 -- Transport Au 1
19.05.1942 -- Transport Aw -- von Mohelno
13.06.1942 -- Transport AAd -- von Kolín
11.07.1942? -- Transport IV/3 -- wo sie am 11.7.1942 eintraf
16.07.1942 -- Transport VI/1 (VI stand für Hamburg u. 1 für den 1. Transport nach Th.) -- 926 Personen erreichten Th. am 16.7.1942
16.07.1942 -- Transport AAr -- von Prag
20.07.1942 -- Transport AAs
20.07.1942 -- Transport VI/2 -- von Hamburg -- 800 Juden
22.07.1942 -- Transport VII/1 -- von Düsseldorf
28.07.1942 -- Transport III/2 -- von Köln
03.08.1942 -- Transport AAw
10.08.1942 -- Transport Ba
14.08.1942 -- Transport I/45 -- von Berlin
21.08.1942 -- Transport I/49
28.08.1942 -- 9. Wiener Transport
08.09.1942 -- Transport Bf
10.09.1942 -- 63. Berliner Transport
10.09.1942 -- Transport II/25 -- von Nürnberg
11.09.1942 -- Transport II/25 -- von Nürnberg
12.09.1942 -- Transport Bg
15.09.1942 -- Transport JB I -- von Panenské Břežany
16.09.1942 -- Transport XII/3 -- von Frankfurt am Main
20.09.1942 -- Transport XVI/1 -- von Lipsko
??.10.1942 -- Transport IV/12
04.10.1942 -- Transport I/71 -- von Berlin
10.10.1942 -- Transport IV/13 -- von Wien
28.10.1942 -- 68. Alterstransport
? -- Transport I/71 Berlin
05.11.1942 -- Transport I/76 -- von Berlin
25.11.1942 -- Transport XX/2 -- von Magdeburg
09.12.1942 -- Transport Cg
05.03.1943 -- Transport CV -- von Prag–Holosovice
18.03.1943 -- Transport I/90 -- von Berlin
21./22.04.1943 -- Transport XXIV/1 -- von Westerbork -- 295 Personen
17.06.1943 -- Transport I/96 -- von Berlin
05.07.1943 -- Transport De
08.07.1943 -- Transport Dh  
08.07.1943 -- Transport Dn
23.07.1943 -- Transport AAt
18.12.1943 -- Transport EZ
20.01.1944 -- Transport XXIV/2 -- von Westerbork -- 870 Personen
27.01.1944 -- Transport XXIV/3 -- von Westerbork -- 283 Personen
26.02.1944 -- Transport XXIV/4 -- von Westerbork -- 809 Personen
07.04.1944 -- Transport XXIV/5 -- von Westerbork -- 289 Personen
02.08.1944 -- Transport XXIV/6 -- von Westerbork -- 213 Personen
18.08.1944 -- Transport Ef
06.09.1944 -- Transport XXIV/7 -- von Westerbork -- 2.081 Personen
29.09.1944 -- Transport El
13.10.1944 -- Transportnummer 1/117
20.11.1944 -- Transport XXIV/8 -- von Westerbork -- 51 Personen

Von Theresienstadt nach Auschwitz:
23.01.1943 -- Transport Cr
06.09.1943 -- Transport Dm -- 5.000 Personen ins sogen. Theresienstädter Familienlager in Auschwitz
Sept. 1943 wurden 2 Transporte aus Th. (DI u. Dm) mit insges. 5.007 Menschen nach Auschwitz-Birkenau deportiert u. dort im Sektor BIIb zwischen dem Quarantänelager für Männer u. dem Lager für Ungarinnen untergebracht. So entstand das „Theresienstädter Familienlager“
16.05.1944 -- „Arbeitseinsatztransport“
18.05.1944 -- Transport Eb
??.08.1944 -- Transport CK 576
28.09.1944 -- Transport Ek
29.09.1944 -- Transport EL
04.10.1944 -- Transport En -- 1.500 Personen
06.10.1944 -- Transport EO-167
09.10.1944 -- Transport Ep
12.10.1944 -- Transport Eq
16.10.1944 -- Transport Er -- 1.500 Häftlinge
19.10.1944 -- Transport Es
23.10.1944 -- Transport Et
28.10.1944 -- Transport Ev -- letzter Osttransport nach Auschwitz

Von Theresienstadt nach Riga:
20.08.1942 -- Transport Bb

Von Theresienstadt nach Treblinka:
29.09.1942 -- Transport Bs

weitere infos siehe Quelle: http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/


Zuletzt von Dissident am Do Sep 07, 2017 4:01 pm bearbeitet; insgesamt 19-mal bearbeitet
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Deportationen von Theresienstadt

Beitrag von Dissident am Fr Apr 14, 2017 3:17 pm

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/t/transporte.htm  Deportationen von Theresienstadt

Der erste aus Theresienstadt in die Vernichtungslager des Ostens abgehende Transport verließ am 9. Januar 1942 das Ghetto. Das Ziel war Riga. Es folgten weitere 60 Transporte, in denen 87.000 Personen in die Vernichtungslager transportiert wurden. Nur 3.600 Personen überlebten diese Transporte. Am 26. Oktober 1942 verläßt der erste Transport nach Auschwitz Theresienstadt. Er umfaßte 1.866 Personen. 1.619 Personen wurden =>'sonderbehandelt' (vergast), 247 (215 Männer und 32 Frauen) kamen ins Lager. Theresienstadt verlassen hatten am 26. Oktober 740 Männer und 1.126 Frauen (105 Kinder bis 14 Jahren, 667 Personen 15–45, 538 Personen 46–60, 556 über 61). Quelle: 153)
Auschwitz ist nun das Ziel aller künftigen Transporte, mit denen mehr als 44.000 Menschen deportiert werden. Der letzte von insgesamt 25 Transporten nach Auschwitz verließ am 28. Oktober 1944 das Ghetto.

Transport AAy vom 28.7.1942 --- Zur Erforschung der Geschichte dieser Transporte u. des Transports AAy trug maßgeblich die gerichtliche Verhandlung der Strafsache gegen den Kriminaloberrat Georg Albert Wilhelm Hauser u. 10 weitere Täter vor dem Schwurgericht beim Landgericht Koblenz bei ---

Dez. 1943 waren 5.000 Menschen nach Auschwitz deportiert worden ---

Transport Dx am 20.3.1944 ---

Mai 1944 folgten weitere 2 Transporte mit jeweils 2.500 Gefangenen ---

Schweizer Transport am 5.2.1945 --- wenige Tage später bekamen Angehörige Post aus der Schweiz. Die Aktion gehörte zu den gegen Ende des Krieges zwischen den Nazis u. Internat. Organisationen ausgehandelten Freilassungsgeschäften, von denen angeblich auch Himmler wußte --- Obersturmbannführer Franz Göring war von Schellenberg mit der Durchführung dieser Transporte beauftragt worden. Nur der Theresienstädter Transport kam durch. Franz Göring übernahm den Transport u. begleitete ihn bis zur Grenze.
Die zum Schweizer Transport Aufgerufenen mußten zu C 1 gehen, wo die Personalien erst aufgenommen wurden, wenn man direkt den Wunsch äußerte, zu fahren. Die Reisewilligen wurden in den Hof B V bestellt u. der Dienststelle vorgeführt. Akademiker u. Großunternehmer wurden ausgeschieden. Wer reisen durfte, bekam einen Stempel in den Personalausweis. Man sollte sich gut anziehen u. herrichten, reichlich Lebensmittel wurden verteilt. Während der Fahrt wurden weitere Lebensmittel ausgegeben. Der Transport verließ am 5.2.1945, um 16.00 Uhr Theresienstadt. Bereits kurz nach Mitternacht des 6.2. übernahm das Schweizer Militär den Zug. Vom Grenzort Kreuzlingen, wo es einen großartigen Empfang gab, trafen die Befreiten am 7.2. abends in St. Gallen ein. Der Transport kam für die Schweizer Behörden unangemeldet. Es waren 1.200 Personen in dem Transport, durchweg alte Leute, einige pflegebedürftig. Sie wurden zunächst in versch. Orten der Schweiz untergebracht, schließlich stellte man ihnen ein Haus in Vevey zur Verfügung.
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Evakuierungstransporte nach Theresienstadt

Beitrag von Dissident am Fr Apr 14, 2017 3:28 pm

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/t/transporte.htm   Evakuierungstransporte nach Theresienstadt

Ab dem 20.4.1945 erreichten Evakuierungstransporte aus anderen Lagern, oft nach wochenlangen Märschen u. Fahrten, das Lager Th. u. wurden aufgenommen. Dies war Teil einer Vereinbarung zwischen dem für Theresienstadt zuständigen Mitglied des Internat. Roten Kreuzes (IRK) Paul Dunant u. dem Minister K.H. Frank. Die KZ-Häftlinge kamen aus Bergen-Belsen (dieser Transport war geplant), Buchenwald u. seinen Nebenlagern Flößberg, Gleina-Rehmsdorf, Meuselwitz, Raguhn, Schlieben u. Tröglitz, aus dem Flossenbürger Nebenlagern Gröditz, Helmbrechts, Leitmeritz, Oederan, Penig, Scharfenstein, Wilischtal, Zschopau, Zwickau u. Zwodau, aus dem Sachsenhausener Nebenlager Schwarzheide u. wohl auch aus anderen Lagern.

Am 20. u. 22.4.1945 kamen über 8.500, mind. 4.200 weitere bis zum 1.5. Nach dem 1.5. hat man keine genaue Übersicht mehr. Am 6.5. nahm man noch einmal 2.000 Häftlinge auf, außerdem 600 Kriegsgefangene. Diese beiden Gruppen fehlen in den offiziellen Übersichten, da sie das Lager nach dem Verlassen der SS erreicht haben. Insges. dürften es 13.500 gewesen sein, dann noch etwa 1.500, die sich nach Kriegsende verlaufen haben u. nicht registriert werden konnten. Unter diesen 13.500 waren noch etwa 1.500 Häftlinge, die vorher bereits einmal in Th. als Häftling waren, in den Osten deportiert worden waren u. nun mit den Todesmärschen zurückkamen. Etwa 70 Personen kamen tot an ---
Wir müssen davon ausgehen, daß nach dem 3.5. nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Gruppen von Häftlingen in Th. eingetroffen sind u. daß auch noch nach dem 11.5. Häftlinge nach dorthin kamen. Nach einem Bericht von Weiss-Arons über Bergen-Belsen, Tröbitz 1945:
"Anf. März 1945 kam Möhs ins Lager, um den Transport von 7.000 Personen nach Theresienstadt einzuleiten. Man erklärte ihm, daß 85 % dieser Personen krank seien u. die Gefahr bestünde, daß sich die Deutschen anstecken. Möhs willigte ein, den Transport um 4 Wochen zu verschieben. Aus diesen u.a. Berichten geht hervor, daß die ungefähre Anzahl Bergen-Belsen zwischen dem 5. u. 9.4. verließ u. zwar in 3 Transporten. Nach Th. gelangte nur einer, Ankunft am 21.4. (1.712 Personen). Ein anderer (2.500 Personen) wurde am 13.4. bei Fahrsleben unweit Magdeburgs von den Amerikanern befreit, ein dritter (2.400–2.700 Personen) am 23.4. unweit von Tröbitz von den Russen"
- - -
Übersicht der Evakuierungstransporte nach Theresienstadt vom 20.4. bis 11.5.1945
Datum -- Nummer -- Abgangsort -- lebend angekommen
20.4. -- 1 -- Birkenau -- 1.467
20.4. -- 2 -- Niederdonau -- 1.319
21.4. -- 3 -- Bergen-Belsen -- 1.706
21.4. -- 4 -- Teplitz (Frauen) -- 644
21.4. -- 5 -- Zeitz -- 1.671
21.4. -- 6 -- Hainichen (Frauen) -- 1.279
21.4. -- 7 -- Teplitz (Frauen) -- 504
23.4. -- 8 -- Buchenwald (ü. Bauschowitz) -- 918
23.4. -- 9 -- Buchenwald (ü. Litoměřice) -- 205
24.4. -- 10 -- Aschersleben -- 259
24.4. -- 11 -- Dresden (fortgesetzt am 25. 4.) -- 235
25.4. -- 12 -- Riesa -- 137
26.4. -- 13 -- Leitmeritz -- 56
26.4. -- 14 -- Duderstadt (fortgesetzt am 27. 4.) -- 719
27.4. -- 15 -- Satov bei Znaim -- 190
27.4. -- 16 -- Leitmeritz (Männer) -- 108
27.4. -- 17 -- Buchenwald (Männer) ü. Colditz -- 377
29.4. -- 18 -- Markkleeberg (fortgesetzt 30. 4. und 2.-4. 5. -- 699
30.4. -- 19 -- Berga (Gera) -- 153
1.5. -- 20 -- Auschwitz - Dachau -- 83
2.5. -- 21 -- Lobositz -- 55
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Technisches Büro

Beitrag von Dissident am Fr Apr 14, 2017 3:48 pm

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/t/technischesbuero.htm  Technisches Büro

Zum Zentrum der Künstler in Th. wurde der Zeichensaal des Techn. Büros im 1. Geschoss der Magdeburger Kaserne. An seiner Entstehung hatte der Stellv. des Judenältesten Otto Zucker großen Anteil. Im Zeichensaal wurden einerseits die Baupläne u. techn. Unterlagen für die Produktion der Betriebseinheiten der Techn. u. Wirtschaftsabteilungen der Theresienstädter Selbstverwaltung bearbeitet, zum anderen, u. das war die Hauptaufgabe, wurden versch. Diagramme, Statistiken, Überblicke u. Anlagen zu den Berichten u. Kontrollarbeiten über die Tätigkeit der Selbstverwaltung angefertigt, die ständig für die SS-Kommandantur angefertigt wurden. Diese Nachweise dienten nicht nur als Zeugnisse für das reibungslose Funktionieren des Ghettos, woran verständlicherweise die Selbstverwaltung Interesse hatte, sie waren gleichzeitig auch Belege für die Tätigkeit der SS-Kommandantur, die diese ihrer vorgesetzten Stelle in Berlin zur Kenntnis gab ---

Otto Zucker gelang es im Laufe der Zeit, im Zeichensaal des Techn. Büros die meisten der bekanntesten bildenden Künstler des Ghettos zusammenzuführen. Leiter des Zeichensaales wurde der Karikaturist u. Graphiker Fritz Taussig (Künstlername Fritta) --- Schließlich arbeiteten im Zeichensaal etwa 15-20 bildende Künstler. Ihre Eingliederung in die Leitung des Zeichensaales ermöglichte ihnen nicht nur, sich teilweise ihrem Beruf zu widmen, sondern auch Zeit u. Mittel für das eigene Schaffen zu erlangen. Ab und zu erhielten sie die Genehmigung für Studienaufenthalte in anderen Betriebseinrichtungen des Ghettos oder ausnahmsweise auch für Spaziergänge vor den Mauern. Die leitenden Maler waren mit ihren Familien am Sitz der Selbstverwaltung in der Magdeburger Kaserne einquartiert, wo sie ständig Kontakt miteinander hatten. So gelang es, im Zeichensaal ein inoffizielles schöpferisches Milieu zu schaffen u. das kulturelle Leben des Ghettos zu bereichern.

Es ist wenig erhalten geblieben von dem, was die Künstler offiziell für die Selbstverwaltung u. für die SS-Kommandantur produzieren mußten. Diese Plakate, Statistiken, Schaubilder usw. wurden bei der Kommandantur, in Prag oder selbst in Berlin hinterlegt u. wurden dann zusammen mit den Archiven gegen Kriegsende vernichtet ---

Künstlerisch am interessantesten sind wohl die Arbeiten aus dem 1. Jahr des Ghettos. Es handelt sich um Illustrationen als Beilagen zu den Berichten der Selbstverwaltung über die durchgeführten Projekte. So hielten die Künstler versch. Ansichten über den Bau der Eisenbahnlinie zwischen Th. u. Bohušovice fest, des größten Bauvorhabens der Selbstverwaltung. Es entstanden Zeichnungen von der Schmiede u. der Tischlerei, vom Bau der Wasserleitungen u. des Wasserturms. So entstanden auch 25 Illustrationen zu einem Manuskript Otto Zuckers Geschichte des Ghettos Th., an denen sich Kien, Spier, Fritta, Haas u. Ungar beteiligten.

Die Künstler wurden ebenfalls bei der Verschönerungsaktion herangezogen, die den Besuch der Kommission des Roten Kreuzes vorbereiten sollte. Die Maler des Zeichen-
saales wurden gezwungen, Plakate, Reklameschilder usw. anzufertigen. Josef Spier musste Zeichnungen für ein Andenkenalbum produzieren, das den Mitgliedern der Kommission dann als Souvenir mitgegeben wurde. An das Album mit den Bildern aus Th. schloss sich bald ein umfangreicher Zyklus von fast 400 Zeichnungen von Spier für das Drehbuch des Propagandafilms an, der 1944 gedreht wurde ---
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Standmeldung

Beitrag von Dissident am Fr Apr 14, 2017 3:57 pm

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/s/standmeldung.htm  Standmeldung --- Stand, Standliste, Standmeldung

Die Zentralevidenz mußte aufgrund von Meldungen tägl. die Zahl der Gefangenen errechnen (den Stand). Alle Häuser u. Zimmer hatten ihren „Stand“, überall waren „Standlisten“ zu führen u. „Standmeldungen“ auf dem Instanzenwege der „Zentralevidenz“ zu erstatten. Der Judenälteste mußte den „Stand“ tägl. der SS-Dienststelle schriftlich melden.

