Ungarischer Volksaufstand

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Ungarischer Volksaufstand

Beitrag von Dissident am Fr Aug 12, 2016 8:40 am

https://de.wikipedia.org/wiki/Ungarischer_Volksaufstand
Vorgeschichte
Der Ungarische Volksaufstand bezeichnet die bürgerlich-demokratische Revolution u. den Freiheitskampf von 1956 in der Volksrepublik Ungarn, bei denen sich breite gesellschaftliche Kräfte gegen die Regierung der kommunistischen Partei u. der sowj. Besatzungsmacht erhoben. Die Revolution begann am 23.10.1956 mit einer friedlichen Großdemonstration der Studenten der Universitäten in Budapest, die demokratische Veränderungen forderten. Die Regierung ließ am Abend in die schnell wachsende Menge schießen, daraufhin brach der bewaffnete Kampf aus. Binnen weniger Tage wurde die Einparteidiktatur durch eine Regierung unter Leitung von Imre Nagy abgelöst, in der auch die Bauernpartei u. die Kleinlandwirtepartei Ministerien erhielten. Diese Regierung bildete sich innerhalb von 8 Tagen noch 2x um u. beteiligte auch die sozialdemokr. Partei. Ungarn trat aus der Warschauer Vertragsorganisation aus, erklärte seine Neutralität u. rief die Sowjetarmee zum Verlassen des Landes auf.

Der Freiheitskampf endete mit der Invasion der durch Einmarsch verstärkten übermächtigen Sowjetarmee, die am 4.11.1956 eine pro-sowjetische Regierung unter János Kádár installierte. Die Kämpfe gegen sie dauerten in Budapest 1 Woche, an einzelnen Orten mehrere Wochen lang, im Gebirge sogar bis Anfang 1957. Der Westen unterstützte die Aufständischen verbal, die NATO hielt sich jedoch von einer militärischen Konfrontation mit dem Ostblock zurück. Nach der Niederschlagung des Freiheitskampfes wurden hunderte Aufständische – unter ihnen Imre Nagy u. Pál Maléter – durch die kommunistischen Machthaber hingerichtet, zehntausende wurden eingekerkert oder interniert. Hunderttausende Ungarn flüchteten vor der Diktatur in den Westen. Der Aufstand wurde vom Kádár-Regime stets als „Konterrevolution“ bezeichnet, die öffentliche Nennung als Revolution wurde geahndet. Seit 1989 ist der 23. Oktober ein Nationalfeiertag in Ungarn.

Als 1945 die Rote Armee Ungarn von der faschistischen Herrschaft u. der deutschen Besatzung befreite, entstand eine von den Kommunisten getragene demokratische (?) Volksbewegung. Die Kommunisten wurden zu einer wesentlichen politischen Kraft u. waren mit 2 Ministern an der Provisorischen Nationalregierung beteiligt, der außerdem 3 Sozialdemokraten, 2 Minister der Partei der kleinen Landwirte sowie 1 Minister der Bauernpartei angehörten. Ferner erhielten 3 ehem. Militärs u. 1 Adliger ein Ministeramt. Die wichtigsten Posten lagen dabei in den Händen der linken Parteien, während die anderen Parteien relativ unbedeutende erhielten. Der Außenminister etwa war ohne Bedeutung, da alle Beziehungen zum Ausland über die von der Sowjetunion dominierte Alliierte Kontrollkommission laufen mussten.

Da damals mehr als die Hälfte der Ungarn von der Landwirtschaft lebte, war eines der ersten Projekte 1945 die Durchführung einer Bodenreform, durch welche Großgrundbesitzer enteignet wurden u. Kleinbauern eigenes Land erhielten. Die Großgrundbesitzer verloren dadurch auch politisch an Macht. Verantwortlich für die Bodenreform war der kommunistische Landwirtschaftsminister Imre Nagy.

Da Ungarn von sowj. Truppen besetzt war u. die Sowjets die Alliierte Kontrollkommission führten, während sich international 2 politische Lager herausbildeten, geriet Ungarn immer stärker in den sowj. Machtbereich. Bei der Parlamentswahl vom 15.11.1945 kam die Partei der kleinen Landwirte auf 57 % der Stimmen, die Kommunisten nur auf 17 %. Auf Druck der Sowjets waren die Kommunisten dennoch an der neuen Koalitionsregierung beteiligt u. stellten 4 von 18 Ministern. Die sowj. Truppen blieben auch nach Abschluss des Friedensvertrags vom 10.2.1947 im Land, mit der Begründung, die Verbindung zu den in Österreich stationierten Truppen zu halten.

Der im März 1946 gegründete Linksblock aus Kommunisten u. Sozialdemokraten, Mitgliedern der Nationalen Bauernpartei u. Gewerkschaftern trat geschlossen gegen die Partei der Kleinen Landwirte an. Die Kommunisten übernahmen durch Anwendung der „Salami-Taktik“, des scheibchenweisen Reduzierens des demokratischen Systems, immer mehr die Macht im Staat. Sie sicherten sich den entscheidenden Einfluss im Innenministerium u. den Sicherheitsorganen. Vermeintliche u. tatsächliche politische Gegner wurden durch die politische Polizei eingeschüchtert u. ausgeschaltet. Die Aufdeckung angeblicher Verschwörungen führte zu politischen Säuberungen u. zur Ausschaltung des rechten Flügels der Partei der kleinen Landwirte. Am 30.5.1947 trat Ministerpräsident Ferenc Nagy zurück. Nachfolger wurde Lajos Dinnyés vom linken Flügel der Partei.

Bei den bereits unter Einschüchterung stattfindenden Neuwahlen des Parlaments am 31.8.1947 erhielt der Linksblock 61 %. Die vom Linksblock gebildete Volksfrontregierung verfolgte ein kommunistisches Programm, obwohl sich der Stimmenanteil der Kommunisten nur auf 22 % belaufen hatte. Die Regierung betrieb die Verstaatlichung der Banken, der Bergwerke, der Schwerindustrie u. aller Industriebetriebe mit mehr als 100 Mitarbeitern.

Am 12.6.1948 wurde die Kommunistische Partei mit der Sozialdemokr. Partei zur Magyar Dolgozók Pártja (MDP, deutsch Partei der Ungar. Werktätigen) vereinigt. Die Oppositionsparteien im Parlament verschwanden durch Emigration ihrer führenden Vertreter u. durch die Aberkennung von Mandaten.



Stalinistische Herrschaft unter Mátyás Rákosi
Die MDP konzentrierte sich darauf, den kommunistischen Machtapparat auszubauen. Bei der Wahl zur Nationalversammlung im Mai 1949 erreichte die Einheitsliste 95,6 % Jastimmen. Am 20.8.1949 trat eine neue Verfassung in Kraft, die der sowj. Verfassung von 1936 nachempfunden war. Damit wurde aus Ungarn ein Arbeiter-u.-Bauern-Staat, die Gewaltenteilung aufgehoben u. ein 21-köpfiger Präsidialrat als kollektives Staatsoberhaupt eingeführt, der zwischen den Sitzungen des Parlaments dessen Befugnisse hatte.

Der sich um Rákosi herausbildende Personenkult wurde begründet mit der stalinistischen These der ständigen Verschärfung des nationalen u. internationalen Klassenkampfes. Alle Macht in Staat u. Partei befand sich in Rákosis Hand, der sich selbst auch als den besten Schüler Stalins bezeichnete. Der Personenkult führte zu einer Atmosphäre des Terrors durch die Staatssicherheitsbehörde. Es fanden eine große Zahl von Schauprozessen gegen vermeintliche politische Gegner statt. Diesen Prozessen fielen auch kommunistische Parteimitglieder u. Mitglieder der Regierung zum Opfer, so etwa der 1949 hingerichtete frühere Außenminister László Rajk. Zu den Inhaftierten zählte auch der spätere Parteichef János Kádár. Insgesamt wurden Verfahren gegen mehr als 1 Million Menschen, ca. 10 % der Bevölkerung, eingeleitet. Viele Menschen wurden ohne Anklage u. Gerichtsverfahren in Lager gesteckt u. mussten Zwangsarbeit verrichten.