Welche Bedeutung dieser „Stand“ hatte, wurde deutlich, als man am 9.11.1943 den Vorsitzenden des Ältestenrates , Jakub Edelstein, mit der Begründung verhaftete, er hätte die Tagesmeldung über die Anzahl der Häftlinge gefälscht u. die Flucht von Häftlingen begünstigt ---

Nachfolgend eine Standmeldung vom 8.8.1943:

8. 8. 1943
Stand von heute..................................... 46.111
Stand von gestern.................................. 46.127
Ergibt Differenz von................................ minus 16
Zuwachs...................................................keiner
Abgang: Tote vom 7. 8............................16
Ergibt obige Differenz von minus 16
Gesamteingang im Ghetto 123.362
Gesamttote bis heute ............................. 26.290
An Stapo etc........................................... 83
Osttransporte.......................................... 50.878
............................................................... 77.251
Ergibt obigen Stand von 46.111
Geburten bis heute ................. 132 (Stand unverändert)
Außenarbeit................................ 165 (Stand unverändert)
In Haft........................................ 160 (Abgang 4: Fröhlich Otto, Beck Peter, Mandel Hersch, Stein Franz
Zuwachs 4: Stark Oscar, Wittler Paul, Mauksch Rudolf, Höveler Arnold).
Kranke......................................... 5.132

8. 8. 1943
Jedes Haus mußte tägl. eine Standmeldung erarbeiten, jeder Wohnraum ebenfalls. Ein „Rundschreiben der Gebäudeleitung“ vom 25.3.1944 zeigt, wie peinlich genau man diese Standmeldung nahm:
„Standlisten genau führen. Die verantwortlichen Organe sind wiederholt darauf aufmerksam zu machen, daß die Standlisten in allen Details genauest geführt werden müssen. Es darf nicht vorkommen, daß Standänderungen nicht sofort erfaßt werden oder Namen u. Transportnummern unrichtig angeführt sind. Nachlässigkeiten in dieser Hinsicht sind nicht entschuldbar u. werden disziplinär bestraft werden.
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Ältestenrat --- Leitung des Ghettos

Beitrag von Dissident am Mi Apr 19, 2017 10:47 am

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/a/aeltestenrat.htm#vermoegen ---  Ältestenrat  ---  Leitung des Ghettos

„Die jüdische Leitung hatte es unsagbar schwer --- in den gesteckten Grenzen hätte unendlich viel Gutes getan werden können. Die konservierenden Sonderpläne der SS mit diesem Lager hätten sich besser zum Vorteil tausender Menschen nutzen lassen. Hier beginnt jenseits der rein tragischen eine viel gemeinere Schuld der Leitung ---
Ein viel entschiedenerer Kampf gegen Schmutz, Bestechlichkeit, Diebstahl u. schlimmste Protektionswirtschaft war möglich, die hier doppelt u. zehnfach verbrecherisch waren. Fast alles, um diese Dinge zu bessern, unterblieb. Die Leitung war uneinig; Verdacht, Mißtrauen u. niedrige Gesinnung gingen häßliche Wege.

Groß waren die Rechte, die der Leitung offiziell oder geduldetermaßen zustanden. Zu wenig u. viel zu kurze Zeit lehnte Edelstein für die leitenden Funktionäre Sonderrechte ab --- Zu bald lebte sich eine bevorzugte Klasse als führende Gesellschaft ein, wozu Edelstein schwieg; auch blieb er selbst nicht ganz unbeteiligt. Als sein Einfluss sank u. er endlich fiel, war die Korruption der Oberschicht bereits so fortgeschritten, daß alles einem Sumpfe glich. In Klüngeln hielt man zusammen u. konnte jeden energischen Angreifer fällen. Leo Baeck, Robert Stricker u. Karl Loewenstein wurden nicht müde entgegenzuwirken, ohne je entscheidende Erfolge zu erringen. Loewenstein brach über seinem Draufgängertum zusammen. Die Männer, die ab 1943 das Feld beherrschten, waren nicht mehr gewillt, Wandel zu schaffen u. schlossen sich bedenkenlos dem allgemeinen Treiben an.

Und nun folgte Schuld auf Schuld: Die Schutzlosigkeit der Gebrechlichen, die man schädigte .. die Unmenschlichkeit, mit der man das Unmenschliche des Lagers vermehrte, zumindest duldete, statt es zu mindern. Trotz manchen schönen Worten ließ man Gemeinschaftsdiebstahl u. Raub an der Habe der Neulinge zu .. obwohl den leitenden Funktionären im eig. Kompetenzbereich viele ungenützte Mittel zu Gebote standen, wenn schon nicht Ordnung, so doch erträgliche Zustände zu schaffen – Kontrollen u. Strafen wie Schreibverbot, Beschlagnahme von Paketen u. Verlust des Amtes hätten Wunder gewirkt!

Junge tschech. Juden sangen ein Lied, daß die Spitzenfunktionäre in einem deutsch-tschech. Mischtext durchhechelte:
" Mein Vater ist im Ältestenrat.
Krade rad, Krade rad, Krade rad." (Krade rad heißt: er stiehlt gern..)

Der Judenälteste erschien als Herrscher des „Ghettos“ mit diktatorischen Befugnissen. Er war viel mehr als Bürgermeister oder Präsident, er war unbeschränkter Herrscher – soweit ihn die SS nicht einschränkte. Fast alles im „Ghetto“ geschah in seinem Namen. In seinem Namen wurde Recht gesprochen u. begnadigt. Er bestimmte die Politik der Gemeinschaft u. er allein war der SS gegenüber für alles verantwortlich. Dem Lager gegenüber mußte er sich theoretisch nicht verantworten, für seine Maßnahmen mußte er den Gefangenen nicht Rede stehen. Alle in seinem Namen ausgeübten Funktionen gewannen Rechtskraft durch die Repräsentation seiner Stellung. Darum war jeder Gefangene unmittelbar ihm verantwortlich, solange nicht die SS intervenierte. In seinem Namen bestätigte die „Personalkanzlei“ die wichtigeren Angestellten der Selbstverwaltung u. berief sie ab. Als einzigem Juden stand ihm das grundsätzliche, wenn auch beschränkte, Recht des Verkehrs mit dem Kommandanten der SS zu, dessen Befehle er entgegennahm u. dem er Bitten u. Wünsche vortragen durfte, während der Vorschrift nach sonst kein Gefangener einen SS-Mann anreden durfte, außer wenn „Gefahr im Verzuge“ war ---

Struktur des Ältestenrates
Vorsitzender des Ältestenrates / Stellvertreter / Zentralsekretariat / Personalkanzlei /
Dem Vorsitzenden des Ältestenrates direkt unterstellt waren die Ghettowache, die Detektivabteilung u. die Bank der jüd. Selbstverwaltung

I -- Amt für innere Verwaltung: Gebäudeleitung / Zentralevidenz / Matrikel- u. Beerdigungswesen / Raumwirtschaft / Transportleitung / Post u. Verkehr / Rechtswesen

II -- Wirtschaftsabteilung: Zentrale Proviantlagerung / Zentrallager / Landwirtschaft / Gewerbebetriebe / Spedition / Produktion

III -- Technische Abteilung: Bauausführung / Wasserreservat / Kanalisation / Strassenbau / Eisenbahnbau / Installation / Wärmetechnik / Techn. Gebäudeverwaltung /
Arbeitszentrale / Arbeiterkartei / Einsatzstellen / Fraueneinsatz / Einsatz für Jugendliche / Arbeitskontrolle / Arbeiterbetreuung

IV -- Finanzabteilung: Zentrale Buchhaltung / Produktionsbuchhaltung / Bezugsscheinstellen

V -- Gesundheitswesen:
Gesamte Evidenz / Krankenfürsorge / Heilmittellager / Amtsarzt / Entwesung / Fürsorgeabteilung / Jugendfürsorge

Geschäftsordnung des Ältestenrates
Die nachfolgender Geschäftsordnung wurde von Janowitz ausgearbeitet, immer wieder verändert u. dann angenommen:

An der Spitze des Ghettos steht der Judenälteste.
1. Ihm nachgeordnet ist der Judenälteste-Stellvertreter, der mit dem Judenältesten alle Belange leitet.
2. Der Ältestenrat bildet das beschließende Organ d. Ghettos u. besteht aus dem Judenältesten, seinem Stellv., den Leitern der Abt. III-VII u. ihren Stellv. u. Zentralsekretär
3. Die Mitglieder des Ältestenrates werden vom Judenältesten ernannt. Neuernennungen u. Umbesetzungen nimmt der Judenälteste nach Anhörung des Ältestenrates vor.
   Der Ältestenrat beschließt über grundsätzliche u. für das Leben des Ghettos Richtung gebende Fragen. Als solche werden angesehen:
   a) Angelegenheiten, die das ganze Ghetto betreffen u. den vorgesetzten Behörden zur Entscheidung vorgelegt werden. Dies bezieht sich auf die Gründung u. Auflösung von Abteilungen des Ältestenrates.
   b) Interne Entscheidungen, die geeignet sind, Veränderungen im Leben des Ghettos herbeizuführen, wie z.B. grundlegende Änderungen in den Fragen der Ernährung, Unterbringung, Arbeit usw..
   c) Angelegenheiten, die geeignet sind, die Eintracht u. das friedliche Zusammenleben der Ghettoinsassen zu beeinflussen.
6. In allen übrigen Fragen entscheidet jeweils der Judenälteste oder sein Stellv., ob sie auf die Tagesordnung des Ältestenrates gelangen sollen.
7. Der Judenälteste u. sein Stellv. erachten sich in den prinzipiell wichtigen Fragen an Entscheidungen des Ältestenrates gebunden. Sollte jedoch vom Ältestenrat ein Beschluß gefaßt werden, der nach Überzeugung des Judenältesten oder seines Stellv. nicht vertretbar ist, wird ihnen das Recht eingeräumt, den Beschluß mit Begründung abzulehnen.
8. Der Ältestenrat tritt zusammen:
   a) zu regelmäßigen Sitzungen mind. 1x wöchentlich
   b) Zu außerordentlichen Sitzungen über Einberufung durch den Judenältesten oder seinen Stellv.
   c) Zu außerordentlichen Sitzungen über den Antrag von mind. 5 Mitgliedern des Ältestenrates
9. Den Vorsitz im Ältestenrat führt der Judenälteste, in seiner Abwesenheit der Judenälteste-Stellv.
10. Das Zentralsekretariat ist verpflichtet, jede ordentliche Sitzung des Ältestenrates allen seinen Mitgliedern mind. 24 Stunden vorher bekanntzugeben. Bei außerordent-
lichen Sitzungen ist diese Frist nicht erforderlich. Wichtige Anträge, die in der ordentl. Sitzung behandelt werden, müssen ordnungsgemäß schriftlich beim Zentralsekretariat in 13facher Ausfertigung eingereicht werden. Das Zentralsekretariat sorgt für die rechtzeitige Zustellung dieser Abschrift an die Mitglieder des Ältestenrates.
11. Sämtliche 13 Mitglieder des Ältestenrates sind stimmberechtigt. Die Entscheidungen erfolgen mit einfacher Stimmenmehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende.
12. Der Ältestenrat ist bei Anwesenheit von mind. 9 Mitgliedern, darunter der Judenälteste oder sein Stellv., beschlußfähig. Ist eine beschlußfähige Sitzung nicht zu erzielen, dann entscheiden der Judenälteste in Beratung mit den anwesenden oder erreichbaren Mitgliedern des Ältestenrates u. berichtet der nächsten Vollsitzung des Ältestenrates.
13. Ergibt sich die Notwendigkeit, daß der Judenälteste oder sein Stellv. eine sofortige Entscheidung treffen muß, ohne daß eine Möglichkeit gegeben wäre, den Ältestenrat einzuberufen, so hat der Judenälteste oder sein Stellv. nach Fortfall des Hindernisses den Ältestenrat einzuberufen u. über die getroffene Entscheidung zu berichten, sowie die Dringlichkeit zu begründen.
14. Die Mitglieder des Ältestenrates haben Zutritt zu allen Büros u. Betrieben des Ältestenrates u. können bei allen Sitzungen u. Kommissionen der Abteilungen zugegen sein.
15. Die Mitglieder des Ältestenrates sind an die Beschlüsse des Ältestenrates gebunden u. verpflichtet, über den Inhalt u. Verlauf der Beratung Stillschweigen zu wahren. In ihren Funktionen als Abteilungsleiter unterstehen sie den Weisungen des Judenältesten bzw. des Judenältesten-Stellv., für deren Durchführungen sie in ihren Abteilungen dem Judenältesten oder seinem Stellvertreter verantwortlich sind.

Gemäß Beschluß des Ältestenrates vom 2.6.1942 / Die Sitzungen fanden gewöhnlich am Sonntagvormittag statt u. dauerten bis zu 3 oder 4 Stunden. Sie wurden vom Judenältesten eröffnet und geschlossen.
- - -
Neujahrsproklamation des Ältestenrates --- Tagesbefehl vom 11.9.1942
"An alle Ghettoinsassen. Zum erstenmal seit Bestand des Ghettos Theresienstadt feiern wir das Neue Jahr. Der Ältestenrat wünscht aus diesem Anlaß allen Ghettoinsassen das Beste u. gibt der Hoffnung Ausdruck, daß es auch im kommenden Jahr möglich sein wird, mit Erfolg zu arbeiten u. das kameradschaftliche Zusammenwirken zu sichern.
Der Ältestenrat dankt zum Jahreswechsel allen Arbeitern in den Werkstätten, Betrieben u.a. Arbeitsstätten, den Betreuern u. Pflegern, sowie allen Mitarbeitern in den Kanzleien für ihre aufopfernde Arbeit u. ruft alle Ghettoinsassen gleichzeitig auf, weiterhin eiserne Disziplin zu bewahren u. alle Kräfte für eine erträgliche Gestaltung des Daseins der Gemeinschaft einzusetzen.“
- - -
Erklärung des Ältestenrates vom 9.11.1944
„Die Juden in Theresienstadt haben in diesen letzten Wochen ihren Sinn für Ordnung, Disziplin u. gemeinschaftliche Verantwortung neuerlich unter Beweis gestellt. Besonders soll die Leistung jener Mitarbeiter hervorgehoben werden, welche ein Vielfaches ihrer bisherigen Aufgaben zu erfüllen haben u. ihren Pflichten unermüdlich nachkommen. Die Neugestaltung des Ältestenrates u. die Neubildung der jüd. Selbstverwaltung sind im Zuge. Inzwischen gilt es dafür zu sorgen, daß den Lebensnotwendigkeiten des jüdischen Siedlungsgebietes.....nach wie vor im vollem Umfange genüge geleistet wird, als auch dafür, daß sämtliche Arbeiten unbeeinträchtigt fortgesetzt werden.“


Zuletzt von Dissident am Mi Apr 19, 2017 2:26 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Lagerordnung

Beitrag von Dissident am Mi Apr 19, 2017 2:12 pm

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/a/aeltestenrat.htm#vermoegen --- Lagerordnung
Allgemeine Ordnung der Jüd. Selbstverwaltung (besondere Lagerordnung) laut Genehmigung des Herr Lagerkommandanten SS-Hauptsturmführer Dr. Seidl vom 5.1.1943 mit Ergänzung vom 2.5.1943

A Allgemeiner Teil

§ 1 - Jeder Ghettoinsasse ist zur strengsten Befolgung der Vorschriften u. Anordnungen verpflichtet. Verstöße dagegen werden bestraft.

§ 2 - Das höchste jüdische Organ ist der ÄR (Ältestenrat) unter Leitung des JÄ (Judenältesten)

§ 3 - Das Ghetto ist in 4 Verwaltungsbezirke eingeteilt. An der Spitze jedes Bezirkes steht der Bezirksälteste, die Leitung der Gebäude liegt in Händen der Gebäudeältesten

§ 4 - Für jedes Haus ist ein Hausältester bestellt, für jede Gruppe von Häusern resp. für jeden Teilabschnitt ist ein Gruppenältester bestimmt. Er ist für Ruhe, Ordnung u. Reinlichkeit in seinem Abschnitt verantwortlich u. sorgt für die Durchführung der Anordnungen des Gebäude- bzw. Bezirksältesten u. höheren Stellen in seinem Abschnitt.

§ 5 - In jedem Zimmer ist ein Zimmerältester bestellt, der in seinem Zimmer für Ruhe, Ordnung u. Reinlichkeit verantwortlich ist. Es ist seine Pflicht, den Insassen seines Zimmers die von höheren Stellen erlassenen Verfügungen bekanntzugeben. Seinen Anordnungen haben alle Insassen des Zimmers Folge zu leisten.

§ 6 - Die Reinigung des Hofes, der Gänge, Stiegen, Waschräume u. Aborte besorgen die eingesetzten Putz- u. Reinigungskolonnen. Ihre Leiter sind verantwortlich für die tägliche gründliche Reinigung.

§ 7 - Das Essen muß zimmerweise in geschlossenen Reihen unter Führung des Zimmerältesten abgeholt werden.

§ 8 - Für die Gesundheit der Insassen sorgen die bestellten Ärzte. Ihnen werden die Kranken zur festgesetzten Stunde vorgeführt. Schwerkranke werden von den Ärzten auf ihren Zimmern besucht. Die Ärzte sorgen für den Transport ins Krankenzimmer. Ihnen obliegt auch die Aufsicht über die Einhaltung sanitärer Vorschriften in den Zimmern.

§ 9 - Für die Sicherheit des Lebens und des Eigentums der Insassen sorgt die Ghettowache. Ihren Anordnungen muß Folge geleistet werden.

§ 10 - Die Arbeitsverteilung erfolgt durch die Einsatzstellen. Jeder, der zur Arbeit bestimmt wird, ist verpflichtet, die ihm aufgelegte Arbeit zeitgerecht nach bestem Können u. Wollen durchzuführen. Eigenmächtiges Verlassen der Arbeitsstätte wird als Arbeitsverweigerung gewertet u. gemäß der Lagerordnung geahndet. Die Marschkolonne am Wege vom u. zum Arbeitsplatz darf nicht verlassen werden. Die Anordnungen des Leiters der Arbeitskolonne sind unverzüglich durchzuführen.

§ 11 - Vorgesetzter ist jene Person, die durch die berufenen Organe zur Anordnungserteilung ermächtigt ist.

§ 12 - Vorgesetzte dürfen nur im Rahmen der ihnen erteilten Vollmachten Anordnungen und Verfügungen treffen.

§ 13 - Anordnungen und Verfügungen sind in einer allen verständlichen Form zu treffen.

§ 14 - Der Bezirks- bzw. Gebäudeälteste kann bei Ordnungswidrigkeiten resp. Disziplinarverstößen gegen die in §§ 3 u. 4 genannten Anordnungen, soweit sie von Ghetto-
insassen innerhalb der Häuser seines Bezirkes .d deren Höfen, resp. innerhalb der Gebäude u. der dazugehörenden Höfe begangen werden, folgende Strafen verwenden:
Ordnungsstrafen:
Strenger Verweis
Arbeit während der freien Zeit, höchstens an 3 Tagen durch 4 Stunden
Entzug der Tagesbrotration
Entzug einer warmen Mahlzeit
Entzug einer warmen Tageskost
Geldstrafe bis zum Höchstbetrag von 50 GK (Ghetto-Kronen)
Disziplinarstrafen
Geldstrafe bis zur Höhe einer monatlichen Barauszahlung
Entzug der Freiheit nach der Arbeit mit oder ohne Anwendung von Id und e höchstens an 3 Tagen (Entzug der Ausgeherlaubnis)
Entzug der Freiheit bis höchstens 8 Tage mit oder ohne Anwendung von Id und e.
Entzug des Brotes und der Warmkost darf nur für 24 Stunden erfolgen
Disziplinarstrafen sind nach Rechtskraft in das vom Gebäude- bzw. Bezirksältesten geführte Strafregister einzutragen.

Ordnungsstrafen werden nicht registriert. Ist der Schuldige wegen seiner Tat bereits durch das Ghettogericht bzw. vom Leiter des Sicherheitswesens (Anm. jetzt der Detektivabteilung) bestraft worden, so scheidet Strafbefugnis des Gebäude- bzw. Bezirksältesten aus.

§ 15 - Vor Anwendung der Strafmittel muß die dem Beschuldigten zur Last gelegte strafbare Handlung festgestellt werden.

§ 16 - Gegen Insassen, die dreimal disziplinarisch vorbestraft wurden, wird strafrechtlich eingeschritten.

§ 17 - Gegen Ordnungsstrafen (§ 14 I) ist binnen 3 Tagen nach Verkündigung bzw. Zustellung die mündlich oder schriftlich beim Gebäude- bzw. Bezirksältesten, der die Strafe verhängt hat, anzumeldende Beschwerde an die Berufungskammer des Ghettogerichts zulässig. Die Beschwerde kann insbesondere die Unzulässigkeit oder Mangelhaftigkeit des Verfahrens geltend machen u. sich gegen den Ausspruch über Schuld u. Strafe richten. Die Berufungskammer des Ghettogerichts entscheidet nach durchgeführter Verhandlung in der Sache endgültig, falls der Bezirks- bzw. Gebäudeälteste nicht im eigenen Wirkungskreise der Beschwerde stattgegeben hat. Bei dieser Verhandlung führt die Funktion des öffentl. Anklägers ein rechtskundiger Vertreter der Abteilung für innere Verwaltung. Die Verhandlung einer schweren Strafe durch das Berufungsgericht ist nicht ausgeschlossen.

B Besonderer Teil


§ 1 - Die Ghettoinsassen haben jeden Angehörigen des Lagerkommandos, der SS-Wache u. der Regierungsgendarmerie durch Abnehmen der Kopfbedeckung zu grüßen. Frauen haben sich zu verneigen. Darüber hinaus ist jeder Uniformträger zu grüßen. (Grußpflicht wurde am 4.3.44 aufgehoben)

§ 2 - Bei Ansprache ist sofort straffe Haltung anzunehmen.

§ 3 - Sofern nicht anders angeordnet, ist jeweils ein Abstand von einem Meter zu bewahren.

§ 4 - Ghettoinsassen ist es grundsätzlich verboten, den unter § 1 genannten Personenkreis unaufgefordert anzusprechen. Ausgenommen sind jene Fälle, in denen Gefahr im Verzuge ist.

§ 5 - Vorsprachen beim Lagerkommando sind grundsätzlich verboten. Eine Ausnahme macht lediglich der Judenälteste bzw. sein Stellvertreter.

§ 6 - Die Ghettoinsassen haben Anordnungen von Angehörigen des Lagerkommandos, der SS-Wache und der Gendarmerie bedingungslos und sofort nachzukommen.

§ 7 - Das Gleiche gilt für Anordnungen jüdischer Organe.

§ 8 - Den Ghettoinsassen ist es gestattet, einmal im Monat zu schreiben. Für Angehörige des ÄR gilt Sonderbestimmung. Der Postverkehr von Kaserne zu Kaserne ist erlaubt. Briefschmuggel wird mit dem Tode bestraft. Der Versuch wird der Tat gleichgestellt.

§ 9 - Den Ghettoinsassen ist die Benutzung des Fernsprechers grundsätzlich verboten. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung des Lagerkommandanten.

§ 10 - Unberechtigtes Verlassen des Ghettos gilt als Fluchtversuch. Die Gendarmerie ist ermächtigt, bei Fluchtversuchen sofort von der Schußwaffe Gebrauch zu machen.

§ 11 - Das Betreten für Ghettoinsassen nicht zugelassenen Geländes ist grundsätzlich verboten. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung des Lagerkommandanten.

§ 12 - Lärmen ist strengstens verboten.

§ 13 - Gänge, Höfe und Straßen sind peinlich reinzuhalten. Der Ghettoinsasse, der Papier, Stroh usw. umherliegen sieht, hat ohne weitere Aufforderung diese Dinge sofort aufzuheben und in die dafür bestimmten Behälter zu werfen.

§ 14 - Das freie Ausspucken ist strengstens verboten.

§ 15 - Männliche Ghettoinsassen tragen das Haupthaar 3 mm lang, weibliche im kurzem Herrenschnitt. Jeder Insasse hat innerhalb 3 Wochen einmal zum Friseur zu gehen. Für Angehörige des Ältestenrates gilt Sonderverfügung.

§ 16 - An Begräbnissen oder Verbrennungen dürfen Verwandte ersten Grades teilnehmen.

Lagerkommandant Dr. Seidl e.h., SS-Hauptsturmführer
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Kontakte zwischen SS und Ältestenrat

Beitrag von Dissident am Mi Apr 19, 2017 2:27 pm

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/a/aeltestenrat.htm#vermoegen  Kontakte zwischen der SS und dem Ältestenrat

Die SS-Dienststelle (vorher Kommandantur genannt) wurde tägl. nur vom Judenältesten u. dem Leiter der Wirtschaftsabteilung aufgesucht. Außer an Sonntagen u. großen Feiertagen fanden die Treffen zwischen Judenältesten u. Lagerkommandanten jeweils um 8.00 Uhr morgens statt. Der Judenälteste erschien beim Kommandanten oder seinem Stellvertreter.

Zu Burgers Zeiten durfte kein SS-Funktionär mit einem Juden unter vier Augen verhandeln, was Burger auch selbst immer einhielt. Seidl u. Rahm verhandelten mit dem Judenältesten oft allein. Die Ergebnisse eines jeden Gespräches mußten vom Judenältesten jeweils in einem „Aktenvermerk“ fixiert werden. Diese bereits in Prag zwischen der Jüd. Kultusgemeinde u. der „Zentralstelle“ genutzte Praxis wurde in Th. bis Kriegsende fortgesetzt. Die Autorität der SS beschränkte sich hier auf das gesprochene Wort. Das war verbindlich u. verpflichtend für die Juden .. So wurde das Lager indirekt von der SS verwaltet u. bestimmt u. so gibt es kaum schriftliche Befehle u. Anweisungen der SS.
- - -
Bei seinen Besuchen in der „Dienststelle“ musste der Judenälteste die tägl. „Standmeldung“ überreichen u. über die Ausführung von Befehlen berichten. Weitere Punkte waren: Krankenstand, geplante Veranstaltungen, Weisungen aller Art, Ankündigung ankommender oder abgehender Transporte. Die gleich nach den Besuchen verfassten Aktenvermerke wurden ganz oder in Auszügen an die Abteilungen geleitet. Anliegen der Abteilungen wurden dem Judenältesten meist schriftlich zugestellt, damit er sie in der „Dienststelle" vorbringen konnte.

Das „Zentralsekretariat“ gab die „Tagesbefehle“ (später „Mitteilungen der jüd. Selbstverwaltung“) heraus, außerdem „Rundschreiben“ z.B. an die Hausältesten.

Die SS bekam monatlich u. jährlich Tätigkeitsberichte, dazu Sonderberichte zu speziellen Themen.
Die Abteilungen u. Unterabteilungen mussten ebenfalls Berichte für die Leitung anfertigen. So wurde die Geschichte des Lagers von den Juden selbst geschrieben.
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Glimmerverarbeitung

Beitrag von Dissident am Mi Apr 19, 2017 2:52 pm

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/g/glimmer.htm  Glimmerverarbeitung

Dagmar Lieblová, Josef Bor u.a. Häftlinge erzählten, daß Häftlinge im Ghetto auch in der Glimmerverarbeitung haben arbeiten müssen.

Glimmer gehört zu einer Gruppe gesteinsbildender, blättriger Mineralien von auffälligem Glanz u. vollkommener Spaltbarkeit. Chemisch: Aluminiumsilicate wie z.B. das grüne u. chromhaltige Fuchsit. Aufgrund der leichten Spaltbarkeit entlang der Schichtebenen läßt sich Glimmer in dünne transparente Scheiben aufspalten, die aufgrund des hohen Schmelzpunktes des Minerals in industriellen Schmelzöfen als Glasersatz zum Einsatz kommen. Daneben werden die Minerale als elektrische u. als Wärmeisolatoren genutzt.

Die Glimmerspaltung im Ghetto Theresienstadt
Sept. 1944 begann man in Th. aufgrund eines Befehls des Lagerkommandanten Rahm von Juni 1944 mit der Spaltung von Glimmer. Beginn der Arbeiten, der ursprünglich auf den 1.7. festgesetzt worden war, verzögerte sich um 2 Monate, da der erste Waggon mit Rohmaterial erst am 5.9. in Th. ankam.
Das Rohmaterial kaufte die „Dienststelle“ (Kommandantur) zunächst bei der Rohstoffhandelsgesellschaft, Berlin, Glimmerspalterei G.m.b.H. Tabor (ROGOS). Später wurde das Rohmaterial von der Firma Possehl, Erz- u. Chemikalienhandel G.m.b.H., Hamburg bezogen. Die Firma Possehl schien doppelt verdient zu haben, denn sie lieferte einmal das Rohmaterial für die Grobspaltung des Glimmers an die Blockerei u. lieferte dann das dort gefertigte Halbprodukt an die Glimmerspalterei. Abnehmer des Endproduktes war die Reichsstelle für Elektrotechnische Erzeugnisse, kurz RETE genannt.

Am 28.7. hatte die RETE bereits den Rohstoffpreis u. den erwarteten Ertrag bekanntgegeben, die Preise für das Endprodukt am 30.8. Der Leiter der Zentralstelle für die Regelung der Judenfrage im Protektorat, SS-Sturmbannführer Hans Günther, hatte bereits angeordnet, daß die Regiekosten für die Glimmerspalterei durch Einkünfte gedeckt sein müßten.
Die Jüd. Verwaltung des Ghettos mißtraute den Angaben der RETE, sie rechnete damit, daß minderwertiges Rohmaterial nicht den gewünschten Ertrag liefern u. sich dieses auf die Arbeitsbedingungen der in der Glimmerspalterei arbeitenden Frauen negativ auswirken würde. Sie drängte die „Dienststelle“, das Rohmaterial prüfen zu lassen. Ein im Auftrag der „Dienststelle“ durchgeführter Test ergab tatsächlich, daß das Rohmaterial nicht dem angekündigten Standard entsprach.
„Erzeugung von 243,8 Kg gespaltenen Glimmers aus Rohstoff der Klasse IIIc.... Verlust 45,9 % anstatt des zugelassenen Gewinns von 10,8 % aus eigenen Kosten.“
„Erzeugung von 348,6 Kg gespaltenen Glimmers aus Rohstoff der Klasse IV u. V. Verlust 55,3 % anstatt des zugelassenen Gewinns von 9,9 % aus eigenen Kosten.“
Bereits am 14.9.1944 wurde die Rohmateriallieferung reklamiert. Weitere Reklamationen folgten. Eine Inspektion, an der ein Vertreter der Firma RETE u. ein höherer SS-Offizier (Obersturmbannführer Rittershausen) teilnahm, bestätigte die Reklamationen.

Obwohl Rahm anfangs einen Dreischichtbetrieb vorgeschrieben hatte, pendelte sich ein Zweischichtbetrieb mit einer achtstündigen Arbeitszeit ein. Die von Rahm u. besonders von Hans Günther geforderte Produktionssteigerung von 20,6 Gramm pro Arbeiterin u. Stunde wurde bis zum 23.10.1944 nicht erreicht, obwohl der mit der Oberaufsicht im Spaltereibetrieb von Rahm beauftragte SS-Hauptscharführer Kurt Ulbricht die Arbeiterinnen zu höheren Leistungen antrieb. Die Glimmerproduktion stieg, aber sie stieg nicht in dem von der SS gewünschten Ausmaß ---
Ursprünglich waren 800 Frauen für die Arbeit in der Glimmerspaltung vorgesehen, für die man die Südbaracken Nr. 1 u. Nr. 3 ausgesucht hatte. Die Zahl der dort arbeitenden Frauen stieg jedoch bald auf 1.300, von denen 1.170 in der Produktion tätig waren. Am 4.1.1945 wurden 4.000 Kg gespaltenen Glimmers an die Firma RETE ausgeliefert. Dabei blieb es. Der Umfang des Auftrages belief sich auf 35.000 Kg. Davon wurden vom 1.9.1944 bis zum 31.3.1945 14.000 Kg erzeugt (40 % des Auftragvolumens). Etwa 10.000 Kg Glimmer blieben bis zur Befreiung in Th. Eine Vernichtung dieser 10.000 Kg gespaltenen Glimmers u. einer großen Menge von Rohmaterial konnte verhindert werden u. lagerte bei der Befreiung im Ghetto ---

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/p/produktionsstaetten.htm --- Die Glimmerblockerei wurde ursprünglich in Prag betrieben. Die Belegschaft bestand aus den jüd. Partnern nicht geschiedener Mischehen. Diese „arisch versippten“ Personen wurden im Februar 1945 nach Th. deportiert u. die Blockerei danach nach Th. verlegt. Das in der Blockerei durch grobes Spalten entstandene Halbprodukt wurde sortiert u. aufgrund von Messung u. Durchsieben vom Abfall befreit. Im Prager Betrieb hatte die Arbeitszeit 9 Stunden betragen. Die Abteilung für Kalibrierung arbeitete in 3 Schichten. In Th. wurde die Nachtschicht gestrichen, die Arbeitszeit auf 8 Stunden heruntergesetzt (15.3.1945). In der Blockerei arbeiteten u.a. auch 1 Ingenieur u. 2 Verwaltungskräfte.
Zeitweilig wurden in dieser Werkstatt Säckchen mit Tintenpulver gefüllt. Dafür wurden vorwiegend ältere Frauen eingesetzt


Zuletzt von Dissident am Do Apr 20, 2017 11:19 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Jugend in Theresienstadt

Beitrag von Dissident am Mi Apr 19, 2017 3:22 pm

Jugend in Theresienstadt  http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/h/hauptstrasse.htm  L 410Mädchenheim für 8-16jährige Mädchen. Hier wurde unterrichtet. Auch ältere Mädchen vertieften nach der Rückkehr von der Arbeit ihre Kenntnisse. Die Zeichenstunden leitete Friedl Dicker-Brandeis. Im Keller des Gebäudes wurden Musikwerke einstudiert.

L 414 - Bis Aug. 1942 war hier die SS-Kommandantur untergebracht. Später wurden im Erdgeschoß die Post u.a. Ämter eingerichtet. Die übrigen Räumlichkeiten dienten als Unterkunft für die Jugend, besonders aus den deutschen Transporten. Im Heim der tschech. Mädchen wurde die Zeitschrift Bonako herausgegeben ---

L 417 - ist das Gebäude der ehem. Theresienstädter Schule. Hier wurde 1942 ein Heim für 10-15jährige Knaben eingerichtet. Auf dem Dachboden wurden die Kinder unterrichtet, in der Turnhalle Kulturveranstaltungen durchgeführt (u.a. eine Aufführung der "Verkauften Braut")
- - -
Es gab auch eine Jugendbücherei
- - -
http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/r/republikschkid.htm  Republik Schkid
Angeregt durch ihren Erzieher, den Lehrer Valtr Eisinger, gründeten die Knaben des Heimes Nr.1 in L 417 eine Selbstverwaltung, die feierlich mit Fahne u. Hymne am 18.12.1942 proklamiert wurde. Eine Strophe der Hymne hieß: „Für uns ist ein Bruder jedermann/ob ein Jude oder Christ/Wir treten Schulter an Schulter an/Jungen der Republik Schkid“. Die Grundsätze, nach denen sie zusammenleben wollten, hatten sie in dem Buch „Die Republik Schkid“ gefunden, von denen Eisinger ihnen erzählte. „Schkid“ war eine Abkürzung für schola imeni Dostojeskowo, der Name einer Schule für obdachlose Kinder in Petersburg nach der Revolution ---

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/r/rimrimrim.htm  Rim Rim Rim, Name einer Zeitschrift, die die Jungen aus Heim 7 in L 417 von Februar bis Sept. 1944 herausgaben; 23 Nummern blieben erhalten ---

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/v/vedem.htm  Vedem --- die Knaben des Heimes Nr. 1 .. nannten ihre Zeitschrift VEDEM, auf deutsch: „Wir führen“.
Diese Zeitschrift war ausschließlich die Sache der Jungen. Ihre Lehrer schrieben nur hie u. da Beiträge. Jeden Freitagabend setzten sie sich zusammen u. jeder, der in dieser Woche etwas geschrieben hatte, stand auf u. las seinen Beitrag vor.
Die Zeitschrift wurde jeweils nur in 1 Exemplar aufgelegt u. wanderte von einem Leser zum anderen. Die 1. Nummer ist mit dem 18.12.1942 datiert, die letzte erschien wahrscheinlich am 30.7.1944. Insges. – mit den Abbildungen – liegen 800 Seiten Text vor, von denen die ersten 190 in Maschinenschrift, die übrigen in Handschrift auf DIN-A-4-Blättern geschrieben sind. Es war jedes Exemplar also ein Original u. ein Unikat, u. war vor den deutschen Bewachern zu verstecken. Die meisten Exemplare der Zeitschrift VEDEM sind in einem guten Zustand erhalten geblieben u. werden im Archiv der Gedenkstätte Theresienstadt aufbewahrt ---
Jiří Brady kehrte nach Kriegsende nach Prag zurück:
"Nur einer von den 100 Jungs blieb die ganze Zeit in Theresienstadt. Sein Vater war Schmied u. kümmerte sich um die Pferde der SS-Leute u. so konnte Zdeněk Taussig die Zeitschrift in der Schmiede verstecken u. so hat sie überlebt. Nach dem Krieg emigrierte Taussig 1946 in die USA. Die Zeitschrift übergab er mir. Ich habe sie nicht als etwas Besonderes oder als historisches Dokument betrachtet u. in einer Schuhschachtel zuhause aufbewahrt. Als ich 1949 emigrierte habe ich sie Kurt Kotouč gegeben. Der entschied, daraus ein Buch zu machen. Aber die Kommunisten haben verboten, so ein Buch herauszugeben, weil es angeblich antikommunistische, zionistische Propaganda war, was natürlich Unsinn war. So erschien das Buch zunächst illegal im Samizdat." ---

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/j/jadtomechet.htm Jad tomechet
Die Jugendorganisation Jad tomechet wurde im Spätsommer 1942 aus einer Initiative von führenden Mitgliedern des Hechaluz gegründet. Sie u. die Mitglieder der Jugendfürsorge waren übereingekommen, daß gegen das furchtbare Elend der alten Menschen im Ghetto etwas unternommen werden müsse ..
Zu Tausenden waren alte Menschen 1942 ins Ghetto gekommen, vorwiegend aus Deutschland u. Österreich .. Nun kamen diese zum Teil sehr wohlhabenden Menschen in die übervölkerte Festungsstadt u. wurden in vollkommen überfüllten Kasernen, auf Dachböden oder in feuchten, kalten Kasematten untergebracht, umgeben von Schmutz u. Staub u. Lärm. Sie lagerten auf Matratzen oder gar auf dem kalten Fußboden. Viele konnten nicht einmal die Aborte oder die Waschgelegenheiten benutzen, weil diese von ihrem Schlafplatz so weit entfernt waren u. sie alleine dort nicht hinkamen. Es gab kein frisches Wasser u. die Ernährung war unzureichend. So verloren die alten Menschen sehr bald die Zuversicht u. Lebenskraft. Viele starben an Mangelerkrankungen, die Selbstmordrate stieg.
Die Mitglieder von Hechaluz meinten, daß hier eine wichtige Aufgabe für die Jugendlichen läge. So wurde diese Organisation gegründet, die „Jad tomeched“ (die helfende Hand) genannt wurde. Zahlreiche Jugendliche traten dieser Organisation bei u. arbeiteten aktiv mit bei der Pflege der Alten. Sie brachten ihnen das karge Essen aus der Küche, begleiteten sie auf den Weg zu den Aborten, wuschen die Bettlägerigen, reinigten die ärmlichen Schlafstellen oder halfen beim Packen, wenn sie auf 'Transport' gehen mussten.