Mit der vorzeitigen Erfüllung des Drei-Jahres-Planes war die im Krieg zerstörte Infrastruktur Ungarns offiziell wiederhergestellt. Allerdings wurden in dem Plan mechanisch die ökonomischen Praktiken der Sowjetunion übernommen: So flossen Investitionen vor allem in die Schwerindustrie. Auch dies wurde mit der Verschärfung des Klassenkampfes u. der darauf basierenden Angst vor einem neuen Krieg begründet. Dabei wurden die Bedürfnisse der Landwirtschaft u. des Lebensstandards der Bevölkerung nicht berücksichtigt. In der Landwirtschaft verringerte die Zwangskollektivierung die Erträge, so daß Ungarn als ehem. Agrar-Exportland sogar Lebensmittel importieren musste.

Durch die sowj. Besatzung befand sich Ungarn sowohl politisch als auch – vermittelt über die streng moskautreue Parteiführung – wirtschaftlich in völliger Abhängigkeit von der Sowjetunion. So bedurfte selbst nach Abschluss des Friedensvertrages jede außenpolitische Entscheidung der Zustimmung durch die Sowjetunion. Es galt als offenes Geheimnis, dass die ungar. Wirtschaft in erster Linie den Interessen der Sowjetunion dienen musste.

Reformen unter Imre Nagy, Restauration, innerparteiliche Opposition, der Posener Aufstand
Nach dem Tod Stalins 1953 kam in der Sowjetunion Chruschtschow an die Macht. Im Rahmen der anti-stalinistischen Säuberungen musste auch Rákosi einen Teil seiner Macht abgegeben. Am 4.7.1953 wurde der frühere Landwirtschaftsminister Imre Nagy neuer Ministerpräsident. Parteichef blieb jedoch Rákosi. Nagy distanzierte sich deutlich von der Politik seines Vorgängers. Statt die Schwerindustrie weiter auszubauen, förderte er die Landwirtschaft u. die Konsumgüterindustrie. Bauern durften aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften wieder austreten. Der Lebensstandard stieg. Viele Opfer von Rákosis Personenkult wurden, wenn auch nur stillschweigend u. ohne Entschädigung, rehabilitiert.

Innerhalb der Partei versuchte die dogmatische Gruppe um Rákosi, die Reformpolitik zu unterminieren. Imre Nagy verlor diesen Machtkampf u. wurde im April 1955 wieder abgesetzt u. einige Monate später aus der Partei ausgeschlossen. Es folgte eine Phase der Restauration. Febr.1956 hielt der sowj. Parteichef Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU seine Geheimrede Über den Personenkult u. seine Folgen mit scharfer Kritik an den stalinistischen Verbrechen. In Ungarn kamen daher in der Partei Forderungen nach Überprüfung der Parteilinie u. Bestrafung der Schuldigen auf. Der Parteivorsitz ging von Matyás Rákosi auf seinen Stellvertreter Ernő Gerő über, der jedoch kaum beliebter als Rákosi war. Der Unzufriedenheit insbes. unter Intellektuellen war damit nicht beizukommen.

Im Laufe des Herbstes entstanden in fast allen Universitätsstädten Diskussionsforen nach dem Vorbild des Petöfi-Kreises, eines Diskussionszirkels junger Literaten, die sich ab Anf.1956 zunehmend politischen Themen widmeten. Aus diesen parteiinternen Diskussionskreisen ging dann der Studentenprotest hervor.

Die Witwe des unter Rákosi hingerichteten früheren Ministers László Rajk forderte gemeinsam mit der parteiinternen Opposition, die Neubestattung ihres Mannes u. Rehabilitierung der Kommunisten unter den Opfern des Rákosi-Systems. Die Regierung gab schließlich nach. Am 6.10.1956 wurde László Rajk neu bestattet. An dem Trauermarsch beteiligten sich Hunderttausende u. setzten damit ein deutliches politisches Zeichen. Studenten forderten die Autonomie ihrer Organisationen. In der Stadt Szeged fand am 16.10. die Neugründung des ehem. unabhängigen Hochschulverbandes MEFESZ statt.

In Polen wurde nach dem Arbeiteraufstand von Posen im Juli 1956 am 21.10.1956 der populäre, 1949 aus der Parteiführung verdrängte u. dann 3 Jahre lang inhaftierte Władysław Gomułka gegen den Willen der sowj. Führung zum ersten Sekretär des ZK der Poln. Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) gewählt. Verhandlungen mit den angereisten sowj. Führern konnte diese von einer militärischen Intervention in Polen abbringen. Im Gegenzug versprach Gomułka, die enge Bindung Polens an die Sowjetunion beizubehalten. Gomułkas Parteitagsrede wurde in der ungar. Parteizeitung Szabad Nép abgedruckt. Die innerparteiliche Opposition in Ungarn hoffte auf einen ähnlichen Ausgang der Krise in Ungarn.

Die Studenten gingen in ihren Forderungen weiter als die parteiinterne Opposition. In Anlehnung an die Revolution von 1848 verfassten Studenten der Techn. Universität Budapest am 22.10. eine Erklärung, in der sie Bürgerliche Freiheitsrechte u. Parlamentarismus sowie nationale Unabhängigkeit forderten. Um ihren Forderungskatalog, der in unterschiedlichen Versionen zwischen 10 u. 16 Punkten enthielt, bekannter zu machen, brachten gewählte Vertreter ihn in andere Hochschulen, in Betriebe u. zu lokalen u. zentralen Behörden u. Institutionen. Nachdem der Ungar. Rundfunk sich geweigert hatte, die Forderungen bekanntzumachen, riefen die Studenten für den 23.10. zu einer Demonstration auf, um ihre Solidarität mit den Reformern in Polen zu zeigen u. die eigenen Forderungen zu unterstreichen.
Im Zuge dieser Massendemonstration begann der Ungarische Volksaufstand.

Die Lage 1956 in der Sowjetunion
Am 25.2.1956 kritisierte Chruschtschow in einer „Geheimrede“ auf dem XX. Parteitag der KPdSU den Personenkult um Stalin u. Stalins Verbrechen. Die sowj. Führung leitete in der Folge eine grundlegende Wende in der Gesellschafts- u. Wirtschaftspolitik ein, die als Entstalinisierung bekannt wurde. Es entwickelte sich die Tauwetter-Periode: innen- u. außenpolitisch kehrte eine gewisse Entspannung ein. Chruschtschow ließ zahlreiche Straflager (GULag) schließen u. unschuldig Inhaftierte entlassen. Ganze Bevölkerungsteile wurden rehabilitiert. Die Entstalinisierung setzte auch politische Entwicklungen in Gang, die Teilen der sowj. Führung Sorgen machten. Die zunehmende Liberalisierung in einigen Ostblock-Staaten veranlasste Konservative in der sowj. Führung zu der Sorge, die Entstalinisierung könnte 'außer Kontrolle geraten'.

Internationale Lage
Die internat. Politik war in diesen Tagen geprägt durch die Suezkrise. Großbritannien u. Frankreich bereiteten zusammen mit Israel eine Besetzung des Suezkanals vor. Am 24.10. unterzeichneten die 3 Staaten ein geheimes Abkommen – die Vorbereitungen hielt man auch vor den USA geheim. Am 29. begann Israel einen Vormarsch; am 31.10. begannen Großbritannien u. Frankreich mit der Bombardierung ägyptischer Flughäfen.

Um eine Eskalation des Konfliktes zu vermeiden, entschloss sich Washington, mit der Sowjetunion eine Uniting-for-peace-Resolution anzustreben (sie überträgt die Entscheidung über die Resolution der Generalversammlung der UN ohne Veto-Möglichkeit der ständigen Mitglieder). Am 2.11.1956 forderte die UNO nur von Israel die Einstellung der Kampfhandlungen u. den Rückzug hinter die Waffenstillstandslinie, am 4.11. die Aufstellung einer UNO-Friedenstruppe.