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/b/bonaco.htm „Bonaco“ hieß die Zeitschrift, die von tschech. Bewohnerinnen des Mädchenheims L 414 herausgegeben wurde


Zuletzt von Dissident am Fr Apr 28, 2017 2:39 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Aussenlager bzw. Arbeitskommandos außerhalb des Ghettos

Beitrag von Dissident am Mi Apr 19, 2017 4:01 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Theresienstadt#Au.C3.9Fenlager  Das Theresienstädter KZ hatte neben dem Hauptlager versch. Außenlager.
Das „Verzeichnis der KZ u. ihrer Außenkommandos“ des Bundesjustizministeriums führt folgende 9 auf:

   Budweis (České Budějovice) vom 13. April 1942 bis 23. Juni 1943
   Eichen (Dubí) bei/vgl. Kladno – 1. März 1942 bis 1. Oktober 1942
   Jungfern Breschan ab 1. Juli 1942; das von der Witwe Reinhard Heydrichs benutzte Gut
   Kladno – 26. Februar 1942 bis 22. Juni 1943
   Motischin (Motyčín) – 1. März 1942 bis 1. Oktober 1942
   Oslawan (Oslavany) – 4. April 1942 bis 30. August 1943
   Pürglitz (Křivoklát) – 10. April 1942 bis 6. Juni 1942
   Wulkow – 2. März 1944 bis zum 3. Februar 1945
   Schnarchenreuth/Bayern – 13. März 1945 bis 22. April 1945

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/a/aussenkommandos.htm#budweis --- Neben den im Lager u. in der Umgebung durchgeführten Arbeiten wurden mehrere Arbeitskommandos aus Th. Gefangenen gebildet, die für längere Zeiträume außerhalb des Ghettos Arbeitsprojekte durchführen mussten. Insges. waren es 8 Gruppen, die zur Arbeit außerhalb des Ghettos eingeteilt wurden. Die Aufenthaltsorte dieser als „Außenarbeit“ oder „Außenkommandos“ bezeichneten Gruppen waren

   die Umgebung von Kladno
   Rosice (Rossnitz)
   Křivoklát (Pürglitz)
   České Budějovice (Budweis)
   Panenské Břežany (Jungfern Breschan)
   Schnarchenreuth (Reichsgebiet)
   Regen (Reichsgebiet)
   Wulkow (Reichsgebiet)

Die in den Kommandos beschäftigten Gefangenen wurden weiter in der Theresienstädter Lagerkartei geführt. Die Anzahl der Kommandomitglieder war unterschiedlich, die Dauer des Aufenthaltes schwankte. Während das Kommando Regen nur 10 Tage im Einsatz war, wurden die Häftlinge in Panenské Břežany von Juli 1942 - 11.2.1944 dort beschäftigt. Die meisten Häftlinge erforderte der Einsatz in Křivoklát (Pürglitz), nämlich 1.000 Frauen, die wenigsten – insges. 41 Männer - gingen nach Regen.

Den Mitgliedern einiger Arbeitskommandos (wie z. B. den Wulkowern) war versprochen worden, ihre im Ghetto zurückbleibenden Angehörigen während der Zeit des Arbeitskommandos nicht in die Osttransporte einzureihen ...

Grundsätzlich war der postalische Kontakt zwischen den Mitgliedern der Außenkommandos u. den Angehörigen im Ghetto möglich u. da die Post nicht als eine „nach außen“ oder „von außen“ betrachtet wurde, waren die Gefangenen auch nicht an die wöchentliche Quote gebunden. Die Mitglieder der Arbeitskommandos durften ihren Angehörigen in der Regel 1x wöchentl. schreiben. Bis Anf. 1945 trugen die Karten die Aufschrift „Ghettopost“, dann den Stempel „Post des Jüd. Siedlungsgebietes Theresienstadt“. Die Karten unterlagen selbstverständlich der Zensur. Es ist unklar, ob die Gefangenen z.B. in Wulkow Päckchen erhalten durften. Die Mitteilungen durften nur in deutscher Sprache geschrieben sein.

Theresienstadt hatte im Rahmen der deutschen Kriegswirtschaft eine geringe Bedeutung. Diese Einschätzung trifft auch auf die 8 Außenkommandos zu .. Die Gefangenen erhielten für die Arbeit in den Betrieben oder für die Arbeit bei staatl. Stellen oder Privatpersonen keine Entlohnung. Wenn Entgelte gezahlt wurden, dann auf das Konto der SS-Kommandantur in Th.

Außenkommando České Budějovice (Budweis)
Über diesen Arbeitseinsatz, der vom 13.4. - 25.10.1942 dauerte u. an dem 60 Männer teilnahmen, ist nur wenig Archivmaterial vorhanden.
Im Tagesbefehl vom 10.4.1942 teilte Lagerinspekteur Bergl mit, daß innerhalb von 3 Tagen ein Arbeitskommando, bestehend aus 60 Männern, zusammengestellt werden solle. Der Tagesbefehl erwähnte auch, daß es sich um die Arbeit in einer Bleistiftfabrik handeln könne. Dies ist jedoch nicht der Fall gewesen. Die Th. Gefangenen wurden dagegen zum Bau von Straßen u. zur Ausbesserung von Waldwegen in der Nähe von Hluboká nad Iltavou eingesetzt. In den Wäldern, die ursprünglich dem Fürsten von Schwarzenberg gehörten, lag die inzwischen von der Gestapo übernommene Jagdhütte „ Stará obava“, die damals als Genesungsheim für deutsche Offiziere diente. Die Th. Gefangenen wurden von Angehörigen der Wehrmacht u. tschech. Gendarmen bewacht, die oftmals wegsahen, wenn Einheimische den Gefangenen Lebensmittel zusteckten.

Arbeitskommando Panenské Břežany (Jungfern-Breschan)
Bei Jungfern-Breschan handelt es sich um den Amtssitz von Reinhard Heydrich, von dem aus er seine Fahrt im offenen Mercedes zur Prager Burg unternahm, bei der ihm von den Attentätern aufgelauert wurde. Dieser Besitz in der Nähe von Prag wurde nach seinem Tode vom Reich der Witwe Heydrichs, Lina Heydrich, zugesprochen. Auf diesem Besitz wurden 64 Prager Juden für landwirtschaftliche, handwerkliche u. gärtnerische Zwecke eingesetzt. Diese schob man am 15.9.1942 nach Th. ab, um sie sofort wieder nach Jungfern–Breschan zurück zu bringen. Frühjahr 1943 wurde diese Gruppe auf 110 Mann vergrößert. Als man Ende Aug. 1943 die letzten Außenkommandos im Protektorat nach Th. zurückschickte, fragte K.H. Frank bei Himmler an, ob in Sachen Jungfern-Breschan nicht eine Ausnahme gemacht werden könne. Himmler genehmigte dies schließlich, nachdem er sich nach der Art der noch zu verrichtenden Arbeiten erkundigt hatte, eine Verlängerung bis zum 30.9.1943.
Erst am 11.2.1944 kehrten die letzten 32 Arbeiter dieses Kommandos nach Th. zurück. Frau Heydrich bekam fortan Bibelforscher zugeteilt, die aus dem KZ Flossenbürg kamen. Himmler ließ die Bibelforscher (bis auf 2 tschech.) „mit begrenztem Ortsaufenthalt“ später frei, „um im Ausland einen besseren Eindruck zu hinterlassen“. Später gab es noch einen langen Briefwechsel zwischen Pohl u. Frau Heydrich , weil das WVHA des RSHA eine Bezahlung für die von den Häftlingen geleistete Arbeit forderte, die Frau Heydrich verweigerte. Schließlich schloß man einen Kompromiß ..

Außenkommando Bergwerke Kladno
Eine erste Gruppe von jüd. Gefangenen aus Th. trat in einer Stärke von 100 Mann am 22.2.1942 ihre Arbeit in den Kladnoer Bergwerken an, eine 2. Gruppe mit 200 Mann folgte am 16.3.1942. Der Arbeitseinsatz endete Juli 1943. Die Mitglieder dieses Kommandos waren 20-35 Jahre alt.
Am 23.2.1943 (?) hatte sich die Bergbaudirektion der Prager Eisengesellschaft ans Arbeitsamt Kladno gewandt u. um 50 jüd., kräftige, männl. Arbeiter im Alter von 18-50 Jahren gebeten. Grund für diese Anfrage war der zunehmende Arbeitskräftemangel in den Kladnoer Bergwerken zu einer Zeit, in der auch noch der Transport der Kladnoer Juden nach Th. vorbereitet wurde. Mit ihnen, so befürchtete man, würden die Prager Eisenwerke (PEG) weitere Arbeitskräfte verlieren. Obwohl sich die Zentralstelle für jüd. Auswanderung in Prag anfangs ablehnend verhielt, gelang es dem Direktor des Syndikats der Kladnoer Steinkohlenbergwerke, Alexander von Moll-Moldheim, Ersatz für die verlorengegangenen Arbeitskräfte zu bekommen.
Die Entsendung des Kommandos aus Th. nach Kladno war zeitlich begrenzt. Es sollte in dem Moment abgezogen werden, wenn es dem Betrieb gelungen war, die Arbeits-
kräfte des Kommandos durch „arische“ Arbeitskräfte zu ersetzen. Moll-Moldheim half auch beim Ersuchen der Steinkohlen AG Lány-Rakovník, die sich ebenfalls um Arbeits-
kräfte an die Zentralstelle gewandt hatte. Für die PEG arbeiteten die Häftlinge aus Th. in den Bergwerken „Ronna“, „Mayrau“ u. „Schoeller“ u. für die Steinkohlen AG Lány-Rakovník im Bergwerk Prago in Dubí. Die Arbeit untertage in den Bergwerken war schwer u. nicht selten gefährlich. Sie wurde von den Häftlingen geschätzt, weil sie hier nicht ständig unter der Aufsicht der SS standen u. Kontakte zu zivilen Arbeitern aufnehmen konnten.

Außenkommando Křivoklát (Pürglitz)
Das Arbeitskommando Křivoklát wird in insges. 13 Tagesbefehlen erwähnt. An dem Kommando nahmen in der Zeit vom 10.4.1942 - 6.6.1942  1.000 Frauen im Alter von 16-50 Jahren teil. Die dem Kommando angehörenden Frauen pflanzten in den Wäldern von Křivoklát Bäume. An der Organisation dieser Arbeiten waren die Forstverwaltungen von Prag u. Křivoklát beteiligt, die Zentralstelle für jüd. Auswanderung u. die SS-Kommandantur Theresienstadt.
Am 30.3.1942 erhielt die Prager Forstdirektion von der SS-Dienststelle in Th. Richtlinien über den Einsatz der Th. Häftlinge:
Der Kontakt mit den jüd. Häftlingen war verboten.
Den Juden war das Rauchen verboten.
Kontakt zu den Einheimischen u. Flucht sollten ausgeschlossen sein.
Die Post der Gefangenen sollte an die SS-Dienststelle in Th. geschickt werden.
Die Leiter der Arbeitsgruppen sollten jeden Tag ein Formular ausfüllen, von der Forstverwaltung bestätigen lassen, es dann der SS-Dienststelle in Th. zuleiten.
Die Wäsche der Gefangenen sollte in Th. gewaschen werden.
Die Forstdirektion war für den Transport der Häftlinge verantwortlich.
Die Transportkosten hatte die Forstdirektion in Prag zu übernehmen.
Der Lohn für die von den Gefangenen geleistete Arbeit sollte nach Abzug der Kosten für Ernährung u. Unterkunft aufs Konto 156 der Zentralstelle für jüd. Auswanderung Prag, Dienststelle Theresienstadt bei der Stadtsparkasse Roudnice, Zweigstelle Theresienstadt, überwiesen werden.
Die Gefangenen sollten nicht bei der Krankenkasse angemeldet werden.
Eventuelle Beschwerden über die Arbeiterinnen sollten an die Kommandantur in Th. geschickt werden.

Die Frauen wurden in Gaststätten u.a. geeigneten Gebäuden untergebracht, die Wächter u. Aufseher wurden von den Forstverwaltungen gestellt. Aus den 1.000 Arbeiterinnen wurden 13 Arbeitsgruppen gebildet, die von je 1 Partieführerin geleitet wurden. Die Partieführerin wurde von der Zentrale bestimmt. Zu dem Arbeitskommando konnten sich bei der Arbeitszentrale im Ghetto Frauen melden, die zwischen dem 30.11.1941 u. 26.2.1942 aus Prag, Pilsen, Brünn u. Kladno nach Th. gekommen waren. Damit die Freiwilligen ihren Familien schnell die Teilnahme am Arbeitseinsatz mitteilen konnten, richtete die Post in Th. einen speziellen Dienst ein, den sie nutzen konnten, wenn sie ihre Briefe mit dem Buchstaben „p“ kennzeichneten. Der Tagesbefehl enthielt auch das Versprechen, daß die Männer der Teilnehmerinnen u. ihre unter 18jährigen Kinder von einem Transport nach dem Osten verschont würden. Punkt 1 des Tagesbefehls vom 22.3.1942 gab bestimmte Gründe wie Alter über 65 Jahre, fremde Staatsangehörigkeit, Kriegsinvalidität u. Mitgliedschaft in den Aufbaukommandos I u. II als Ausschlussgründe an. Da sich nicht genügend Frauen für den Arbeitseinsatz meldeten, wurden die anderen schließlich bestimmt.
Bereits vor Abgang der Transporte wurden die Partieführerinnen für die 13 Gruppen bestimmt u. die Zugführerinnen eingeteilt, denen etwa 50 Frauen unterstanden. Die Namen wurden im Tagesbefehl vom 6.4.1942 bekannt gemacht - - - Die Frauen durften die persönlichen Sachen mitnehmen, die sie unbedingt benötigten. Mit Erlaubnis des Lagerinspekteurs durften sich die Frauen am 9.4.1942 von ihren Familien verabschieden. Am 10.4.1942 fuhren die 1.000 Frauen, unter ihnen 2 Ärztinnen, in 20 Personen-
waggons ab. Im Tagesbefehl vom 17.4.1942 wurde darüber informiert, daß die Frauen gut an den Zielorten angekommen seien.

Viele der beteiligten Frauen beschrieben die Zeit in Křivoklát später als angenehmer als das Leben in Th. Sie mussten um 4.30 Uhr aufstehen, fast 2 Stunden zu ihren Arbeitsplätzen im Wald marschieren, dann unter der Aufsicht der Förster die Bäume pflanzen. Um 18.00 Uhr endete der Arbeitstag. Bewacht wurden sie von einheimischen Förstern u. Gendarmen, die ihnen Lebensmittel zusteckten u. Nachrichten übermittelten. Für den Verpflegungssatz von 15-16 Kronen tägl. bekamen sie morgens Kaffee, Suppe oder Brot, mittags am Feuer im Wald aufgewärmte Suppe, abends dann die Hauptmahlzeit, die aus Kartoffeln mit Blutsoße oder Knödel u. Obstsoße bestand.
Während der Zeit ihres Einsatzes arbeiteten auch 447 zivile Frauen im Wald. Kontakte gab es immer wieder. Einige erkrankte Frauen (insges. 82) wurden frühzeitig nach Th. zurückgebracht. Ersatzkräfte wurden nicht gestellt. Die restlichen 918 Frauen kehrten am 6.6.1942 nach Th. zurück.

Außenkommando Rosice (Rossitz)
Ab Anf. April 1942 arbeiteten Häftlinge des Ghettos Th. für die Rossnitzer Bergbaugesellschaft „Liebe Gottes“ mit Sitz in Brünn. Es handelte sich um 100 männl. Gefangene im Alter von 18–50 Jahren, die in der Zeit vom 4.4.1942 bis Ende August des gleichen Jahres dort arbeiteten. Die Rossitzer Bergwerksgesellschaft besaß neben den Ziegelwerken in Zastávka bei Brünn insgesamt 4 Bergwerke, „Julius“ in Zastávka bei Brünn, „Ferdinand“ in Babice, „Heinrich“ in Zbýšov bei Brünn u. „Kukla“ in Oslavany. In „Kukla“ wurden die Männer aus Th. eingesetzt.
Über die sogen. Arbeitsgruppe „Oslavan“ wurden die Gefangenen durch den Tagesbefehl vom 26.3.1942 informiert. Es sollten sich Männer von 18-50 Jahren melden. Eine freiwillige Meldung schloss jedoch eine andere Zuteilung nicht aus. Während der Vorbereitungen herrschte in Th. Nervosität, da zur gleichen Zeit die Transporte ins polnische Pisaski u. der Frauentransport nach Křivoklát vorbereitet wurden. Egon Redlich vermerkte dazu in seinem Tagebuch: „1.000 Frauen Křivoklát, ein Transport nach Polen. 100 Männer nach Oslavany. Bewegung, angespannte Nerven. Verantwortung.“ Der Lagerkommandant erlaubte vor der Abfahrt des Transportes am 4.4.1942 um 18.53 Uhr in 3 Waggons die Verabschiedung in den Frauenkasernen.