Am 5.11. – also 1 Tag nach dem Beginn ihres Einmarsches in Ungarn – drohte die Sowjetunion gegenüber Frankreich u. Großbritannien, mit der Anwendung von Gewalt die Aggressoren zu vernichten u. den Frieden im Nahen Osten wiederherzustellen. Parteichef Chruschtschow sprach sogar von der – militärisch nicht verwirklichbaren – Zerstörung der westlichen Hauptstädte mit Atomwaffen. An Israel richtete der sowj. Ministerpräsident Bulganin die Warnung: „Als Vollstrecker eines fremden Willens u. im Auftrag anderer treibt die Regierung Israels ein verbrecherisches u. unverantwortliches Spiel mit dem Schicksal der Welt, mit dem Schicksal ihres eig. Volkes. Sie sät unter den Völkern des Ostens einen Hass, der sich auf die Zukunft Israels auswirken muss u. seine staatliche Existenz in Frage stellt...Wir erwarten, daß die Regierung Israels sich eines Besseren besinnt, ehe es zu spät ist, u. ihre militärischen Operationen gegen Ägypten einstellt.“ Gleichzeitig rief sie ihren Botschafter aus Tel Aviv ab.

Am Tag darauf stellten Großbritannien, Frankreich u. Israel die Kampfhandlungen ein. Am 22.12.1956 wurde der Kriegsschauplatz wieder geräumt; am 7.3.1957 verließen die letzten israelischen Soldaten ägyptisches Territorium. Die UNO-Vollversammlung hatte zuvor die Forderung nach Truppenrückzug am 24.11.1956, am 19.1.1957 u. am 2.2.1957 wiederholt.

Daß Großbritannien u. Frankreich versuchten, Ägypten durch militärische Aggression zur Rückgabe des Suezkanals zu zwingen u. sein Regime zu stürzen, während zur selben Zeit die Rote Armee den Ungar. Volksaufstand niederschlug, stellte die 3 Angreifer-Länder in der öffentl. Wahrnehmung auf die gleiche spätimperialistische Stufe. Die bis dahin „letzte Entfaltung des imperialen Machismo“ löste weltweit Empörung u. Kritik aus. Man kann sagen, daß die Suezkrise u. ihr zeitlicher Verlauf der Sowjetunion äußerst gelegen kam: die UN-Diplomatie waren durch die Suezkrise stark beschäftigt; sie fand in Öffentlichkeit u. Medien große Aufmerksamkeit.

Verlauf
Der eigentliche Volksaufstand dauerte vom 23.10. bis zum 4.11. Aber auch die Zeit danach war durchsetzt von Verfolgung u. Niederschlagung der letzten Widerstand leistenden Gruppen.

Beginn – der 23. Oktober
Den Studenten der Techn. Universität Budapest wurde am 23.10. eine Demonstration zur Solidarität mit dem poln. Arbeiteraufstand genehmigt. 2 Tage zuvor hatte die poln. KP gegen den Willen der sowj. KP Gomułka zum KP-Chef gewählt, obwohl Chruschtschow u. zahlreiche Generäle 2 Tage zuvor zu einem unangemeldeten Besuch nach Warschau gekommen waren u. massiv Druck auf die poln. KP ausgeübt hatten.

Die Studenten wollten mit dieser Demonstration aber weitere politische Interessen kundtun. Sie trafen den Nerv der Ungarn, die sich zu Tausenden dem Demonstrationszug anschlossen. Der Zug endete zunächst am Josef-Bem-Platz auf der Budaer Donauseite, wo die Forderungen der Studenten verlesen wurden. Obwohl fast keine Verstärker verwendet wurden, strömten immer mehr Menschen zu dieser Massenkundgebung. Ein Teil der Demonstranten zog zum Parlament weiter, ein Großteil zum Rundfunkgebäude auf der Pester Donauseite. Dort wollten sie ihre Forderungen über den staatl. Sender verbreiten. Jedoch wurde aus dem Rundfunkgebäude das Feuer auf die Demonstranten eröffnet. Durch ungar. Soldaten gelangten die Demonstranten an Waffen, so daß sie sich zur Wehr setzen konnten; sie stürmten das Gebäude.

Am Abend versammelten sich ca. 200.000 Menschen vorm Parlament, forderten Meinungs- u. Pressefreiheit, freie Wahlen, mehr Unabhängigkeit von der Sowjetunion sowie die Ernennung des reformorientierten Kommunisten Imre Nagy zum Regierungschef. Nagy, der die Demonstranten aufforderte, nach Hause zu gehen, wurde überraschend noch in derselben Nacht vom Zentralkomitee der Partei der Ungar. Werktätigen zum Ministerpräsidenten berufen. Unterdessen hatte die Sowjetunion begonnen, militärisch einzugreifen, noch bevor Parteichef Ernő Gerő darum ersucht hatte. Allerdings gab er aus eigenem Antrieb noch am Abend desselben Tages Befehl, das Feuer auf die „waffenlose Masse“ zu eröffnen, obwohl er wenige Stunden zuvor das Gegenteil versprochen hatte. „Niemand hat die Toten dieses Abends gezählt.“
Im Laufe des Nachmittags hatten Demonstranten das Stalin-Denkmal auf dem Heldenplatz gestürzt u. mit einem Traktor vors Parlamentsgebäude gezogen .. Später wurde sie zerschlagen.

Vom 24. Oktober bis zum 4. November
Ab 24.10. weitete sich der Aufstand auf andere Städte aus. Es entstanden Arbeiter-, Revolutions- u. Nationalräte. Ein landesweiter Generalstreik setzte ein. Die ersten unabhängigen Zeitungen erschienen. Am 25.10. wurde der erste Parteisekretär Gerő abberufen und durch János Kádár ersetzt. Vor dem Parlamentsgebäude wurde geschossen. Ob es sich bei den Schützen um Angehörige des gefürchteten Staatssicherheitsdienstes ÁVH, der Roten Armee oder andere handelte, konnte nie ganz geklärt werden. Mehr als 100 Menschen starben bei diesem Vorfall. Am 27.10. gab Imre Nagy seine neue Regierung u. die Auflösung des ÁVH bekannt, am darauf folgenden Tag die Anerkennung der Revolution. Am 30.10. verkündete Nagy das Ende der Einparteienherrschaft u. bildete eine Mehrparteienregierung. Die Sowjetunion ließ sich zunächst scheinbar auf Verhandlungen über einen Abzug ein, bereitete jedoch bereits einen Angriff vor (sowj. Botschafter in Budapest war Andropow, der spätere KGB-Chef u. Generalsekretär der KPdSU). Am gleichen Tag wurde einer der bekanntesten Regimekritiker, der ungar. Kardinal Mindszenty, aus der Haft befreit. Es kam zu Lynchjustiz an Geheimdienstlern u. Parteifunktionären.

Nachdem Nagy am 1.11. die Neutralität Ungarns erklärte u. das Land aus dem Warschauer Pakt austrat, begannen die Truppen der Sowjetunion mit der Niederschlagung des Volksaufstandes u. besetzten u.a. das Parlamentsgebäude. Bewaffnete Gruppen nahmen den Widerstand wieder auf. Nach dieser „Absetzung“ der letzten Koalitionsregierung Nagys wurde am 4.11. in Szolnok folgendes Kabinett konstituiert, das sich als „Ungar. Revolutionäre Arbeiter- u. Bauernregierung“ bezeichnete:

   Ministerpräsident János Kádár, KP
   Stellv. Ministerpräsident, Armee- u. Polizeiminister Ferenc Münnich, KP
   Außenminister Imre Horváth, KP
   Industrieminister Antal Apró, KP
   Landwirtschaftsminister Imre Dögei, KP
   Handelsminister Sándor Rónai, KP, ehem. Sozialdemokrat
   Finanzminister István Kossa, KP
   Staatsminister ohne Portefeuille Marosán György, KP, ehem. Sozialdemokrat

4. bis zum 15. November

Vom 4.-15.11. tobten heftige Kämpfe im Land, speziell in der Hauptstadt Budapest. Die Zivilbevölkerung griff für die Regierung zu den Waffen, litt jedoch an Munitionsmangel u. war den sowj. Streitkräften an Personal u. Material hoffnungslos unterlegen, so daß die Niederlage vorbestimmt war. Die Kämpfe forderten auf ungar. Seite ca. 2500 Tote, die sowj. Truppen verloren nach eig. Darstellung 720 Mann. Einzelne Schätzungen gehen von höheren Zahlen aus ..

Vor u. während des Aufstandes wurde den Aufständischen über Radio Free Europe militärische Unterstützung durch den Westen versprochen, was dieser aber nach US-Regierungsdokumenten zu keinem Zeitpunkt beabsichtigte. Nichtsdestoweniger spornte dies die Aufständischen zu weiterem Widerstand an. Die gleichzeitig stattfindende Suezkrise u. die damit einhergehende Verstimmungen zwischen Frankreich/Großbritannien u. den USA verhinderten zusätzlich eine einheitliche Reaktion der Westmächte.

Zeit nach dem 16. November
Trotz des Einmarsches der Sowjetarmee leisteten immer noch einzelne Gruppen Widerstand. Doch mit der Zeit begann eine Massenflucht über das seit 1955 nicht mehr besetzte Österreich in den Westen. Die meisten Flüchtlinge wurden im Raum Wien gesammelt u. mit dem Notwendigsten versorgt. In Ost-Österreich entstanden eine Reihe von Flüchtlingslagern; zum Teil dort, wo 1 Jahr zuvor erst die sowj. Besatzungstruppen nach dem Staatsvertrag abgezogen waren, wie in Traiskirchen oder Schloss Liechtenstein in Maria Enzersdorf.

Da Österreich nicht alle Flüchtlinge aufnehmen konnte, wurden viele auf andere westliche Staaten verteilt. Die meisten Ungarn durften sich dabei ein Land u. mitunter eine bestimmte Region in diesem Land aussuchen. Viele davon gingen nach Übersee, etwa 70.000 blieben dauerhaft in Österreich. Insges. flohen über 200.000 Ungarn ins westl. Ausland, mehr als 70.000 davon über die Brücke von Andau, die über den Einser-Kanal führt. Um den Fluchtweg abzuschneiden, wurde die alte Holzbrücke am Nachmittag des 21.11.1956 gesprengt. Zum Gedächtnis wurde 40 Jahre später die Brücke von Andau in Zusammenarbeit österr. u. ungar. Pioniere wieder errichtet u. am 14.9.1996 feierlich eröffnet.

1957 gründeten geflüchtete Ungarn in Baden bei Wien das Orchester Philharmonia Hungarica, das seinen Sitz seit 1960 in Marl (Westfalen) hatte u. den künstlerischen u. faktischen Rang eines Staatsorchesters der BRD erreichte. Heute findet das Orchester seine Fortführung in der Neuen Philharmonia Hungarica.

Niederschlagung und „Säuberungen“
Imre Nagy wurde am 22.11. verhaftet, obwohl man ihm Straffreiheit zugesichert hatte, u. im Juni 1958 nach einem Schauprozess mit anderen Anführern des Volksaufstandes wie dem Verteidigungsminister Pál Maléter hingerichtet. 350 weitere Personen wurden hingerichtet, nach dem Erreichen seines 18. Geburtstages auch der Fachschüler Péter Mansfeld. Im Anschluss an den Aufstand kam es zu Säuberungswellen. Neuer Ministerpräsident wurde János Kádár, der außenpolitisch einen streng moskau-treuen Kurs verfolgte, nach einer Phase der Restauration innenpolitisch jedoch Reformen durchführte (siehe Gulaschkommunismus). Kádár war 1956-1988 Parteichef (Erster bzw. Generalsekretär der Ungar. Sozialistischen Arbeiterpartei). Ministerpräsident war er 1956-1958 u. von 1961-1965



.. Der Aufstand hatte sowohl nationalen als auch anti-totalitären Charakter.

Nationale Unabhängigkeit
Die Studenten der Budapester Techn. Universität forderten, als notwendige Voraussetzung für Reformen, den Abzug der sowj. Truppen u. darüber hinaus die Wiedereinführung der ungar. Nationalfeiertage u. Staatssymbole. Außerdem forderten sie die Entfernung der Stalin-Statue. Bezeichnenderweise begann ihre Demonstration am 23.10. am Denkmal des poln. Generals Josef Bem, der 1849 als Befehlshaber für die Revolution u. die nationale Unabhängigkeit kämpfte.

In Forderungskatalogen tauchte auch die Forderung auf, das Kossuth-Wappen, welches das Emblem der Revolution von 1848 u. 1946 Staatswappen war, wieder einzuführen, ebenso den 15.3. (Gedenktag der Revolution von 1848) als Nationalfeiertag, sowie die nach sowj. Vorbild gestalteten Uniformen abzuschaffen. Nach Ausbruch des Aufstandes wurde die Forderung erhoben, den 23.10. zum Nationalfeiertag zu erklären.

Die Forderung nach Überprüfung der internat. Vereinbarungen u. Außenhandelsverträge richtete sich gegen den Abhängigkeitsstatus gegenüber der Sowjetunion. Generell wurde die Beendigung der militärischen, politischen u. wirtschaftlichen Abhängigkeit gefordert.

Nach der sowjetischen Intervention am 24.10. hatte sich aus dem Aufstand gegen die stalinistische Diktatur ein nationaler Freiheitskampf entwickelt. Die wichtigste Forderung war nun der sofortige Abzug der gegen die Revolution eingesetzten sowj. Truppen. Ein Erfolg der demokratischen Umgestaltung schien nur ohne Präsenz sowj. Truppen möglich, da diese das alte System mit militärischer Gewalt verteidigten.

Um den 29.10. reichten die Entmachtung Ernő Gerős, des bish. Ministerpräsidenten András Hegedűs u. die Auflösung des Staatssicherheitsdienstes für eine Stabilisierung der Lage jedoch nicht mehr aus. Die bewaffneten Aufständischen, die politischen Gruppierungen, Arbeiterräte u. Revolutionskomitees forderten neben dem vollständigen Abzug der sowj. Truppen den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt u. die Erklärung der Neutralität Ungarns.

Demokratie und politische Freiheiten

In ihrer Erklärung forderten die Studenten der Techn. Universität Budapest ein Mehrparteiensystem, freie Wahlen u. bürgerliche Freiheitsrechte. Sie verlangten die Bestrafung der Schuldigen des Rákosi-Regimes, darunter Mátyás Rákosi u. der ehem. ZK-Sekretär Mihály Farkas, die Abschaffung der Ablieferungsquoten in der Landwirtschaft, das Streikrecht, Meinungs-, Presse- u. Versammlungsfreiheit.

Während der Demonstrationen am Nachmittag u. Abend des 23.10. forderten die Massen u.a. die Verlesung der studentischen Forderungen im Rundfunk u. die Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Imre Nagy. Die von den Studenten formulierten Forderungen wurden schnell Allgemeingut unter den Aufständischen. Die Arbeiterräte forderten ausnahmslos das Streikrecht. Der Arbeiterrat im Industrierevier Csepel forderte bereits am 24.10. ausdrücklich die Religionsfreiheit.
Nachdem am 25.10. Einheiten des Staatssicherheitsdienstes bei einer Demonstration vor dem Parlamentsgebäude durch Schüsse in die Menge mehr als 100 Menschen töteten, wurde überall die sofortige Auflösung des Sicherheitsdienstes gefordert. Ferner erhoben die Arbeiterräte, die ca. 1,5 Mio. Menschen vertraten, Anspruch auf Beteiligung an der Macht.

1991 wurde vom ungar. Parlament die Verjährung der Verbrechen rund um den Volksaufstand aufgehoben, um noch lebende Personen dem Gericht zuführen zu können.

Gedenken: 1991 wurde vom ungar. Parlament die Erinnerungsmedaille an den Ungar. Volksaufstand gestiftet.


Zuletzt von Dissident am Do Dez 28, 2017 2:20 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Ungarischer Volksaufstand

Beitrag von Dissident am Do Okt 20, 2016 10:18 am

http://wien.orf.at/news/stories/2804016/

WestLicht zeigt Ungarischen Volksaufstand

Anlässlich des 60. Jahrestages des Ungarischen Volksaufstandes zeigt das Fotomuseum WestLicht eine Ausstellung mit Dokumenten der Ereignisse, die im Herbst 1956 Tausende Menschen das Leben kosteten.