Das Arbeitskommando aus Th. wurde im Bergwerk „Kukla“ in Oslavan eingesetzt, nachdem das jüd. Lager in der Gerberei in Ivančice u. das dortige Ghetto aufgegeben worden waren. Im Bergwerk „Kukla“ hatten vorher Gefangene aus diesem Lager gearbeitet. Die Häftlinge aus Th. dienten sozusagen als Ersatz für die abgeschobene jüd. Einwohnerschaft des Ortes. Die in Oslavan eingesetzten jüd. Gefangenen aus Th. wurden in der Anfangszeit nach 2–3 Monaten in die Osttransporte eingegliedert. Nach Beendigung ihres Arbeitseinsatzes Aug. 1943 arbeiteten hier bis zur Befreiung am 18.4.1945 Juden aus „Mischehen“ u. „Mischlinge“. Überlebende berichten, daß es Kontakte gab zwischen den Th. Häftlingen u. der einheimischen Bevölkerung.

Außenkommando Schnarchenreuth und Regen
Eine bloße Episode war der letzte Arbeitseinsatz Th. Häftlinge Frühjahr 1945 in Schnarchenreuth bei Hof u. in Regen im Bayr. Wald. Zwischen 11. u. 22.3.1945 verließen 3 Transporte Th. mit dem Zug. Die zum Kommando Schnarchenreuth gehörenden 61 Männer kamen auf dem Bahnhof in Hof an, wurden dann auf LKWs verladen u. zu einem Gut gefahren, in dessen Scheune die Häftlinge untergebracht wurden. Die Häftlinge kamen aufgrund der chaotischen Zustände in den letzten Kriegswochen überhaupt nicht dazu, ihre eigentliche Aufgabe, nämlich den Bau von Baracken im Auftrag des RSHA, zu beginnen. Sie waren die ganze Zeit damit beschäftigt, Baumaterial in der Umgebung zu sammeln, Bäume zu fällen u. diese zur Verarbeitung in die Sägewerke zu transportieren. Bei den Fahrten mit den LKWs u. den Pferdegespannen waren die Häftlinge dabei den Angriffen amerikanischer Tiefflieger ausgesetzt. Das Kommando wurde von SS-Obersturmführer Stuschka geleitet, der bereits Lagerkommandant in Wulkow war. Er hatte seinen brutalen Kapo Raffaelsohn mit nach Schnarchenreuth gebracht. Stuschka hatte bei der Auswahl der Häftlinge in Th. darauf geachtet, daß ehemalige Wulkower in das neue Kommando kamen.
Das Arbeitskommando konnte den Auftrag des Barackenbaues nicht durchführen. Die Rückkehr der Gruppe nach Th. gestaltete sich in den Wirren der letzten Kriegstage sehr schwierig. Da Transportkapazität von der Reichsbahn nicht zu bekommen war, machte sich die Gruppe Mitte April unter der Leitung von SS-Offizieren zu Fuß auf den 195 Km langen Rückweg, wobei die Gefangenen mit Munition u. dem Gepäck der SS-Offiziere beladene Karren ziehen mussten. Nach 6 Tagen, am 20.4.1945, erreichte die Gruppe erschöpft Th.

Das nach Regen im bayr. Wald befohlene Arbeitskommando verließ Th. am 10.4.1945 mit 40 jungen Männern. Auch in diesem Arbeitskommando waren ehem. „Wulkower“ dabei. Sie fuhren in einem mit Holzteilen beladenen Güterzug ab, an dem Personenwaggons angehängt waren. Der Gruppe selbst war das Ziel nicht bekannt. Der Weg führte über Prag, Pilsen, Klattau u. Markt Eisenstein nach Regen. Die Barackenteile wurden direkt an der Bahn abgeladen. Als Unterkunft diente den Häftlingen der Güterwaggon. Die Gefangenen berichteten, daß das Verhalten der sie begleitenden SS-Leute korrekt gewesen sei. Die Gruppe verbrachte 4 Tage in Regen u. kehrte wegen der Bombardierung Pilsens am 20.4. über Klattau, Schüttenhofen, Strakonitz, Kammwald, Beraun u. Prag nach Th. zurück.

Außenkommando Wulkow (Kommando Zossen)

Am 2.3.1944 verläßt das sogen. Kommando Zossen mit 200 männl. Häftlingen das Ghetto, um in Wulkow südöstlich von Berlin ein Barackenlager für die SS zu bauen. Das Kommando wurde später auf 260 Mann erhöht. 45 Gefangene sollen im Herbst strafweise nach Sachsenhausen u. dann auf die Kleine Festung gebracht worden sein .. Am 2.2. wurde das Lager Zossen evakuiert, es wurde Proviant für 3 Tage ausgegeben, die Rückfahrt über Berlin, Halle, Würzburg, Nürnberg u. Prag dauerte jedoch 8 Tage. Am 10.2.1945 kehrt das Kommando nach Th. zurück.
W. Görner : „KZ-Ghetto Theresienstadt“, Berlin 1948, berichtet in seinem Buch über die Außenarbeitsgruppe Wulkow. Er erwähnt 235 Arbeiter, einen gewissen Franz Stuschka (oder Stuczka) als Obersturmbannführer, eine Wachmannschaft von 10 SS-Leuten, deutsche Fachkräfte u. Ingenieure. Görner wurde Lagerleiter, dann abgesetzt u. von einem gewissen Raffaelsohn ersetzt, der Stuschka bei seinen Mißhandlungen unterstützte, deswegen nach dem Krieg in der CSR zum Tode verurteilt u. hingerichtet wurde. Die Verpflegung kam aus Th., wurde von Stuschka jedoch immer reduziert, so daß die Arbeiter hungerten. Arbeitszeit im Sommer von 6–22 Uhr, im Winter von 7 Uhr bis zur Dunkelheit. Keine freien Tage. 25 Frauen kamen aus Th., die sich ums Essen u. die Wäsche kümmern sollten --- Die Arbeitsgruppe erstellte im Wald 110 Bauwerke, Wohn-, Arbeits- u. Küchenbaracken, Aktenbunker, Feuerlöschteiche u. Garagen, eine Abwasserkanalisation, eine Brunnenanlage mit modernsten Pumpen.
Dieses Lager war als Gestapoausweichquartier für Berlin vorgesehen u. im Herbst 1944 teilweise bezogen. Heinrich Müller, Chef des Amtes IV im RSHA, beauftragte Eichmann damit, eine 2. Dienststelle der Gestapo zu errichten, sozusagen als Ausweichquartier. Müller schrieb einen Brief an Dr. Erwin Weinmann, den Befehlshaber des SD u. der Sicherheitspolizei im Protektorat. Er ersuchte um die Ausleihe von 18-20 Baracken, die in Th. überzählig seien. Das Ausweichlager sollte in Wulkow, etwa 60 Km östlich von Berlin an der Bahnstrecke nach Küstrin gebaut werden. Es bekam den Tarnnamen Dachs. Der Adjutant Müllers, SS-Obersturmführer Albert Duchstein, wurde mit der Organisation des Baues betraut.
In Th. meldeten sich nach einer entsprechenden Ankündigung zu Beginn des Jahres 1944 nur wenige junge Männer für das Arbeitskommando, auch nicht, als die SS ankündigen ließ, daß den Angehörigen des Kommandos Transportschutz gewährt würde. Die Selbstverwaltung musste weitere Männer auf die Liste setzen --- Am 2.3.1944 wurden etwa 200 Männer mit Personenwagen von Bohušovice aus nach Wulkow transportiert. Auf mitgeführten Ladewagen waren die Barackenteile verladen worden. Der Zug wurde begleitet von SS-Hauptsturmführer Möhs u. den SS-Scharführern Glaser u. Hanke.
Der eigentliche Bauort befand sich in einem waldigen Gelände der Seelower Höhen. Hanke, der zeitweilig als Lagerkommandant fungierte, verhielt sich den Zeugenaussagen entsprechend anständig zu den Häftlingen, keine Brutalitäten, keine Quälereien. Dann wurde SS-Obersturmführer Stuschka aus Wien eingesetzt, der die Häftlinge brutal behandelte, prügelte u. zur schärferen Bestrafung entweder nach Sachsenhausen oder in die Kleine Festung transportieren ließ --- Das Lager wurde später von volksdeutschen SS-Leuten bewacht. Im Jerusalemer Prozeß gegen Eichmann wurde ein Besuch Eichmanns in Wulkow erwähnt.

Transporte aus Theresienstadt nach Wulkow und aus Wulkow nach Theresienstadt:
2. 3. 1944 200 Männer nach Wulkow
29. 3. 1944 38 Männer nach Wulkow
30. 3. 1944 3 Männer aus Wulkow nach T.
1. 4. 1944 35 Männer aus Wulkow nach T.
18. 4. 1944 35 Männer nach Wulkow
25. 4. 1944 6 Männer nach Wulkow
28. 6. 1944 20 Frauen nach Wulkow
30. 6. 1944 38 Männer und 8 Frauen von Wulkow nach T.
13. 7. 1944 1 Mann aus Wulkow nach T.
14. 8. 1944 2 Männer aus Wulkow nach T.
25. 8. 1944 55 Männer und 14 Frauen nach Wulkow
28. 8. 1944 20 Männer und 1 Frau von Wulkow nach T.

Der letzte bekannte Personenstand des Wulkower Lagers beträgt 260 Personen. Nach Th. kehrten im Februar 1945 jedoch nur 215 Personen zurück (Verzeichnis der Rückkehrer der Jüd. Selbstverwaltung vom 10.2.1945) Die fehlenden 45 Personen sind jene, die Obersturmführer Stuschka mit Sachsenhausen u. der Kleinen Festung bestraft hatte. Rahm ließ diese Häftlinge nach einem Gespräch mit Murmelstein am 20.2.1945 aus dem Personenstand des Lagers streichen.
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Post in Theresienstadt

Beitrag von Dissident am Mi Apr 19, 2017 5:07 pm

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/p/post.htm  Post in Theresienstadt
--- Aufgrund der Regierungsverordnung über die Rechtsstellung der Juden im Protektorat vom 4.7.1939 durften die Juden in keiner Einrichtung des öffentl. Rechts angestellt sein, also auch nicht bei der Post. Eine größere Anzahl von jüd. Mitarbeitern der Post war davon betroffen --- Nach dem Auszug der tschech. Zivilbevölkerung aus Th. galt als postalische Adresse nur noch der deutsche Name --- Die Postverbindungen aus dem Ghetto u. ins Ghetto waren ausschließlich in der Kompetenz der Theresienstädter SS-Kommandantur u. ihrer vorgesetzten Dienststellen in Prag u. Berlin --- Im Ghetto war es die jüd. Selbstverwaltung, die als Exekutivorgan die Weisungen der SS-Kommandantur ausführte u. eine Postabteilung einrichtete.

Die Anzahl der in dieser Abteilung beschäftigten Häftlinge richtete sich danach, in welchem Ausmaß der Postverkehr freigegeben war. Waren es anfangs nur wenige, wuchs ihre Zahl nach Genehmigung des Brief-, Päckchen- u. Paketverkehrs auf über 200 an. Zur Zeit des Aufbaus der jüd. Selbstverwaltung war die Post als Unterabteilung in die Abteilung III der Inneren Verwaltung eingereiht, die Dr. Egon Popper leitete. Die Unterabteilung Post wurde von Dr. Karel Lagus geleitet. Diese Unterabteilung war in die Gruppe „Post“, zu der die „Postzentrale“ u. die „Zensur“ gehörten, u. in die „Zustellzentrale“ eingeteilt. Die Zustellzentrale war für die Lokalpost innerhalb von Th. zuständig. Nach der Erweiterung des Ghettos auf den gesamten Stadtbereich wurden in einzelnen Blocks u. Gebäuden Außenstellen eingerichtet (Herbst 1942). Bis Kriegsende änderte sich die Struktur der Post mehrfach. Die Zentrale der Post für den Briefverkehr wurde in Block Q 619 eingerichtet, für den Päckchenverkehr entstand eine 2. Zentrale im 2. Saal des Gebäudes der ehem. Rüstkammer (HIV), wo Postsendungen ausgegeben wurden. Vom 26.3.1943 an wurde in der Rüstkammer auch die Briefzentrale installiert. Im Februar 1943 wurde hier zusätzlich eine Paketausgabestelle eingerichtet. Im August 1943 zog die Post in die Parkstraße 12 u. im Nov. 1943 in die Hauptstraße 14 um.

Am 15.4.1943 wurde Philipp Kozower .. zum Leiter der Post ernannt .. Bei der offiziellen Ernennung Benjamin Murmelsteins zum Judenältesten am 13.12.1944 kam es zu der letzten bekannten Änderung auf den Stellen der einzelnen Abteilungsleiter. Die Postzuteilung unter der Bezeichnung E 3 in der Hauptstraße 14 führte Moritz Henschel .., sein Stellv. war Leopold Tintner. Die Briefpost E 31 leitete Rudolf Gratum, ebenso wie die Postzensur E 3101. Die Unterabteilung E 3102-Zustelldienst leitete Kurt Tintner, die Paketpost E 32 leitete Moritz Henschel, die Unterabteilung E 3102 Mano Fischer, die Kartei- u. Kontrollabteilung E 3103 Dr. Oskar Goetz. Die Post beschäftigte zu dieser Zeit 87 Häftlinge, Männer sowie Frauen, davon waren 43 in der Administrative u. 44 im Betrieb angestellt.

Bereits am 25.11.1941 verhandelten die Vertreter der jüd. Kultusgemeinde Prag mit dem zum Kommandanten ernannten SS-Hauptsturmführer Siegfried Seidl. Nun wurde ein eingeschränkter Postverkehr unter der Bedingung erlaubt, sofort eine Zensur einzuführen, die für die Unbedenklichkeit im Sinne deutscher Interessen verantwortlich sein sollte. Sie wurde bereits vom provisor. Lagerkommandanten, Sturmbannführer Richard Skarabis eingeführt. Es war nur erlaubt, auf Postkarten u. in deutscher Sprache zu schreiben. Die gleichen Regeln galten für die Postkarten ins Ghetto, die über die Jüd. Kultusgemeinde in Prag zugestellt wurden.

Am 1.12.1941 wurde die Postverbindung mit Ausnahme des schriftl. Verkehrs zwischen den Behörden untersagt. Amtliche Korrespondenzen mussten vom Judenältesten unterschrieben sein u. über die Lagerkommandantur laufen. Das Verbot sollte 4 Wochen gelten, wurde jedoch erst Anfang Februar widerrufen. Das Verbot erstreckte sich auch auf den inneren schriftl. Verkehr der Häftlinge. Das Verbot ließ sich anfangs nicht einhalten, denn das Postamt in Th. war in der ersten Zeit neben den Dienstleistungen für die Zivilbevölkerung auch für die Annahme der Paketsendungen für die Häftlinge zuständig u. stellte sie ihnen mittels der tschech. Gendarmen zu. Bis zum 24.12. wurden so den Häftlingen Sendungen zugestellt. Erst als die SS-Kommandantur einschritt, wurden die Sendungen an die Absender zurückgeschickt.

Die Vermittlung von Nachrichten war für die Th. Häftlinge fortan mit großen Risiken verbunden. Es drohte ihnen Haft in der Kleinen Festung, später Deportation in ein ..lager oder auch die Hinrichtung, wie das Schicksal der 16 am 10.1. u. 16.2.1942 im Ghetto hingerichteten Häftlinge zeigt.

Am 9.1.1942 wurde in Vorbereitung auf die Deportationen eine begrenzte Korrespondenz innerhalb des Lagers erlaubt, damit Freunde u. Verwandte innerhalb des Lagers vom dem bevorstehenden Transportgang informiert werden konnten. Die Briefe mussten offen abgeliefert werden u. in deutsch geschrieben sein. Die Briefe wurden an 2 aufeinander folgenden Tagen von 8.00 bis 22.00 Uhr angenommen u. mussten am gleichen Tag zugestellt werden. Nach Aussiedlung der Zivilbevölkerung blieb der lokale Postverkehr auf die Zustellung amtlicher Korrespondenz zwischen den Abteilungen der jüd. Selbstverwaltung bestimmt.

Erst Anfang 1942 wurde auf Weisung Adolf Eichmanns der Postverkehr mit dem Protektorat teilweise wieder zugelassen. In dem vom Ältestenrat herausgegebenen Tagesbefehl Nr. 46 vom 8.2.1942 wurden die Regeln für den Briefverkehr veröffentlicht.

Aus dem Ghetto zu schreiben, war nur auf Postkarten erlaubt, die von der jüd. Selbstverwaltung ausgegeben wurden. Für die Ausgabe der Postkarten u. ihre Annahme bei der Post wurde eine Reihenfolge festgelegt. Die Einordnung erfolgt je nach dem Transport, mit dem man nach Th. deportiert worden war. In ihrem Anspruch auf eine Postkarte kamen alle Häftlinge nacheinander an die Reihe. Der erste ausgerufene Turnus war monatlich u. jeder Häftling konnte eine auf Deutsch geschriebene Postkarte zur Abfertigung abgeben, die 30 Worte enthalten durfte u. deren Inhalt durch eine Reihe von Vorschriften eingeschränkt war. Es durfte nichts geschrieben werden über die allgemeine Lage im Ghetto, über abgehende oder ankommende Transporte, Anzahl u. Arbeitseinteilung der Häftlinge u. anderes mehr. Dieses Verbot wurde oft übertreten, obwohl die Karten zunächst die jüd. Zensur passierten u. dann die deutsche Kommandantur passieren mussten. Wenn diese etwas Unzulässiges feststellte, wurde nicht nur der Schreiber sondern auch der jüd. Zensor bestraft. Die Postkarte musste mit einem Z u. der dem Zensor zugeteilten Nummer versehen sein. Der Zensor trug die Verantwortung. Der Absender musste die entsprechend den Regeln geltende Absenderadresse angeben, also Vorname, Name, Transportbezeichnung, Transportnummer des Häftlings, Bezeichnung des Gebäudes u. des Zimmers.