Die Ausstellung läuft vom 20. Oktober bis zum 11. November und vereint Arbeiten internationaler Fotografen und Fotografinnen, die im Herbst 1956 aus Budapest berichteten. Darunter etwa Magnum-Mitglied David Hurn, Mario De Biasi, oder Stern-Reporter Rolf Gillhausen, die jeweils einen eigenen Blick auf das Geschehen warfen.
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Mátyás Rákosi, geb. Rosenfeld

Beitrag von Dissident am Fr Dez 22, 2017 5:09 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A1ty%C3%A1s_R%C3%A1kosi - Mátyás Rákosi ursprünglicher Name bis 1904 Rosenfeld (1892-1971) .. jüdische Eltern .. diente während des 1.Weltkriegs in der österr.-ungar. Armee .. geriet in russ. Kriegsgefangenschaft .. wurde überzeugter Marxist u. kehrte nach Ungarn zurück, wo er 1919 Mitglied der Regierung der Räterepublik unter Béla Kun wurde. Als diese nach 4 Monaten scheiterte, setzte er sich nach Sowjetrussland ab. 1924 bei seiner Rückkehr nach Ungarn wurde er verhaftet u. inhaftiert. Nach Freilassung 1940 ging er erneut in die Sowjetunion, wo er zum führenden Komintern-Funktionär wurde .. Gegen Ende des 2.Weltkriegs kehrte er mit der Roten Armee in seine Heimat zurück.
„Stalins bester Schüler“
Nachdem Ungarn nach dem 2.Weltkrieg in den sowj. Machtbereich geriet u. die Kommunisten mit unsauberen Methoden an die Macht gelangt waren, wurde Rákosi zum Generalsekretär der Partei der Ungar. Werktätigen (MDP) berufen. Er führte die Partei sehr autoritär, festigte seine Macht u. organisierte 1945–1949 die schrittweise Sowjetisierung des Landes. Alle nichtstalinistischen Organisationen wurden verboten bzw. gleichgeschaltet. Rákosi bezeichnete sich selbst als „Stalins besten ungar. Schüler“. Für seine systematische Sowjetisierung griff er den vom politischen Gegner geprägten Begriff „Salamitaktik“ auf, um zu beschreiben, wie man eine demokratische Opposition Stück für Stück eliminiert. 1949 begann Rákosis Staatsterror. Die Sicherheitspolizei (AVO) ging energisch gegen alle Regimegegner vor, einige Tausend wurden dabei umgebracht.
1952 wurde Rákosi zusätzlich Generalsekretär der 1948 aus der Kommunistischen Partei u. der Sozialdemokr. Partei hervorgegangenen Partei der ungarischen Werktätigen. Somit wurde er auch Ministerpräsident u. legte den Ungarn eine sehr autoritäre Herrschaft auf. Das Land geriet in eine schwere Wirtschaftskrise mit massiver Verschlechterung der wirtschaftl. Verhältnisse u. einer Krise der Landwirtschaft. Deshalb wie auch wg. des Todes seines Förderers Stalin zwang ihn die sowj. Führung Juni 1953, das Amt des Ministerpräsidenten zugunsten von Imre Nagy aufzugeben. Er blieb jedoch Parteichef der Partei der Ungar. Werktätigen. Anfang 1955 riss die Gruppe um Rákosi die Macht wieder an sich. Nagy wurde am 14.4.1955 seiner Ämter enthoben u. Andras Hegedüs zu seinem Nachfolger bestimmt. Rákosi blieb aber weiterhin MDP-Generalsekretär, obwohl sich der ungar. Volksaufstand schon abzeichnete, u. ließ Tausende Regimegegner verhaften oder umbringen.
Am 25.2.1956 hielt Chruschtschow seine berühmt gewordene Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU; bald drang der Inhalt dieser Rede gegen den stalinistischen Personenkult in die anderen Ostblockländer durch. Juli 1956 musste Rákosi sein Amt als Generalsekretär der MDP niederlegen. Ernö Gerö wurde sein Nachfolger; Rákosi floh erneut in die Sowjetunion, wo er noch 15 Jahre lebte.
Schauprozess gegen László Rajk
In die Zeit der stalinistischen Diktatur Rákosis, u. unter seine persönliche Verantwortung (zusammen mit dem sowj. Geheimdienstchef Lawrenti Beria), fiel der Schauprozeß u. die anschl. Hinrichtung von Laszlo Rajk am 15.10.1949, eines populären ungar. Kommunisten, der den Krieg nicht wie Rákosi in der Sowjetunion verbracht hatte. Im Schauprozess wurden Rajk „Titoismus“ u. verräterische Zusammenarbeit mit den USA vorgeworfen. Nach dem Sturz Rákosis wurde der tote Rajk rehabilitiert.

https://en.wikipedia.org/wiki/M%C3%A1ty%C3%A1s_R%C3%A1kosi .. Ferenc Rákosi (later Biró, 1904–2006), an administrator, who also became active in Communist politics and was, for a time, General Manager of the Mátyás Rákosi Steel and Metal Works during his brother's rule ..
Rákosi's paternal grandfather participated in the Hungarian Revolution of 1848; as a result, he had to flee the village following the defeat. Rákosi's father, József Rosenfeld, was called "Kossuth's Jew" by the villagers, because he had been a member and avid supporter of the oppositionist Party of Independence and ´48. He changed his surname Rosenfeld to Rákosi in 1903 ..
Hungary agreed to pay war reparations totalling approximately US$300 million, to the Soviet Union, Czechoslovakia and Yugoslavia, and to support Soviet garrisons ..
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Ernő Gerő oder Singer

Beitrag von Dissident am Do Dez 28, 2017 2:34 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Ern%C5%91_Ger%C5%91  Ernő Gerő (eigentlich Ernő Singer; 1898-1980), Politiker u. sowj. NKWD-Agent. 1956 war er kurzzeitig Parteichef der ungar. KP u. in der gesamten ungar. Stalin-Ära einer der gefürchtetsten Verkörperer des Unterdrückungsapparates. Wahrscheinlich war er es, der am 23.10.1956 der Staatssicherheitspolizei AVH den Schießbefehl auf die Demonstranten erteilte, was als einer der Hauptauslöser des Ungar. Volksaufstandes gilt.

Er .. entstammte einer jüdischen Familie. Sein Vater Móric Singer war Bankbeamter .. 1918 brach Gerő das Studium ab u. trat zunächst dem Sozialistischen Arbeiter-Jugendverband sowie kurz darauf der Kommunistischen Partei Ungarns bei. Während der kommunistischen Räterepublik 1919 war er in der Kommunistischen Arbeiter-Jugendbewegung tätig u. Mitglied der ungar. Roten Armee, ohne jedoch an den Fronten eingesetzt zu werden. Nach Sturz der Räterepublik am 1.8.1919 begab er sich auf die Flucht über mehrere Länder, 1922 wurde er in Deutschland verhaftet u. über Österreich nach Ungarn abgeschoben, wo inzwischen die Monarchie wiederhergestellt worden war u. das  Horthy-Regime herrschte. Auf deren Betreiben wurde Gerő zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, jedoch bereits nach 2 Jahren, 1924 in die Sowjetunion entlassen.

Sowjetunion und Spanischer Bürgerkrieg
In der Sowjetunion ging Gerő zunächst auf die Internat. Lenin-Schule, nahm die sowj. Staatsbürgerschaft an u. wurde Agent des NKWD. Außer ungarisch u. russisch sprach er deutsch, spanisch u. französisch, was ihm eine Agententätigkeit unter zahlreichen versch. Identitäten ermöglichte. Als solcher fungierte er im Zentralkomitee der Kommun. Internationale, vor allem aber im Spanischen Bürgerkrieg, wo er unter Decknamen Pedro Rodríguez Sanz (oder auch nur ‚Pedro‘) einer der wichtigsten NKWD-Handlanger auf der republikanischen Seite war. So war er 1937 an der wahrscheinlich von Stalin veranlassten Verschleppung u. Ermordung des Führers der marxistischen Einheitsfront POUM, Andreu Nin persönlich beteiligt.