Die Postkarten gingen von der SS-Kommandantur auf dem Kurierweg zur Zentralstelle für jüd. Auswanderung in Prag, wo sie von Vertretern der Prager Jüd. Kultusgemeinde (ab Februar 1943 „Ältestenrat“) abgeholt wurden. Von hier aus wurden sie bereits frankiert als Einzel- oder Sammelsendung abgeschickt. Ein aufgedruckter Stempel wies darauf hin, daß die Empfänger nur auf dem Weg über die Jüd. Kultusgemeinde Prag auf die Karte antworten konnten. Die Postkarten ins Ghetto mussten mit Schreibmaschine oder in Blockschrift geschrieben sein. Eine erste Zensur fand bereits bei der Kultusgemeinde statt.

Im Mai 1942 wurde der Postverkehr untersagt, weil man angeblich illegal aus dem Ghetto geschmuggelte Briefe gefunden hatte. Er wurde erst wieder am 16.9.1942 erlaubt (Tagesbefehl Nr. 205 vom 1.9.1942). Diese Erlaubnis traf jedoch nur auf die seit Juni 1942 aus dem Altreich, Österreich u. dem Sudetenland eingetroffenen Häftlingen zu, denn diesen hatte man daheim Th. als einen Ort des friedlichen Zusammenlebens geschildert u. ein Postverbot passte nun gar nicht in das von der SS vermittelte Bild. Um Unruhe zu vermeiden, gab man dieser Personengruppe deswegen die Schreiberlaubnis. Diese Korrespondenz wurde über die Jüd. Kultusgemeinde in Wien u. die Reichsvereinigung der Juden mit Sitz in Berlin verschickt. Von dem aus dem Protektorat stammenden Häftlingen durften nur jene eine Postkarte schreiben, die vor dem 10.12.1941 im Ghetto eingetroffen waren.

Ab 24.9.1942 konnte jeder Häftling 1x unter Vorlage seines Ausweises eine Postkarte beim Ältestenrat abholen. Die Beschränkung der Wortanzahl auf 30 wurde aufgehoben, es konnte Schreibschrift verwendet werden, wenn sie denn leserlich war. Als am 1.8.1943 Straßennamen eingeführt wurden, mussten diese sofort auch bei der Adressenangabe berücksichtigt werden.

Mit der Lockerung der Regeln wurde erlaubt, den Häftlingen sogen. Liebesgabenpakete zu schicken - eher Päckchen - bis zu einem Gewicht von 2 Kg, die von der Post als Briefsendung behandelt wurden. Die Häftlinge durften auf den Postkarten auf die Möglichkeit hinweisen, ihnen solche Päckchen zu schicken. Mit den neuen Regeln wurde der erste Turnus für die Annahme der Postkarten von der jüd. Selbstverwaltung angekündigt. Der Turnus betraf alle Häftlinge u. war in 11 Etappen eingeteilt, in der alle Häftlinge nacheinander mit der Absendung einer Postkarte an die Reihe kamen. Der erste Turnus dauerte vom 26.9. - 7.10.1942. Ab Mai 1943 wurde ein 3-monatiger Turnus bekannt gegeben. In dieser Zeit konnte ein Häftlinge alle 3 Monate eine Postkarte absenden. Aufgrund der gestiegenen Häftlingszahl wurden die Postkarten von den Blockältesten oder Gebäudeältesten ausgegeben.

3-monatige Turnusse wurden bis zum 1.7.1944 ausgerufen, dann galt wieder der verkürzte 1-monatige Turnus, der am 30.8.1944 jedoch auf 8 Wochen verlängert wurde.
Die Verlängerung oder Verkürzung der Turnusse hatte weniger mit Eingriffen der SS zu tun als mit Betriebsproblemen u. dem Mangel an Postkarten.

Die Jüd. Selbstverwaltung war gezwungen, eine umfangreiche Evidenz über den Postkartenverkehr der Häftlinge zu führen. Die postkartenberechtigten Häftlinge mussten ein Formular ausfüllen. Nach der Zensur bei der Jüd. Selbstverwaltung wurden die Postkarten u. die Formulare mit Hilfe der Block- u. Gebäudeältesten gesammelt u. der Postzentrale übergeben. Die hier arbeitenden Häftlinge fertigten genaue Verzeichnisse nach dem Bestimmungsort an. Der Leiter der Postzentrale verfasste einen Bericht, den er gemeinsam mit den Postkarten u. den Verzeichnissen dem Judenältesten übergab, der all das mit einem eigenen Begleitschreiben bei seiner tägl. „Audienz“ dem Lagerkommandanten zur Billigung vorlegte. Mit diesem ungeheuren Aufwand sollte verhindert werden, daß ein Häftling unberechtigt eine Postkarte abschicken konnte.

Die Absendung einer Postkarte außerhalb des regelmäßigen Turnusses war nur ausnahmsweise möglich u. musste vom Judenältesten dem Kommandanten zur Entscheidung vorgelegt werden. Ähnlich war es mit der seit dem 24.9.1942 erlaubten Korrespondenz mit dem neutralen oder befreundeten Ausland, was die amtliche Korrespondenz der Selbstverwaltung oder Prominente betraf. Im Tagesbefehl vom 24.9.1942 wurde darauf hingewiesen, daß diese Briefe nicht lang sein dürften, die Umschläge ohne Futter sein u. mit Absender u. Adressat offen abgegeben werden müssten. Dabei war es den Häftlingen streng verboten, Briefpapier zu besitzen. Es musste wie Geld, Wertmarken usw. abgegeben werden, u. der Besitz wurde streng bestraft. Der schriftliche Verkehr zum „feindlichen“ Ausland über das Rote Kreuz wurde den Häftlingen nicht erlaubt.

Ab Sept. 1942 lief die Postverbindung ins Ghetto über die Jüd. Kultusgemeinde, Zentralstelle für jüd. Auswanderung u. Lagerkommandantur eingeschränkt aber bei wechselnden Regelungen relativ regelmäßig. Die Ankunft einer Postkarte wurde dem Häftling vom Ältestenrat auf einem Formular bekanntgegeben. Der Häftling holte sie dann bei der Postzentrale der Briefpost ab u. bestätigte dort ihre Übernahme. Ähnlich wurde mit den Päckchen u. später mit den Paketen verfahren.

Die kleinen Päckchensendungen konnten die Lage der unter Nahrungsmittel- u. Bedarfsartikelmangel leidenden Häftlinge nicht wesentlich erleichtern; sie bedeuteten den Häftlingen trotzdem viel. Päckchen, deren Empfänger gestorben oder weiterdeportiert waren, konnten von der jüd. Selbstverwaltung einem anderen Empfänger gegeben werden. Um Betrug u. Diebstahl zu verhindern, wurden besondere Ausweise für diese Ersatzaushändigung eingeführt. Es handelte sich dabei um „Vollmachtskarten“, die nach dem Tod eines Häftlings aufgrund des Erbschaftsverfahrens ausgegeben wurden (ab 16.10.1942 auch Postvollmachten). Ein auf Transport gehender Häftling konnte so seinen Anspruch auf später eingehende Postsendungen auf einen anderen Häftling übertragen.

Ab Januar 1943 war die Versendung von Paketen bis zu einem Gewicht von 20 Kg ins Ghetto erlaubt. Von April 1943 an ließ die zivile Postverwaltung des Protektorats auch die Zustellung von bestimmten Paketen aus dem Ausland zu, und das auch bei solchen, die mit Verzollung, Zoll u. Nachgebühren belastet waren. Nicht immer erreichten die Pakete den Empfänger, kamen beschädigt oder nur mit reduziertem Inhalt an. Anfangs übernahm eine Gruppe von Häftlingen die Pakete auf dem Bahnhof in Bauschowitz, kontrollierte den Inhalt unter der Aufsicht von Aufsehern. Verbotene Waren wie Kaffee u. Schokolade wurden konfisziert, viele Dinge gestohlen. Später wurden die Pakete in der Paketausgabestelle in Anwesenheit der Empfänger geöffnet u. kontrolliert. Den Paketen musste ein Verzeichnis beiliegen. Meldete sich der Empfänger oder der Besitzer einer Postvollmacht nicht, konnte die Selbstverwaltung das Paket einem anderen Empfänger geben.

Am 10.7.1943 wurden für Pakete aus dem Protektorat sogen. Zulassungsmarken eingeführt u. in Zukunft war ein komplizierter Vorgang nötig, bevor ein Paket ins Lager gesendet werden konnte. Der Häftling musste um die Marke im Zuge seines Turnusses nachsuchen, in dem er ein Formular ausfüllte u. es bei der Transportabteilung abgab. Der Anspruch des Häftlings auf die Zulassungsmarke wurde beglaubigt u. seinem Gesuch eine Ordnungszahl zugeteilt, unter der das Gesuch in ein Verzeichnis eingetragen wurde. Der Judenälteste legte das Verzeichnis dem Lagerkommandanten vor, dann wurde es an das Zentralamt in Prag geschickt. Das Zentralamt übergab dann gemäß des Verzeichnisses eine entsprechende Anzahl von Zulassungsmarken dem Jüdischen Ältestenrat. Jeder dieser Markenausgaben (oder auch „Serien“ genannt) wurde durch einen Großbuchstaben bezeichnet. Der Ältestenrat gab nun die Marken gemeinsam mit einem Formular, auf dem neben anderen Angaben der Buchstabe der Serie u. die Nummer der Marke aufgeführt waren, weiter an die Empfänger im Protektorat. Prager Empfänger mussten sich die Marken dann in der Josefstädterstr. 5 (später in der Meiselgasse 18) abholen. Der Empfänger war verpflichtet, die ausgefüllte Bestätigung umgehend an den Prager Ältestenrat zurückzuschicken. In den Außenstellen außerhalb Prags wurde ähnlich verfahren. In den Außenstellen u. in Prag musste eine sogen. Konsignation ausgefüllt werden, in der angekreuzt werden musste, ob der Empfänger die Marke erhalten habe, die Annahme verweigert hatte, wenn der Empfänger verstorben war, wenn der Empfänger seinen Wohnort nach Th. verlegt hatte, wenn der Empfänger sich in Haft befand usw..

Der Jüd. Ältestenrat arbeitete mit Hilfe aller eingelangten Formulare ein endgültiges Verzeichnis der Empfänger von Zulassungsmarken aus u. gab dies weiter ans Zentralamt für die Regelung der Judenfrage. Der hier im groben beschriebene Weg war sehr aufwendig u. kompliziert u. wurde von den deutschen Behörden streng kontrolliert. Nach der Einführung der Zulassungsmarken war es nicht mehr möglich, daß ein unbekannter bzw. ein von den Deutschen nicht verzeichneter Absender eine Postsendung ins Ghetto schickte (wie es vorher möglich gewesen war).
Die Zulassungsmarke klebte der Absender direkt auf das Paket, das er darüber hinaus durch Briefmarken des entsprechenden Wertes frankiert hatte. Ein Paket ohne Zulassungsmarke durfte das Postamt nicht annehmen. Nicht ausgehändigt wurde dem Häftling das Paket, wenn die Zulassungsmarke nicht mit dem Ortsstempel des annehmenden Postamtes abgestempelt war. Da das System der Zulassungsmarken nur für das Gebiet des Protektorats galten, gab es fortan nur die Möglichkeit, Pakete aus dem besetzten Sudetenland zu schicken, was einige Male genutzt wurde.
Die Zulassungsmarken wurden durch die Banknotendruckerei in Prag in der Rosengasse auf Bestellung der Nationalbank für Böhmen u. Mähren gedruckt.

Bedřich Fojtášek, ein Angestellter der Druckerei, war für die Entwürfe verantwortlich. Als Vorlage diente scheinbar das Original des Bildes des Malers Frantisek Šimbera oder seine 1930 in einer Postkartenserie veröffentlichte farbige Wiedergabe. Der Druck erfolgte zwischen Mai u. Juli 1943. Die Marken wurden durch Buchdruck in grüner Farbe hergestellt, und zwar aus einer Buchdrucktafel, deren Torso sich heute noch im Archiv der staatl. Banknotendruckerei befindet. Über die Anzahl der gedruckten u. ausgegebenen Zulassungsmarken liegen keine klaren Quellen vor. Der Jahresbericht für 1944 führte die Anzahl von 530.811 angelangten Päckchen u. Paketen an, ohne jedoch anzugeben, von wo sie abgeschickt worden waren. In diese Zahl waren offensichtlich die Massensendungen an Lebensmitteln inbegriffen.
Im gleichen Jahr kamen 197.112 Postkarten im Ghetto an, bei 191.631 aus dem Lager abgeschickten.
--- Die Jüd. Selbstverwaltung meldete für den Monat Februar 1945 1.068 angekommene Pakete ---

Postverkehr im Gestapogefängnis Kleine Festung
Die Häftlinge konnten von Zeit zu Zeit Pakete empfangen. Viele Angehörige schickten Kleidung u. Lebensmittel. Die Pakete wurden jedoch in der Wachstube geöffnet, kontrolliert u. vielfach ausgeraubt. Nur ein Teil der den Gefangenen geschickten Sachen kam tatsächlich an. Die Häftlinge waren von der Außenwelt isoliert. Die einzige legale Verbindung stellte der Postverkehr dar. Auf einer Postkarte durften sie 1x im Monat einige Zeilen in deutscher Sprache abschicken. Die Postkarten unterlagen der Zensur durch die Aufsichtsbeamten. Unzensierte Nachrichten konnten nur in Form von Kassibern u. dank der Mithilfe von Außenstehenden weitergegeben werden. Hier halfen viele der Einwohner Theresienstadts.
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Produktionsstätten und Arbeit

Beitrag von Dissident am Do Apr 20, 2017 10:57 am

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/p/produktionsstaetten.htm  Produktionsstätten im Theresienstädter Ghetto

Die Produktionsabteilung war eine Unterabteilung der Wirtschaftsabteilung der „Jüdischen Selbstverwaltung“ des Ghettos Th. Leiter dieser Abteilung war bis zur Befreiung Dr. Ing. Rudolf Freiberger.

Die Produktionstätigkeit dieser Abteilung teilte sich in 2 Gruppen auf, die sich durch ihre Zweckmäßigkeit unterschieden: Die Gruppe 1 befasste sich mit der Produktion für den inneren Bedarf des Ghettos, Gruppe 2 mit der Produktion für den Gebrauch außerhalb des Ghettos (für Privatunternehmen u. für militärische Dienststellen).

Nach Rudolf Freiberger gehörten folgende Produktionsstätten zur Produktionsabteilung:

Gruppe 1: Metallbearbeitung, Zimmerhandwerkliche Arbeiten, Tischlerei, Montage von Holzkonstruktionen, Bäckerei, Wäscherei, Schusterwerkstatt und Kleiderreparaturen, Annahmestelle (für Wäscherei und Schusterwerkstatt), Kartoffeldarre (Trockenvorrichtung für Kartoffeln), Seifenersatzproduktion, Erzeugung von orthopädischen Behelfen, Augenoptik, Reparaturwerkstatt für Uhren

Gruppe 2: Konfektionsschneiderei, Kunstgewerbl. Erzeugung, Produktion v. Galanteriewaren, Kartonagenproduktion, Holzsohlenerzeugung, Verpackungskistenproduktion, Reparaturwerkstatt für Uniformen, Glimmerspalterei, Glimmerblockerei

Nach Freiberger betrug die höchste Anzahl von Arbeitskräften in der Produktionsabteilung 4.000. Er kann jedoch nicht sagen, zu welchem Zeitpunkt diese Zahl erreicht wurde. Er geht davon aus, daß zwischen 30.9.1942 u. 30.9.1943 durchschnittl. 27.666 Personen im Alter zwischen 16 u. 65 in Th. lebten. Wenn 4.000 von ihnen in der Produktion tätig waren, stellten diese 14,5 % der oben angegebenen Bevölkerungsgruppe dar.

Betriebe für den Eigenbedarf des Ghettos:

Werkstätten für die Metallverarbeitung
Die Werkstätten für Metallverarbeitung befanden sich auf dem ehem. Bauhof am Leitmeritzer Tor, einem ehem. Militärobjekt. Hier befanden sich Werkstätten für Bau- u. Maschinenschlosserei. Zu ihren Aufgaben gehörte die Instandsetzung des Maschinenparks, die Erzeugung von Ersatzteilen, Werkzeugen usw. Hier befand sich ebenfalls eine LKW-Reparaturwerkstatt.

Holzverarbeitende Betriebe
Es gab eine kleine Zimmereiwerkstatt u. eine verhältnismäßig große Tischlerei in der ehem. Militärreitschule. Hier wurden Zehntausende der im Ghetto üblichen Stockbetten hergestellt (meist 2-3 stöckig), Tische, Stühle, Hocker fürs Jugendheim, Krankenhaus, Betriebe usw., Regale u. Bauteile. Das Holzlager befand sich in unmittelbarer Nähe der Werkstätten in der Reithalle.

Montage von Holzkonstruktionen Montiert wurden Bauteile, die entweder in der Tischlerei hergestellt oder von außen zugeliefert wurden. In dieser Werkstatt wurden auch Regale für versch. Produktionsstätten hergestellt.

Die Bäckerei
.. befand sich im Block A IV gegenüber der Hannover-Kaserne in den Gebäuden der alten Heeresbäckerei. Sie war ursprünglich für die Garnison der Stadt bestimmt gewesen und als die Bevölkerung des Ghettos sprunghaft anstieg, reichte ihre Kapazität nicht mehr aus. Es mussten weitere Maschinen u. ein Backofen beschafft werden. Eine geringe Anzahl von Fachleuten lernte ungelernte Arbeitskräfte an. Es gelang dann die Herstellung von 16.000 Kg Brot pro Tag. Zwischen 31.7.1942 u. 30.7.1943 erreichte die Zahl der Ghettoinsassen ihren Höhepunkt. Der Mittelwert betrug 46.900 bei einer Spanne, die von 43.400 bis 53.300 reichte. Bei einem mittleren Durchschnitt war die Bäckerei imstande, 360 g Brot pro Person an 1 Tag zu backen. Beim höchsten Stand der Einwohnerzahl, d.h. ungefähr 58.000 Personen, waren es 276 g pro Person u. Tag. Zu den größten Problemen in der Bäckerei gehörte es, die Materialverluste so gering wie möglich zu halten. Ein chem. Labor kontrollierte systematisch die Erzeugnisse, um den ausgewiesenen Mehlverbrauch mit dem aufgrund von Analysen festgestellten Mehlverbrauch zu vergleichen.