Im stalinistischen Ungarn nach 1945

Während des 2.Weltkriegs, in welchen Ungarn auf deutscher Seite kämpfte, hatte sich Gerő abermals in der Sowjetunion aufgehalten u. dort mit weiteren ungar. Kommunisten die Wiederaufnahme der politischen u. medialen Aktivität der Partei in seiner Heimat vorbereitet. Nach dem Sturz des seit 1944 an der Macht befindlichen Regimes im April 1945 kehrte er nach Ungarn zurück u. gehörte von Anfang an dem inneren Führungskreis der ungar. KP an, an deren schrittweise erfolgenden totalen Machtübernahme er maßgeblich beteiligt war. Bereits während der seit Herbst 1944 beginnenden Besetzung Ungarns durch die sowj. Rote Armee hatte er als Vertrauensmann Stalins Aufgaben im Sicherheitsdienst übernommen. Lt. Sandor Kopacsi, Budapester Polizeipräsident im späteren stalinistischen Regime unter Parteichef Rakosi, war Gerő die Nr.1 des sowj. Geheimdienstes in Budapest. Vor allem in seiner Funktion als Innenminister u. stellv. Ministerpräsident von 1952-1954 war er in Ungarn einer der gefürchtetsten Politiker des stalinistischen Unterdrückungs- u. Terrorapparates. Wichtigste Stütze bei Verfolgung u. Misshandlung von Regimegegnern war dabei die ungar. AVH, welche zur damaligen Zeit tausende verhaftete oder ums Leben brachte.

Während der Entstalinisierung nach 1953
Mitte 1953, als nach dem Tod Stalins im Ostblock die „Entstalinisierung“ begann, wurde in Ungarn der Reformkommunist Nagy Ministerpräsident. Um diese Zeit – einige Jahre vor dem Ungar. Volksaufstand – wurde Gerő auch stellv. Parteivorsitzender der KP. Als solcher war er in den wiederholten Machtkampf zwischen dem stalinistischen Rákosi u. dem Reformer Nagy involviert. Am 14.4.1955 wurde Nagy wg. „Abweichung“ all seiner Ämter enthoben u. einige Monate später aus der Partei ausgeschlossen.
In der nun folgenden restaurativen Phase wurden viele der Reformen von 1953-1955 wieder rückgängig gemacht, bis im Febr.1956 die berühmt gewordene Geheimrede Chruschtschows gegen den stalinistischen "Personenkult" durchsickerte. Am 17.6.1956, als sich ein Volksaufstand schon abzuzeichnen begann, musste der landesweit verhasste Rákosi auf sowj. Druck als KP-Generalsekretär zurücktreten. Im Zuge der „2. Entstalinisierung“ wurde nun Gerő zum neuen Parteichef bestimmt. Auch dies mehrte die gärenden Unruhen im Lande, u. insbes. die Studenten u. Intellektuellen empfanden diesen rückschrittlichen Wechsel als äußerst unbefriedigend.

Gerő und der Ungarische Volksaufstand
Als auch in anderen Ländern des Ostblocks eine Überprüfung der Parteilinie gefordert wurde u. in Polen die Niederschlagung des Posener Aufstandes der Arbeiter begann, kulminierte die Stimmung gegen das KP-Regime auch in Ungarn. Am 23.10.1956 begann der Ungar. Volksaufstand mit einer bewilligten Demonstration der Studenten der TU Budapest („Solidarität mit Polens Arbeitern“). Nach Verlesung ihrer politischen Forderungen schlossen sich bis zum Abend 300.000 Ungarn spontan an. Die Bewegung griff schon am nächsten Tag auf alle Großstädte des Landes über.
Auf Forderungen nach Demokratisierung u. Wiedereinsetzung Nagys als Ministerpräsident antwortete Gerő mit der Alarmierung sowj. Truppen u. einer Rundfunkrede, welche die Gemüter zusätzlich erhitzte, nachdem Gerö darin die Ereignisse als „Konterrevolution“ bezeichnet u. die Demonstranten als „Chauvinisten, Antisemiten, Reaktionäre“ sowie als „Pöbel“ diffamiert hatte. Dann eröffneten Einheiten der Staatssicherheitspolizei ÁVH das Feuer auf die Demonstranten vor der Rundfunkzentrale, was als einer der Auslöser des Volksaufstandes gilt. Teile der Bevölkerung bewaffneten sich, kämpften gegen sowj. Truppen u. die ÁVH, stürzten die Budapester Stalinstatue u. erzwangen Gerős Rücktritt. Imre Nagy wurde wieder Ministerpräsident.
Der 25.10. („Blutiger Donnerstag“) brachte schwere Kämpfe im ganzen Land u. ÁVH-Massaker vorm Parlament u. in der Provinzstadt Mosonmagyarovar. Die sowj. Führer Mikojan u. Suslow kamen nach Budapest u. setzten Gerő auch als KP-Chef ab; sein Nachfolger wurde Janos Kadar, doch auch dieser konnte die Lage nicht mehr beruhigen.
Während der 5-tägigen Kämpfe u. eines Generalstreiks bildeten sich Arbeiterräte in Fabriken u. Bergwerken, u. Nationalkomitees übernahmen die Provinzen. Oberst Pal Maleter hielt die wichtige Kilián-Kaserne gegen die sowj. Truppen. Die Regierung nahm auch Nichtkommunisten auf u. ordnete am 28.10. eine allg. Feuerpause an. Nagy führte wieder ein Mehrparteiensystem ein, löste die ÁVH auf u. verkündete den Abzug der sowj. Truppen, mit denen Gerő das Land verließ.

Nach seiner endgültigen Entmachtung 1956
Erst lange nachdem der Volksaufstand im Nov.1956 durch Kádár mit sowj. Hilfe blutig niedergeschlagen worden war, kehrte Gerő 1960 nach Ungarn zurück. Dennoch wurde ihm durch das Kádár-Regime jegliche politische Zukunft verwehrt, nachdem ihm bereits 1957 in Abwesenheit sein Parlamentsmandat entzogen worden war. 1962 wurde er schließlich aus der KP ausgeschlossen. Seitdem verbrachte er ein Leben in Zurückgezogenheit u. verdingte sich zeitweise als Übersetzer.

https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Ern%C5%91_Ger%C5%91 .. Wie schon in anderen Wikipedia Biografien festgestellt, ist der Artikel über Ernö Gerö unvollständig u. inkorrekt. Gerö hat eine wesentliche Rolle im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939 gespielt, u. zwar im Namen der Komintern u. Stalins. Er hat insbes. die Bekämpfung der Anarchisten u. die Übernahme der Macht durch die Kommunisten in Katalonien massgeblich geleitet, mit allen stalinistischen Merkmalen .. Seine Mitkämpfer in Spanien, sei es in Ungarn oder in Prag wurden hemmungslos geopfert u. hingerichtet. Nachzulesen in ' der spanische Bürgerkrieg' von Antony Beevor, 1982 u. 2006 ..
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Mihály Farkas = Hermann Lőwy

Beitrag von Dissident am Do Dez 28, 2017 3:14 pm

https://en.wikipedia.org/wiki/Mih%C3%A1ly_Farkas  Mihály Farkas (born Hermann Lőwy; 1904-1965) was a Hungarian Jewish Communist politician ..