Die Wäscherei
.., die in den Gebäuden der alten Mühle an der Egerbrücke untergebracht war, diente früher dem Militär u. war für die hygienischen Verhältnisse im Ghetto ebenso wichtig wie die Bäckerei für die Ernährung. Die techn. Ausrüstung der Wäscherei war gut, reichte jedoch mit der Kapazität von ca. 23.000 Kg Wäsche pro Monat nicht aus. Ergänzende Einrichtungen wurden installiert, die zum Teil im Ghetto selbst hergestellt u. projektiert wurden wie z.B. 2 Trockenräume, eine Büglerei, die Sortierung u. die Expedition. Durch diese Maßnahmen gelang es, die Kapazität auf 90.000 Kg pro Monat zu erhöhen.
Das bedeutet, daß zum Zeitpunkt der höchsten Einwohnerzahl des Ghettos (siehe Bäckerei) die Wäscherei imstande war, 1,92 Kg Wäsche pro Kopf u. Monat zu bewältigen, beim absoluten Höchststand der Einwohnerzahl des Ghettos mit 58.000 Personen, waren es 1,55 Kg pro Monat u. Person. Da das Objekt der Wäscherei außerhalb der Ghettomauern an der Eger lag, wurden die dort Beschäftigten auf ihrem Weg zur Arbeit durch tschech. Gendarmen begleitet.

Die Reparaturwerkstätte für Schuhe und Kleidung
In diesen Werkstätten waren 800 Arbeiter beschäftigt. Zu den Reparaturen kam später auch eine Erzeugung von Konfektion u. Schuhen aus altem Material. Zeitweilig wurde hier auch Verbandszeug u. Scharpie (faseriges Baumwoll- oder leinenmaterial, Vorläufer der heutigen Verbandswatte) für die Krankenhäuser hergestellt.

Die Annahmestelle
.. übernahm Schmutzwäsche, Kleidung u. Schuhe zum Reparieren, gab die gewaschene Wäsche aus, die ausgebesserte Kleidung u. die reparierten Schuhe. Bewilligungsscheine für diese Dienstleitungen wurden von der Produktionsabteilung herausgegeben, u. zwar gemäß den Kontingenten, die von der Jüd. Ghettoverwaltung festgelegt wurden. In der Regel wurden die Bewilligungsscheine an einzelne Insassengruppen gegeben. So erhielt z.B. die Arbeitszentrale Bewilligungsscheine für die Arbeitenden, die Jugendfürsorge für die Jugendheime usw.
Neben der Zentralwäscherei gab es noch ein Netz kleinerer Waschküchen u. Reparaturwerkstätten in den Wohnhäusern, die der Abt. für innere Verwaltung unterstanden.

Die Kartoffeldarre
.. entstand Anf. 1945. Die Proviantur hatte für die fachgerechte Lagerung von Kartoffeln keine ausreichenden Lagerräume. Die bish. Maßnahmen u. Kontrollen, die das Verfaulen der Kartoffeln verhindern sollten, schienen nicht ausreichend gewesen zu sein. Deswegen richtete die Produktionsabteilung eine Trockenvorrichtung für Kartoffeln – eine Darre – ein. Dadurch wurden 20-30 Tonnen Kartoffeln vor dem Verfaulen bewahrt. Diese Kartoffeln wurden dann über die normale Zuteilung hinaus freigegeben. Auch wurde eine Konversion von Brotmehl bewilligt, so daß die Extrazuteilungen von Brot an Schwerarbeiter erhalten bleiben konnte, selbst in einer Zeit, da außerordentliche Schwierigkeiten in der Versorgung eintraten.

Die Seifenersatzproduktion
.. befand sich in einer kleinen von einem hochqualifizierten Chemiker geleiteten Werkstatt. In einer Zeit des akuten Seifenmangels war diese Produktion von großem Wert.

Erzeugung orthopädischer Behelfe und Bandagen. Augenoptik und Uhrmacherwerkstatt
Diese kleinen Werkstätten waren in der Regel in ehem. Ladengeschäften untergebracht u. erwiesen sich als besonders nützlich.

Produktion für Kunden außerhalb des Ghettos
Die vom Lagerkommandanten Seidl Ende 1941 oder Anf. 1942 angeordnete groß angelegte Konfektionserzeugung im Ghetto wurde nicht verwirklicht. Nachdem eine große Anzahl von Nähmaschinen angeliefert u. in der Sudetenkaserne aufgestellt wurden, entschied eine Inspektion, an der auch Eichmann teilnahm, daß das Projekt fallen gelassen werden solle. Freiberger vermutet, daß die Aufgabe dieses Projektes etwas zu tun haben könnte mit der Funktion Theresienstadt`s als Durchgangslager u. der zu diesem Zeitpunkt beginnenden Osttransporte.

Erzeugung von kunstgewerblichen Gegenständen, Galanterie und Kartonagen
Das Material zur Herstellung dieser Waren wurde von privaten Firmen geliefert. Diese Firmen stellten auch die für die Herstellung benötigten Maschinen. Freiberger meint, da die Lagerkommandantur u. auch die Mitarbeiter der Zentralstelle für jüd. Auswanderung in Prag ein materielles Interesse hatten, denn anders ließe es sich wohl nicht erklären, daß der deutsche Unternehmer, für den diese Werkstatt arbeitete, eine jüd. Frau hatte, deren nahe Verwandte in der Werkstatt arbeiteten. Das in LKWs angelieferte Material bot Gelegenheit, Briefe, Lebensmittelpakete u. Rauchwaren zu schmuggeln. Erst nach geraumer Zeit wurde die Tätigkeit der Werkstätten begrenzt, Freiberger vermutet Zwistigkeiten unter den SS-Leuten als Grund.
Die Kartonagenproduktion arbeitete auch für den Eigenbedarf des Ghettos. Hier wurden die Kartons für die Urnen hergestellt.

Holzsohlenproduktion

Die Erzeugung von Holzsohlen befand sich in einer Ecke der Reitschule, deren größte Fläche die Tischlerei einnahm. Die Holzsohlen wurden maschinell hergestellt u. waren wohl für Gefangenenlager bestimmt. Der Umfang der Erzeugung war eher gering.

Die Kistenproduktion
.., allg. bekannt unter Bezeichnung K-Produktion, hatte die Aufgabe, Verpackungskisten für Werkzeuge zur Reparatur von LKW herzustellen. Abnehmer war die deutsche Wehrmachtsverwaltung, der Umfang der Bestellung betrug 120.000 Kisten. Während der Entstehung des Projektes, der Installation des Betriebes u. des eigentlichen Arbeitsvorganges, war in Th. ein Beauftragter der Wehrmachtsverwaltung zugegen, ein Wehrmachtsoffizier Neumann (Rang unbekannt). In Neumanns Gegenwart erließ Lagerkommandant Seidl Ende April 1943 den Befehl zur Errichtung der K-Produktion.
Auf dem zentralen Platz in Th. wurden auf Befehl Seidls Circuszelte errichtet, ein Förderband auf Rollen installiert, ein Kistenlager, Materiallager u. Expeditionslager errichtet. Die Installierung sollte bis zum 18.5.1943 fertig sein, 2.000 Kisten nach Neumanns Befehl pro Tag hergestellt werden. Der Auftrag sollte am 20.7.1943 abgewickelt werden. Diese Frist konnte aus versch. Gründen, vor allem aber wg. der schleppenden Materiallieferungen nicht eingehalten werden. Die K-Produktion schien für die Wehrmachts-
verwaltung von besonderem Interesse zu sein, da mehrfach hohe Offiziere (darunter ein General) die Anlagen besichtigten. Fehlendes Material führte zu Arbeitszeitverkürz-
ungen (von 10 auf 8 oder weniger Stunden tägl.) u. zum zeitweiligen Stillstand. Neumann ordnete an, daß Material als Reserve gehalten werden solle, um in Falle einer Inspektion das Herstellungsband vorführen zu können. Der Auftrag wurde erst im Sept. 1943 erfüllt.

Reparaturwerkstatt für Uniformen
Die Werkstätten wurden unregelmäßig mit Lieferungen versorgt. Abnehmer der reparierten Uniformen war das Heeresbekleidungsamt in München. Die Uniformen wurden waggonweise mit der Bahn verschickt. Zeitweilig wurden Uniformen mit weißer Farbe bespritzt, um Tarnanzüge zu bekommen. Freiberger berichtet, daß eine schriftliche Beschwerde des Heeresbekleidungsamtes wegen kaputter Uniformen in den Lieferungen von der Kommandantur zurückgewiesen worden sei, wohl auch, weil sie sich nicht dem Vorwurf der Sabotage habe aussetzen wollen.

Glimmerproduktion siehe http://doedr.forumieren.net/t200p25-theresienstadt#1681
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Befreiung

Beitrag von Dissident am Do Apr 20, 2017 11:29 am

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/b/befreiung.htm  Befreiung durch die Rote Armee am 8.5.1945
Am 7.5. verkündete Dunant als Vertreter des Internat. Roten Kreuzes vom Balkon des Rathausturmes in Th. in deutscher u. französ. Sprache die Kapitulation Deutschlands. Am 8.5. wurde Th. Kampfgebiet. Einheiten der SS u. der Wehrmacht zogen am Stadtrand in Richtung Leitmeritz (Litoměřice) vorbei, ohne jedoch ins eigentl. Lager einzudringen. Am frühen Vormittag wurde die Westseite von E VI beschossen. Gegen 19.00 Uhr traf eine russ. Granate das Haus Q 704. Aus den Trümmern wurde ein alter österr. Oberst tot u. ein holländischer General verletzt geborgen. Schwere deutsche Panzer flüchteten Richtung Prag. Um 21.00 Uhr rollte der erste russ. Panzer durchs Lager. Er wurde von den Gefangenen mit Jubel begrüßt. Ins Lager selbst zogen die Russen am Morgen des 9.5.1945 ein.

"Wir laufen zur Begrüßung hinaus. Russen werfen uns Zigaretten,Tabak, Brot u. Zucker zu. Englische u. französ. Kriegsgefangene kommen zu uns ins Lager. Verbrüderung! Wilder denn je u. in allen Sprachen durcheinander gesprochen. Es gibt keine Verdunkelung mehr, abends ist die Stadt hell erleuchtet. Überall brennen Feuer, wir sitzen herum, lachen, trinken u. singen. Auf russ. Tanks fahren wir hinaus bis zur großen Überlandstraße, auf der die geschlagene deutsche Wehrmacht in Gefangenenlager trottet. Wir beschlagnahmen Proviantautos, trinken Bohnenkaffee u. essen Schokolade. Wir kaufen direkt beim Grossisten, Stiefel in einer deutschen Lederfabrik.....Wir gehen in die kleine Stadt, die nur wenige Kilometer entfernt ist (Litoměřice) u. reisen auf Rädern oder Pferden zurück. Aber die Welt ist so leer u. die Zukunft vor uns öde. Ich möchte nur noch schlafen, sonst gar nichts mehr.“

Am 10.5. übergab Paul Dunant das Kommando einem russ. Offizier. Die Leitung der Selbstverwaltung ging an Ing. Georg Vogel, einen Prager Kommunisten, der seit 1941 im Lager war u. der bereits dem ersten Ältestenrat angehört hatte. Am 13.5. hielt Major Kusmin, der russ. Kommandant, seinen ersten öffentlichen Appell ab.

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/a/aufrufrat.htm --- Aufruf des Ältestenrates vom 6.5.1945
Am 2.5.1945 hatte der Delegierte des Internat. Roten Kreuzes Paul Dunant den Schutz des Lagers übernommen. An diesem Tage wurden in der Kleinen Festung noch 52 Häftlinge hingerichtet. Kommandant Rahm hingegen hielt sich an die Vereinbarungen. Am 3.5. wurde von der SS die Kaserne EI freigegeben, in die ab 4.5. die Häftlinge aus der Kleinen Festung überführt wurden. Am 4.5. wurden die Funktionäre des Tschech. Roten Kreuzes u. eine Gruppe tschech. Ärzte zugelassen, die sich aber hauptsächlich um die Häftlinge aus der Kleinen Festung kümmerten u. sich den Juden im Ghetto gegenüber nicht gerade freundlich verhielten.
Am 5.5. zog die SS aus Th. ab. Rahm soll noch am 6.5. unbewaffnet im Ghetto gesehen worden sein. Er hatte eine letzte Unterredung mit Murmelstein, bevor er flüchtete. Murmelstein verlor sein Amt, Leo Baeck wurde zum Leiter des neuen Ältestenrates gewählt, der erste wirklich gewählte Vorsitzende des Ältestenrates.

Am 6.5. erließ man folgenden Aufruf, erstmals in deutscher u. in tschech. Sprache:

"Männer und Frauen in Theresienstadt !
Das Internat. Komitee des Roten Kreuzes hat den Schutz von Theresienstadt übernommen. Dem Vertreter dieses Komitees, Herrn Dunant, steht die Führung von Th. zu. Er hat die unterschriebenen Mitglieder des Ältestenrates mit der Leitung der Selbstverwaltung betraut. In Th. seid ihr sicher! Der Krieg ist noch nicht beendet! Wer Th. verläßt, setzt sich allen Kriegsgefahren aus. Th. hat die Betreuung der Märtyrer der Kleinen Festung übernommen. Das verlangt vermehrte Arbeitsleistung, die auch zur Vorbereitung der Rücktransporte notwendig ist. Es muß weiter gearbeitet werden.
Der Postverkehr ist nunmehr ohne Zensur oder sonstige Beschränkung in jeder Sprache gestattet. Zur Einleitung dieses Verkehrs wird jeder Einwohner von Th., der es wünscht, eine frankierte Postkarte erhalten, sobald solche in genügender Zahl zur Verfügung stehen werden. Es werden Zeitungen angeschafft u. öffentlich angeschlagen werden. Die schweren Krankheiten, die augenblicklich hier noch herrschen, machen eine strenge Einhaltung der Quarantäne-Vorschriften notwendig. Daher haltet sie genauestens ein!

Nach Beendigung des Krieges werden die Rücktransporte raschestens beginnen u. nach Massgabe der von der Regierung zu erlassenden Vorschriften durchgeführt werden.
Haltet Ruhe und Ordnung! Helft uns bei der Arbeit, die Eure Rückreise ermöglichen soll. Geht jeder der ihm zugewiesenen Arbeit auf seinem Platze nach !

Dr. Leo Baeck, Dr. Alfred Meissner, Dr. Heinrich Klang, Dr. Eduard Meijers, Theresienstadt, am 6.5.1945

Am 6.5. wehte vom Rathausturm nicht mehr die SS-Flagge, sondern die Fahne des Internat. Roten Kreuzes.

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/s/sowjetischehilfe.htm --- Erst am 13.5. erhielt das Ghetto intensive medizinische Hilfe der Sowjets. Die Sowjets entlausten über 20.000 Personen, richteten 6 Spitäler ein, in denen über 4.000 Patienten aufgenommen wurden. Der sowj. Kommandant verfügte, daß den Ghettoinsassen die gleichen Lebensmittelrationen wie seinen Soldaten gegeben wurden. Unter Leitung zweier Oberstleutnants waren 52 sowj. Ärzte, 75 Schwestern u. 214 Helfer tätig. Im Ghetto erreichte die Fleckfieber-Epidemie am 15.5. ihren Höhepunkt, am 25.5. war ein Wiederanstieg zu verzeichnen. Das „Ghettohospital“ wies 2.700 weitere Patienten auf, außerdem ambulante Kranke. Neben den Fleckfieberpatienten gab es 3.000 weitere Kranke mit Tuberkulose und Ruhr.


Zuletzt von Dissident am Do Apr 20, 2017 2:16 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Rückführung der Befreiten 1945

Beitrag von Dissident am Do Apr 20, 2017 11:48 am

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/r/rueckbefrei.htm  Rückführung der Befreiten 1945

Seit dem 20.4.1945 waren im Ghetto Evakuierungstransporte aus den liquidierten KZ angekommen.
(Anm. Dissident: an der Begriffsverwendung "liquidierte KZ" ist zu ersehen, daß damit "aufgelöst" gemeint ist. Hat nichts mit "getötet" zu tun...)
Innerhalb von 2 Wochen kamen etwa 13.000 Häftlinge so nach Th. Nachdem am 8.5. die Spitzen der Roten Armee durch Th. gefahren waren, übernahm die Rote Armee am 10.5. das Kommando in der Stadt.

Die mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Evakuierungstransporte nach Th. eingeschleppte Flecktyphusepidemie bewegte die sowj. Kommandantur am 14.5. dazu, Quarantäne über die Stadt zu verhängen. Dennoch begaben sich vor allem tschech. Häftlinge auf den Heimweg, so daß die Zahl der Befreiten u. der Angehörigen der Evakuierungstransporte nicht genau festgestellt werden konnte.

Am 28.5.1945 begann die Repatriationskommission zu arbeiten. Der Statistik des Ministeriums für Arbeitsschutz u. der Sozialfürsorge (Ján Bečka) nach, waren am 21.5.1945 24.961 Personen in Th. registriert, die aus 34 Ländern kamen. Diese Nationalitätenvielfalt kam ebenfalls durch die Evakuierungstransporte zustande:
7.648 Ungarn
6.621 Deutschland
3.833 CSR
3.510 Polen
842 Holland
196 Frankreich
154 Jugoslawien
78 Italien
73 Rumänien
71 Griechenland
51 Belgien
43 Lettland
42 Russland
39 Litauen
USA 17, England 11, San Salvador 11, Paraguay 11, Honduras 10, Danzig 9, Ekuador 9, Türkei 7, Schweden 6, Luxemburg 6, Peru 3, Palästina 2, Nikaragua 2,
Bulgarien 2, Argentinien 1, Kuba 1, Norwegen 1, Spanien 1, Schweiz 1
ohne Angabe der Nationalität 1.649

Die letzten Repatrianten verließen Th. im August 1945. Die Gemeinde Terezín wurde durch das Dekret des Präsidenten der Republik Dr. Beneš am 27.10.1945 erneuert u. ihre Wiederbesiedlung begann 1946.
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Barnevelder Gruppe

Beitrag von Dissident am Do Apr 27, 2017 4:12 pm

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/b/barneveldg.htm  Als Barnevelder Gruppe bezeichnete man die jüd. Menschen, die unter dem Schutz des Staatssekretärs für Inneres, Frederiks, - nach der Flucht der niederländischen Regierung nach London der einzige verbleibende Staatssekretär - von Dez. 1942 - Sept. 1943 unter recht annehmbaren Bedingungen in Barneveld/Holland lebten.
Es waren bekannte Personen aus dem kulturellen Leben, unter ihnen Prof. Eduard Meijers, der .. sich in Leiden an Studentenstreiks beteiligt hatte. Es gab in dieser Gruppe jedoch auch aus Deutschland stammende Familien. Die Mitglieder dieser Gruppe wurden Sept. 1943 nach Westerbork u. am 4.9.1944 nach Th. deportiert, wo sie weiterhin eine besondere Rolle spielten.

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/m/meijerse.htm Prof. Eduard Meijers, Holländischer Jude. Er war ebenfalls ein sogen. “Sonderfall”. Der Prof. an der Leidener Uni hatte sich 1940 in den gegen die Nazis gerichteten Studentenstreiks in Leiden engagiert, war später als Jude interniert worden. Ein Bekannter von ihm bot eine hohe Summe an, um ihn u. seine Familie von der SS freizukaufen in Kombination mit einer Ausreiseerlaubnis in die Schweiz. Das wurde wegen Meijers Beteiligung am Studentenstreik in Leiden abgelehnt. Meijers wurde jedoch nicht gleich nach Th. geschickt, er kam ins kleine Städtchen Barneveld, wo Juden, die unter dem Schutz von 2 beamteten Staatssekretären standen, bis Sept. 1943 lebten. Dann wurde die Gruppe nach Westerbork überwiesen, von wo aus sie mit Meijers im Sept. 1944 nach Th. deportiert wurden.
Meijers wurde im Zuge der Umgestaltung des Ältestenrates nach den Herbsttransporten 1944 in den Ältestenrat berufen, war einer der alten Männer dieses Gremiums u. erlebte die Befreiung. Er erklärte sich nach der Befreiung, nicht ohne Widerstand aus den Reihen der niederländischen Juden, zum Führer der „Niederländer“, nahm Kontakt auf zu Prinzessin Juliane u. zum Niederländischen Könighaus u. versuchte die Repatriierung der holländischen Juden in die Heimat durchzusetzen. Meijers soll sich zu diesem Zeitpunkt gegen die Rückkehr der „deutschen Niederländer“ gestellt haben, also der Juden aus Deutschland, die sich nach 1933 aus Deutschland flüchtend in den Niederlanden angesiedelt hatten.
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Altersbedingte Todesfälle

Beitrag von Dissident am Di Mai 09, 2017 10:39 am

Altersbedingte Todesfälle

Selbst unter heutigen besten Lebensbedingungen sterben manche Menschen bereits ab einem Lebensalter von 50 Jahren.
Wenn also in einem KZ ein 70jähriger verstorben ist, muss nicht zwingend davon ausgegangen werden, daß er ermordet worden sein muss...
Natürlich spielte der Streß von Deportation und Lageraufenthalt eine gewisse Rolle für vorzeitigen natürlichen Tod. Das soll auch nicht unterschlagen werden.
Einige sehr betagte Theresienstadt-Häftlinge wurden 1945 befreit und lebten noch einige Jahre bis ins hohe Alter. Diese sind hier nicht aufgelistet.

Nachgewiesen oder vermutlich natürlicher Tod: insgesamt 90
Todesfälle mit Alter 50-59:  11 Häftlinge (wird laufend ergänzt)
Todesfälle mit Alter 60-69:  23 Häftlinge (wird laufend ergänzt)
Todesfälle mit Alter 70-79:  43 Häftlinge (wird laufend ergänzt)
Todesfälle mit Alter 80-89:  13 Häftlinge (wird laufend ergänzt)
Todesfälle mit Alter 90-99:  0 Häftlinge (wird laufend ergänzt)

Auflistung von Häftlingen bei denen natürlicher Tod wahrscheinlich scheint und bei denen keine andere Todesursache bekannt ist, sortiert nach Lebensalter:

51 --- Ottilie (Ottla) David-Kafka (1892–1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1729
52 --- Cora Berliner (1890-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1713
53 --- Karel Poláček (1892-1945) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1640
53 --- Walter Serner (1889-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1640
55 --- Sally Mayer (1889-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
55 --- Wilhelm Mautner (1889-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1622
55 --- František Mořic Nágl (1889-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1640
56 --- Otto Brod (1888–1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1718
57 --- Magda Spiegel (1887-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1640
58 --- Erich Franz Emil Salomon (1886-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1640
59 --- Kurt Singer (1885-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
60 ---  Leo Fantl (1885-?) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1729
60 --- Jaroslav Kratochvíl (1885–1945) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1862
61 --- Rosa Bololanik, geb. Kummermann, (1884-?) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1718
62 --- Heinrich Dessauer (1883-?) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1729
62 --- Hugo Přibram (1881-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
62 --- Malvína Schalková (1882-1944) http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#1992
63 --- Martin Salomonski (1881-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1640
64 --- Otto Fischer (1880–1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1729
64 --- Desider Friedmann (1880-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1610
64 --- Ernst Koerbel (1878-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1713
64 --- Eduard Rose (1879-1943) http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#1969
65 --- Rudolf Karel (1880-1945) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1616
65 --- Hedwig Jahnow (1879-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
65 --- Oskar Basch (1879–1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
66 --- Siegfried Fall (1877-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
67 --- Isidor Caro (1876-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
67 --- Helene Herrmann (1877- 1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
68 --- Georg Johannes v. Eppstein (1874-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
68 --- Wolff, Georg http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2350
69 --- Salo Siegfried Translateur (1875-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
69 --- Philipp Manes (1875-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1622
69 --- Gertrud Kantorowicz (1876–1945) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1852
69 --- Paul Winterstein  http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2350
70 --- Gisela Rottonara (1873-1943) http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#1969
70 --- Simon Salomon (1873–1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
70 --- Hans Leo Przibram (1874-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
70 --- Mathilde Jacob (1873-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
70 --- Gustav Felix Flatow (1875-1945) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
71 --- Louis Treumann (1872-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
71 --- Leopold Lucas (1872-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
71 --- Anna Karbach-Kohn (1872-1943) http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2943
72 --- Benno Wolf (1871-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1693
72 --- Marie Bloch (1871-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
72 --- Argutinsky-Dolgorukow, Elsbeth (1873-?) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1713
72 --- Ludwig Czech (1870-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
72 --- Max Mendel (1872-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1917
72 --- Benno Russo (1871-1943) http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#1969
73 --- Karl Freiherr von Hirsch (1871-1944)http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1830
73 --- Friedericke Eidlitz, geb. Weiss, (1872-?) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1729
73 --- Alfred Flatow (1869-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
73 --- Victor Hammerschlag (1870-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
73 --- Paul Nikolaus Cossmann (1869-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1718
73 --- Friedrich Karbach-Kohn (1869-1942) http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2943
73 --- Arthur Mahler http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1888
74 --- Julius Moses (1868-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
74 --- Fanny Opfer (1870-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
74 --- Doris Tucholsky (1869–1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
74 --- Friedrich Münzer (1868-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
74 --- Ludwig Gutmann (1869-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
74 --- Schickler Hulda http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#1992
75 --- Marie Fiedler (1870-?) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1729
75 --- Paula Sara von Achenbach (1869-?) .. am 11.8.1944 nach Th. deportiert http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1713
76 --- Schickler, Adolf http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#1992
76 --- Ottilie Pohl (1867-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
76 --- Georg Aaronsohn (1867-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1713
76 --- Henriette Beck, geb. Falkenstein, (1869-1945) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1713
77 ---  Josef Wiesen (1865-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
77 --- Clara Arnheim (1865-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1693
77 ---  Karl Josef Müller (1865-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
77 --- Max Herrmann (1865-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
78 --- Elise Richter (1865-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
78 --- Therese Rothauser (1865-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
78 --- Martha Jacob (1865–1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
78 --- Brachvogel, Carry (1864-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1718
79 --- Siegmund Labisch (1863-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
79 --- Elise Rudnicki (1863-1942) http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#1969
80 --- Philipp Münz (1864-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
80 --- Julie Wolfthorn (1864-1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
80 --- Sigmund Bloch (1865-?) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1718
81 --- Karl Herxheimer (1861-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
82 --- Ludwig Chodziesner (1861–1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699
83 --- Arthur v. Weinberg (1860-1943) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
83 --- Georg Alexander Pick (1859-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
83 --- Roessler http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#1969
84 --- Ernst Springer (1860–1944) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1712
85 ---  Eduard Lederer (1859-?) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1883
87 --- Jeschiel Liebeschütz (1856-1943 http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1883
87 --- Pick Elise (1855-1942) Transport IV/8-977 .. Darmentzündung, Todesursache: Herzschwäche
88 --- Isaak Bacharach (1854-1942) http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1699

Später noch anlegen: Liste mit Häftlingen, die aus Theresienstadt in hohem Alter befreit wurden und weiterlebten...

fertig bis einschliesslich:  http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2031

Altersschwäche  https://de.wikipedia.org/wiki/Altersschw%C3%A4che - Mit Altersschwäche oder Marasmus senilis wird der Abbau körperlicher Funktionen mit zunehmendem Alter bezeichnet. Dieser natürliche Prozess des Alterns, dem alle Organe u. Gewebe unterliegen, wird in der Pathologie auch als physiologische Altersatrophie bezeichnet. Sie ist gekennzeichnet durch Verringerung der Organ- u. Gewebsmasse sowie häufig durch Begleitphänomene wie der Ablagerung von Lipofuszin im Gewebe (braune Atrophie). Mit der Altersschwäche oder -atrophie gehen Funktionseinschränkungen des betroffenen Organs einher, wie z.B. Gedächtnisstörungen bei Atrophie des Gehirns. Auch eine allg. Abwehrschwäche u. Bewegungsverarmung können Zeichen einer Altersschwäche sein. Versch. Erkrankungen, wie die Osteoporose, die durch Atrophie der Knochen gekennzeichnet ist, können ebenfalls Folge einer natürlichen Altersatrophie sein. Bei der Osteoporose ist die Brüchigkeit der Knochen erhöht.
Der Ausdruck wird auch für die Verschlüsselung von Todesursachen mittels ICD-Code unter dem Überbegriff Senilität verwendet. Die Wissenschaft des Alterns ist die Gerontologie .. Das Fachgebiet der Medizin, das sich mit alten Menschen befasst, ist die Geriatrie.


Zuletzt von Dissident am Do Dez 28, 2017 11:27 am bearbeitet; insgesamt 18-mal bearbeitet
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Todesfälle durch Typhus, Seuchen u.a. Krankheiten

Beitrag von Dissident am Di Mai 09, 2017 10:41 am

Todesfälle durch Typhus, Seuchen u.a. Krankheiten

Meine Opferzahl-Schätzung unter den KZ-Häftlingen durch Typhus u.a. Seuchen nach hier vorliegenden Daten: 4 KZ-Häftlinge (wird erst angelegt und erweitert)

Petr Kien http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2350
Hans Werner Kolben http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1862
Paul Winterstein http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2350
Mutter von Wolfenstein-King, Helga http://doedr.forumieren.net/t201p25-theresienstadt-haftlinge#2350


Zuletzt von Dissident am Mi Sep 06, 2017 10:18 am bearbeitet; insgesamt 4-mal bearbeitet
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Todesfälle durch alliierte Bombardierung

Beitrag von Dissident am Di Mai 09, 2017 10:41 am

Todesfälle durch alliierte Bombardierung

Ab 1944 nahmen die alliierten Bombardierungen über Tschechien zu; es gab auch unter KZ-Häftlingen Todesopfer.
Nicht im Stammlager selbst, aber ev. außerhalb in verschiedenen Arbeitskommandos und Rüstungsbetrieben.
Abgesehen von den getöteten Menschen ist auch gut abschätzbar, wie stark die Eisenbahn-Verbindungen zerstört wurden und dadurch der Lebensmittel-, Brennstoff und Medikamente-Nachschub der KZ ausgefallen ist.

Eine allgemeine Chronologie der alliierten Luftangriffe z.B. auf Österreich hier: http://www.airpower.at/news03/0813_luftkrieg_ostmark/timeline.htm
und http://www.airpower.at/news03/0813_luftkrieg_ostmark/ziele.htm --- Das Eisenbahnnetz in Österreich war auf 41% (2.507km) der Strecken unbefahrbar - 1.566 Weichen u. 318 Eisenbahnbrücken waren zerstört. Es gab insges. ca. 2.100 "Großschadensstellen" ---
http://www.airpower.at/news03/0813_luftkrieg_ostmark/statistik.htm --- Die meisten Bomben-Toten .. waren mit 8.769 in Wien zu beklagen, gefolgt von Graz mit 1.980 u. Linz mit 1.679. Inkl. Wehrmacht, Polizei, Flüchtlingen, Ausländern, Kriegsgefangenen u. KZ-Häftlingen gab es in Österreich durch Luftangriffe ca. 35.000 Tote und ca. 57.000 Verwundete ---
Rund 5% der abgeworfenen Bomben endeten als "Blindgänger" u. sind nicht explodiert. Gründe dafür sind fehlerhafte Zünder, schlechter Zusammenbau, ein schlechter Winkel beim Aufschlag oder die Bomben wurden zur nachträglichen Gefährdung u. Behinderung von Räum- u. Reparaturtrupps mit Langzeit- oder Bewegungszündern versehen ---

Meine Opferzahl-Schätzung unter den KZ-Häftlingen Theresienstadts durch feindliche Bombardierung nach hier vorliegenden Daten: 0 KZ-Häftlinge (wird erst angelegt)
- konkrete Opferzahlen werden addiert mit:
- bei Formulierung "kamen Häftlinge um" nehme ich 2 Todesopfer an = (2?)
- bei Formulierung "kamen viele Häftlinge um" nehme ich 8 Todesopfer an = (8?)


Hier eine erste Auflistung von alliierter Luftkriegseinwirkung, aufgrund meiner bisherigen Textsammlungen:
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Todesfälle durch Unfälle

Beitrag von Dissident am Di Mai 09, 2017 10:44 am

Todesfälle durch Unfälle

So wie es allgemein unter Arbeitern und Verkehrsteilnehmern tödliche Unfälle gibt, gab es solche ev. auch unter den KZ-Häftlingen Theresienstadts und außerhalb in verschiedenen Arbeitskommandos und Rüstungsbetrieben.

Hier eine erste Auflistung aufgrund meiner bisherigen Textsammlungen: 0 Unfalltote (wird erst angelegt)
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Von Mithäftlingen ermordete Häftlinge

Beitrag von Dissident am Di Mai 09, 2017 10:45 am

Von Mithäftlingen ermordete Häftlinge

Meine Schätzung nach hier vorliegenden Daten: 0 Häftlinge, die durch andere KZ-Häftlinge ermordet wurden (wird erst angelegt)
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Entlassene Häftlinge

Beitrag von Dissident am Di Mai 09, 2017 10:45 am

Entlassene Häftlinge

Meine Schätzung nach hier vorliegenden Daten: 1 Häftlinge, die aus dem KZ entlassen wurden (wird erst angelegt)

Erich Löwi, Insasse des Sammellagers Schönwald, wurde nachträglich als 'Mischling' anerkannt u. entlassen. Er musste zwangsweise der Organisation Todt beitreten.


Zuletzt von Dissident am Di Jun 27, 2017 11:18 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Erfolgreiche Fluchtversuche

Beitrag von Dissident am Di Mai 09, 2017 10:46 am

Erfolgreiche Fluchtversuche

Meine Schätzung nach hier vorliegenden Daten: 2 KZ-Häftlinge geflüchtet und nicht wieder gefasst. (wird erst angelegt und erweitert)

Ota Kohn  http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1862
Karel Körper http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1862


Zuletzt von Dissident am Mi Mai 24, 2017 5:30 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Todesfälle durch "auf der Flucht erschossen"

Beitrag von Dissident am Di Mai 09, 2017 10:47 am

Todesfälle durch "auf der Flucht erschossen" oder für Fluchtversuch als Strafe und Abschreckung hingerichtet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Postenpflicht  Die Postenpflicht war die Dienstanweisung an KZ-Wachmannschaften zum Gebrauch ihrer Dienstwaffe. Die SS-Männer hatten den Befehl erhalten, bei Fluchtversuchen oder bei Bedrohung durch Häftlinge ohne warnenden Aufruf sofort „scharf“ zu schießen. Warnende Schreckschüsse waren ebenfalls verboten --- Für KZ-Aufseherinnen galt ebenso die Anweisung bzw. die Erlaubnis, ohne Vorwarnung von ihrer Schusswaffe Gebrauch zu machen ---
Postenketten
Häftlings-Arbeitseinsätze außerhalb eines Lagers nannte die SS Außenkommandos. Die SS-Wachposten bildeten bei Außenkommandos so genannte Postenketten, um die Arbeitsstelle zu umzingeln u. zu bewachen. Die gedachte Linie zwischen den einzelnen Posten durfte von den Häftlingen nicht überschritten werden. Geschah dies, wurde es als Fluchtversuch gewertet. Es wurde ohne Warnung sofort scharf geschossen ---


Meine Opferzahl-Schätzung nach hier vorliegenden Daten: 3 KZ-Häftlinge (wird erst angelegt und erweitert)

Die 3 Mithäftlinge von Ota Kohn http://doedr.forumieren.net/t201-theresienstadt-haftlinge#1862


Zuletzt von Dissident am Di Mai 23, 2017 5:55 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Geburten im Ghetto

Beitrag von Dissident am Do Mai 11, 2017 10:13 am

http://www.ghetto-theresienstadt.info/pages/g/geburtengh.htm  Geburten im Ghetto

Die Angaben über die Geburten im Ghetto schwanken zwischen 205 und 109, liegen nach Meinung von H.G. Adler jedoch bei 230.

.. Das durchschnittliche Gewicht der Neugeborenen lag bei 2820 Gramm und war damit unter der Norm. In etwa 350 Fällen kam es zu künstlichen Schwangerschaftsunterbrechungen. Ursprünglich war es gestattet, nicht im Ghetto gezeugte Kinder auszutragen. Im Juli 1943 wurde dies verboten, vor allem aber das Austragen von im Ghetto gezeugten Kindern. Dieses Verbot wurde nicht mehr aufgehoben, jedoch wurden Ausnahmen gemacht.

Die angeordneten Eingriffe erfolgten in der Regel im 3. oder 4. Monat, gelegentlich auch noch viel später.

Am 21.8.1943 teilte Kommandant Burger dem Ältestenrat mit, daß die Väter sämtlicher im Ghetto gezeugter Kinder mit den Müttern u. den Kindern in den nächsten Transport eingereiht werden würden. In einem Rundbrief teilte der Leiter des Gesundheitswesens, Dr. Erich Munk, allen Frauenärzten mit, daß sie sämtliche Schwangerschaften melden müßten u. schwere Strafen wurden bei Nichtbefolgung dieser Anweisung angedroht.

Die Neugeborenen erhielten sofort eine Transportnummer. Zur Transportbezeichnung der Mutter oder der Eltern kam die Zahl, die der höchsten Transportnummer folgte.

1942 78 Geburten
1943 86
1944 28
1945 13
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