https://de.wikipedia.org/wiki/Mih%C3%A1ly_Farkas .. 1919 wurde er mit 15 Jahren Sekretär einer Jugendorganisation in Kosice. 2 Jahre später schloss er sich der KP in der Tschechoslowakei an. Für seine Aktivitäten in der KP wurde er 1925 mit einer Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren belegt. Nach Ablauf der Haft wurde er Delegierter in der kommunistischen Abteilung von Young Workers, für die er von 1932-1935 in Westeuropa arbeitete.
1936-1937 kämpfte er im Span. Bürgerkrieg u. kehrte 1937, 2 Jahre vor Ende der Konflikte in Spanien, in seine Heimat zurück. Auf Bitten vo Matyas Rakosi wurde Farkas von der Moskauer Zentrale der Kommunistischen Jugendinternationale zur KP Ungarns versetzt. Nachdem er im 2.Weltkrieg an der Front kämpfte, gründete er zusammen mit Rákosi u. Ernö Gerö im Nov. 1944 die ungar. KP neu. Farkas war Mitglied des Zentralkomitees. Er war für Militär u. Polizei zuständig .. Sept. 1948 übernahm er den Posten des ungar. Verteidigungsministers. Als Inhaber dieses Amtes trieb er den Aufbau der ungar. Armee als Bündnispartner der Sowjetunion voran. Als Anlehnung an Stalins politische Säuberungen, wo regimekritische Personen oder andere Völkergruppen verfolgt, gefoltert u. in Straflagern getötet wurden, organisierte Farkas zusammen mit seinen kommunistischen Compagnons wie Gerö u. Rakosi politische Säuberungen in Ungarn. So z.B. warfen Farkas u. seine Freunde den Juden vor, eine zionistische Verschwörung gegen den Judenretter aus dem 2.Weltkrieg, Raoul Wallenberg, gemacht zu haben, die zu dessen Tod führte. In Wahrheit jedoch wurde Wallenberg nach dem Krieg in ein sowj. Lager verschleppt u. starb dort. Den Vorwurf an die Juden nutzten die Kommunisten, um diese zu foltern u. zu ermorden. Weitere berühmte Opfer der Säuberungen in Ungarn waren Laszlo Rajk, früherer Außenminister, u. der spätere Parteichef Janos Kadar. 1953 wurde Farkas aus all seinen Ämtern entlassen, was aber die sowj. Regierung revidierte. Stattdessen wurde Farkas Leiter der Abteilung für Agitation u. Propaganda im Zentralausschuss der Partei der Ungar. Werkstätigen (=KP).
Kurze Zeit nachdem er das Amt des Leiters der Abt. f. Agitation u. Propaganda übernommen hatte, ging er in die Offensive gegen Imre Nagy, der einen Reformkurs anstrebte. Das bedeutete jedoch das Ende seiner politischen Karriere. Zwar blieb er bis 1955 Mitglied des Zentralausschusses, wobei er weiterhin öffentlich Kritik übte an dem neuen Machthaber in Ungarn. 1955 verlor er dann aber seine Posten im Zentralausschuss u. wurde in die russische Militärakademie versetzt. Im März 1956 ermittelte der Zentralausschuss der KP gegen ihn wg. seiner Beteiligung an den Schauprozessen in Verbindung mit der stalinistischen Säuberung. Er wurde in der Armee vom General zum Soldaten degradiert u. wurde wenig später verhaftet. Kurze Zeit später verbreitete sich das Gerücht, daß Farkas von ehem. Säuberungsfreunden ermordet worden sei, damit er keine anderen belaste. Das stellte sich jedoch als falsch heraus. 1957 wurde Farkas zu 6 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde wenig später auf 16 Jahre erhöht, nachdem der Fall neu aufgerollt worden war. Nach knapp 4 Jahren Haft wurde er aber 1960 begnadigt.

https://en.wikipedia.org/wiki/Mih%C3%A1ly_Farkas .. He was released from prison in 1961 and spent his last years working as an editor in Budapest, where he died in 1965. His son Vladimir was a colonel of the security police during the Rákosi regime ..
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Re: Ungarischer Volksaufstand

Beitrag von Dissident am Do Dez 28, 2017 3:46 pm

http://david.juden.at/kulturzeitschrift/70-75/74-perfler.htm .. Budapest, die Geburtstadt der Väter des Zionismus, Theodor Herzl und Max Nordau, war zu dieser Zeit ein Zentrum jüdischer Kultur und Gelehrsamkeit ..

.. In der kommunistischen Ära waren viele Juden in der politischen Elite zu finden. Ab 1947 gab es eine jüdische Führungsspitze in der kommunistischen Partei Ungarns, das sogen. Vierergespann. Mátyás Rákosi, Ernö Gerö, Milhály Farkas und Jozsef Révai dominierten die Politik, alle vier waren Juden.

Für die ungarische Öffentlichkeit wurden die Jahre 1947 bis 1956 als eine Periode der jüdisch- politischen Dominanz empfunden.

In dieser Beziehung war die Situation in Ungarn ähnlich wie in anderen realsozialistischen Staaten.

Dort wurde von der Bevölkerung eine scheinbar enge Verbindung zwischen Juden und Kommunismus angenommen.

..  Ab den späten 50er Jahren wurde das Klima günstiger für die jüdische Bevölkerung. Das kommunistische Regime gewährte ihnen im Land allerdings keinerlei Unterstützung.

In Budapest existierte das Rabbinerseminar weiter, von den Machthabern geduldet. Es war das einzige in der kommunistischen Welt ..

Sind Juden Ungarn? In der Zwischenkriegszeit wurde diese Frage mehrheitlich verneint und hatte eine ausgrenzende, antijüdische Gesetzgebung zur Folge.

Auch heute gibt es Ungarn, die diese Frage mit Nein beantworten würden ..

https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-531-90507-5_5 .. Alexandr Solschenizyn behauptet unter Verweis auf ein Buch von Andrew Handler u. Susan V. Menschel mit Erinnerungen emigrierter ungar. Juden, daß der ungar. Volksaufstand 1956 einen antisemitischen Charakter gehabt habe u. die Historiker dies verschweigen würden. Der Grund dafür sei nach seiner Meinung vermutlich die Tatsache, daß unter den Angehörigen der ungar. Staatssicherheitsbehörde ÁVH in der Mehrzahl Juden gewesen seien. Er riskiert sogar die These, der Westen habe den Aufstand wegen der ihn begleitenden antisemitischen Ausschreitungen nicht unterstützt ..
Die Sowjetunion hingegen hätte es für besser erachtet, die Judenfeindlichkeit des ungar. Volkserhebung gar nicht zu erwähnen ..




Zuletzt von Dissident am Do Dez 28, 2017 4:24 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Georg Lukács

Beitrag von Dissident am Do Dez 28, 2017 3:54 pm

http://de.metapedia.org/wiki/Georg_Luk%C3%A1cs - Georg Lukács, eigentlich György Lukács de Szeged, (1885-1971) war ein jüdischer Literaturhistoriker u. „Kulturphilosoph“. Lukács war ein fanatisch kommunistischer jüdischer „Theoretiker“ u. einer der einflußreichsten marxistischen Ideologen. Er gilt (zusammen mit Ernst Bloch, Antonio Gramsci u. Karl Korsch) als bedeutender Erneuerer einer marxistischen Philosophie u. Theorie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Sein Vater, der eigentlich Josef Löwinger hieß, sich dann aber von Lukacs nennen konnte, war Direktor der Budapester Kreditbank. 1904 gründete der junge Lukács die Thalia-Bühne in Budapest, gemeinsam mit Sandor Hevesi u. Laszlo Banoczy. Er studierte in Budapest Philosophie u. Staatswissenschaften u. promovierte dort 1906 zum Dr. phil. 1909-10 trieb er weitere Studien in Berlin, wo der Philosoph u. Soziologe Georg Simmel sein Lehrer war. Damals veröffentlichte Lukács, der bereits 1908 seinen ersten Literaturpreis erhalten hatte, die Bücher „Die dramatische Folge“ u. „Methodologie der Literaturgeschichte“. Er schloß damals Freundschaft mit Ernst Bloch.
1911 begann György-Georg Lukacs sich an Karl Marx u. Moses Hess zu orientieren u. veröffentlichte die Essays „Die Seele und die Formen“ sowie 2 Bände „Entwicklungsgeschichte des modernen Dramas“. Danach ging Lukács an die Uni Heidelberg, wo er Max Weber befreundete u. dem Kreis um Gundolf u. Stefan George angehörte. 1913 wurde seine „Ästhetische Kultur“ veröffentlicht, 1911-17 führten Lukács außerdem ausgedehnte Reisen nach Deutschland u. Frankreich.
1919 wirkte er als stellv. Volkskommissar für Unterrichtswesen in der ungar. Sowjetrepublik unter Bela Kuns Führung u. war außerdem Kommissar der 5. Roten Division. Lukács unterstützte aktiv den roten Terror; als politischer Kommissar ließ er in der Niederlage bei Tiszafüred, im Dorf Poroszlo 8 Leute erschießen. Als Volkskommissar initiierte er ein Programm, das als Kultureller Terrorismus bekannt wurde u. das Kinder u.a. in Geschlechtsverkehr u. „freier Liebe“ unterrichte. Außerdem lehrte es sie, daß der Kodex der Mittelklassefamilie archaisch, die Monagamie überholt u. Religion den Menschen alle Freuden vorenthalte u. irrelevant sei. Damit kann Lukacs' Kultureller Terrorismus als Vorläufer der Frühsexualisierung betrachtet werden, die in zunehmenden Maße seit Mitte des 20. Jahrhunderts an europäischen u. US-Schulen betrieben wird.
Nach Niederwerfung der Räterepublik flüchtete Lukacs nach Wien u. Berlin, wo er der KPD angehörte u. maßgeblicher KP-Publizist war. 1923 gründete Lukacs mit anderen jüdischen Intellektuellen das dem Marx-Engels-Institut in Moskau nachempfundene Institut für Sozialforschung an der Uni Frankfurt am Main, welches später als Frankfurter Schule bekannt wurde.
1929-1944 hielt er sich in Moskau auf. Zahlreiche Hymnen auf Stalin aus seiner Feder sind überliefert. 1945-1958 lehrte er als Prof. an der Uni Budapest. 1956 war er Minister für Volksbildung in der Regierung Nagy, die durch den Einmarsch der Sowjets beseitigt wurde. Lukacs wurde für einige Zeit nach Rumänien deportiert. Ihm gelang es, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen u. sich mit den Machthabern in Budapest auszusöhnen. Lukács starb 1971 in der ungar. Hauptstadt.
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Gábor Péter

Beitrag von Dissident am Do Dez 28, 2017 4:39 pm

http://www.ungarninfo.org/index.php?id=860&tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_post&tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=910

.. Am 29.5.1949 war Laszlo Rajk noch mit seiner Frau bei Rákosi zum Mittagessen eingeladen.
János Kádár, Rajks bester Freund, traf ihn am nächsten Tag zu einem Schachspiel. Nach etwa einer Stunde erklärte Kádár seinem Freund: "Du bist schachmatt!"
Kurze Zeit danach erschien General Gábor Péter, der langjährige Leiter der politischen Polizei (PRO) und des späteren Staatsschutzes (ÁVO, ÁVH) mit seinen Sicherheitsoffizieren bei Rajk um ihn zu verhaften.

Dass Rákosi und Kádár ein ganzes Jahr an den Vorbereitungen zu dieser Festnahme arbeiteten zeigt die hinterlistige und kaltschnäuzige Menschenverachtung dieser Tyrannen ..

Die Prozesse verliefen alle nach dem gleichen Muster. Die Anklagepunkte waren:
"Verrat an der kommunistischen Sache und der Partei, Spionagetätigkeit für Tito und den Imperialismus, Verschwörung mit dem Ziel eines Umsturzes"!
In den Kellern des Hauptquartiers des Staatsschutzes in der Andrássy u. 60, der Kozma u. 13 oder anderen Gefängnissen wurden viele "Geständnisse" durch Folterungen und sadistische Quälereien erzwungen ..
Viele wurden in "Arbeitslager" in der ungarischen Tiefebene deportiert! ..

.. Im Frühjahr 1989, als man nach mehrmonatiger Suche die Gräber gefunden hatte, wurde mit der Exhumierung der sterblichen Überreste Imre Nagys und seiner politischen Weggefährten begonnen, die bisher in nicht gekennzeichneten Gräbern auf dem Friedhof von Rákoskeresztúr verscharrt waren.
Die veröffentlichten Bilder der exhumierten Toten wurden in den Augen der Bevölkerung zu einer schwerwiegenden moralischen Hypothek des Kádár-Systems.

https://en.wikipedia.org/wiki/G%C3%A1bor_P%C3%A9ter .. Gábor Péter (born as Benjámin Eisenberger, 1906-1993) was a Hungarian Communist politician, of Jewish origin. Between 1945 and 1952 he was the absolute leader of the State Protection Authority which was responsible for much cruelty, brutality and many political purges.
.. 1931, he joined the Hungarian Communist Party. At this time he was a lover of Litzi Friedmann the future first wife of Kim Philby, a member of the Cambridge Five ..
January 1945, he was appointed as leader of the Budapest Police Main Command Political Department (PRO), the Hungarian secret police. Péter's career rose quickly then: he became leader of the Hungarian State Police State Protection Department (ÁVO) then the State Protection Authority (ÁVH).
In 1952, he was discharged from his position because he was Jewish. Later he was arrested in Matyas Rakosi´s Villa. According to historian Tibor Zinner, Gábor Péter was present on an official visit. Unexpectedly a handcuff clicked on his hand put back. After that Mihaly Farkas stepped forward from behind the curtain and said: "the game is over". Gábor Péter's wife, Jolán Simon, who served as Rákosi's secretary, was also arrested.
In 1954, a court martial sentenced him to life imprisonment. He was accused of being a Zionist spy who cooperated with Laszlo Rajk, Rudolf Slansky and other "agents of international Zionism". In 1957, his term of imprisonment was significantly reduced and in 1959, he was released. After that he worked as a librarian.
On 23 January 1993, at the age of 86, Péter died of natural causes in a Budapest hospital, Hungary. He was nearly blind. He was survived by his wife, Jolán Simon
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Re: Ungarischer Volksaufstand

Beitrag von Dissident am Fr Dez 29, 2017 3:29 pm

https://de.wikipedia.org/wiki/Imre_Horv%C3%A1th  Imre Horváth (1901-1958), ungar. Diplomat u. Politiker der ungar. KP, der Botschafter in versch. Staaten sowie zeitweise Außenminister war .. 1919 gehörte er zu den Mitgründern der Ungarischen KP .. nahm in der Folgezeit als Politkommissar des 53. Infanterieregiments sowie des 46. Infanterieregiments an versch. Kampagnen teil. Aug.1919 wurde er festgenommen u. befand sich bis 1920 in einem Internierungslager. Nach seiner Freilassung war er maßgeblich an der Reorganisation der illegalen KMP in Ungarn beteiligt, wurde aber bereits im Frühjahr 1921 abermals verhaftet u. zu 10 Jahren Haftstrafe verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustausches reiste er im Frühjahr 1922 in die Sowjetunion u. war dort zunächst als Arbeiter in einer Maschinenfabrik beschäftigt, ehe er 1926 Bibliothekar am Marx-Engels-Institut wurde u. danach 1928/1929 Mitarbeiter am Moskauer Institut für Geodäsie war.
1933 wurde Horváth von seiner Partei nach Ungarn zurück beordert, wo er jedoch bereits Nov.1934 abermals festgenommen wurde u. die nächsten 10 Jahre im Stern-Gefängnis in Szeged verbrachte. Nach der Besetzung Ungarns durch Deutschland im Rahmen des Unternehmens Margarethe im 2.Weltkrieg wurde er ins KZ Dachau gebracht.
Politische Laufbahn in der Nachkriegszeit und in der Volksrepublik Ungarn
Nach seiner Rückkehr nach Ungarn Okt.1945 wurde Horváth als Diplomat in den auswärtigen Dienst übernommen u. war zunächst Erster Sekretär sowie später Botschaftsrat in der Sowjetunion. Im Anschluss war er zwischen Mai 1948 u. Sept.1949 Vertreter der ungar. Regierung bei der Sowj. Militäradministration Deutschland (SMAD) in Berlin.
Nach versch. Verwendungen im Außenministerium wurde er Sept.1951 Botschafter in den USA sowie anschl. Sept.1953 Botschafter in Großbritannien, ehe er zwischen April 1954 u. Juni 1956 Botschafter in der Tschechoslowakei war.
Nach seiner Rückkehr wurde er Juni 1956 zunächst Präsident des Instituts für Kulturverbindungen, bereits am 30.7.1956 jedoch als Nachfolger von Janos Boldoczki Außenminister. Dieses Ministeramt bekleidete er mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung vom 1. bis zum 4.Nov.1956 als Imre Nagy Außenminister war, bis zu seinem Tod. Daneben war er von Nov.1956 bis zu seinem Tod auch Mitglied des ZK der MSZMP.
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Re: Ungarischer Volksaufstand

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